Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7588

Edouard der IV .
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Die Dienste , welche die Ronige nicht vergelten können , machen sie gemeiniglich undankbar , u . s . w .
Die erste Stelle , die ich anführen will , ist in den Nachrichten des Herzogs de la Rochefouemid , Guerre de Paris . „ Es fiel der Koni , „ ginn schwer , eine Erkenntlichkeit zu zeigen , die den großen Diensten „ gleich gewesen wäre , die ihr der Prinz erwiesen hatte , und ihm herge - , , gen , nachdem er ihr nühlich gedient , sich in der schuldigen Bescheiden - „ hm zu halten ; denn die Schulden von dieser Art , wenn sie nicht be - »zahlt werden können , gebühttn gemeiniglich in dem Gemürhe des Re - „ genten Haß , und blasen zu gleicher Zeit den Unterrhanen die ken zum herrschen ein . „ Der Herr de la Chatte biethetmir die andre Stelle in seinen Memoiren dar . So bald wir außerordentliche Verbindlichkeiten gegen gewisse Personen haben , so scheint es , daß wir ihre Gegenwart fürchten , als wenn sie uns unablaßig zur Erkenntlichkeit reizte , und unsere Undankbarkeit bey der allergeringsten Verzögerung tadelte . Philipp von Comines hat uns einen sehr guten Gedanken Ludwigs des Xl erhalten , und ihn bey Gelegenheit einiger Großen angebracht , die nicht wohl dabey gefahren sind , daß sie die ihrem Herrn geleisteten Dienste , auf einen allzuhohen Werth gesetzet hatten . Er nennet unter andern den Grafen von War - wik : „ Es geschieht sehr oft , daß die Kühnheit nur daher kömmt , weil „ man wohl gedient hat , und daß es diejenigen dünkt , die derselben brau - „ chen , als wein , ihre Dienste so beschaffen wären , daß man viel von „ ihnen erdulden müßte , und als ob sie unentbehrlich wären . Die Prinzen „ hingegen sind der Meynung , daß man gehalten ist , ihnen wohl zu die - „ neu , und halte» sich fest an ihr Wort : sie wünschen nichts mehr , als „ diejenigen los zu seyn . die ihnen beschwerlich sind . Bey diesem Falle >>m»ß ich unfern Herrn in zwey Dingen anfuhren , der einmal zu mir i . fagere , da er von denen redete , die große Dienste thun , ( und mir da - » . bey seinen Namen anführte , von wem er es erhalten , ) daß die gar „ zu guten Dienste manchmal die Leute unglücklich machen ; und daß „ die großen Dienste am öftesten mit der größten Undankbarkeit be - . . lohnt würden : allein daß es auch so wohl aus einem Fehler dererjeni» „ gen herkommen könne , die gedachte Dienste geleistet hätten , wenn sie „ allzuhochmüthig reden , und sich ihres guten Glückes so wohl gegen ihre ^Herren , als gegen ihres gleichen gebrauchen , als von der Unerkennt - „ lichkeit des Prinzen . Weiter hat er mir gesaget , daß ein Mensch , um „ wohl bey Hofe zu stehen , weit glücklicher fty , wenn ihm der Prinz , dem „ er dienet , eine große Wohlthat , wegen weniger Dienste , erweist , wofür „ er ihm sehr verbunden bleibt ; als er seyn würde , wenn er ihm ei , „ nen so großen Dienst erwiesen hätte , dafür ihm besagter Prinz sehr „ verbunden wäre : welcher gemeiniglich diejenigen mehr liebet , die ihm , . verbunden sind , als diejenigen , denen er verbunden ist . „ Philipp von Comines in des III B . letztem Cap . auf der 191 . 192 S . bey mir . Wir wollen das Urtheil des Montagne , Eflais , Lib . III . cap . VIII . p . 1» . 280 . hierüber sehen : Als ich , saget er , vor einigen Jahren den Philipp von Tomines , gewißlich einen guten Schriftsteller , gelesen be ; so habe ich dieses Xvorr darinnen für nichts gemeines be ? merket : daß man sich wohl hüten müsse , seinem ^Herrn so große Dienste zu leisten , daß man ihn verhindert , die billige geltung derselben zu finden . Ich muß die Erfindung loben ; aber ihn nicht . Ich habe sie auch im Tacitus vor nicht allzu - langer Zeit angetroffen : Beneficia eo vsque laeta funt , dumvi - denturexfoluipofi'e . vbi multum anteuenere , pro gratiaodium reddi -
