Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7713

374 Elisabeth .
„ England verbannen würde , wie auch nachdem geschehen ist : und dem „ Könige , ihrem Gemahle , sehr angelegen , ihr den Kopf abschlagen zu „ lassen , da sie im Towr zu London gefangen gewesen . Allein der Kö - „ nig Philipp der II , hat sich stark dawider gesetzet , aus Furcht , eSmoch - „ te der Elisabeth Erbinn , Maria Stuart , die damalige Gemahlinn , „ Franciscus des II , durch ihre Erbfolge , Königinn von ganz Großbri - „ rannten werden ; und dasselbe mit Frankreich vereinigen , welches un - „ fehlbar hatte erfolgen müssen , wenn sie Kinder gehabt , durchweiche „ Vereinigung so vieler Königreiche eine so furchtbare Macht erwachsen „ seyn würde , die alle seine weitläuftigen Anschlage zu einer Universal - „ Monarchie in Wind und Rauch verkehret hätte . „ ( Bohun , von der königlichen Societät , in seinem Traktate , du Cara & ere de la Reine Elizabeth , in« Französische übersetzet , und 1694 im Haag gedruckt , be - kennet auf der - > Seite , daß eben dieselbe Staatseifersucht Philippen abgehalten , in den Tod der Elisabeth zu willigen . Da der Verfasser dieses unter währendem Kriege geschrieben , der 1678 zuNimwegen diget worden . so hat er nicht ermangelt , den Spaniern vorzuwerfen , daß sie dasjenige thaten , was sie so oft getadelt hätten : sie hätten mit Holland ein Bündniß gemacht , und so viele Bücher wider die Bündnisse Frankreichs , mit eben dieser Republik , und mit den Schweden heraus - gegeben : worauf er diese merkwürdige Worte dazu gesetzet : „ Also sieht „ jedermann , daß der Eigennutz die ganze Welt regiere : und wer will „ nicht sagen , daß ein großer Feldherr Recht gehabt , zu schreiben ; daß „ die Fürsten die Völker regierten , der Eigennutz aber die Fürsten be - „ herrschte . Dieß ist so wahr , daß man dieses Eigennutzens wegen , of - „ termals dasjenige in die Schanze schlägt , was unter den Menschen „ am heiligsten ist : und daß die meisten Regeuren die Regeln der Ge - „ rechtigkeit und Religion nicht weiter beobachten , als in so fern sie die - „ selben ihrem unglücklichen Eigennutze gemäß finden . , . Dieses tiget dasjenige unvergleichlich , was ich in der Anmerkung ( H ) des Artikels Agesilaus II , und in der Anmerkung ( C ) desAristides , von der Religion der Regenten gesaget habe . UebrigenS hat England nicht katholisch bleiben können , da der König von Spanien an einer Seite den Untergang der Elisabeth verhindert , und Der König . von Frankreich die gute Aufnahme dieser Prinzeßinn an dem römischen Hofe nicht zugelassen hat , ohne welchen ihr katholischer Glaube nicht leben können . Man sehe oben die aus dem Mezerai angeführte Stelle .
( H ) , - t Ein Umstand kannzureichend seyn , die ge der Undankbarkeit zu entkräften , die rvider sie angesteller worden . ^ Der Jesuit , der sich unter dem Namen , Andreas Philo , patrus , versteckt hat , ( e« ist Robert Persons gewesen . Man sehe den Alegambe 415 S ) um den Befehl zu widerlegen , den diese Prinzeßinn im >591 Jahre , wider die Papisten herausgegeben hat , hat einige An - merkungen darüber gemacht , daß sie sich über die Aufführung des Kö - niges von Spanien beklagt hätte . Dieß heißt , saget er , die Verbind - lichkeiten sehr schlecht erkennen , die sie diesen Monarchen schuldig war , welcher dreymal verhindert hat , daß sie nicht hingerichtet worden . Da er im Heumonate 1554 nach England übergieng , vermählte er sich mit der Königin» Maria , und fand dieselbe sehr geneigt , die Elisabeth , als eine Mitschuldige von der Verrärherey des Thomas Viat , hinrichten zu lassen . Andreas Philopatr . Refponfio ad Edidhim Reg . Angliae , pas . m . gg . 89 . Allein er hat sie davon abgewandt , und gar vermocht , daß sie der Elisabeth Zurückkunft an den Hof erlaubet . Man hat im Monate März >555 , eine neue Verrätherey entdeckt . Elisabeth ist als eine Mitschuldige in Verdacht gekommen , und man hat sehr ernstlich berathschlaget , nach der Schärfe der Gesetze , wider sie zu verfahren .
