Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4189

Calvin .
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„ mir eitie« so großen Mannes vollkonimen würdig . Es ist ein Mei - „ sterstück in seiner Arr ; und ob wir gleich viel längere Lebensbeschrei - „ bungen haben , so haben wir doch keine bessere ausgearbeitete noch öf , „ ter übersehene , Unterdessen hat eS mir viel gediener , weil es sich mehr „ darauf leget , dasjenige zu widerlegen , was der RechtSgelehrte Balduin , „ und der'GotteSgelehrre Westfalius dem Calvin vorgeworfen haben , „ als seine Verrichtungen umständlich zu erzählen . „ Varillas , in der Vorrede über den I Th . der Historie von der Ketzerey . Dieß ist die Stelle des Varillas , und hier sind meine Noten : I . Ist dieses Leben Calvins nicht unter den Papieren des Papyrius Masson vom Bales - dans gefunden worden : wir haben den Parin gehöret , welcher versi - chert , daß er es dem Buchhändler gegeben , und denselben gebethen hat , eS den Lebensbeschreibungen des Papyriu« Masson beyzufügen . Dieß ist noch nicht alle« : der Bruder deSPapyrmS Masson hatte dieses Leben dem Vitus Parin geschenkt , und nicht gezweifelt , daß es sein Bruder ausgesehet hätte : er hatte auch gewisse 'Dinge darzu gefüger , die er durch die Tra - dition erfahren hatte , weil er Domherr Z» AngeulemeS gewesen war . II . Ist die Schreibart dieses Lebens von der Schreibart der andern Werke des Papyrius Masson nicht unterschieden , als wie die Leben von Lobreden unterschieden seyn sollen . Wenn Varillas dieses Leben Calvins , mit Carls des IX seinem , des Dantes , des Petrarch , des Bocaz , welche Mas - son aufgesetzt , verglichen hätte , so bin ich gewiß , er würde es mit diesen ganz gleichförmig gefunden habet« . Man sieht in diesen fünf Leben einerlei ) Abtheilung der Materien und Capitel , einerlei ) Schreibart , ei« nerley Witz , einerlei ) Manieren . Dieses , nebst dem förmlichen und deutlichen Zeugnisse des Guido Patin , ist zureichender , mich zum Glau , den zu bewegen , entweder , daß sich die Herren Dupuy betrogen ha - ben , oder daß sich Varillas desjenigen nicht genau erinnert hat , wa« «r von ihnen sagen hören . Ich habe aber noch einen sehr starken Grund . Der Urheber dieses Lebens Johann Calvins hatte die Rechte unterm Balduin studiert . Sic enim Balduinus Praeteptor mens in Iure ciuili , pag . 418 . Dieses schicket sich vollkommen aus un - fern Papyrius Masson , ( siehe das Lob Balduins , unter des Papyriu« Masson seinen , - 6z S ) aber nach meinem Bedünken nicht auf den be - rühmten Gillot . Man liest in diesem Leben , daß Balduin den Calvin zum schweigen gebracht , und daß dieses Stillschweigen für den letztern sehr schmerzhaft gewesen . Ipfi filentiuni Balduinus Iurisconfultus impofuit feni , magno dolore Caluini , pag . 421 . Dasjenige , was Papyrius Masson in seinem Lobe Balduin« , - 6 - S . bemerket , schicket sich unvergleichlich zu diesem Fenint Caluinum nullius linguam , ftylum , eruditionem , magis horruifle , quam huiui Atrebatis . III . Also sind Balesdan« und Spondanu« nicht zu tadeln , wenn sie geglaubet haben , daß dieses Leben aus Massons Feder geflossen . IV . Es verdienet die Lobeserhebungen nicht , die ihm Varillas verschwendet ; ich lasse diejmi - «en davon urtheilm , weiche eine Kenntnlß in dergleichen Federgeburten besitzen . V . ES läßt sich im geringsten nicht angelegen seyn , dasjenige zu widerlegen , was der RechtSgelehrte Balduin und der Gorres - gelehrte Ä ? estfalius dem Calvinus vorgeworfen liaben . Dieser RechtSgelehrte wird öfters darinnen angeführet , ohne daß man ihn wi - verleget ; denn die darinnen gemachte Beschreibung des eigensinnigen , hitzigen und hochmüthigen GemütheS Calvins wird vielmehr durch das Zeügniß dieses RechtSgelehrten bewiesen . Siehe die 428 , 4 p und 455 S . daß man solchergestalt nicht begreifen kann , auf was für Art Varillas ein Buch gelesen ; denn er ist der einzige Mensch in der Welt gewesen , der nach Durchlesung dieses Lebens sagen können , daß das Hauptwerk darinnen sey , diesen Rechtsgelehrten zu widerlegen .
