Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7631

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Eginhart .
„ ben dieser fabelhafte Scribent »erdient ; und wie hätte er etwas gewis - „ ses von der Regierung Childerichs und PipinS sagen können , da erbe - „ kennet , daß er , da er die Historie Carls des großen zu schreiben unter - , , nommen , so unwissend und unbelesen gewesen , und saget , daß er nicht« „ von seiner Kindheit und Jugend sagen werde , weil zu der Zeit , da er „ schriebe , niemand mehr am Leben wäre , der ihm etwas davon sagen „ könne . Nee quisquam modo fiiperefle inuenitur , qui horum fe di - „ cat habere notitiam . S£s findet sicl ) kein Mensch , saget er , der „ da sagen könne , daß er rvWnschaft davon harre . Hieraus kann „ man urtheilen , aus was für schönen Nachrichten , er seine Historie zu - „ sammen geschmiedet , und von den vorhergehenden Dingen geredet hat . , » Diese Beurrheilung leidet ihren Abfall , so bald man die ganze Stelle Eginhards liest , wo man diese Worte findet : Quia neque fcriptis vs . quam aiiquando declaratum eft : bieft'6 setzet voraus , daß er entweder die Schriften oder die lebendigen Personen zu Rathe gezogen hat . Es können sich wohl Bücher über andere Dinge geftmden haben , ob man gleich keine über die Kindheit Carls des großen gehabt .
Ich habe nicht Zeit , zu untersuchen , ob alle diese Vorwürfe gültig sind : Ich begnüge mich , zu sagen , daß mir der Urheber besser gegründet zu seyn scheint , wenn er dasjenige widerleget , was man von der Bitte der Franzosen an den Pabst , und der 'Antwort dieses Pabstes vorgiebt . Die Bitte hat nicht den geringsten Schatten der gesunden Vernunft : die Antwort halt eine lächerliche Ungerechtigkeit in sich .
( KI Ich rveis nickt , rvas man von seinen Abentheuer» mit ei , ner Tochter Carl« des großen , glauben soll . ] Marquard Freher hat eine Chronike herausgegeben , ( Lhronicon Laurishamenfis Coenobu , die Freher , unter den Scriptoribus Rei Germanicae herausgegeben , ) worinnen man liest , daß sich unser Eginhart in die Wohlgewogenheit der Emma , Carls de« großen Tochter , dermaßen eingeichmeichelr , daß er alles von ihr erhallen , was er nur verlanget . Carl der große , der dieses kleine Geheimniß entdeckte , hat es nicht , wie der Kaiser August gemacht ; ( man glaubet , daß er den Ovidius ins Elend geschickt , weil er ihn von der Julia allzusehr begnadigt geglaubet . ) denn er hat diese zween Verliebte verheirathet , und ihnen sehr schöne Güter gegeben . Are - her giebt dieser Erzählung nicht den geringsten Glauben . Man sehe den CIV Brief einer Sammlung von Briefen , die an den Goldast ge - schrieben , und im >688 Jahre herausgegeben worden . Er ist der Urheber von diesem Briefe , und bemerket darinnen , daß Vincenz von Beau - vais eine gleichmäßige Historie von dem Kaiser , Heinrich dem III , er - zählet . Ich bin gewiß , daß sich die meisten meiner Leser über mich be - klagen wurden , wenn ich nicht erzählte , wie Carl der große das gute Glück EginhartS gewahr worden wäre , und daß sie mir es Dank wissen werden , diese Erzählung hier zu sehen . Dieß sind die Ursachen , die mich verbinden , diesem Artikel den Auszug dieser kleinen Historie einzuver - leiben .
