Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7599

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Edouardus der IV .
„ kaum in demjenigen Alttr befunden , wo man anfangt , dasjenige zn zei« „ gen , was man ist , wenn man dasjenige nicht vorstellen kann , was man „ nicht ist , als man ihn für gut , leutselig , gerecht , und für einen wahren „ Christen erkannt : aber auch für weichlich , leichtsinnig , faul , schwach , „ der nichts gethan , als auf fremde Antriebe , und die er aus Gewohn - „ heit von denen angenommen , die sich einmal in Besitz gesetzet hatten , „ ihm dieselben zu geben „ D' Orleans , Re'volutions d'Anglet . Tom . II . Livr . VI . pag . 234 . Es hat wenig daran gefehlt , daß man ihn nicht in daSVerzeichniß derHeiligen gesetzt , die man anruft . Man lese folgen - de« : Ein prinj ron wenigen Gaben , und von großen Tugen - den ; sehr unglücklich nach der Welt , sehr glücklich nady dem Evangelio : er isk von den menschm verachtet worden , Sie ihn als einen schwachen , unverfiandigen , ja mmmen und verrückten Geist angesehen . Also redet Tomincs unbilliger «reise , rvider feine Gewohnheit , von dem Ruhme dieses gottseligen Roniges ; allein der ^immel hat seinen Ruhm durch die ÜOunderrvcrke erhoben , die bev seinem Grabe geschehen , und ihm Sie Vereh - - rung eines - Heiligen erworben . - Heinrich der VII , hat feine ^znligmachung verlanget : man weis nicht , was ihn verhindert , dieselbe zu verfolgen , oder dieselbe zu erhalten . Einige glau , den , daß dieser Monarch , der von Natur karg gewesen , sich vor den Unkosten dieses Gepränges gefürchtet ; eine nicht sehr liche Sacke von einem so großen Ronige ; andre sagen , man habe zu Rom geantwortet , daß man einen Unterschied zwischen einem redlichen Manne , und einem - Heiligen , machen müsse ; eine noch viel unwahrscheinlichere Ursache , weil die Rirche kei - ne erhabene - Heiligkeit , als diejenige erkennet , die ein Mensch durch ein reines ^eben , dem Verderbnisse des - Hofes , und durch eine bestandige Geduld , und langwierige H ? iderwartig - teilen w erhalten weis . Dasienige ist viel wahrscheinlicher , was andre davon g schrieben haben , nämlich daß - Heinrich der VII eher gestorben , als man die norhigen Erkundigungen zu die - str - Heiligmacliung vollbracht gehabt ; an welcher Theil zu nehmen , sein Nachkomme sich weder im Stande noch geneigt befunden . Ebendaselbst VII B . zqz . 344 Seite , Wenn Heinrich der VI , anstatt s» vieler christlichen Tugenden , die Eigenschäften eines Kriegeshelden , und eines Staatsmannes besessen hätte , der alles ins Werk zu richten weis , um sich furchtbar zu machen : so würde man ihm seine Unterchanen nicht so leichtlich haben abspenstig machen können . Wenn er so boshaft gewesen wäre , als die Häupter seiner Rebellen , so würde er sie zu ihrer Pflicht gebracht haben , und auf dem Throne storben seyn . Man hat ihn in seiner Hauptstadt , von aller Welt ver - lassen gesehen : warum ? konnte man sich über seine Gewaltthängkeiten beklagen ? keinesweges . Warum denn ? darum , weil er mit nichts , als seiner Tugend , gewaffnet gewesen , folaMaicftatc armatus . Eine ch« Hülfe bey einem bürgerlichen Kriege , wenn man weiter nichts . als das Zeugniß seines Gewissens , und das gute Recht auf seiner Seite hat' Einen Monarchen zu stürzen , der sich per fas et nefas furchtbar zu machen gewußt , dazu wird ein heftiger Sturm , oder ein starker Or - can erfordert : allein einen gewissenhaften und gütigen Prinz zum Fallen , u bringen , dazu brauchet es nur einen gelinden Hauch .
