Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7515

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( A ) <£t war ursprünglich ans Ungarns Cula . em DorfbeyWa - radein ist seines Vaters Vaterland gewesen . Also wage ich mich , diese Worte Melchior Adams in den Leben der deutschen Philosophen auf der 66 0 . zu übersetzen : Fuit eius pater Albertus ex Vico Cula prope Voradiuin ciuitatem Hungariae , natus . Ich murhmaße , daß durch ei» yen Druckfehler in dem Buche dieses Scribenten Voradium anstatt Varaclium steht . Dieser Fehler ist vom Paul Freher getreulich abge - schrieben worden : man sehe die iqzy S . seines Schauplatzes . Moreri hat dasjenige nicht begriffen , was ich abschreiben will : Albertmn Du - rerum e Pannoiiia oriundum accepimus , fed cuius maiores in Ger - maniam commigrarint . Ebendaselbst . Er hat geglaubt , dieses bedeute , daß unser Albrecht der Sohn eines Ungar« , dessen Familie aber ursprünglich aus Dcutschland gewesen . Nichts ist falscher , als bieg . Vflsart hat das Vaterland Albrecht DurerS nicht gekannt ; er hält ihn für einen Flämänder , und läßt ihn sein Kupferstechen zu Antwerpen anfangen . E nel vero , saget er , Vite de Pittori , terza Parte pag . m . 501 . fe queft' huomo si raro , si diligente , e si vniuerfale ha - vefle havuto per patria Ia Tofcana , com' EGli HEBBE LA FIANDRA , e havefle potuto ftudiare lc ccfe di Roma , come hab - biamo fatto noi , farebbe ftato il miglior Pittore de' paed noftri , ft come fu iJ piu raro , e piu celebrato , che habbiano mai havuto i riAMMiNGHi . Hier ist , was er auf der vorhergehenden Seite sagt hatte : Dopo quefto Martino , eomincio Alberto Duro in An - verfa , con piü difegno , e miglior giudkio , C con piü belle inven - tioni a dare opera alle niedefime Kampe .
( B ) Seine Stücke von Oer Paßion sind so hochgeschätzt wor - den , daß sieb Marcus Antonius von Bononien - - daran gemacht sie abzucopiren . ) Vullart begeht hier einen schändlichen Schnitzer : er vermengt den Marcus Antonius von Bononien , mit ei - nem andern Marcus Antonius , der Jranei zugenamt worden , weil ihn Francesco Francia erzogen hatte . Vafari Vite de Pittore , P . III . p . zoz . Also ist es sehr weit gefehlt , daß Marcus Antonius von Bononien un - ternommen hätte , dieses Werk Albrecht Dürers nachzumachen , da er mit ihm wegen des Druckes und Verkaufs Gesellschaft gemacht hatte . Ebendas . Es ist Marcus Antonius Franci gewesen , der den Schelm - streich gespielt hat , davon hier die Rede ist . Vasari redet weitläuftig davon : allein er saget nicht , daß dieser Nachstecher auch Dürers , der eine gerichtliche Klage wider ihn erhoben , nöthig gehabt , um ihm zu sei - ner Begnadigung zn verhelfen . Er saget deutlich , daß man dem Kläger nichts anders zugesprochen , als daß Marcus Antonius in Zukunft auf seine Werke den Namen und das Zeichen Albrecht Dürers nicht mehr setzen sollte . Hauendo dunque contrafatto in rame d'intaglio groflb , couie era il legno , che haveva intagliato Alberto , tutta detta Paflio - ne , e vita di Chrifto in z6 carte , e fattovi il fegno , ehe Alberto fa - ceva nelle fue opere , cioe quefto AE , ( dieß ist ein Fehler , er sollte setzen AD . ) riufcl tanto fimile di ruaniera , chejnonfapendo niflbno , ch'elle fuflero fatte da Marc'Antonio , erano credute d'Alberto , e per opere di lui vendute , e coniperate ; La qual cofa efiendo feritta in Fiandra ad Alberto , e rnandatogli vna di ciette Paflioni contrafatte da Marc' Antonio , venne Alberto in tanta collera , che partitofi di Fiandra , fe np venne a Venetia , e ricorfo alla Signoria , Ii querelo di Marc'Antonio , ma pero non ottenne altro , fe non che Marc' Antonio non facefle piu il norne , e ne il fegno fopradetto d' Alberto nelle fue opere . Ebendas . zvi S - Also hat sich Bullart Acadetn . des Scien^ . Tom . II . p . 384 . betrogen : denn er hat gesaget , daß der Rath zu Venedig diesen Betrüger aus das schärfste bestraft haben würde , wenn ihm Albrecht nicht selbst Gnade verschafft hätte .