Dieß ist die Mcynung von den Rathen der Köniainn gewesen : allein der König Philipp und die Spanier , die ihm zu Rüthen dienten , ha - ben sie vermocht , ihr Gnade zu erzeigen , und sich mit dem Schlüsse '» begnügen , der Elisabeth zween katholische Edelleute zuzugeben , die auf chre Handlungen Acht haben sollten . Ebendaselbst 91 Seite . Sie hat sie so wohl zu bekriegen gewußt , daß sie . ohne daß selbige es gewahr wor . den , einen geheimen Anschlag geschmiedet , daß der nach Frankreich flüchtete Thomas Stassord , wieder nach England zurück gehen , den Ti - tel als König annehmen , und sich mit ihr vermählen sollte . Er ist auch in der That im Monate April 1557 wieder gekommen , und hat sich eines Seeplatzes bemächtiget , ist aber bald darauf gefangen , und mit einigen von seiner Pcirtey , am Leben gestraft worden . Elisabeth war damals in einer großen Gefahr , und würde der Todesstrafe nicht entgangen seyn , wenn ihr der Schutz des Königes von Spanien nicht aus der Sa , che geholfen hätte . Ebendaselbst . Ich will die Wahrheit oder Unwahr - heit dieser drey Verschwörungen nicht untersuchen : die Entscheidung da - von kann in den britannischen Historien gesehen werden : ich will nur sagen , daß der Vorwurf der Undankbarkeit , der auf diese drey Wohltha» ten des Königes Philipp« des II gegründet wird , ungerecht ist ; denn außer , daß er , seit dem Elisabeth den Thron bestiegen hatte , bis zur Zeit des Befehls vorn >59' Jahre , eine solche Aufführung gegen sie bezeiget , welche ihre geführte Klagen gerecht machte , die der verkappte Philopa - ter verdammet hat : so hat er deswegen keine Erkenntlichkeit verdient , dak er dieser Prinzeßinn das Leben gerettet ; weil er solche« nicht aus PiJL aeaen sie . sondern nur in Absicht auf seinen eignen Nutzen gethan ,
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lieh und hinlänglich erhalten hatte . Er hatte nicht aus Gut . gkeit also verfahren , sondern aus Bosheit wider Frankreich , oder wenigstens aus einer politischen Klugheit , die seiner Herrschsucht nützlich war . Wenn aber eine Wohlthat au« dieser Quelle entspringt , so muß man diejenigen , die sich beklaqen . daß man nicht erkenntlich dagegen ist , zu einer von den Fabeln des Phädrus verweisen .
Faceres fi caufa mea ,
Gratum eflet : . . . .
Nunc quia laboras , vt fruaris reliquiis ,
Qiias fnnt rofuri , fimul et ipfo« deuore« ,
Noli imputare vanum beneficium mihi .
Phaedri , Fab . XXII . Lib . I .
Hier ist noch eine andre Betrachtung : die Dankbarkeit unter Regenten ist nicht eben denselben Regeln unterwerfen , als die Dankbarkeit der Privatpersonen gegen Privatpersonen . Man hat Ludwigen den XII , sehr gelobt , daß er gesaget , es müsse ein König von Frankreich die Be - schimpfungen des Herzog« von Orleans nicht rächen . _ Es wird wenig fehlen , so hätte er mir eben demselben Rechte sagen können , der König
von Frankreich ist nicht verbunden , die dem Herzoge von Orleans er , wiesenen Dienste zu erkennen . Wollte man wohl glauben , daß ein Herzog von Orleans , der den Thron , vermittelst eines bürgerlichen Krie - ges , bestiege ; wobey er den Sieg dem mächtigen Beystande zu verdanken hätte , den ihm ein benachbarter Prinz geleistet , verbunden wäre , ein Bündniß mit diesem Prinzen , oder kein Bündniß mit den Feinden dieses Prinzen zu machen d Wenn er sich des Nutzen« seines Wohlthäters nicht annähme , würde er nicht undankbar seyn ? Würde er aber nicht noch undankbarer seyn , wenn er sich des Nutzens derjenigen Prinzen gar an - »lähme , die seinen Wohlthäter anfallen wollten ? Man darf zur Auf - löfung dieser Fragen nur einen Punct wissen . Erfordert es der Nutzen des Staat« , davon unser Herzog von Orleans Herr geworden ist . daß dieser benachbarte Prinz , der ihm so viel geholfen , seineMacht nicht ver - größere , und so gar einen Theil seiner Eroberungen verliere , die ihn sei - nen Nachbarn furchtbar machen ? In diesem Falle muß er die erhalte - nen Wohlrhaten vergessen , und sagen : der König von Frankreich dar ? dw Verbindlichkeiten des Herzogs von Orleans nicht halten ; er darf sich nicht aus Erkenntlichkeit , mit diesem angreifenden oder angegriffenen Prinzen , verbinden ; und er muß sich auch manchmal mit denen verei - nigen , die ihm den Krieg ankündigen . Dieß ist das Gesetze der Staats« kunst ; so ist die Rechtsgelehrsamkeit des Staats beschaffen : und ver - möge dieser Rechtsgelehrsamkeit , hat Elisabeth guten Grund gehabt , Philippen dem II , Hindernisse in den Weg zu legen . Die vereinigten Provinzen waren dieser Königinn , und Heinrichen dem I V , den allerstark« sten Stützen ihrer neugebohrnen Freyheit die größten Verbindlichkeiten schuldig . Nichts destoweniger hätten sie , wenn e« der Nutzen erfordert , entweder die Macht der Engländer , oder die Macht der Franzosen zu schwächen , mir den Feinden dieser zween Nationen zusammen treten müssen , und e« ist sehr wahrscheinlich , daß sie e« auch gethan haben den . Allein wie diese Staatskunst mit den ewigen Gesetzen der Moral zu vergleichen , und daß ein solcher Widerspruch unter den Pflichten der Privatpersonen , und unter den Pflichten der Regenten , kein Loch in die unveränderliche Gewißheit von den Begriffen der Ehrlichkeit und Tu - gend machet , dieß ist eine andre Frage . Es ist genug , daß in einem Staate , wo sich Gesellschaften finden , der gemeine Nutzen , in Ansehen eine« ansehnliches Theiles der Tugenden , eine Sonne ist . Diese Tu - genden sind Sterne , die bey Erscheinung dieses Nutzens verschwinden , und unsichtbar werden . Salus popiili liiprema lex efto . Naude rühret etwas hiervon in seinen Staatsstreichen .