( L ) Der Herzog vonTlarence , - - ward mit dem Tode bestrafr . il Dieß ist geschehen , weil er allzuviel geredet hatte , da er er - fahren , daß der Bruder der Königinn sich bemühet ? , die Erbinn von Burgund zu heirathen . Eifersucht , voiderwille und Verdruß haben ihn bey dieser Gelegenheit , um so viel unbescheidener re - den lassen , da er selbst nach dieser Vermahlung getrachtet , und vieserwegen mir der - Herzogin» vonSurgnnd , seiner Sckwester , heimliche Anschlage gepflogen hatte . Sein Zorn ist so gar wi - Oer den Rönig ausgebrochen , gegen welchen er üble Reden ge , führet , und unter andern vielen schimpflichen Dingen zu diesem Vtinm qesaget , daß er nicht der Sohn des - Herzogs von Lork voetcf welcher - Heinrichen wider Treu und Glauben vomThro , ne verdrungen , der denselben , vermöge eines feyerlichen , und durch das parlement bekräftigten Vertrags , seine Lebenszeit über harre besitzen sollen . Die Röniginn und ihre Anverwand - ten haben nicht ermangelt , alle diese XVorre aufzumuyen , und ihnen die nöthigen Glossen beyzufügen , daß sie in dem Ver» stände aufgenommen werden mußten , den sie ihnen gebe» woll - ten - - - Ebendaselbst Vll B . zq ? Seile aufs 1476 Jahr . Edu , ßrd wurde dadurch so empfindlich gerühret , daß er seinen Vru - der bey dem parlemcnre angeklagt , und ihm seinen proceß ma - chen lassen . Man giebt vor , daß er seine Strafe gemindert , in - dem er die Todesarr , worzu er verdammt worden , darein ver - wandelt , daß er in einer Tonne voll griechischen Xveins ersauft worden . Die Milderung ist wunderlich und der RanzlerMo - rus mag sage» , was er will , der diese Thar für eine vvirkung der Gnade bev diesem Rönige aussiebt : so finde ich doch «was barbarisches dabey , welches der Menschlichkeit mehr zuwider ift als Sie allergrausamstc Todesstrafe . Ebendaselbst , 48 Seite . Man sehe folgendes : George , Herzog von Clarence . Bruder d - s Koni - ae« von England , hat erwählet , in einem Fasse voll Malvasier zu ster - ben - non fine quadain voluptate quam adferre folet leuis difiblutio animi ; saget Seneea . entweder sich zu berauschen , oder sich den Abscheu und die Empfindung des Todes zu benehmen . Matthieu , Hiftoire de Louis XI . Livr . X . pag . 5 * 0 .
( H ) Dieser für Frankreich schimpfliche Friede , ist zu entschul - digen , wenn man den Zustand der Sachen berrachter . 1 Der von mir angeführte Schriftsteller , giebt ihn für das Meisterstück Lud - u ? ig ÖC3 XI aus . D'Orleans , Rcvolutions d'Anglet . Tom . II . p . 3 ? o . Allein , sehet er dazu , er ist so rühmlick für den lLduard gewesen , daß diejenigen Französin , die nicht so sehr auf das gründliche mengen , als ihr König . und nickt ss wen sahen , sich dessen geschämt und sich lieber noch einer weit größern Gefahr auogesener hatten , als eine ss theure Sicherheit zu genießen . In der 'Tkat hat sich der Ronig von . England , auf eine solche Art bitten lassen , daß es die Majestät der französischen Mo , narchie kaum in der äußersten Nord erdulden können . Eine Summe von 50000 Thalern , welche diesem Prinzen für die Rriegsunkosten , ; ehn Jahre hinter einander bezahlet werden sollten , ist dasjenige , was in diesem Vertrage für Frankreich
das nachtheiligste , und für Eduarden das rühmlichste gewesen ; der mit dem Raube eines Prinzen beladen , in sein Land zurück gekehrer , mit welchem er Freundschaft gemacht hatte . Man sehe die Anmerkung ( I ) , bey dem Artikel Ludwig der XI : Ich Hab« daselbst eine lange Stelle eines französischen Seribenten angeführt , wel - eher beobachtet , daß dieser Prinz bey dieser Begebenheit der'Feigheit be - schuldiget worden . Der P . von Orleans hat nicht Unrecht , zu sagen , daß dieses zehn Jahre hinter einander zahlbare Jahrgeld , die allerschim - pfiichste Stelle geivesen ; denn man mnß wissen , daß sich die Englander aus diesem Grunde rühmen , die französische Monarchie ihrer'Krone zinsbar gemacht zu haben . Ich überlasse Staatsmännern die Unter - suchung der Gültigkeit dieses Grunde» : nach meinem Erachten ist sie schlecht , und , wenn man sich vernünftiger weise rühmen will , daß man eine Nation zu Zinsleuten hat ; so muß dieser Ausdruck in den Vertrag gesetzet seyn , und man muß sie gezwungen haben , zu bekennen , daß das zu bezahlende Geld ein Tribut genennet wird . Nun findet sich dieses nicht in den Vertragsartikeln , die zwischen Ludwigen dem Xl und Edu - arden dem IV geschlossen worden ; und es ist gewiß , daß die Franzosen und Englander diesen bezahlten Summen beständig einen verschiedenen Namen gegeben : jene haben sie ein Jahrgeld , ( siehe den Philipp von ComineS , im VI B . IX Cap . 