Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7614

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Egialäa .
ger Mühe ein . Das erste Wunderwerk bahnet dein andern den Weg , und die zwey erstem dem dritten , Prodigia eo anno midta nunciata funt , quae quo magis credebant fimplices ac religiofi homines , eo etiam plura nunciabantur . Liuius , Libr . XXIV , cap . X . und so den andern , aber nicht ohne Aufhören , sondern bis zu gewissen zen , die von den Zeiten und Omen , abhangen . Wir wollen eben das - selbe von den Eingriffen in die Gesetze der Erbfolge der Kronen sagen . Das erste Beyspiel ist viel schwerer einzuführen , als die folgenden ; al - lein so bald , als es eingeführt ist , so ist schon ein Loch da , das sich sehr langweilig verstopfen laßt : dieserwegen findet man dasselbe , wenn man nur ein wenig eilet , zu einem andern Eingriffe ganz offen , welcher das Loch noch weiter machet , als eS gewesen ; so daß ein dritter Geschveräch - ter schon viel leichter durchgeht , als die zween erstem , und so femer . Wenn man in der Kaiserhistorie gelesen hat , daß der Rath zwey oder breymal gezwungen gewesen , diejenigen für Kaiser zu erkennen , die die Soldaten ernennt hatten : so wird man sich nicht mehr wundern , so we - nig Kaiser zu sehen , die einer dem andern nach den Gesetzen gefolgt sind . Man muß sich vielmehr darüber verwundern , daß man noch manchmal drey bis vier Negierungen hintereinander in einer Familie sieht . Denn ein Oberbefehlshaber des KriegsHeers , der sich von den Soldaten an den Platz eines Kaisers hat setzen lassen , den er umgebracht hat , kann von seinem Feldherrn mit Recht nicht verlangen , daß er sich begnügen soll , Feldherr zu seyn . Warum , würde dieser sagen , soll ich einem Menschen gehorchen , der , da er in meinem Posten gestanden , seinem Herren nicht hat gehorchen wollen ? Er hat ihn ermordet , und sich durch seine daten zum Kaiser ausrufen lassen . Kann ich nicht eben dasselbe thun ? Habe ich nicht eben so viel Recht , als er , mich von der Bedienung eines Heerführers bis zum Herrn des ganzen Kaisetthnms empor zu schwin - gen ? Man sieht also , daß vermöge einer natürlichen Folge eine Staats - Veränderung der andern die Hand biethet ; und daß sie , je öfter sie in ei - nem Jahrhunderte gewesen sind , in dem folgenden noch weit vielfältiger werden müssen . Sie würden es in der That auch seyn , wenn die gört / liche Vorsehung denselben nicht steuerte , entweder durch die Unfruchtbar - teit solcher Leute , die sähicj sind , einen Anschlag von dieser Natur aus - zuführen , oder durch die überwiegende Tapferkeit der Herrschenden .
Man merke , daß den Unruhen unter der Regierung Heinrichs des VI nichts mehr Vorschub gethan , als der Vorwand , den man darauf
gründet , daß dieser Prinz der Sohn eine« unrechtmäßigen Thronbe ,
sitzers wäre ; denn weil die Grundgesetze zum Besten seine« Vaters übertreten worden waren , so war es so sehr seltsam nicht , daß sich ein Herzog von York angelegen seyn lassen , ihn anszuschließen . Konnte der Herzog von Glocester , der sich der Krone zum Nachthelle des nes Eduards des I V bemächtiget , nicht behaupten , daß er nur den Sehn eines gewaltsamen Besitzers davon vertrieben ? Denn Eduard der IV , hatte den Thron den Lebzeiten Heinrichs des VI , bestiegen , obgleich Heinrich der VI , kraft einer ParlementSaete bis an seinen Tod hätte regieren sollen . Eben diese Acte hatte den rechtmäßigen Sohn Heinrich« des VI , ausgeschlossen . Alles dieses hat den Herzog von Glocester be - rechtiget , die Kinder Eduards des IV , auf keinerlei ) Art in Ehren zu halten , und von dem Parlemente z« verlangen , für ihn eben dergleichen Acten zu machen , als wie man für seinen Bruder , zum Nachtheile des Sohnes von Heinrichen dem Vi , gemacht hatte .
( ? ) Diejenigen , welche sagen , daß man dergleichen Dinge in andern Ländern nicht gesehen hat , sind in der ^Historie ren . ] Wir dörfen nur den einzigen Justin lesen , so finden wir die größ - ten Unruhen in Syrien unter den Seleueidern , und in Aegypten unter den Ptolemäern ; 'und dieß gleicht den vielfältigen Staatsveränderun - gen noch lange nicht . die man nach Alexanders Tode in Macedonien gesehen . Eben derselbe Geschicktfchreiber erzählet sie mit einer fung ! Tanta vel rnobilitas niilitum , vel fortunae varietas erat , vt vi . ciffim reges nunc cxules nunc reges viderentur . luftin . Libr . XXVI . cap . II , pag . m . 457 .
