Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4196

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Calvin .
unv Erasmus sich einige Zeit wegen 0er stachlichsten Religion« - punue mir ihm unterredet harre ; so sägte er voller Verwunde , rung über dasjenige , was er in dieser Seele entdeckt harre , «im Bucer , in dem er ihm den Calvin zeigte : Video magnam peltem oriri in Ecclefia contra Ecclefiam ; ich sehe eine große Jpeff in der Rirche , rvider die Rirche enrskehen Man merke diese Note de« Florimond von Remond wohl . Veza setzet diese Reist in die Vor - rede über da« Vuch Josua ins Jahr 1534 . Man merke , sage ich , dieses wohl , al6 einen Beweis , daß er diesen kleinen Punct der Zeitrech - nung annimmt . Wir werden bald sehen , daß dieses zu seinem Nach - theile geschieht , weil er dreyßig Seiten darauf erzählet , daß Calvin , da er sich befürchter , in poitiers ergriffen zu werden , den Nous - sel und le Fevre zu Nerae besucht , und daß er ganz von neuem bemerkt , eS fty Calvin Noussels Diener bey der Reift nach Deutschland wesen . Ebendas . XVII Cap . 921 S . Calvin , fährt er auf de' . 9 - , Seite fort , nachdem er Abschied von ihm genommen , ist nack , Paris zurück gekehrer , welches er aus Furchr vor dem Scheu rerbauftn mir der tNordfackel in der ^ans und ergrimmrem Gemürhe in dem Vorsätze verlassen , sein Vaterland in men zu setzen , welches er seitdem niemals wieder gesehen , weil es ihm «1ts Undankbarkeit , sagte er , seine U ) ohnung versagte : er har sich nack Strafiburg begeben , wo er zwey Jahre ein Schüler und Zuhörer Bucers geworden , welcher ihn als einen Menschen aufgenommen , der gar bald geschickt siyn de , Unruhe in der Rirche anzufangen . - - = t Er har ihm seine Unterweisung gezeigt : hier und zu Vasel hat er die lenre - Hand daran gelegt " und sie Sem Rönige Franciscus dem I , zugeschrieben . - - - 25cy der ersten Rupferplatte , die er auf Sen Tirel ftiner Unterweisung setzen lassen , har er zum - Haupt - sinnbilde ein mit Flammen umgebenes Schwerdt , genommen , und ihm diese Unterschrift beigefügt : non veni mittere pacem
fed gladium . In wahrend seineinAufenthalte zuStrasiburg
hat Calvin den Franzosen , welche den , Feuer in Frankreich entflohen , Trost und Äeystand geleistet , welcher damals ange , fangen , sich überall in Ansehen und Ruhm zu seken . > - - Allein nach erhaltener Nachricht . Saß Sie Herzogin» von Fcr - rara . - - , die tt>abrheit zu erkennen angefangen , har er dieselbe besucht , und nach dieser gethanen Reise . den N ? eg über Genf genommen ; wo er sich bey seiner Durchreise mir dem Du Till« bekannt gemacht , und auf Anstiften Färels da - , Amr übernommen , die Gottesgelahrtheir zu lesen , und einige «Er , mabmmgen ai» die Flüchtlinge zu thun , Ebendas . 9^4 S . Wir wollen anmerkm , daß er an den Rand gesetzet , es fty der erste Druck von der Unterweisung Calvins im Jahre 1534 geschehen . Hier haben wir die Quelle der erbärmlichen Zeitrechnungsfehler des Baril» las , die ich bereits in der Anmerkung ( G ) getadelt habe .
