Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Edouard der IV .
ibn einen Einzug in London halten lassen , der allen äußerlichen Schein eine» Sicgesgepranges harre ; in ^>etraci ) tung seiner Folgen aber , eine wahrhaftige Gefangenschaft war . Ebendaselbst 266 0 . Ma» zwang ihn , ein Parlement zu berufen , welche« ihm drey Vormünder geseket , davon der Herzog von Dork der erste , unter vem fcTamen eines Beschützers von England gewesen - - - Also war - Heinrichen von der Majestät nichts mehr übrig geblieben , als der Ronigsname : Oer Herzog besaß das Wesentliche da - von , und hatte nur noch einen Schritt zu thun , um alles zu ha , den : allein er erwartete , Saß die Stimme Oes Volkes ihn er - muntern sollte , diesen entscheidenden Schritt ju thun ; weil er nebst der Rrone auch den Ruhm haben wollen , daß er sie an - zunebmen gezwungen worden wäre . Allein er hat sich in sei . - ner Rechnung sebr betrogen ; ( ebendaselbst 267 S . aufs 1457 Jahr . ) Denn die Königinn hatte sich eine große Partei ) gemacht , die in einem neuen Parlemente erklären lieg . „ Daß da« Königreich . da der Prinz „ von reifem Alter und gesundem Verstände wäre , keines Beschützers nö - „ thig hatte ; daher die Versammlung für rathsam erachtete , den Herzog „ von York , der überflüßigen , und'für die Fähigkeit des Monarchen , „ schimpflichen Sorgen zu überheben , und das große Siegel urwerzüg - „ lich in des Königes Hände zu überantworten , damit er es demjenigen „ von seinen Unterthanen anvertrauen könnte , den er tüchtig dazu er - „ kennen würde „ Ebendaselbst - 68 S . Nach verschiedenen Begeben« Heiken ist eine Schlacht bey Norchamprcn geliefert worden : ( ebendaselbst 276 S aufs 1460 Jahr . Der Konig ward dabey gefangen : der Her - zog von Hork erfuhr diesen glücklichen Ausschlag in Jrrland , and gieng unverzüglich nach England über : er gab dermaßen zu erkennen , daß er nach der Krone trachtete , daß man nicht weiter daran gezweifelt . Er hat sie auch mir deutlichen und förmlichen Worten bey dem Pariemen - te verlangt : ebendas . - 78 S . Wie aber die Versammlung , nach seiner gehaltenen Anrede , ein tiefes Stillschweigen beobachtet , so hat er wohl gesehen , daß seine Sachen nicht so gehen würden , wie er gewünscht . <£r wollte Ronig seyi» , allein feine Gedanken sinO gewesen , sol - chcs mir Genchmhaltung seiner Unterthanen 5« sc>» . Ebendas . 279 Seite . Man hat eine Mitrelstraße gefunden , wom c die Parteyen vergnügt waren . Es wurde fest geseht , Saß der Ronig , so lange als er lebte , dieRrone behalten , uns daß sie nach seinem Tode auf den - Herzog von Z ? ork , und seine Rinder , kommen sollte . Die Köniqinn wollte nicht in einen Vergleich willigen , der ihrem ne , dem Prinzen von Wallis , fo nachtheilig war ; sie »vaffnete sich mit allem Fleiße , um ihm feine Rechte zu erhalten . Der Herzog gieng wi - der sie w Felde , und wurde in der Schlacht erleget , die wenig Tage dar - auf geliefert ward . Ebend . - 8> S - aufs 1460 Jähr .
Auf diese Art hat seine Herrschsucht Schiffbruch gelitten , weil sie allzu gekünstelt gewesen . Er hat sich mit der Königswürde nicht begnügen , sondern auch den Ruhm haben wollen , daß man ihn gebethen , zu regie - ren . Er hat sich gefcheuet Gewalt zu gebrauchen , sich erwählen zu las - fen : und da er erwartet , daß man ihn endlich mit dem allerseyerlichsten Gepränge den Zepter in die Hand geben sollen , so ist er gestorben , ohne darzu zngelangen . Wenn er dasjenige gelhan hätte , was sein Sohn ge - than , so würde seine Regierung viel länger gewesen seyn : er hat die Frucht seiner Bemühungen verlöhren , weil er nicht alle feine Kräfte an - gewendet ; die Behutsamkeit bey dergleichen Dingen ist fast allezeit schädlich . Das Glück ist nicht böse darauf , daß man ihm feine Gunst - bezeigungen raubet , ( siehe den Artikel Carl der V , in der Anmerkung ( X ) . ) es will , man soll hitzig seyn , es speyet die laulichte» aus . na forte» metuit , ignauos premit . Sencca in Medea , Achi , II . v . IJ9 . Res eft profedlo lhilta nequitiae modus . Senec . in Againemn . A<ä . II . Sc . I . v . iso . Ich erimute mich einer Betrachtung de ? Meze , rai , die nicht unrecht ist . u ? ie es eben so wenig große Verbreckien aicbt , die ihren Zweck erreichen , sagte er . Abrege Chronol . Tom . VI . pag . m . 