( C ) Seine Gemälde sind auf eine so zierliche Art gemacht , , daß man nicht« besser« und ausgedruckeers sehen iÄnn . Z Sein Gemälde von Adam und Even , ist eine von feinen ansehnlichsten Schildereyen ; es ist auf dem Schlosse zu Prag . Caspar Veliu« lobet es auf eine sehr seine Art : denn er hat zween Verse gemachet , woriimen er vorbringt , daß ein Engel , der die Vorstellung Adams und Evens be - wundert , ausruft : ihr seyd viel schöner , als damals , da ich euch aus dem Garren Eden jagte :
Angelus hos cernens , miratus dixit : ab horto Non ita formofos vos ego depuleram .
Dullart , dcm ich dieses abborge , setzet Academ . des Sc ? en$ . Tom . II . pag . 3S4 . dazu : I , daß man in eben diesem pallaste von Albrecht» Pinsel noch einen Christum sieht , der sein Creu» tragt , wovon Sie Stadt Nürnberg dem Kaiser ein Geschehe gemacht hat ; eine Anbechnng der Ameisen au« Morgenland ; und ; wey Stücke von der Paßion . II . Daß er für ein Rloster in Frankfurt eine Himmelfahrt gemacht , deren Schönheit den Mönchen durch die Frc / gebigkeitcn ein ansehnliche« mitgebracht , die man ihnen wegen eines so seltenen Anblicks gemalt . III . Daß die von Nürnberg auf dem Rath«herrensaale seine Bildnisse Carl« des qroßen , und einiger Raiser au« dem - Hause Oesterreich nebst denzwölf Aposteln , deren Kleidungen sehr angenehm sind , an - noch sorgfaltig verwahren . IV . Das er Sem Raphael sein von ihm selbst auf Leinwand gemachtes Bildniß zugeschickt . ohne einige Farbe und pinsclstriche ; sondern bloß durch den Schal , ren und da« N ? ciße erhöht , allein mit solcher Starke und Sau - berkeit , daß Raphael dieses seltsame rverk mir Bewunderung angesehen , welches , da es nachgehend« in Besitz des Julius Ro - manus gekommen , unter die Seltenheiten des pallastes von Mamua gesetzt worden ist .