rnr . Die N ) ohlrhaten sind so lange angenehm , so lange man sie vergelten kann , wenn sie weiter gehen , so bezahlet man sie , an - starr der Dankbarkeit mit - H»N . Tack . Annal . L . IV . cap . XVIII . Und im Seneca auf eine lebhafte Art : Nam qui putat turpe esse non reddere , non vult esse cui reddat . Denn ein jeder , welcher glaubet , daß es dem eine Schande ist , der keine Vergeltung giebr , wünschet , daß derjenige , der sie empfangen soll , nichts ge - than hätte . Seneca , Epift . LXXXI . di . Cicero nimmt einen tem Umweg : Qui fe non putat fatisfacere , amicus esse nullo modo poteft . Denn wer nicht glaubet , daß er dem andern genugsam vergelten könne , der kann keineswege« sein FreunO seyn . ro , in Epiftol . Ich wollte , daß Montagne die Stelle des Seneca nicht verstümmelt hätte : er hat den Anfang und das Ende davon ge - nommen , und dieß waren die nachdrücklichsten Stücke . Man sehe den Anfang : Eo perdudhis eft furor , vt periciilofiffiina re» fit ficia in aliquem magna conferre , nam qui putat , etc . Seneca , Epift . LXXXI . Und man betrachte dieses : es ist die Folge von dem , was Montagne anführet : Tibi habe , qnod aeeepifti , non repeto , non exigo . Profuisse tutum fit : nulluni eftodium perniciofius , fluam ei beneficii violati pudorc . Man könnte auch den XIX Bk . des Senc - ca anführen ; denn man findet darinnen , daß die Wohlthaten Haß ge - hähren : Nulluni habet maius malum occupatus homo , et bonis fnis obfeUus , quam quod amicos fibi putat , quibus ipfe non eft : quod beneficia fua efficacia iudicat ad conciliandos amicos , cum qui . dam , quo plus debent , magis oderint . Leue aes alienum debitorem facit ; graue inimicum . Plinius der jüngere , der alle Beweisgründe der Lobreden vollkommen erkannt hat , hat nicht vergessen , zu bemerken , daß sein Held , den andern Fürsten nicht ähnlich wäre : sie glauben mals , daß sie jemanden Verbindlichkeit haben : und wenn sie es jaglau , ben , so hassen sie diese Person . Vtriusque cura , vtriusque vigilantia obftriftus es Caefar . Sed in principe ramm ac prope infolitum eft , vt fe putet obligatum , aut fi putet , amet . Debes ergo Caefar , et foluis . Plin . in Paneg . cap . LXI .
( D ) i£c verhcirathere sich nacbthcilig . ] „ Er ist von einer Com - „ plerion gewesen , die alle Gattungen . der Liebe anzunehmen sähig war : er barre flüchcige und beständige , zur Kurzweile und zum Ernste ; indem «er alle Frauenspersonen aus Ueppigkeit angegriffen , und sich von Zeit zu „ Zeit an einige , durch anhaltende Leidenschaften , gehangen hat . Die , . . jeniae die er aegcn Elisabethen Wodwill , des Baron von Rivers , und „ der ^lakeline von Lurenburg Tochter , hatte , die diesen Herrn , als Witwe '^de ! Herzoas von Bethford , geheirathet , ist von dieferlehtern Befchaf - FnhK ? wef ? n Er wab nach Graft - n , der Wohnnng des Barons , & uf die Jagd gegangen , und hatte daselbst " NgArochen semerEhge - „ mahlinn eine Höflichkeit zu erzeigen - - - ©1le l z . bevsich , die als Witwe des Johann Gray , derD^nH^nrichs „ des VI , in der andern Schlacht bey S - Alban geblieben war , bey der „ Confiseation von de» Gütern ihres Ehgatten» einTheil ihrer Guter II Sand .