CO . " ) Das Seerveftn rvar unter Eduards des IV , Regierung nicht im guten Stande . 3 Als der Graf von Marwick im 1470 Jahre mit denen von Ludwigen dem XI erhaltenen Hülfsvrikern wieder nach England übergesetzt hat , so hatte er sich nur ver dir Flotte des Herzogs voii Burgund zu fürchten . Man redete nichts von den Schiffen des Kö - niges Eduards . Diese Flotte würde die Uebersebung der Kriegevölker des Grasen verhindert haben , wenn sie nicht ein Sturm zerstreuet hätte . Comines im III B . V Capitel . Fünf Jahre hernach hat derselbe Her - zog von Burgund , Eduarden 500 Schiffe aus Holland und Seeland schieren , um die englische Kriegsmacht von Douvres nach Calais über zu setzen . Ebendas . IV B . V Cap .
Diomedes ( A ) ;
EglÄaN / Lateinisch Aegialaea , die Tochter des Adrastus , Königes von Argos , und Gemahlinn des Dior war so unmäßig in ihren Unkeuschheiten , daß es eilte von den Äermaledeyungen des Ovidius wider einen Menschen , den er tddtlich geHasser , gewesen , ihm eine solche Ehfrau zu wünschen ( B ) . Man sagetes habe Venus , um sich an demDiomedeS zu rächen ( C ) ; der sie vor Troja an dem Arme verwundet hatte , seiner Gcmahlinn eine feurige Geilheit eingeblasen ( D ) , die sie gereizet , allen jungen Mannspersonen nachzulaufen : allein sie hat sich vornehmlich an einem Menschen gehalten , den sie bey der Hand hatte , und zu jeder Stunde erlangen konnte : er war des ScheneluS Sohn , und hieß Cometes . Ihm halte Diomedes unter seiner Abwesenheit die Aufsicht seines Hauses und die Regicrungösorge seines Staats überlassen . Man weis nicht , ob er diesem Amte wohl vorgestanden hat : allein in Ansehung der andern Gattung von Verwaltung , die ihm nicht auf - getragen war , ich verstehe die Verweserstelle eines Ehmanns , hat er sich um so viel sorgfältiger erwiesen , da er dieselbe aus Liebe verwaltet : denn Venus hatte ihn in die Aegialäa verliebt gemacht . Diese Frau begnügte sich nicht damit , ihren Gemahl zu verunehren , sondern sie hat ihm auch gleich nach seiner Zurückkunft in Argos nach dem Leben gestanden ( E ) : und er hat die - fem Meuchelmorde , durch die Flucht in den Tempel der Juno , kaum entgehen können . Kurz darauf flüchtete er nach Italien . Es giebt einige , welche sagen , daß er gerades Weges dahin gegangen sey b , und nicht wieder nach Hause gehen wollen , weil er von der Übeln Aufführung seiner Gemahlinn hatte reden hören .
Ennodius giebt vor , I , daß er sich entschlossen habe / so gleich wieder zu Schiffe zu gehen , so bald als er die Untreue seiner Gemahlinn erfahren , um sich auf ewig von einem Orte zu entfernen , wo er nicht ohne Schande leben können : II , daß er bey Beklagung seines Unsterns die Lobeserhebung von der ersten Aufführung seiner Ge , nahlinn gemacht ( F ) .
a ) Schol . Homeri Iliad . Libr . V . v . 412 . 4 ) Seruius in Aeneid . Libr . VIII . v . 9 .
( 10 Sie rvar die Gemahlinn des Diomedes . 1 Durch diese Hei - rath ist Diomedes , welcher des Adrastus Enkel gewesen , ( denn er war der Sohn des Tvdens , und der Deipyle , wie sieApollodor auf der 49 S . bey mir nennet , andere aber , als Stativs , nennen sieDeiphile , des Adrastus Tochter , ) auch sein Schwiegersohn geworden . Daher diejeni , gen , die anstatt genus in dieser Stelle des Ovidius sener gesetzt , es wohl getroffen haben .
Seu gener Adraftf , feil furtis aptus Vlyfies ,
Seil pius Aeneas eripuifie ferunt .
Ouidius , Faftor . Libr . VI , v . 433 . Meziriac über den Brief der Pene - lope , 77 S .
