Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7484

Duaren .
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Wen feit drey Jahren besuchet : In Bafilica Parificnfi ad tres annos Jibcnter vcrfatus Iura . Ebelidas . Epift . ad Albafpin . p . 297 . Diese zwo Unterschriften gehören auf das einzige >550 Jahr , wenn man den An - fang des Jahres in den Jenner setzet . Er wurde der Zungendreschereyen des'RaMauses überdrüßig , und ist sehr vergnügt gewesen , daß ihm die vortheil hasten Bedingungen , die ihm die Herzogin» von Berri , Königes Heinrichs des II Schwester , anbiethen ließ , eine günstige Gelegenheit verschaffet , die Bedienung zu Bourgeö mit Ehren wieder anzunehmen , die er daselbst bekleidet hatte . Er hat im 1552 Jahre die Profeßion der Rechte daselbst wieder angetreten . Kein einziger Professor der Reckte , außer dein Alciat , hatte jemals eine so gute Besoldung auf dieser hohen Schule gehabt , als die , wclcl>e uuserm Duaren verwilliget wurde , vecre» tum mihi eft ex aerario publica ftipendiiim anniuim ad vicena millia feftertiorum niimmum , id eft longe amplius et honorificentiiis ( fi vntim AIciatimi excipias ) quam Iurisconfultus adhiic vllus habuifl'e in ea cinitate dicjtur . Ebendas . 298 0 . Siehe die Anmerkung ( ö ) des Arti - kelsÄalduin . Ueberdieß ist erRequeteumeister bey der Herzogin» von Berri gewesen . Ebendaselbst . Man merke , daß er in seinem Briefe an den Sebastian von Albaspina unter dem - 4 des Wintermonats 1550 des Leichenbegängnisse« von dem Eguinard Baro gedenket , welches ein öffentliches Zengniß von der Ehrerbiethnng der Schüler gegen das Ge , dÄtniß des Verstorbenen gewesen . Man merke auch , daß er 1554 sehr geneigt gewesen , von da nach Balenza zu gehen , wo ihm ein Lehrstuhl des bürgerlichen Rechts angebothen worden war . Dum enitor , elaboro , contendo vt vobis morem geram cum bona herae meae venia . . . intcrim vobis hunc qiiafi arrhabonem quendam pro - penfi mei in vos animi ac voliintatis mitto . Duaren . Epiftol . Dedicat . Comment . in Titul . de Verborum Obligationibus . Diese Zuschrift ist zu Anfange des ersten Bandes seiner Werke . Also redet er , da er im 15 ? « Jahre , den Pflegern der hohen Schule zu Valenz» ein Werk zu - geschrieben .
Ich habe nur im Vorbeigehen von seinem Ekel vor denZungendresche - reven des Rathhauses geredet ; wie er aber eine sehr beredte Beschrei . bmig davon machet , so habe ich mich für schuldig erachtet , hier einen Tkeil seiner Worte aus dem Briefe an den Sebastian von Albaspina auf der - 97 anzuführen . In Bafilica Parificnfi ad tres annos Iiben . ter verfatus fum : tametfi ( vt verum fatear ) immodicos ac prope incxplicabiles litium anfraöus , qiiibus illud forum prae caeteris abimdat niagis quam Iites ipfas ac mdicia , quibus humanum genus carere non pofTe vidctiir , perinnitus nfc absque ingenti faftidio illic viderim . Vix eniin credibile eft , qiianta ibi homimim eorumque grauilfimorum et le & iflimorum mnltitiido quam miniitis ac pufillis in rebus quotidie occupata fit . Ac vt de amplilHmo purpuratorura Patrum ordine et conuentu loquar , num tibi videntur pleraque eo - rum iudicia , quae ftatis legitimisque diebus & t ? x Tglnoiat palain eduntur , non dicam augufto illo confeflii , fed infimo aliquo tribu - nali fatis digna eile ? Nam cum etc . Diese ganze Rede ist sehr per , nünftig . Diese erlauchten Versammlungen , die man Parlementer net , machen allzuviel Aufsehen in Absicht auf die Kleinigkeit der Sachen , die sie entscheiden : und man kann sich nicht enthalten , einen scharfsinni - acn Kopf zu beklagen , der viel Zeit auf die Vvrbereicuna verwenden muß , einen Rechrshandel vvNlttragen . Was brauchet er nicht fürStudiereiis und UntersuchenS zu den Redensarten , deren sich ein öffentlicher Schreiber bey einem letzten Willen oder einer Heirathsverbindung bedient hat , das Verlangen einer kleinen Privatperson zu erklären . Ich habe von einem Parlementsrathe zu Metz sagen hören , daß dergleichen Studieren um so viel unangenehmer ist , da eS dem Geiste keine Nahrung und keinen »vettern Umfang giebt . Wir wollen die Verse des Perrault anfuhren , welche den Nachtheil tuiserer Sachwalter betreffen , wenn man sie mit den Sachwaltern des Alterthums vergleicht . Perrault in dem Gedichte , Le Siede de Louis le Grand , pag . m . 175 . des I Bandes seiner lele des Ancicns et des Modernes .