„ verlohren hatte . Die junge Witwe , welche sich einer so günstigen „ Gelegenheit bedienen wollte , dasjenige wieder zu erhalten , was sie ver - „ lohren hatte , hat ihre Zeit unter diesem Besuche wohl abgepasset , den „ König um diese Gnade zu bitten . , , v'Orleans Revo / utions d'An - gleterre , Livr . VII . Tom . II . p . 302 . aufs 1465 Jahr . Sie erhielt die - selbe , hat aber dem Könige diejenige Gunst nicht zugestanden , die er von ihr verlanger : Ich schätze mich nicht so würdig , sagte sie zu ihm , zu glauben , daß ich Roniginn seyn konnte ; allein ich halte mich auch nicht so geringe , daß ich mich entschließen sollte , eine Bey , schlaferinn abzugeben . Ich kann niemand , als einen Ehgemabl , lieben : und weil sie dieses nicht seyn können , so begnügen sie sich damit , daß ich sie als meinen Ronig verehre , und gegen sie , alle Erkenntlichkeit habe , die ich gegen meinen U ? ohlrl , ätcr haben soll . „ Sie hat durch die Vorstellungen , die sie ihm gelhau , ihn zu „ überreden , die Leidenschaft zu ersticken , die er gegen sie hatte , ihn voi» „ lends entzündet , da er sich gänzlich außer Stande gesehen , sich ihre „ Lehren zu Nutzen zu machen . Sie brachte ihn durch diesen Kunstgriff „ so weit , daß er sich , unaeachtet der Verbindlichkeit , die er anderwärts „ hatte , und aller Bemühungen , welche die Herzoginn von Pork , seine „ Mutter anwendete , ihn davon abzuwenden , sich entschlossen , sie zu heira - „ then ; nad ) dem sie die allerstarksten Gründe unnühlich angewendet , und „ die Sache so weit getrieben hatte , daß sie eine Liebste des Konige« , „ Namens Elisabeth von Luci , vermocht , sich zu erklaren : daß ihr dieser „ unbeständige Prinz seine Treue versprochen , und ihm bloß wegen dieser „ von ihm erhaltenen Ehversvrechung , die letzte Gunst erwiesen hätte . Die „ Herzoginn verzögerte durch das Geruchte von dieser Eheversprechung , „ und durch die Angebung , die sie selbst bev dem Bischöfe gerhan harre , das Beylager des Königes , ihres Sohne« , einige Tage ; allein man hat „ nach reiflicher Untersuchung der Sache , vermittelst de« Zeugnisse« „ der rheilhabenden Person gesunden , daß sie sich zwar durch die Hoff - „ nung , aber durch keine Ehevcrfpredjung hatte verführen lassen . Nack dem also diese Schwierigkeit gehoben , und nichts mehr vermögend war , „ dergleichen Schwierigkeit dem Willen Eduards in diesem Puncte zu „ machen : so hat er die Frau Gray , mit allen Feyerlichkoten und aller . . Pracht eines königlichen Beylagerö , geheirathet . , , Ebendas . 304 S . Er führet den Thomas Morus an .
Man weis nid>r , wa« sich eräugnet haben würde , wenn Eduard be . reits eine Gemahlinn gehabt , da er mit dieser jungen Wittwe von Liebe gesprochen . Vielleicht hätte er nicht so viel Widerstand gesunden ; viel» leicht hätte man keinen so großen Widerwillen , gegen den Stand einer Beyschläserinn , gehabt , als da man ihn in Frenheit gesehen , sich eine Gemahsinn zu erwählen . Thomas Morus giebt zu erkennen . daß sich einige Arglist bey dem Verfahren dieser Dame gefunden : sie hat digt , da der Zuhörer keinen Nutzen mehr davon haben konnte . Im Grunde , antwortet eine vornehme und verschlagene Frau allezeit so , wie die Frau Gray gethan hat . Dieß kann dienlich , aber nicht schädlich seyn : denn es giebt gute Mittel , dem Uebel einer ersten Weigerung za helfen , und man führet eine Mannsperson , so groß sie auch ist , sehr weit , wenn sie verliebt und unverheiratet ist ; und wenn man derselben za verstehen zu geben weis , daß sie nicl>rs erhalten wird , wofern sie nicht ver - mittelst der Trauuna liebet . Wir haben in dem Texte des Artikel« So , levn , zwischen den Anführungen rf ) und e ) gesehen , daß eine Beyschla« serinn Heinrichs des VIII , ihn durch einen gleichmaßigen Kunstgriff bis zur Ehscheidung getrieben hat .