( B ) Eine von den Vermaledeyungen des ( pvidius wider einen JTJtnfcbm< den er toötlicb gcbajscr , gewesen , ihm eine sölclie LH - frau ; uwünschen . ^ Hier sind seine Worte :
Nec tibi contingat matrona pudicior illa ,
Qua potuit Tydeus erubuifle nuru . Ebendas . 349 V .
k>abe oben in dem Artikel Cain gesagt , daß man den Uebelthätem anaewünschet , es möchten sie ihre Ehftauen verunehren . Seit dem habe ich von dem gelehrten Drelincourr erfahren , daß man die tigung davon in der Jlias finde . In der That be ehret uns Homer , daß diejenigen , die einen Vertrag beschworen , den Uebertretern unter andern Strafen auch die Hahnreyschaft angewun^het haben .
jumx " ' i' m * * * - Vxorei vero aliis mifeeantur .
Homeri Iliad . Libr . III . Verf . 301 .
Ebenderselbe Drelincvurt hat mir den n V . des XII Cap . im II B .
Samuels angezeigt . Ich habe in den Menagianen gelesen , daß die La - cedämonier denen , welchen sie Nebels aegönnt , drey bis vier Dinge ange - wünscht : sie haben ihnen die L . ust , u bauen , die Ättft schone de und Rleider ; u Kaden , und ihren iLhfrauen Liebhaber ge - wünschet . Menagiana , pag . , 41 . der ersten holländischen Ausgabe .
Hadrian Valesius hat an den Menage geschrieben , daß sich die Formul diese« Unglückswunsches in dreyen Stellen des Suidas finde - - t unter dem Worte , unter , und unter thutiitiiv :
Ebendaselbst zzz S . er sollte sagen choio^ . Brisson hat nur zwo Stellen des Suidas angeführt , davon eine von diesen dreyen den ist . Hier sind sein« Worte - Barnab . Briflön . ad Leg . Iul . deAdulft
pag . >Z5 , leidnischer Ausgabe von i ; ; z . Lacedaemonios quidem cum acerbiflima exfecratione aduerfus eos , quos vehementer odiflent , vti vellent , in ter caetera domus exitia , hoc imprecari folitos traditum eft , vt eorum vxores adulteris dckäarentur . Suidas , in verbo iuxvi . fifvoc et in verbo JWej .
( C ) Venus , um sich an dem Diomedes ; u rächen . - - - 3 Dieß ist eine seltsame Art der Rache , welche sehr wohl zeiget , daß die Poeten des Heidenthums die Ehre Gottes durch allerhand 'Abscheulich - feiten geschändet haben : denn was kann wohl ungerechter sey» , als die Sünde eines Mannes , durch die Reizung seiner Ehfrau zum sündigen , zu bestrafen ? Sie haben der Venus hundert Streiche von dieser Art zu - geeignet , als wenn sie gesagt , sie hätte das Herz der Clio dermaßen ent» zündet , daß sich diese arme Muse schwängern toffm . Das erhält man durch seine tugendhasten Vorstellungen : denn das ganze Versehen der Clio war gewesen , daß sie der Venus den Nachtheil vorgestellt , den sie sich durch ihre Liebe gegen den Adonis zuzöge , kaum s - rw * * r5
1xxt & / jSiiiv tijslhtt yag «i / Tp tov r3
A'im'viäoc ifurx . ffuvcÄSira Si iyfjvqtev i { airä xxitu Clio
Pieram Maenetis filiuin Veneris ira , quod ei Adonidis amorem cx . probraflet , deperiuit , cuius compreflu Hyacinthum tilium concepit . Apolbd . Libr . I . Haben sie nicht gesagt . ( Stefich . apud Schol . Euripid . in Oreft . ) daß Tyndarus , der Helena Vater , so unglücklich gewesen . Tochter zu haben , die zween und drey Männer gehabt , und Wegläuft - rinnen von ihren Männern gewesen : weil er die Venus bey einem Opfer vergessen hatte , das er allen Göttem brachte ? Wenn man sich daran begnügt hätte , diese Göttinn allein dergleichen Streich« ausüben zu lassen , so wäre die Sache so seltsam noch nicht : allein man läßt sie auch durch die Göttinn der Wissenschaften und freyen Künste ausüben , so keusch man sie auch vorgestellt hat . Man sehe in des Parthenius XXVII Oüp . wie Minerva den Fehler der Alemoe gezüchtiger hat . Ich habe einen besor . dern Artikel davon gemacht .
( v ) - - - sie bließ seiner Gemahlin» eine feurige Geilheit M . ] Die Ausdrücke , welcher sich die griechischen Schriftsteller hkdii - nen , sind viel stärker als diese . Lykophron malet die Aegialäa auf diese AN ab :
" otjtv s ? af ( ia 5u ( a (
tlget ätxrfci . .
Qiiando audax lafeiua canis ftimulabitiir
Ad concubitum . Lycophr . in Caflindr . v . 6u .
Sein

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