Wenn sich Vigneul Marville die Mühe nehmen will , diese Dinge zu überdenken , und vornehmlich die übrigen Stücke des Papyrius Masson mit diesem Leben Calvins , nach den Regeln der Cririk , zu vergießen : so bin ich gewiß versichert , er wird nicht weiter glauben , daß wir von dem Gillot eine Lobrede Calvins «uf£ . tUein haben , die sich auf eine »ngescl'ickre XVeise zu iLnde der berühmten Männer des papyrius tnaflön befindet . Melanges d'Hiftoire et de Litte'rature rccueillis par Mr . de Vigneul . Marville , pag . 201 .
Ich habe mich in meiner Muthmaßung betrogen : er hat dieses gese - Heu , und ist nichts destoweniger be» seiner ersten Meynung geblieben : Er läget , daß dasjenige , was ich angeführt , daß sieb diese SLobi rede unter den parieren des papyrius JTIalTon nach seinem Tode befunden , kvie es sein Bruder gegen den verstorbenen "
saget , nicht« beweise . »ssons gefunden ; u beweisen behauptet , es sey da« Manuskript davon dem Buchhändler vom Guido Patin mitgerheilet worden , welcher es von dem Bruder de« Papyrius Masson erhalten hatte : allein es geht kein einziaer von meinen Beweisen dahin , daß dieses Werk unter den Papieren desjenigen Schrift - stellers gefunden worden , den ich für den Urheber desselben halte . Er hätte , meinen Beweis vorzustellen , sagen müssen , daß der Bruder de« Papyriu« Masson das Manuseript dem Guido Patin , als ein Werk sei - ne« Bruders , gegeben habe . Die Betrachtung des Vigneul Marville greift diesen Beweis nicht an ; denn man begreift ganz deutlich , daß «lehrte Personen unter den Papieren eines Bruders , ( der Bruder des 'Papyrius Masson ist Domherr gewesen , ) die Schriften , die er gemacht , von denen sehr wohl zu unterscheiden wijstn , die von einer andern Hand
sind . Ich übergehe mit Stillschweigen , wie e« wahrscheinlich ist , daß Papyrius Masson seinen Bruder unterrichtet haben wird , was sür Ma - nuseripte von seiner Arbeit gewesen , die man unter seinen Papieren finden würde . Die Schreibart betreffend , so berufe ich mich deswegen nochmals auf die Kenner , die sich die Mühe nehmen wollen , dieses Leben Calvins mit den andern Lebensbeschreibungen zu vergleichen , welche vom Masson ausgesehet worden . Dieß ist meine II Anmerkung Die III und letzte ist , daß der Character Gillots , welcher die Sachen derselben Zeit nicht so zu Gerzen genommen , nicht der geringste Beweis wider mich ist , sondern vielmehr meine Meynung am allerve - sten behauptet Denn folgendes findet man zu Ende dieses Werke« : Haec de vita Caluini feribimus neque arnici , quem fi labern et per . niciem Galliae dixero , nihil mentiar . Atque vtinam aut nunquam natus eilet , aut in pueritia mortuus . Tantum enim malorum in . tulit in patriam , vt cunabula eins merito deteftari atque odifle de - beas . Papyr . Maflo , Elog . pag . 4 ; ; . Dieß ist die Sprache eines gen römischen Papisten , und nicht eine« Katholiken , wie Gillot war , der die Liguisten nnd alle Mönch» gehaßt , und viel Freundschaft gegen den Scaliger und andere Protestanten gehabt .
( 2 ) Gr hat sich nicht bekümmert , Vermögen ZU sammlen . Z Wenn ein Mann , der sich einen so großen Namen und ein solches Ansehen erworben , nicht mehr als hundert Thaler Besoldunagehabt , und nicht mehr zu haben verlangt , und nachdem er ungefähr 55 Jahre mit aller mogli - chen Sparsamkeit gelebt , seinen Erben , den Büchervorrath darunter gerechnet , nicht mchr , als zoo Thaler am Werthe hinterlassen , so ist dieses eine so heldenmüthige Sache , daß man ein unempfindliches Ge - müthe haben müßte , wenn man sie nicht bewundern wollte . Accu - tnulandis fcilicet opibus ftuduit , cuius bona omnia , care etiam di - uendita ipfius Bibliotheca vix trecentos aureos aequarant , vt non minus feite quam vere calumniam iftam lange impudentiflimam re - fellens , haec verba viurparit ( in Pr * tf * t . in Commtnt . in Pfalm . ) Me non effe pecuniofam , fi quibusdam viuus non perfuadeo , mors tarnen oftendet . Teftari certe poteft Senatus , quum perexigua ef - fcnt eius ftipendia , tantum abfuifle , vt in iis non acquieiceret , vt am - pliora etiam oblata pertinaciter reeufarit . Beza in Vita Caluini , pag . Z87 . zu Ende . Dieß ist einer von den seltsamsten Siegen , welche die Tugend und die Hoheit der Seele auch bev denjenigen , die das Amt des Evanaelii ausüben , über die Natur eryalren können . Calvin hat