Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7600

Edouardus der IV .
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«ußt , und das ganze Land bezwungen haben würde , wenn er sich dieser Gelegenheit bedient hatte . In dieser Absicht , saget man , hat der Staats - bediente , der den Kneasgeschäfften vorstund , alle die Gründe des Herrn vo» Pomponne verwerfen lassen , der den Frieden anrieth . Man hatte Ursache , es noch vor dem Ende des folgenden Feldzug« zu bereuen , daß man diesem Rache nicht gefolget war ; und man versichert , daß derKö - nig , da er gezwungen gewesen , seine Eroberung zu verlassen , öffentlich gesaget , Pomponne hat Sock Reckt gehabt . Wir wollen den El - gensinn des Erfolgs bewundern . Frankreich ist es übel bekommen , daß es einem fast zu Boden gedruckten Feinde , den Frieden versaget , und zu gleicher Zeit hat sich der Türke sehr übel befunden , da er einem Feinde den Frieden gegeben , der zu der äußersten Bestürzung gebracht war . Die Pforte hat sich durch die vortheilhaften Bedingungen blenden lassen , die ihr die Pohlen nach Eroberung von Kaminiec anbothen . Sie begnügte sich damit , und ließ sie in Ruhe ; allein sie ermunterten sich nach des Sultans Abzüge wieder , sie hielten ihre Versprechungen nicht , und spotteten seiner : so daß man zu gleicher Zeit die Aufführung der zween Prinzen zu tadeln Ursache gehabt : des einen , weil er den Frieden nicht bewilliget hatte ; des andern , weil er ihn bewilliget hatte . Wer weis , ob sich Eduard der IV nicht gleichfalls Tadel zugezogen ha - den mag , weil er die Anerbiethungen Ludwigs des XI , verworfen har ?
( I ) Der Ronig von Frankreich ersuchte ihn , nach Paris 5« kommen , stck mit den Damen zu ergehen , und würde es sehr gern gesehen haben , xvenu man ihn bey seinem XVorte gehalten Hatte . ! ) Zch weis c« nicht besser zu machen , als daß ich mich der Er - zählung des Comines bediene . „ Nach gechanem Eidschwure , fing un - „ ser König , welcher eine sehr gebietherische Sprache harre , zu demKöni , „ ge von England lachend zu sagen an , daß er nach Paris kommen , und „ sich mit den Damen luftig machen müsse : und daß er ihm den Car - „ dinal von Bourbon zum Beichtvater geben wollte , der ihm diese S>m - „ de gar leicht vergeben würde , wenn eine daben begangen würde . Der „ König von England war sehr vergnügt darüber , und sie redeten „ freundlich : denn er wußte wohl , daß besagter Cardinal ein guter Ca , „ merade war . - - - Comines im IV B . X Cap . - z6 S . Nach - . . dem sich der Könia von dieser Besprechung zurück begeben , so redete er „ mit nur langst des Weges von zween Puncten . Er fand den Komg „ von England so bereit , nach Paris zukommen , daß ihm dieses nicht „ sonderlich gefiel , und er sagte : dieses ist ein sehr schöner Ronig : er „ liebet vas Frauenzimmer sehr ; er konnte eine over die andere „ in Paris finden , die ihm so viele scköne Worte sagen mochte , „ daß sie ihm Äitfi machen könnte , wieder zu kommen : seine „ Vorfahren waren schon allzu sehr in Paris und der XTott „ manOie gewesen , und seine Gesellsckaft taugte diesseits de» „ Meers nickts : daß er ihn aber jenseit des Meers gern zu „ seinem guten Bruder und Freunde haben wollte . „ daselbst 2Z ? S .