Eginhart , Caplan und Secretar Carls des großen , hat seine Bedie - nunqen so gut verwaltet , daß er von aller Welt geliebet worden . Er ist auch von der Emma , dieses Kaisers Tochter , innigst geliebet worden , und hat gleichfalls viel Liebe gegen sie gefasset . Die Furcht der Folgen hat sie abgehalten , sich zu vereinigen ; allein sie hat nicht gehindert , daß die Liebesflamme sich nicht an beyden Theilen von Tage zu Gesellschaft über eine Sache verlanget , die sein Haus verunehrte . Im» peratoriam inquiens maieftatem nimis iniuriatam eile et defpeebtaru , inindigna filiae fuae notariique fui copulatione , etexinde nonmedio - cri fefe agitari perturbatione . Qyibus nimio ftupore percullis , et de rei nouitate et magnitudine quibusdam adhuc ambigentibus , Rex innotuit eis euidentius , referens eis a primordio quid per femetr ipfum oculata fide cognouerit , conliliumque eorum atque feilten , tiam expoftulans fuper hoc . Ebendas . 63 S . Die Meynungen sind getheilet gewesen : viele Räthe haben auf eine harte Bestrafung ge - stimmt ; die andern haben , nach reifer Erwägung , dem Kaiser gerathen , die Sache selbst , nach seiner göttlichen Klugheit zu entscheiden . Hier ist seine Entscheidung : Er hat sich erkläret , daß er durch Eginharls Be - strafung die Schande seiner Familie mehr vermehren , als vermindern würde , und daß er also diesen Schimpf lieber mit dem Mantel der Ehe bedecken wolle . Tarn triliis taäti a notario meo non exigam poenas , per quas infamia filiae meae magis videbitur augeri , quam minui . Vnde dignius et laudabilius imperii noftri gloriae arbitramur con - gruere , vt data adolefcentiae venia , legitimo eos matrimonio con . iungam , et re probrofae honeftatis colorem fuperducam . Ebendas . Man hat dmLiebhaber vortreten , und ihm sagen lassen : daß man , seine Klagen zu vergnügen , die er wegen nicht erhaltener Belohnung seiner langen Dienste gesühret , ihm die Tochter des Kaisers zur Gemahlinn gäbe : Ick ? will euch meine Tochter geben , hat Carl der große zu ihm gesaget , diejenige Trägerinn , die euch so liebreich auf ihre Schultern geladen . Iuri veftro nuptum tradam rneam filiam , ve - ftram feil , portatricem , quae quandoque alte fuccinfta veftra fubue ; äioni fatis fe morigeram exhibuit . Ebendas . Sogleich hat man dl« Prinzeßinn kommen lasten , und sie dem Eginhart mit einem so guten Brautschatze überliefert , als er für die Tochter eine« so großen Prinzen seyn konnte . Protinus ad Regis ediflum cum multo comitatu addu - öa eft eins filia , quae rofeo vultum perfufa rubore , tradita eft per manus patris , in manus praedidli Einhardi , cum dote plurima , prae . diorum quoque nonnullorum , cum innumeris aureis , argenteisque donariis , aliisque pretiofis fuppelledhlibus . Ebend .
Dieß ist der Auszug des Zlbentheuers : es sind nicht leicht Mährchen in dem Decameron des Bocaz , noch in dem Heptamero» der Koni - ginn von Navarra , die diesem gleich kamen , wenn man es verbrämte : und ich bin gewiß , daß sie unter den Händen des de la Fontaine , eine von den allerkurzweiligsten Erzählungen geworden seyn würde , die man nur lesen könnte . Der Kupferstich würde eine Vergleichung von neuer Er - findung unter den Wirkungen der Liebe und den Wirkungen der Freund - schaft , unter dem AeneaS , der mit feinem Vater , Anchise« , beladen , und der Emma , die ihren Liebhaber auf den Schultern trägt , darbiethen . Carl der große , ( es sagen einige , daß er so früh aufgestanden , die Ster - ne zu betrachten . Siehe den Comiers in seinem Tractate , von Come« ten , - z8S . ) der diese Trägerinn von weiten sieht , würde keines von den geringsten Zierrathen des Gemäldes seyn , wenn der Maler die De« trachtungen dieses gütigen Vaters glücklich vorstellte . Emma ist hier die Matrone von Ephesu« im Petroniu« ; sie erfindet die Mittel : lein sie gebraucht ihren eigenen Leib zur notwendigen Hülfe ( » ) .