( E ) Die rveiber dienten ihm viel . ) „ Philipp von Comine« sa . „ get , daß diesem Konige drey Dinge den Eingang in diese so große „ Stadt so leicht gemacht . Das erste ift gewesen die Anzahl seiner „ Freunde , die sich in die Kirchen gerettet hatten , welche zur selben Zeit , , noch als unverletzliche Frenstädte angesehen worden sind . Das andre , „ die großen Schulden , die Eduard in London gemacht hatte , indem ein » . jeder vergnügt war , seinen Schuldner im Zahlungsstande zu sehen . „ Das dritte , sind die Bürgerinnen gewesen , die Theil an seinen Gunst» „ bezeigungen gehabt , welche ihre Ehmänner für ihn gewonnen . „ Eben , das . 335 S . aufs 1471 Jahr . Die Worte Philipps von Comines sind über diesen lehren Punet in des III B . VII Cap . 164 S . bey mir diese - Viele Standesfrauen und reiche Bürgerinnen der Stadt , mit welchen er ehemals große Gemeinschaft und genauen Umgang gehabt , haben ihre tLhmanner uno Anverwandte für ihn ge - - Yvonnen . Das ist ein sehr seltsames Glück ! Andre Könige , und vor - nehmlich in andren Landern , würden ihre Krone verlohren haben , weil sie die Ehweiber ihrer Unterthanen allzulieb gehabt hätten : hier ist einer , der sie durch diesen Weg wieder erhält . Wir wollen doch die Beschreibung von seinem wollustigen Leben geben : Er hatte sich bereits bey neolf bis dreizehn Jahren , mehr als irgend ein Prinz , der zu seiner Zeit gelebt , an seine Gemächlichkeiten und Lrgcylichkeircn ge , wohnt : denn er dachte nur einzig und allein , und mehr , als es die Vernunft erforderte , an das Frauenzimmer , an das Jagen , und seine Person wohl zu pflegen . Wenn er zur Jagdzeit gereiset , so hat er verschiedene Zelter , für das Frauenzimmer , mir führen lassen : und in der Thar hat er daselbst , ein großes rvobtteben gehabt . Er har auch eine sthr geschickte Gestalt gehabt , die , ses zu thun , troy einem , Sen ich jemals gesellen habe : denn er « , ar so jung uno schon , als kein tNenscl ) gewesen ist , der zu sei , ner Zeit gelebt har , ich sage zur Zeit dieser rviderwarrigkeit : denn s«jt dem ist er sehr fttt geworden . Ebendas . V Cap . 156 S . auf« >47° Jahr .
( ? ) Kr seNte - Heinrichen wieder in den Tour , ohne daß sich eine Seele widersetzte , ob er gleich e , n sehr gütiger Prinz war . Z Ich habe an einem Orte eine Beobachtung gemacht , die mir durch Bey - spiele zu bestätigen erlaubt ftyn wird , wem , ich dergleichen finde . Ein jeder Schriftsteller hat ein Reckt , feine Gedanken zu rechtfertigen , und sich Hierbey alles dasjenige zu Nutzen zu machen , was ibm feine Bele , senheit darbiethet . Ich habe in der Anmerkung de« Artikels Ampba , res gesaget , daß die allzugroße Schwachheit . und allziiaroße Gütigkeit der Fürsten , viel öfter die Ursache ihrer Absetzung aewesen , als ihre zugroße Bosheit . Heinrich der VI , der Ball des Glücks , der etlichemal gefangen , und endlich im Gefängnisse hingerichter worden , ist der beste Herr gewesen , den man nur sehen können . „ Er hat alle Tugenden be« „ sessen , die einen ehrlichen Mann machen , aber wenig Eigenschaften , die „ einen großen König mache» ; ja er hat nicht einmal die Kunst verstan - „ den , sich einen äußerlichen Schein davon zu geben . Also har er sich 2i «kaum

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