Sie sind in der Erzählung Florimönds von Remond noch plumper : ich will die aller unverständigsten Gemüther dessen überzeugen , und an - fänglich beobachten , daß dieReise Noussels nach Deutschland , eine Folge der ersten Zerstreuung von de«» Predigern der Glaubensverbesserung ist . Dieses ist eine Begebenheit des Jahres > ; - z . Ebend . X B . III Cap . 846 S . Varrel , einer davon , ist in die Schweiz gegangen : le Fevre von Etavles hat den Xveg nach Guienne genommen . - - - , Dem Rousscl zu Gefallen har er sich nach Demschland begeben , in der Äegicrde wuchern zu sehen , diesen großen Mann , von welchem die ganze Xvelt so viel redete . Ebend . S47 S . Ich entlehne dieses aus dem Florimond von Remond , welcher auf der 849 Seite darzu setzet , daß Roufsel nach der Zurückkunfr von seinen Reisen , in Äearn von der Königinn von Navarra aufgenommen wor - den , ihr nach Paris aefolget sey , " daselbst geprediget babe , ( 8 ? o Seite ) , daselbst gefangen gesetzt worden , und nach seiner Besrenung sich nach Nerac gewendet , und in Frankreich seine übrige Lebenszeit zurück gele - get . Zu Nerac hat ihn Calvin besucht , wie uns dieser Schriftsteller auf der 9 - , S . erzählt hat . Es folget all« diesen Dingen . daß Calvin , wenn er dieses Noussels Diener bei , der Neile nach Deutschland sen . diese Bedienung im Jahre iskz gehabt haben müßte . Nun ist es unumstößlich , daß er damals zu Paris studieret , und daß er seine Stu - dien daselbst etliche Jahre nach einander fortqesetzet , weil er mit einer Kapelle zu Noion versehet , gewesen . Siehe DrelincourtS Verteidigung Calvins , 160 u . f . S . Man erinnere sich hier wohl , daß der Geschichte schreib« die Zeitrechnung Theodors Beza annimmt , nämlich , daß vin und Du Tillet , im Jahre 1534 aus Frankreich lveaqegangen sind : weil er nun versichert , daß Du Tillet , vermöge der Ueberredung ne ? Bruders , der ibm weit ins Äanö gefolgt , seinen Calvin in Deutschland gelassen hat , der sich in Roüssels Gesellschaft * t { i als sein Diener begeben ; ( Florimond von Remond , VII B . X Cap «89 S . ) so muß er wollen , daß Calvin Roussels Die - ner , in Deutschland , im Jahre 15z » , gewesen . Ein Hanptschnil ; er , weil er diese Reise Noussels selbst ins Jahr > ; : z geseht har . Man gebe auch Achtung : I . daß er erzählet , es sen die Unterweisung Calvins zum er - stenmale im Jahre * 554 gedruckt , ( Ebendas . 922 S . ) und der Entwurf dazu von dem Verfasser zu Angvlilenie gemacht ( Ebendas . 921 Seite , ) und dem le Fcvre zu Nerac mitgetheilet worden . II . Daß er ihn , nach dieser MinHeihing , nach Paris und darauf nach Straßburg reisen läßt , um daselbst einen Schüler Bucers abzugeben . Wie konnte es nach dieser Einrichtung möglich seyn , daß Calvin den Rousiel im Jahre 1554 , bey einer Reise nach Deutschland , als Diener , begleitet hätte ? Allein , wie wäre es noch weiter möglich , daß er , da er in diesem Jahre nach Deutschland gereist , und ztw« völlige Jahre ein Zuhörer und Schüler bucers zu Straßburg gewesen , zu Basel seine christliche Un - terweisung fertig machen können , die i534 gedruckt worden ? Wie wäre es weiter möglich , daß er , nachdem er^wey Jahre zu Straßburg Bu -