darinnen Nachahmer hinterlassen , was das thatige , eifrige , und für das gemeine Beste besorgte Leben betrifft : sie wenden ihre Stimme , ihre Feder . ihre Schritte , ihre Vorstellungen zur Beförderung des Rei» che« Gottes an ; allein sie vergessen sich selbst nicht , und sind , über - Haupt zu reden , ein Beyspiel , daß die gütige Kirche eine Wörter ist , in deren Diensien man nichts verliehet : sie bestätigen die Lehre des h . Paulus , daß die Gottseligkeit die Verheißuna diefcs und des gen Lebens hat ; mir einem Worte , Gott schüttet seinen Seaen über die Wachsamkeit solchergestalt aus , mit welcher sie fiir ihre häuslichen Geschaffte sorgen , daß man sie wichtige Besoldungen genießen , und ih . ren Erben ein gute« Erbtheil und überflüssiges Auskommen hinterlassen sieht . Sie theilen Almosen aus , sie erweisen große Müdigkeit . Dieß ist nichts jchweres ; man giebt ihnen die von andern zu gottseligen Gebräuchen bestimmten Summen zu verwalten , und sie dörfen keine Rechnung darüber ablegen . Mit einem Worte , ein Testament , wie Calvins seines , eine Uneigennützigkcit , wie die seinige , ist eine im höch - stei' Grade seltsame Sache , und vermögend , diejenigen , welche die Augen auf die Philosophen des alten Griechenlandes wenden , zu dem Ausrufe zu bewegen ; non imieni tantam Fidem in Israel . Als vin von den Straßburgem Urlaub genommen , wollten sie ihm da« Bürgerrecht und eine geistliche Pftünde lassen : er nahm ihr Anerbie - then , was den ersten Punct betraf , an , aber in Ansehung der Einkünfte nicht . Id tandem Argentinenfe * concefl'erunt , ea tarnen conditione , vt ius ciuitatis honorarium , quod in Caluinum contulerant , faluum eilet , et praebendae , quam vocant , annuos redin» retineret ; quorura illud probauit Caluinus , iftud vero vt aeeiperet nunquam ab eo ex . torqueri potuit , vt qui nihil minus quam opes curaret . Ebendas . 370 S . auf« Jahr > 54 > . Er hat einen von seinen Brüdern mit nach Genf gebracht ; allein , denselben zu Ehrenämtern zu befördern nicht gedacht , wie andre gethan haben würden , wenn sie in gleichem Ansehen gestan - den hatten . In der Thal hat er für die Ehre seiner Familie gesorgt ; ixnn er hat daran gearbeitet , ihn von von einer Frau los zu machen , welche Ehebruch begangen hatte , und ihm die Erlaubniß erhalten , eine andre zu nehmen : Ebendas . zi ? S siehe die Anmerkung ( CC ) . Allein , seine eignen Feinde erzählen , daß er ihn das Buchbinderhandwerk ler ; nen lassen , welches er seine ganze Lebenszeit geübt . Varillas im X B . auf der 137 S . der Historie von der Ketzerey . Man beobachte , daß ich mchrs von vielen groben Lügen , den Calvin betreffend , gejagt habe , welche Drelincourt widerlegt hat .
( AA ) Ich will etwas von dem Urtheile lägen , welches Erasmus u . s w ] „ Da sich Calvin einige Zeit zu Basel aufgehal - „ ten , und Bucer ihn dem Erasmus vorgestellt hatte , so sagte dieser , , große Mann , welcher sich ziemlich auf Leute verstund , nachdem er sich „ von der Religion mit ihm besprochen , öffentlich : daß die Kirche an die - „ sem jungen Menschen eine Pest erzogen , die ihr unglücklich seyn wur , „ de . " Dieß sind die Worte des Moreri . Mich dünkt nicht , daß er bis auf die Quelle zurück aeqangen sey , nämlich bis in das Buch des Florimond von Remond ; sondern ich bilde mir ein , daß er auf« höchste bi« in die Jahrbücher des SpondaimS auf« Jahr 1 , 54 Num . XI . pag . 4 - 4 - zurückgegangen ist . Dem sey , wie ihm wolle , so wollen wir die te des ersten und ursprünglichen Scribenten Florimond» von Remond im VII B . X Cap pag . m . 889 . 890 . seiner Historie von der Geburt der Ketzerey anführen : Der Gerichrsschreibcr des Parlcmenc» Z» Paris , welcher über den Fehler seines Sruders verdrießlich roar , ist ihm wen ins Land gefolgt , und hat ihn mit ? uruck , lajsimq seines Calvins in Deutschland nach Frankreich wieder zurück gebracht . welcher sich in des oben errvabnren Roussels Gesellschaft , als sein Diener begeben Daselbst bat er die mei , sten von denjenigen gesehen , welche die Gemütber der Volker unrubig machten , >a auch den Äucer , welcher ihn dem Erasmus vorgestellt , welcher nur sah . wo es hinaus rvollre , und sich von der Menge nicht mir fortreißen ließ . V ? ie ibm Ducer von diesem vortrefflichen Geiste viel Rühmens gemacht .
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