( X ) - Ludwig der XI , befürchtete sehr , es mochte der Ver , gleich die Englander gereuen . ] Dieses erhellet aus der Stelle , die ich Hieroben in der Anmerkung ( H ) aus dem Philin» von Comines an - geführt habe , und aus dieser , die ich noch anführen will . Einen von diesen Englandern , ( das heißt von denen Engländern , die Eduard bey Ludwig dem XI , als Geiseln gelassen , und die Ludwig der XI , mit sich ge - nommen hatte , als er sich mir den Abgesandten des Herzogs von Bur - aund unrerredete . ) fieng an , dieses Verhalten zu bereuen , und er sackte an einem Fenster zu mir , daß wenn sie viel dergleichen Heute bey dem Herzoge von Burgund gesehen hatten , leicht niebt Friede gemacht hatten . Der Herr von Narbonne , welcher i«o - Herr von Fouez heißt , hörte diese XPotte , und sagte zu ihm : seyd ihr so einfältig , und denket , daß der Herzog von Burgund nicht eine große Anzahl solcher Leute hat ! Er hatte sie nur geschickt , sich zu erhohlen : allein ihr wolltet so gern zurück kehren , daß euch sechs hundert Pipen Wein , und eil» jahrliches Gehalt , das euch der König giebt , gar bald nach England zurück geschickt haben . Der Englander erzürnte sich und sägte : dieß hat uns wohl jedermann gesagt , daß ihr unserer spotteil würdet ! nennt ihr das Geld , das lins der König giebr . ein Jahrgeld ? Es ist ein Tribut , und bcym heil . George ! könntet ihr leicht so viel sagen , daß wir bald wieder umkehrten . Ich hob das Gespräche auf , und machte einen Spaß daraus ; allein der Engländer war damit nicht zufrieden und sagte dem Ronige etwas davon , welcher sich deswegen gegen besagten - Herrn von Narbonne außerordentlich erzürnte . Comines im IV B . XI Cap . - 44 S . Er hat sich nicht ohne Ursache über die Unbescheidenhcit dieses Spötters erzürnt : sie hätte ungemein nachtheilig seyn können . Mathieu Hiftoire de Louis XI , Livr . VI , cap . vlt . pag . m . 533 . Allein er selbst war nicht bescheiden genug gewesen , es war ihm ein lacherliches Xvort wegen der Weine und Geschenke entfahren , die er dem Rriegsheere der Engländer zugeschickt hatte . Comines IV B . X Cap . 239 S . Er hat so gleich die Folgen davon gesehen , und nichts vergessen , denselben vorzubeugen . Ebendaselbst .
( L ) Edouard erklarte sich , daß er Ronig von Frankreich seyn rvollte , daß er der Nation gutes tbun konnte . ^ Der Herold brach - re dem Könige Ludwig dem XI , eine Ausforderung von Seiten des Königes von England in schöner Sprache und Schreibart . - - , verlangte von dem Ronige , daß er ihm das Ronigreick Frankreich wieder geben sollte , das ihm zugehorte : damit er die Rirche , den Adel und das Volk wieder in ihre alte Freiheit se - Ken und ihnen die aufgelegten großen - tasten und Arbeiten ab - nehmen konnte ; und im Weigerungsfälle protestirte er wider alles llebel , das daraus folgen würde . Comines in des IV B . V eavitel an Seite . Schöner Vorwand ! welcher gleichwohl ein arobes NeK ift worein die Völker selten fallen ; denn so bald sie die Folgen einer fremden und auf das Recht der Eroberung gegründeten
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beschworen und beschlossen worven vaß man mIah^sfrlst um die Tochter Oes Röniges von England anwerbensollt , ! bereits Madame la Dauphins hatten betltteln lassen . Ebenda , elvst ^11 Sand .
