Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7654

Z68
Egiiatius .
EgMtlU^ , ( Johann Baptista ) einer von den gelehrten Männem des XVI Jahrhunderts , lehrte die schönen Wissen - fchafteinn Venedig , seinem Vaterlande , mit vielem Ruhme . Er machte sich der Jugend so nühlich , daß , da er bey seinem zunehmenden Alter anhielt , für emeritus erkläret zu werden , er solches nicht erhalten ( A ) ; weil man glaubte , es würde den Stu - dierenden nachtheilig seyn . Endlich hat er in seinem hohen Alter die gewünschte Erlassung erhalten , und von der Republik Ve - nedig ein rühmliches und einträgliches Zeugniß der besondern Hochachtung bekommen , die man gegen ihn hatte ( B ) . Die Werke , die er herausgegeben ( C ) , stellen sein Verdienst nur unvollkommen vor ; denn er hat viel besser geredet , als geschrieben , und er hat sein schönes Gedächtniß und den Umfang seiner Wissenschaft weit besser in seinen Vorlesungen und Unterredl» , gen , als in seinen Büchern , zu erkennen aegeben ( D ) . Er ist nicht weniger wegen seiner Tugend , als wegen seiner Gelehrsamkeit beliebt gewesen ( E ) ; und man giebt vor , daß sein gutes Leben dem geistlichen Stande Ehre gebracht , dem er sich gewidmet hatte a . Er ist achtzig Jahre alt , den 4 des Heumonats , 1553 , gestorben h , und hat seine Güter und seinen schönen Bücher - Vorrath drey erlauchten Familien in Venedig hinterlassen ( F ) . Kurze Zeit darauf hat man einen Brief herausgegeben . dar - innen man ihn beschuldiget , daß er weder in seinem Leben , noch in seiner Todesstunde einige Religion gehabt c . Ich have derswo gesaget daß er mir dem SabellicuS uneinS gewesen , und daßsiesich wieder versöhnet haben . Man giebt vor , daß er so empfindlich über die schriftlichen Beschimpfungen gewesen , die er vom Robortel erhalten hatte , daß er deswegen mit dem De - gen in der Faust Rechenschaft fordern wollen e . - Die Beurtheilung , die Teißier über Thuans Ueberfeßer gemacht hat , könnte viel weiter , und bis auf das Original selbst erstreckt werden ( . G ) . Es muß etwas wider den Moreri gesaget werden vH ) .
a ) Thuan . Libr . XII . pag . 253 . Siehe unten die angeführte Stelle , zu Ende der Anmerkung ( C ) . b ) Ebendaselbst , c ) Sieh« die Amerkung ( E ) . d ) In der Anmerkung ( ? ) des Artikels Sabellicus . e ) Siehe den Artikel - Hipponar , in der Anmerkung ( F ) , zu Ende .
( A ) Er hat ftcb der Jugend so nützlich gemacht , daß , da er bty seinem zunehmenden Alter anhielt , für emerilus erklarer ju werden , er solches nickt erhalten . ^ Dieses hat einer von seinen Schü - lern der Welt bekannt gemacht : Kos» qui iuuenes eramus , saget bastian CorraduS , in Quaeftura , zu Anfange , illum , cnius aetas iam ienefcebat , vt iam tum cefl'aret , imprudenter fortafle quidem , fed tarnen amice monebamus , illud vfurpantes :
t Sollte fenefeentem mature fanus equum , ne Peccet ad extremum rldendus , et Uta ducat .
Ille vero , qui vir prudentiffimus eilet , et optime , qui fit orbis in rebus humanis , noflet , vt in otium folitudinemque fe conferre cu - piebat , lic etiam faepe tentauit : fed , quod cupiebat , a Senatu Ve - neto , qui iuuentutem talis et tanti viri confuetudine fruchique pru uari nolebat , id nunquam , nifi fenex admodum , potuit impetrare .