Unkoffen Ludwigs du Tillet erhalten worden , ( ebendas . X Cap . 88 ; . ) - - - welcher , da er den Ropf mit tNeymingen ange - füllt hatte , die ihm Calvin eingeprägt , ( ebendas . 889 S . ) mit ihm nach Deutschland gegangen ist , und ihn unrerwegens verlassen hat . Der andre setzte feinen Weg fort , fand Bucern , besprach sich mir dem Erasmus , und hat bey seiner Zurückkunft in Frankreich , seinen Aufenthalt zu Poitiers genommen , ( ebendas . XI Cap . 890 S . ) er hat daselbst Schüler gemacht , seine erste Kirchenversammlung , ( 89 - S . ) lind sein erstes Nachtmahl gehalten , und daselbst Anstalten ge - macht , seine Meynungen durch da« ganze Königreich auszubreiten : weil er aber befürchtet , zu poitiers ergriffen zu werden , wo seine Mine entdeckt worden war , so bar er sich davon und nach Ne - rac geschlichen , den Roussel und le Fevre zu besuchen , ( 920 te , ) und ist , nachdem erAbschied von ihnen genommen , nachpa - ris zurück gekehrt , von da er sich aus Furcht vor dem terhaufen - - nack ? Straßburg gerettet - - : und hier . ) » Äasil hat er die legte - Hand an seine Institution« gelegt , die im Jahre >554 gedruckt worden . Ebendas . 922 S . Liese Erzählung ist mit so viel Schnitzern angefüllt , daß es wenigstens , wenn es auch nicht zll verwundern lväre , daß eine unzählige Menge Schriftsteller von der römischen Partey , dieselben abgeschrieben haben , hoch'lbefremd - lich ist , daß kein einziger unter den protestantischen Schriftstellern , so viel ich weis , die Widersprechungen darinnen gezeigt hat . Dieses wäre gar leicht zu thun : man betrachte nur diesen Probierstein der Zeitrech - nmig . Calvin ist den 10 des HeunionatS 1509 geboyre» , ebend . VIII Cap . 880 S . uud hat sich von Paris nach Angouleme in seinem 2z Iah - re gerettet . Ebend . IX Cap . 8«z S . Florimond von Remond , giebt diese zwo Sachen zu ; er muß also diese Flucht ins Jahr 15z - sehen . Allein er giebt vor , daß die erste Ausgabe der Inftitutionurn vins , vom Jahre 1534 ist . Also findet er zwischen diesen zwo Terms - nen , einen dreijährigen Aufenthalt zu Angouleme , eine Reise nach Deutschland , eine Zurnckkunft nach Frankreich , einen Ausenthalt zu Poitiers , welcher zu Stiftung einer heimlichen Kirche , zur Feyrung des Nachtmahls , zur Haltung eines Synodi , u . d . m . zureichend gewesen , eine Reise nach Nerac , eine andre nach Paris , und einen Aufenthalt von zwei , vollen Jahren in der Stadt Straßburg . Kann man wohl eine großre Mlsgebu« sehen ? Wir müssen nicht vergessen , daß er vor» giebt , es sey Carl le Sage , Doctor regenS zu Poitiers , gebürtig von Ncion , einer von den Schülern gewesen , die Calvin »ach seiner Reise nach Deutschland gewonnen , welche drey oder vier Jahre jünger , als sei - »e Flucht aus Paris ist , die in« Jahr 1532 fällt . Weil er nun vorgiebt , daß dieser le Saae ein Mann von großer Hochachtung gewesen , vor« nehmlich bev der Regentinn , der Frau Mutter des Königs , welche im Begriffe gestanden , zu wanken , und sich verführen zu lassen , ( ebendas . XI Cap . 89' Seite , ) so muß er wobl wollen , daß man glauben solle : es habe dieser verkehrte Doctor die Regentinn ungefähr im Jabre > , z6 zum wanken gebracht , welche gleichwohl im Jahre 1531 gestorben war .