66 . aufs 1 * 91 Jahr , als - Hclventugenden , so haben diese Leute , l das heißt die Sechzehner , die den Präsidenten Brisson hinrichten lassen , ) da sie eines ol ? nei7orf> angefangen , ein andres ren gewußt , das ihnen norhig war , das andre zu bedecken . Also treibt Gort das Böse zurück : er erlaubet nicht , daß man es zu Ende bringe , und er richtet die Sachen gemeiniglich auf eine solche Art ein , welche maäm , daß diejenigen , deren Verwegenheit keine Grenzen hat , einen eingeschränkten Verstand babm , und daß diejenigen , ivelche Witz genug haben , alles dasjenige einzusehen , was zu thun nützlich wäre , nicht das Herz haben , solches auszuführen . Hierdurch erholet sich die unter - drückte Unschuld wieder , und entkömmt auch sehr oft der Gefahr selbst . Hoc vno modo . Iudices , faepe multorum improbitate deprelfa ve - ritas emergit , et innocenriac defenfio interclufa refpirat : quod aut ii , qui < * d fraudem callidi funt , non tantum audcnt quantum excogi - taut : aut illi , quorum eminet audacia atque proieäa eft , a confiliis malitiae deferuntur : quod fi aut confidens aftutia , aut callida esset audacia , vix vllo ob / ifti modo poflfet . Cicero , Orat . pro Cluent . cap . LXV . Die Vermischung einer außerordentlichen Verwegenheit , mit einer erfindenden und scharfsinnigen Bosheit , würde ein Strom seyn , welchem man nicht widerstehen könnte .
Vis et nequitia quicquid oppugnant , ruit .
Phaedrus , Fab . VII . Lib . IL
Es würde ein Blitz seyn , der alles niederschlüge , was er träfe . Kein ziger Thron würde sich wider die Rottirer erhalten können , die diese zwo Gaben besäßen . Die Missethaten erhalten sich durch Missethaten .
Da frena , et otnnem prona nequitiam incita .
Per fcelera femper fceleribus tutum eft iter .
Seneca , in Agam . AÄ . II . Sc . Lv . n4 ,
Ich könnte noch viel andre Sprüche über diesen allgemeinen Grundsatz anfuhren : allein dieß ist voritzo schon genug . Zum Beschlüsse wollen wir sagen , es hat der Text dieser Anmerkung erfordert , daß ich von der Ausführung des Herzogs von Pork , eine kleine Beschreibung aäbe : nicht sowohl , weil dieses desto besser zu erkennen giebr , was sich zu diesem Artikel schicket , als weil man zeigen mußte , daß ihn sein Sohn in der Kunst der Staacsveränderung 11 bertrossen hat .
( v ) Die Trostlosigkeit der partes , Heinrich« ves VI , wurde noch weit größer . ) So bald man erfahren hatte . daß Hemrich ge .
fanaen war , so zerstreueten sich die übrigen Lancaster in Sieb« , nackbarren Gegenden . Die Königinn führte ihren Sohn nach Frankreich . Der Graf von Pembroke irrre heimlich und unbe - kannt in England berum . Edmond , der neue - Herzog von Sommerset , seit dem Tode seines Sruder Heinrichs , flüchtete mit seinem 1 ungern Bruder Johann , und dem - Heinrich - Holland , - Herzoge von Excester , nach Flandern . ( C ) < . Et gab dem Grafen von Xvarwik , auf verschiedene Ar - tcn Anlaß zum Misvergnügen , der das meiste zu - Heinrichs des
VI Abstnung beigetragen Hatte . ] „ Die Dienste , welche die Kö - „ nige nicht vergelten können , machen sie gemeiniglich undankbar . Ein „ Mensch , von dem sie viel erhalten haben , scheint berechtiget zu seyn , „ viel von ihnen verlangen zu können : und ein jeder , der Recht hat , alle« „ zu verlangen , ist auch überlästig , wenn er nichts verlanget . Eduard „ hat feine Krone dem Grafen von Warwik zu verdanke , , gehabt : dieser „ Dienst ist über alle Vergeltung weg gewesen , und hatte diesem Herrn , „ da er überdieß mit herrlichen Thaten verknüpft gewesen , eine aroßeZu - „ neigung bey dm Unterthanen erworben . Der König ist eifersüchtig „ darüber geworden , und , in der Einbildung , daß man ihn mitdemGra - „ fen von Warwik , wie den Saul mit dem David , vergliche , hat er be - „ fürchtet , man möchte in England , wie ehmals in Israel sagen : Saul „ bat tausend geschlagen , und David zehn tausend . , , Ebendaselbst
VII B . 300 S . Dieß ist das erste Misvergnügen gewesen . Dieser Graf ist nicht nach seinen Verdiensten belohnt , und gewahr worden , daß ihn Eduard mit eifersuchtigen Augen angesehen . Er hatte gleichwohl von dem Könige Eduard so viel erhalten , daß seine Einkünfte auf goooo Thaler angewachsen waren . Matthieu , Hiftoire de Louis XI . Liv . V . cap . VI . pag . 239 . Dieses schließt viel unangenehme Dinge in sich : denn es ist unmöglich , daß ein König , der den Ruhm eines seiner Unterthanen beneidet , denselben nicht auf allerhand weise belei , digen sollte .