390 . 39' S ) und diese einen Tribut genennt . Noch mehr , Philipp von Comine« versichert , daß es weder eins noch das andre gewesen . Und wenn er das Fahrgeld aufgehoben hat , welches er ( Eduard ) von uns genommen , welches er Tri - bar genennet ; allein es ist weder eins noch das andre gewesen , und ich habe es schon oben gesagt , Comines , Liv . V . chap . dem . p . 34 ? . Allein , wäre es denn im Grunde so etwas wichtiges , sich zu rühmen ; wenn man Ludwigen den XI gezwungen hätte , England zehn Jahre lang einen Tribut zu versprechen , welcher sein Königreich voller MiSvergnügten gehabt , und gewußt , daß ihn sein Connestabel verrieth , und daß sich in dem Herzen seines Königreichs die gefährlichsten Empö - rungen erheben würden , so bald die vereinigten Kräfte Englands , und des Hauses Burgunds , einen Einfall auf den Grenzen getkan hatten ? Wenn Eduard durch Anwendung der Umstände , und Unterstützung so vieler Bundesgenossen , von innen und außen seinen Feind so weit ge - bracht hätte , ihm einen Tribut zu versprechen , wäre denn dieses ein ge - gründeter Beweis seiner Oberherrschaft ? Wo ist eine so mächtige und tapfere Nation , die nicht in diese Nothwendigkeit verfallt , wenn sich alle ihre Nachbarn , zur Zeit ihres Zwiespalts , wider sie empören ? Ich glaube nicht , daß Frankreich Ursache gehabt hätte , sich groß zu machen , oder Holland zu beschimpfen , wenn es denselben nach der Einnehmung von Utrecht , im 1672 Jahre , den Frieden , unter der Bedingung eines etliche Jahre zu zahlenden Tributs , gegeben hatte . Frankreich war von England und zween Fürsten des Reichs unterstützt , und griff ein Land an , das voller Zwiespalten war , und von niemanden in der Welt Bey« stand harte .
Uebrigens darf man sich nicht verwundern , daß Eduards de« IV Auf . führung getadelt worden ; denn aller Wahrscheinlichkeit nach , würde er noch etliche Landschaften erobert haben , wenn er seine Sache noch weiter getrieben hätte , und vielleicht hätte er auch mit dem Herzoge von Bur - gund , ganz Frankreich theilen können . Philipp von Comines versichert , daß Ludwig der XI viel Furcht gehabt , es würde die Engländer gereuen , eine so schöne Gelegenheit verlohren zu haben . Wir wollen dasjenig« anführen , was er sager : Ein Edelmann aus Gasconien , ein Die« ner des Röniges von England , Namens Ludwig von Vre , railles ; welcher sehr misvergnügr über diesen Frieden war , und , weil er mich von langer seit kannte , in geheim mir mir te * dere , und sagte : daß wir den Rönig von England brav ausla - chen würden . Und ich fragte ihn , wie viel der Rönig von England Schlachten gewonnen hätte 1 Er sägte zu mir neunc , wobey er in Person gewesen wäre ? ich fragte ihn , wie viel cc derselben verlohren hatte : er antwortete mir , daß er nur eine verlohren harre , und daß es diejenige gewesen , derenVerlustwie verursachet , und daß er diese Schande , ihn in diesem Zustande zurück zu schicken , viel höher hielte , als die Ehre , die er durch Gewinnung der andern neim ; gehabt hatte . Ich erzählte diest dem Könige , der zu mir sägte , daß dieses ein sehr böser Schwör« zer wäre , und daß man ihm das Reden verwehren müßte . Er ließ ihn zur Mitragsraftl rufen , und ihn mir sich speisen , und borh ihm sehr gute Partien an , wenn er diesieirs bleiben wollte . Und als er sah , daß er nicht bleiben wollte , so gab er ihm tau , send Thaler baar Geld , und versprach ihm , den Brüdern gutes zu thun , die er disieits hatte : und ich sagte ihm etliche Xvorte ins Vergleichung zwischm Frankreich und der Pforte im 1672 Jahre .
Wenn sich Frankreich nach der Einnehmung Utrecht« im 1672 Jahre , mit denen Bedingungen begnügt hätte , welche die vereinigten Provinzen , die ihn um Friede Kathen , angenommen hatten : wie viele Beurtheiluw gen dieses Vertrags , würde man nicht gesehen haben , die gesager hät - ten , daß sich Ludwig der XIV seiner Vortheile nicht zu bedienen ge -
wüßt .

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