( B } Er hat von der Republik Venedig ein rühmliches und eintragliches seugniß der Hochachtung bekommen , die man gc - gen ibn hatte . ] Er hat diese Gnade von dem Rathe erhalten , daß man ihm , ob er gleich nicht mehr lehrte , eben dieselbe jährliche Besvl - dung gegeben , als zu der Zeit , da er noch gelehret , und seine Güter sind , durch einen Nathsschluß der Zehner , von allen Arten der Abgaben srey gemacht worden . Diese Worte sind die Übersetzung , die Du Ryer von dieser Stelle Thuans gemacht hat : La8 ( bonos litterat ) non medio - cri ftudio illuftrauit , et feriptis et publica XL annorum profeflione cum summa totius Italiäe admiratione ; ob id ab illuftrilfiino Senatu eam gratiam confecutus , vt quanquam publica munere defunöus , eodem ftipendio , quod profitendo meruerat , quotannis donaretur , et eins bona ex Deeemuiralis Confilii decreto publica cenfu exime - rentur . Thuan . Libr . XII . p . 25z . col . 1 . aufS 1555 Zahr . Ghilini kräftiget dieses nicht vollkommen : er saget , daß EgnatiuS jährlich zoo Thaler Besoldung gehabt , so lange er Professor gewesen , und nack seiner Er - lassung 2oo . Theatro Parte I . p . 96 . 97 . Der kurze Lobspruch vom EgnatiuS , den man in dem nach seinem Tode herausgegebenen Tractate , de Exem - plis illuftriutn Virorum , findet , berühret diese Umstände nicht alle ; allein wir lesen dieses darinnen : Vir et feientia et religione infignis . . . adeo vniuerfae Venetae ciuitati ob fingularem eruditionem ac morum probitatem charus , vt ex Senatus decreto ducentis aureis numinis quotannis iam publico munere defunöus ac plane emeri . tus quoad vixerit donaretur .
( C ) Die werke , die er herausgegeben . ^ Gesner , in seiner Di» bliothek , auf dem 387 Bl . giebt dieses Verzeichniß davon : ve Romanis Principibus , vel Caefaribus libri tres . Dieß ist ein Werk , welches einen kurzen Auszug von dem Leben der Kaiser , bis auf den Constantin Pa ? laologuS , und von Carln dem Großen , bis auf Maximilian dem I ent - hält . Es ist von Meister Gottfried Tory r>on Dourges ins Fran - zosischeübersetzt , und diese Übersetzung >529 , zu Paris gedruckt worden . Siehe den Abt von Marolles , in seiner Augmentation de l'Hiftoire Romaine , Tom . II . p . 287 . Dieser Abt von Marolle« hat im >664 Jahre eine andere Übersetzung davon gegeben . Ghilini , Thoa - tro , P . L p . 97 . hat dieses Buch verdoppelt : denn er giebt uns das de CaefariDiis libri tres , als ein von dem de Romanis Principibus unterschiedenes Buch an . Auf diese Art haben die Vibliothekschreiber bey tausend Gelegenheiten , die Werke der Schriftsteller ungeschickt verviel - fältiger . Allein wir wollen fortfahren , den Gesner abzuschreiben : Item Annotationes in Vitas Caefarum apud Suetonium , nempe Aeliani , Spartiani , Iulii Capitolini , Lampridii , Flauii Vopifci , Trebeliii Pollionis , Vulcatii Gallicani . Diese Worte sind von GeSners Abkür - zern getreulich abgeschrieben worden : unterdessen war es doch leicht zu begreifen , daß sie voller Fehler sind . Nach Aeliani sollte kein Striche ! - che» stehen , und anstatt Aeliani sollte man Aelu lesen . Das ste ist , daß , da man dieselben für richtig hält , man mit aller Gewalt haben will . daßAelian , Spartian , ZuliuSCapitolin . Lampridus , Flaviu« Vopiseus , Trebellius Pollio , Vuleatius