Das andre Misvergnügen ist von der Gesandtschaft hergekommen , die diesem Grafen war aufgetragen worden , um die Vermählung seine« Herrn mit Bonnen von Savoyen , der Schwester der Köniqinn von Frankreich , zu unterhandeln . Diese Heirarh wurde geschlossen , unS man wartere weiter auf nichts , als auf die Zurückkunst eines Abgesandten , Sen der Rönig von Frankreich an Eduarden ge« schickt harte , die iSheverbindung unterschreiben zu lassen , ( leans Revol . d'Angl . Vom . II . p . 302 . ) als man die Zeitung bekommen , daß der neue König von England die Witwe eines Ritters geheiratet harre . Ebendaselbst zos Seite . „ Ganz England hat diese Vermählung , , mit dem äußersten Verdrusse angesehen : allein niemand hat eine» . . größer« Verdruß darüber empfunden , als der Graf von Warwik , der „ nicht gezweifelt , daß der Konig ihn diesen Possen nur darum gespielt „ hätte , um ihn vor dem ganzen Europa lächerlich zu machen ; da er ihn „ um eine große Prinzeßinu anwerben lassen , mittlerweile er eine bloße „ Adliche qeheirathet . Die Aufführung Eduards qegen den Grafen , bey „ seiner Zuruckkuuft in London , hat ihn vollends zum Zorne gereizet . „ Dieser Herr hane gehofft , daß sich sein König wenigstens würde ange - „ legen seyn lassen , seinen Verdruß , entweder durch gute Worte , oder „ durch einige üble Entschuldigungen zu mildern ; allein man redete gar „ nichts zu ihm , und begegnete ihm mit einem so hochmütigen Wesen , „ daß auch ein nicht so ehrgeiziger Mann , als er , solches kaum erduldet „ haben würde . Zur größten Beschimpfung hat er noch erfahren müssen , „ daß dieser wollnsnge Monarch die Keuschheit seiner Muhme , andre sa - „ gen seiner Schwester versuchet ; und in seiner Familie eine Beyschläferinn „ hatte machen wollen , zu der Zeit , da er sich eine Gemahlinn aus einer „ andern genommen . „ Ebendaselbst zo ; Seite . Hier sind die Worte des Polydorus Virgilius : Nec abhorret a veritate , Edouarduni ten - tafle , vt aiunt , nefcio quid in domo Comitis , quod ab honeftate omnino abesset , cum homo eilet , qui facilc puellas oculis alliceret easque deperiret .
Warwik hat voller Rachgier beschlossen , Heinrichen wieder auf den Thron zu fetzen , und er hat diesen Anschlag glücklich ausgeführt . Man sehe , wie er mit der . ^rone gespielt hat ! Er beraubte Heinrichen den VI , derselben , um sie Eduai den zu geben ; und dann nahm er sie Eduarden dem IV , um sie Heinrichen dem VI , wiederzugeben : ein angenscheinli - cher Beweis , daß er weder den Gesetzen noch der Gerechtigkeit , sondern bloß seinen Absichten und seiner Leidenschaft Gehör gegeben hat . Er har Gewalt genug gehabt , selbst auf den Thron zu steigen ; allein er har geglaubet , daß es ihm mehr Ruhm brächte , Könige zu machen , als selbst zu regieren . D'Orlean« Revolution ; d'Angleterre , Tom . II . p . 306 . Er führet den Thomas Morus an . Sein Ehrgeiz har ihn nicht zu regieren angetrieben , sondern nur , diejenigen zu beherrschen , che regierten . Ebendaselbst 338 S Uebrigens sieht man niemals , daß diejenigen , die einen unrechtmäßigen Anwerber auf den Thron erheben , dessen Gnade lange genießen . Daran ist der Grundsatz : man lieber die Verrarherey , aber nicht die Verrather , nicht allezeit schuld ; dieß geschieht nicht allezeit , weil man sich einbildet , daß Leute , welche daran gearbeitet haben , ihren ersten Herrn vom Throne zu stürzen , sich kein Gewissen machen werden , auch den andern abzufetzen : es geschieht vornehmlich darum , weil diese Leute in der Einbildung stehen , daß man ihre Verdienste nicht genugsam belohne , und daß ein Prinz , der ihnen die oberste Gewalt schuldig ist , ihnen auch alles verwilligen solle , was sie verlangen . Siehe oben die Anmerkung ( L ) zu dem Artikel Colonna lPompejus ) . Er kann es nicht thun , er soll es nickt thun . Hier - über werden sie verdrießlich , sie kommen darüber zu Vorwürfen , und bringen sich in Ungnade . Wir wollen eine kleine Auslegung , über die von mir zu Anfange dieser Anmerkung angeführten Worte machen :
Die

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