( v ) Sein h . Eustachius ist eines von seinen besten Stücken . ) Wir wollen sehen . was Vasari davon gesaget hat . Et appreflo un S . Euftachio inginocchiato dinanzi al Cervo , che ha il Crocififlb fra le corna , la qual carta e rnirabile , e mafllrnamente per la bellez - za d'alcuni cani in varie attitudini ; che non poflono euere piil belli . Vite de Pittori , Part . III . pag . zoz . Johann Valentin Andreas , Doeror der Gotresgelahrtheit in dem Herzogthume Würtenberg , hat ein Exemplar von diesem Werke an einen Prinzen au ? dem Hause Braan - schweig geschickt , mit welchem er einen langen Briefwechsel zu unterhal - ten , die Ehre gehabt . Hier ist die Danksagung , die man ihm wegen dieses Geschenkes abgestattet hat . Beafti tnt itcrum nowo munere ,
fcalptvra magis quam acnes , infignis Ulius pifloris Norici , qtrod Ut» tcra A . D . ad Bafin initiali incarcerata innuit , cui facile nihil deefle crederem , nifi vt Zeuxis aut Parrhafitis , aut alius aliquis , cui aeque prona fauet Minerua , colores adderet , et natiuain formam . Siehe das Buch Seleniana Auguftalia zu Ulm gedruckt , das von mir daraus angezogene steht auf der 201 S in einem Briefe den 10 des Winke» - monatS 1646 tinterftl ) ri ? ben . Wir wollen auch das Lob anführen , wel - ches dieser Doctor der Gottesgelahrtheit dem Dürer in der Antwort auf den Brief dieses Prinzen gegeben hat . Euftachium Dureri , fi non a mea , certe fummi artificis manu non ingratuni Tibi fore , facile diuinare potui , in quo Viro illud mirandum eft , quod ex rudi et barbaro faeculo priinus Germanorum , non tan tum artis fuae perfe - äione , ad natiirae imitationem emerferit , fed ncc fecundum poft fe reliquerit , omnibus eius partibus , fcalptura , fculptura , ftatr . aria , archite & onica , optica , fymmetria , et fimilibus ita abfolutis , vt nifi Mich . Angeluni Bonarotum , Italum , coaeuum et aemulum fuum , parem , non habuerit , iis operibus , ( quorutn maximam partem «lim polfedi ) poft fe reli & is , quae vnius hominis aetatem facile fu - perent , et paupertate in frugali etiam vita , perpetua comite . Hunc Itali hodie plurimi faciunt , nobisquefuccenfent , quidomeftica noftra bona et ornamenta non agnofeamus . Ebendas . 203 <0 . Wir müssen die Vorsorge nicht vergessen , die der Kaiser Rudolph der II , angewen - det hat , diese Platte des heil . Eustachius vergoldet , zu lassen , und wir werden zu gleicher Zeit sehen , daß Dürer einen Fehler daran verbessert hat , dessen ihn Pirkheimer erinnert hatte , daß nämlich die Steigbügel an dem Pferde , alljukurz gewesen . Dnreriana manu Te apprime de - leftari crediderim , dieß sind die Worte des Johatm Valentin Andreas ebendas . auf der zc>8 S . cum pro accurato iudicio difeernas , quantum hicvntis omnibus aliis artificio , diligentia , et naturae aemulationean - tecellat . Ex omnibus vero eius fpecimini'ous Eußachium in Caela - tura primas tenere , a peritis rerum aeeepi , cuius cupream laminam cum Imperator RVDOLPHVS II , fei . mein , magno redemiffet , in . aurari voluit , ne amplius attereretur . Memini tarnen legifle , a Bili - baldo Pirkbelmero , Viro nobili , et in Repub . Noribergenfi Trium - viro clariffimo Dureri Mecenate , et Nutricio prope vnico , cum nihil haberet , quod in Euftachiana tabula improbaret , tarnen notafle , Stapedes breuiores eile , quam vt Eußachius huic equo infidere com - mode poflit , poenamqtte artifici inaixifle , vt equum inftru6him de - pingeret , ad equifonum inftitutum , quod iile egregie praeftitit , quem fäepe cum voluptate vidi .