VI B . II Cap z ? z S . Ludwig der IX , hatte die Vorstellungen bestaw big vernichtet , die ihm wegen Vollstreckung diese« Artikels gethan wor , den . Er har diese - Heirat ! , niemals erfüllen wollen : denn die Alter dieser zweenen schickten sich nicht für einander : denn die Tochter ( sie hat Elisabeth geheißen , welche an Heinrichen den VII , Kö - nig von England , Heinrichs des VIII , Vater vermählt worden ) rvel - che itzo Roniginn von England «st war viel alter , als ihre - Ho , heit der Dauphin , der itzo unser Ronig ist Da also durch die , se Scheingründe , durch hin und wieder schicken , ein bis zween Monate Zeit gewonnen worden , so hatte er seinem Feinde eine beguehme Zeit abgeschnitten , ihm Uebels zu thun ; denn ohne Zweifel würde der Ronig von England , wenn es nicht inHoss , nung der besagten Vermahlung geschehen , nimmermehr er , duldet haben , so nahe Plane bey sich wegnehmen zu lassen , ohne daß er sich d»e Mühe genommen hätte , sie zu vertheidigen . Ebendaselbst 354 S . aufs 1477 Jahr . Endlich ist der Dauphin mit Margarethen von Oesterreich , der Tochter Maximilians von Oesterreich und der Erbinn von Burgund , versprochen worden , welche« den Rö - nig von England bitterlich verdroßen ; denn es gereichte ihm zu großer Schande und Spott . Und da er sich vermuthet , daß seine Verachtung deswegen in England groß fem und einen Aufruhr wider ihn verursachen würde , vornehmlich da er kei , nem Rache glauben wollen , und da er den R<5mq so sehr mach« lig und nahe bey sich gesehen ; so ifi er in so große Berrübniß darüber gerarhen , daß er gleich nach erfahrner Zeitung in eine Rrankheit gefallen , woran er gar bald darauf gestorben ist , ei , nige sagen , an einem Steckslusse . Dem sey , wie ihm wolle , so saget man , daß die Retrübniß über besagte Heirath die Urs« , che der Rrankheit gewesen , daran er in wenig Tagen gestorben . Ebendas . II B . IX Cap . 390 , 391 S - Siehe auch die 388 S .
( N ) Der - Herzog von Glocester ließ die zwo Schwestern , Eduards des V , für - Hurkinder erklaren . ^ Wir wollen uns der einfältigen Ausdrückungen Philipps von ComineS auf der 391 S . dienen . „ Nachdem Tode des Königes Eduard , hatte besagter - Herzog „ von Glocester seinem Vetter , als seinem Könige und gebiethenden „ Herrn , den Eid der Treue geleistet , und gleich darauf diese That be - „ gangen , ( nämlich daß er diesen jungen König und den andern Sohn „ Eduards hinrichten lassen . ) und in vollem Parlemente von England »die zwo Töchter des besagten Königes Eduard ihrer Würde entsetzen . . und für Hurkinder erklaren lassen , unter dem Vorwande eines yewis - „ se " Falls , den er durch einen gewissen Bischof in England bewiesen , der „ ehmals bey gemeldtem Könige Eduard in großem Ansehen gestanden „ hatte , und nach diesem von ihm abgesetzer , und im Gefängnisse gehalten „ worden war . und den er mit einer Summe Geldes losgekauft ; wel - „ cher Bischof gesaget , daß gemeldter König Eduard einer englischen „ Dame die ehliche Treue versprochen hätte , die er genennt . Weil er in „ sie verliebt gewesen , und um seine Lust mit ihr zu haben , die Verspre - „ chung in die Hände des besagten Bischofs gethan , und unter diesem „ Versprechen bey ihr geschlafen hätte , und daß er solches nur um sie zu „ betriegeil gcthan : iedoch dergleichen Spiele sind allezeit gefahrlich , wel - , , ches dergleichen Beweise bezeugen . Ich habe viel Hofleute gesehen , . welche aus Mangel des Versprechens , keine gute Gelegenheit verloh , ' . ren hätten , die ihnen in solchem Falle anständig gewesen : dieser gott - , , lose Bischof hat diese Rache vielleicht zwanzig Jahr in seinem Herzen ^verborgen gehalten . , ,