Dieß ist der Schriftsteller , welcher versichert , daß Erasmus vom Cal - vin das Urtheil gefallt , davon in dem Texte dieser Anmerkung die Fra - ge ist . Ich überlasse meinen Lesern zn sehen , ob das Urtbeil eines spl - chen Menschen von einigem Gewichte ist , eines Mensche» , sage ick , der sich gröblich widerspricht , der an einem Orte dasjenige vergißt , was er an dem andern gesaget hat , der Umstände vermengt , und das Oberste zu unterst kebret , und lvelcker auf seinem Papiere die allersichtbarsten Schnitzer , Alberkeiten und Unmöglichkeiten nicht entdeckt . Einem sol - chen Geschichtschreiber muß man begegnen , wie den Kaufleuten , die nicht bezahlen können , die allen Glauben verlohren haben : man leihet ihnen nicht« , als auf gute Pfänder , man verlangt Hypotheken und Bürgen . Wir müßten also sehr einfältig seyn , wenn wir dem Flori« mond von Remond den geringsten Glauben beymesseii wollten , da er «jeder Zeugen noch eine andre Art von Beweisen anführet . Wir wür -
tioch nicht alles : denn eben dieser Schriftsteller , welcher die Zeitrechnung des Beza angenommen hat , versichert , daß Calvin im drey und sten Jahre feines Alters in »Paris gelehrt , und sich nickt lange daselbst aus - gehalten habe , weil es da für diejenigen heiß war , die nicht guc katholisch warei» . « , Er »st also bey Nackt und Nebel von gegangen , - - - und bar sick in die Stadt Angouleme begeben , um in mehrer Sicherheit ; u seyn . wo er drey Jahr auf
den ihm allzu unverständlich Glauben geben , und mit Recht verdie , nen , betrogen zu werden , wenn wir unsere Gutherzigkeit nicht besser anwenden wollten . Ich habe also geglaubt , daß mir die Beur - theilung der Lugen dieses Schriftstellers hier zur Vorbereitung die , nen soll , damit nach diesem alle meine Leser desto sicherer von der Sache urtheilen können , davon die Frage ist . Man zweifele auch nicht , daß dieser Mensch nicht der einzige Zeuge in dieser Sache sey ; denn derjenige , der sich so viel Mühe gegeben hat , dem Erasmus die Eigenschaft eines guten Katholiken zu versichern , und der so viele Vortheile aus der Wahrheit dieses Mährchens hatte ziehen können , hat niemand als den Florimond von Remond anfnbren können . Siehe das zu Cöln im Jahre 1688 unter folgendem Titel gedruckte Buch : 8cntimens d'Erafme de Rotterdam conformes a ceux de P Eglife Catholique , pag . 308 , 309 . Jedoch , nach genauer Ueberrech - nung , so wird dielet ! Urcheil des großen Erasmus , nach dem E , undsak» der Protestanten , dem Calvin rühmlich seyn müssen . Es würde bewei '^daßman in diesem jungen Menschen vortreffliche Eigenschaften e^
Uebrigens würde ich mir lange nicht so angelegen haben seyn lassen , die Unrichtigkeiten Flor . monds vonOrmond aus einander zu wickeln wenn ich nicht gesehen hätte , daß sie sich von einem Buche ins andere ausbreiteten , und daß die allerberuhmtesten Schriftsteller ihnen eine Art der Verewigung durch Annehmung derselben verschaffen . Ich ha - be sie . » der Kirchenh . storie des P . Alexanders in dem letzten Ba . ide von der Ausgabe m Foüo gefunden , welches eine verbesserte und ver - mehrte Ausgabe ist . Ich bin gewiß versichert , daß dieser berühmte Smbente den Spondanus , den Abschreiber des Florimond von Re - mond . Nicht nachgeschrieben haben würde , wenn er gewußt hätte , daß dieser letztere durch eine so scharfe Musterung gehen müssen , als man hier oben gesehen bat . Wenn die Protestanten sich beklagen , daß er diesen verwirrten Klumpen von Erzählungen wieder lebendig gemachr , und daß er sie auf den Weg gebracht , mehr Glück zu machen , als utv Ader Aufsicht ihres ersten Vaters , so kann er sich seiner seit« dar , über beklagen , daß sie es unterlassen haben , diese Thorheiten zu decken . Es ist manchmal sehr schwer , den Jrrtbümern ein ewiges ben zu nehmen , ob man sie gleich gründlich widerleget . Was würden sie nicht erstlich thun , wenn man sie in Ruhe ließe ?
( LL ) Diesem Calvin qemachten Vorwurfe wegen Verän - derung seines Namens u f . w . ] Man hat es sehr iibel genommen daß er an statt Cauvin , welche« sein Familienname gewesen , den Na -
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