( E ) Ich weis nicht , ob man diejenigen , welche sagen , daß AI - brecht Dürer sehr übel verheirathet gewesen , mit denen verglei - chen kann , welche vorgeben , daß er zur Abmalung der h . Jung» srau das Gesichte seiner Lhfrau zu seinem Muster und rigi , nale genommen hat . ] Ich finde das erste von diesen Dingen in einem Briese des Prinzen Anton Ulrichs von BrannschtVkig . Seleniana Au . guftalin , pag . 309 . Q^iod addis , non folum memorabile , fed et ad - mirabile fuifle , infignem illtim Piftorem Nuricum , ( quem merito maiufcula littera hic veneror ) defperato etiam illo , abortiuoque tempore , ad tantatn perfeflionem , et artis fuae exCellentiam perue - nire potuifle , id non minus et nie afRcit , dum infuper illud ria repeto , quod a Studiorum noftrorum Ductore chariffimo , non ita pridem mihi dictum , ipfum dornt Xantippe» habuijje pejfmam , ac diuinae fuae mentis flagellatricem ecerrlmam . Sed vti Multos mag» nos Viroc calamitas facit , ita non obftante hoc , fama de Durero no - ftro apud exteros nihilcminus adeo percrebuit , vt plurimi Italorum cuujprimis , dudtum iplius artificiofiffimum fequi , impari tarnen co - natu et fuccellli , aufi fuerint , neque adhuedum erubefrant , aliorum pi£hiras camino propius adrnoucrc , fumofa quadani caligine , vt vc - tuftatein eo melius mentiantur , obducere , «tque addito Dureri con . fueto figno non raro fimplicioribus pro genuino iplius artificio male vendere . Hier sieht man unsern Dürer eben demselben Schicksale , als den Sokrateö , der beständigen Verfolgung feiner Ehgattinn , ausgesetzt ; wel - ches ihn nicht verhindert , Werke hervorzubringen , die noch heutiges Ta - ges von den Italienern bewundert werden . Die andere Sache findet sich in einem Briefe , den Doctor Johann Valentin Andreas an eben diesen Prinzen geschrieben . De morofiore eius Coniuge , nihil mihi prius auditum , hoc vero aeeepi ab artificibtis defiderari , quod in cflingenda Virgin« matre , cum ptterulo lefity vnam fuam vxorrm% quae tarnen minus elegantis et formae et vultus fuerit , fubinde ex - prellerit , cum caetera " Symmctriae humani corporis obferuantilfiniu» fuerit . Ego tarnen contrarium ipfe poiTedi , et maximo dolore meo in Caluenfi bufto perdidi , faciem fc . Deiparae , viuis coloribus , iufta humani vultus magnitudine depiftain , qua elegantius , concin - nius et fonuofitts exeogitari nihil potuit , et quam magno aere meo redemtam velim . Ebendas . 311 S . Der Doctor widerleget dasjenige nicht , was er zu widerlegen unternommen hatte ; denn ob er gleich ein» schr schöne Jungfer Maria gehabt , die vom 'Albrecht Dürer gemacht gewesen , so folget doch daraus nicht , daß nicht einige andere Bildnisse eben dieftr Heiligen diejenigen Mängel gehabt , darüber man sich beklaget , und deren Ursache man der Grille zugeschrieben hat , daß Albrecht seine Ehfrau vorstellen wollen , die nichts weniger als hübsch gewesen .
( F ) Man hat gesagcr : daß dieser große Maler sehr arm ge« storben . ] Fioravami hat dieses in eines von seinen Büchern gesetzt , und vorgegeben , daß die Verschwendung diesen Maler in diese« Unglück gestürzt hätte . Unser Lehrer hat ihn am angezogenen Orte »viderleget . und zwar jb : Sed et alia Viro egregio e'xprobrantur , quae Nori - berga conftanter pernegat , ex quibus eft , quod Eiorauanti in me - raorabilibus refert , tarn malae jrugis Oecortmum fuifle , vt tot ope - rum conteöor , defunäus ex publica elferendus fuerit ; cum mihi probatis documentis fit oftenfum , non contemnendam aeris et fup . pelleäilis foitem poft fe reliquifle . Qjiod fi ex publico ipfi funus decretum , id virtutis potius precium , quam infamlac notam Sen . populusque Noribergen / is haud dubio voluit . Man ke , daß er Hieroben bekamt , es sey Albrecht Dürer allezeit arm gewe - sen , ob er gleich sehr sparsam gelebet .
( < ? ) ( Sc hat seine Runs ? niemals ; u unfiathigen Vorstellungen angewendet . ^ Es hat zur selbigen Zeit mehr al ? zu viel Maler aege - ben , die sich ditse Freuheir herausgenommen ; allein er hat sich diesen
bösen

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