( I ) Vielleicht bar diese Aufführung der protestantischen Re - ligion , bey der Staatsveränderung von 1686 , einen sehr großen Dienst geleistet . ] Ein feierliche« Versprechen . daß einem ganzen Volke gethan , und mit einem Eidschwure bekräftiget worden , das ist eine Brustwehre , die man nicht leicht verletzen kann , wenn man nicht seinem guten Namen Nachtheil zuziehen will . Man hat also Ursache , zu glau - ben , daß ein Prinz , der durch eine solche Versprechung gebunden ist , die - selbe halten sollte , wenn e« auch nur zur Vermeidung de« Schandflecks seiner Ehre geschähe : allein wenn man sieht , daß in gewissen Fällen ei - ne große Königinn , durch eine besondre Befteyung der Religionsmate - rien , ein Versprechen von dieser Art übertreten hat ; und dennoch diesem ungeachtet für eine Heldinn , und für das Wunder ihrer Zeit gehalten wird : so getraut man sich nicht mehr , sich auf die guten Wirkungen zu verlassen , welche die Furcht vor der Schande , daß man seinen Eid gcbro , chen , hervorzubringen vermögend ist . Also haben sich auch die Englan - der überreden können , daß sich Jacob der II , nicht vor den Übeln Folgen seines nicht gehaltenen Worts , in der Religion , fürchten und hoffen wür - de , daß sein Nachruhm dadurch keinen größern Nachtheil zu erdulden Hütte , als der Elisabeth ihrer , deren Fußtapfen er nur folgte . Da sie also keine Ursache gehabt , sich auf seinen Eid zu verlassen , so haben sie bey guter Zeit daran gearbeitet , ihn an der Nachahmung dieser Heldinn zu verhindern . Man sehe , wie es Dinge giebt , die auf vielerley Art , so wohl voritzo , als auf da« Zukünftige dienen . Ueberhaupt kann man versichert seyn , daß nicht« ist , das nicht seinen Nutzen in einem Staate haben sollte . Man sehe oben den Artikel Dolabella ( Publ . Cornelius ) , im Texte und die Anführung < - ) .
( K ) Die Lästerung bar ihr ärgstes Gift wider diese Roni - ginn ausgespieen . ^ Bohun beklaget sich namentlich über vier Schrift - steller , welche SanderuS , Florimond von Raimond , George Cone und ein Ungenannter sind , der den Didynms Veridicus herausgegeben hat . Er saget , Charaöere de la Reine Elifabeth , p . 412 . daß Sanderus , sich nicht begnügt , die Anna von Voulen zu schmähen , , - - sondern auch noch die Elisäberb läskern und verunebren wollen . Er hat in dieser Absicht verschiedene liederliche Mahrchen , unv die «llerschandlichsten Sariren wider sie und ihre Sraarsbe , dienten erfunden , und sich bemüher , dietvelr zu überreden , Öftsi sie des Raubes , der Unkeuschheit , der schändlichen Xvollust , des Betrugs , und entfeRlidrtc Falschheiten zum Verderben der englischen Nation schuldig gewesen . Der Urheber des Didymus , ( ebendaselbst 414 Seite . ) har unternommen , die Ghren durch die liederlichsten Redenzu verletzen , und den guten Namen der «llerbcrühmccsten princcßinn des Erdbodens zu Grunde zu rich - ren - - er hat eine Menge abgeschmackter und unglaublicher Dinge und Unwahrheiten erdacht , die den Vorstellungen und Phantasien der Poeren und Maler ähnlich sind . Man muß das - lenige nicht vergessen , was Bohun der Strafen halber bemerket , die wi - der die Schmähschriften eingeführet worden . Die V ? uth , saget er auf der 417 Seite , und die Unverschämtheit dieser Pasquillenschmie» de , haben die Roniginn vermocht , alle diejenigen , welche Sra - chelschriften oder Verse gemacht , den guten Namen anderer am zuschwärzen , sehr hart zu strafen ; sie har verkochen , dieselben auszubreiten und auch zu lest» , und sie durch - Henkershand ver * brennen lassen . Ihre Scharfe hat sich so gen

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