( O ) Die Slaatsveranderungen würden , , , nicht wen» - ger vielfältig seyn , wenn diese großen Männer Nachkomme»« darinnen hinterlassen hatten . ] Das heißt , wenn sich nach ihrem de in England einige Herren gefunden , die so herrschsuchtig , so unerschro - cken und so geschickt gewesen wären , eine Rottirnng geschickt zu unter , halten , als jene gewesen waren . Denn dieses sind die Ursprünge und Triebfedern der Staarsveränderungen . Man suche sie nicht in derUn - beständigkeit des Volks : so wankelmüthig dasselbe auch seyn mag , so wird es sich doch ruhig halten , wenn es nicht von einer äußerlichen Ge« , valt bewegt wird ; wenn es seine Zunftmeister , seine öffentlichen Redner , und große Herren nicht durch die Tätigkeit ihrer herrschsüchtigen schläge reizen u . s . w . Es gleicht dem Meerwasser , welche« niglich stille ist , wenn die Winde nicht wehen : Ex quo intelligi potuit id quod faepe diöiim eft , vt mare , quod fua natura tranquillum fit , ventorum vi agitari atque turbari : fic et populutn Romanmn fua fponte efi'e pacatum , hoininum feditioforum voeibus vt violentifli . rnis tenipeliatibus concitari . Cicero , in Orat . pro Cluentio , cap . XLIX . Und wenn , nach dem Exempel gewisser Setter in dem Meere , wo die Jahrung einer unterirrdischen Materie ohne Bevhülse der Win - de manchmal eine Art des Sturms hervorbringt , es sich von sich selbst empöret ; so ist dieses nur ein Strohfeuer , wenn sich nicht wichtige Per - sonen zu Häuptern der Partey aufwerfen . Unser Eduard der IV , hat es wohl gewußt . Er hat dem Philipp von Comines erzählt , daß er bey allen Schlachten , die er gewonnen , so bald er die Oberhand erhalten , zu Pferde gestiegen und geschrieen , daß man das Volk retten und die großen Herren erschlagen sollte , denn von diesen sind keine oder sehr rvenige entkommen . ComineS III B . V Cap . 15 ; S . Hierdurch ist er endlich zu einer ruhigen Regierung geschritten : wenn er des Herzogs von Clarenee , seines Bruders , verschont hatte , so hätte er sich neuen Unruhen ausgesetzt . Er hat nur die alte Grundlehre PerianderS ( Ariftotel . Polit . Libr . III , cap . XI , und Libr . V . cap . X . Herodot . Libr . V , cap . XCII , pag . in . 324 . und Diogen . Laert . Libr . I . num . 100 . wollen , daß Thrasybulu« dem Periander diesen Rath gege - ben hat , ) und TarquinS des Hochmuthigen ausgeführt . Ibi inambu . lans tacitus , funnna papauerum capita dicitur baculo deeuflifie etc . Liu . Libr . I . cap . LIV . Ich leugne nicht , daß nicht eine andere che etwas dazu beygetragen hat . daß im XVI Jahrhunderte die Ueber - tragungen der Krone wider die Ordnung der Erbfolge , in England auf» gehört Haben , die im XV so gange gewesen sind . Diese andere Ursache ist der größere Gei st undMuth derer , die geherrscht haben , oder ihre Staats - bedienten gewesen . Man nehme diese zwo Ursachen weg , so wird man leicht begreifen , daß diese Übertragungen im XVI Jahrh . viel häufiger hätten ge - schehen sollen , als im XV ; denn dergleichen Sraatsveränderungen sind , wie die falschen Wunderwerke , davon das erste viel schwerer einzuführen ist , als die folgenden . Sobald man den Zweck erreicht , erst eine Wunder - fabel glaublich zu machen , so führet man eine andere dadurch mit wem - 3i » «er

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