( «0 Herr Bayle hat entweder nicht gewußt , oder sich an diesem Orte nicht erinnert , daß Jacob Cats , Großpensionär von Holland , dieses Hi - storchen oder Mahrchen in holländische Verse gebracht hat . Man det es in seinen Werken , die 1658 zu Amsterdam in Folio gedruckt worden . Es muß eine ältere Ausgabe davon geben , * wie das Jahr von dem Drucke des folgenden Stichs klärlich zeiget . Es sind darinnen drey Kupferstiche : das eine stellet den Eginhart vor , wie er die Emma au« Büchern unterweist , und weiter , wie sie einander stehend küsse» ; da« andere stellet die Emma vor , wie sie den Eginhart auf den Schultern trägt . Carl der große sieht sie durch ein Fenster seines PallasteS , und zween von seinen Trabanten nehmen sie auf seinen Befehl gefangen ; da« dritte stellet den Eginhart und die Emma vor dem Kaiser Carln dem großen , vor , der ihr Schicksal entscheidet . Caspar Barläus hat diese Erzählung in lateinische Hexamerren , nach Cats seinen , über , setzt , unter diesem Titel : Virgo fiue Emmae Caroli
Magni filiae Eginartum feriptorem , Amalium fuum , humeris portan - tis fata et nuptiae . Man findet dieses artige Gedichte auf der 161 u . f . Seite dieses Buchs : Faces Auguftae , fiue Poematia , quibus illu - ftriores Nuptiae a Nobili et illuftri viro D . Iacobo Catfio , Eg . et Praepot . Holl , ac Frifiae occidentalis Ord . Syndico antehac Belgicis verfibus confcriptae , iam a Cafpare Barlaeo etCornelio Boyo La . tino Carmine celebrantur . Ad Sereniflimam Principem Elifabetham Fred . Regis Bohekniae et Eledloris Palatini Filiam , Dordraci 1645 . in 8 . In diesem Buche sind nur zweene Kupferstiche , auf der 175 und »79 Seile , nämlich die , wey letzter» kurz zuvor gedachten . Man findet auch dieses Gedichte , aber ohne Kupferstiche , auf der 642 » . f . S . diese« Buchs : Cafparis Barlaei Antwerpiani Poemata , editio quar - ta , altera plus parte auäior , Pars prima Heroicorum , Amftelod . 164s , in 12 .
Johann Herrmann Schminke beweist in einer lateinischen Disserta - tion , die in diesem Buche ist : Eeinhartus de Vita et Geftis Caroli Magni etc . welches er 1711 Traiedli ad Rheniim , ex Officina Guiliei - mi vande Water , in 4 . herausgegeben hat , daß Emma nicht Carl« de« großen Tochter gewesen ist : und die Tagebuchschreiber von Trevoux , wenn sie von diesem Buche auf der 656 S . des Christmonat« , 17» , re - den , geben zu erkennen , daß sie gleicher Meynung sind . Sie haben auf der 640 Seite de« Aprils 1715 , dabey beharret , da sie von einem Ge - dichte und einem andern Werke de« P . Johann Weinkens geredet ha , ben . die in diesem Buche sind : Naurcjiia Seligenftadiana etc . Fran - cof . adMoenum , apud Ioann . Philipp . Andraeam , 1714 , in Folio . Dieser Pater saget iu seinem Gedichte , daß Emma Carls des großen Toclster gewesen ; allein das Gegentkeil , saget er im II Cap . seines an - dern Werkes , wo er die Fabel eines bösen Umganges , der von der Hei - rath zwischen dem Eginhart und der Emma , Carls des großen Tochter begleitet worden , erzählet und verwirft . Crit . Anm .
* Eine ältere Ausgabe von Cats Gedichten habe ich zwar nicht «sehen ; aber eine jüngere besitze ich selbst , die nämlich 1661 zu Amsterdam in 4 . bey 1 . 1 - Schippern herausgekommen . Da« ganze Gedichte fährt die Ueberschrift : AZandragende Maeghc ,
ofte

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