Gallieanus , römische Kaiser sind , deren Leben Sueton geschrieben hat . Allein dieses Vorgeben ist so ungereimt und ungeheuer , so . daß es fast keinen Schüler in der andern Classe giebt . der nicht darüber lachet . Wie hat sie denn in dem Geiste Zosias SimlerS und Johann ^aeobs Frisius für wahr gelten können , die einen Auszug und Zusah „ im GeSner gemacht haben ? Sie sind weit weniger zu entschuldigen , als Gesner ; denn . wenn er auch die Probebogen gesehen hat , so hat er dennoch die Auslassungen des Druckers übersehen können . Es geschieht nur mehr , als zu oft , daß man die Probebogen verbessert , da man den Kopf von demjenigen noch ganz voll hat , was man aufs Papier gebracht hat , daß man sie auswendig lesen kanu , ohne dasjenige gewahr zu «verden , was die Setzer überhüpft haben . Die andern Bücher des EgnatiuS , die GeSner anführet , sind : de Origine Turca - rum : Obferuationes in Ouidium : Interpretamenta in familiäres Epi - ttolas Ciceronis : Panegyricus in Francorum Regem' : ( der Auszug
GesnerS bemerket , daß er >540 zu Venedig gedruckt worden . ) Racetna . tiones , quae obfeuriores aliquot Authorum locos interpretantur : ( . GruteruS hat sie dem I Bande des Thefaur . Critic . eingerückt . ) E - xemplorum libri nouem . Ghilini versichert , daß die Noten dieses Seribenten , in Diofcoridem ab Hermolao Barbaro translatum , die Rede , ad meretrices , und 7° andere Reden das Licht gesehen haben . Der Abt von MarolleS beobachtet Augment , de 1' Hift . Romaine , Tom . II . p . 287 . daß der kleine Traetat , von dem Ursprünge der Tür - ken , den unser EgnatiuS aufgesetzet , sich in der Sammlung gen U ? erk'e gedruckt findet , welche die Regicrungshistorie der Türkey und des ottomannischen Reiches , betreffen , bey Johann Vporm , >556 . Man merke , daß die neun Bücher von Exempeln nach seinem Tode gedruckt worden . Dieses Werk hat er in seinem Alter ge - schrieben : er hat es nach dem Muster des Valerius Maximus gemacht , aber nicht lange genug gelebet , die letzte Hand daran zu legen . Er hat es durch sein Testament dem edlen Mareo Molino , Proeurator von St . Mareo , empfohlen , welcher seinem Sohne befohlenes herauszu« geben . Dieser Sohl , hat sich der aufgetragenen Verrichtung gar bald unterzogen . Die Zuschrift , die er vor das Buch gesetzt hat , ist dm zv April , >554 , unterschrieben : sie enthält in wenig Worten ein sehr gu - tes Lob des EgnatiuS , dessen Tod man an diesem Orte , auf den 2 des Heumonats , 155z , setzet . Ich glaube , daß man diesen Tag dem IV . Non . Quintil . des Thuauus vorziehen müsse . Die Ausgabe , die ich brauche , ist die von Paris , apud Bernardum Turifanum via lacobaea fub Aldina Bibliotheca , 1554 , in >6 . Hier ist der Titel des Buches : Ioannis Baptiftae Egnatii viri doöiflimi , de Exemplis illuftriutn vi - rorum Venetae ciuitatis atque aliarum Gentium .
( D ) ( E ) Lr war nicht weniger rvegen seiner Tugend , als rvegen feiner Gelehrsamkeit , beliebt . ^ Dieß ist das Lob , das ihm Erasmus zu gleicher Zeit giebr . da er ihm den Titel eines CiceronianerS ab - spricht . Ät«n sehe folgendes : Vimm non minus probum et grum , quam eruditum et eloquentem nominafti , fed cui Tulliani cognominis honorem negant doöorum futkragia . Doäe loqui ma -
luit

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