Ich fef ) das Alterthum mit seinen Rednern pralen ;
Ich seh die Cicerons , ich seh die Demosthenen , Den unvcrwelkrcn Preis von Rom und von Athen , Der Donner ihrer Kirnst erschreckt mich allbereitS Und ihres Namens Ruhm will nnS zu Boden schlagen .
Wohlan ! so tretet her ! der Streit wird angenommen ; Nur theile man dabey mit Billigkeit das Feld .
Kommt und beschäfftigt euch vor unsermRichterstuhl !
Drey Furchen , die die List dem Nackbar abaedrungen :
Behauptet einen Guß nach unsrer Willkühr Sätzen De« nach verjährtem Brauch ein Nachbar leiden muß ,
Kurz , zeigt denUeberfluß undVorrath eurer Kunst ;
Hans Mmlfords kahles Recht gewaltig zu verfechten . *
* Dieser Beschwerde sind ja alle Gerichtstühle unterworfen , und es ist so wenig in Athen und Rom , als anderwärts bey neuern Völkern jemals anders gewesen . Der Areopagus ist von kleinen Hänkereyen der Privatpersonen niemals fr« ) gewesen . Ii , den Briefen Alciphron« findet man , daß der Redner Hyperides die Hure Phryne wegen einer Ehklage vor diesem Gerichte vertheidi - gel hat , worüber eine andere Buhlschwester Bacbis derselben ih - reu Glückwunsch abgestattet hat . Vor den römischen Gerichts - städten gieng es nicht anders . In der Rede pro Murena , cap . XI , XII . giebt Cicero sehr deutlich zu verstehen , daß auch viele Kleinigkeiten vor deiiselben vorgefallen , und von den Sachwaltern mit noch großem Kleinigkeiten geführet worden . Martial hat ei - neu römischen Redner eingeführt , der über drey gestohlne Ziegen eine vräcktiae Rede gehalten , darinnen er die allerprächtigsten Sa - chm zum Zierrathe vorgebracht : Epigr . xix . L . IV .
Non de vi , neque caede , nec venoio ,
Sed Iis eft mihi de mbus Capähs ,
Vicini queror has abefle furto .
Hoc iudex fibi poftulat Proba " -
Tu Cannas Mithridaticuinque bellum ,
Et periuria punici furoris ,
Et Sullas , Mariosque Muciosque *
Magna voce fonas , raanuque tota .
Iatn die , Poftume , de tribui CaplM -
Ich habe nicht von Mord und Blut zu streiten .
Ich streike nur um drey gestohlne Ziegen ;
Die hat der Dieb , mein Nachbar mir entwendet : Das sollen wir dem Richter nun erweisen .
Da hebst du nun von Mithridatens Kriegen , Vom Hannibal und aller Pöner Meyneid ,
Vom Marius , vom Muciuö und Sylla Mit Mund und Hand gewaltig an zu schreyen . Nun , Postumus , wo bleiben die drey Ziegen i
Da es nun dergestalt kein Wunder ist , daß auch vor den sranzösi - scheu Parlementern Sachen von geringer Erheblichkeit vorkommen ; so nimmt es mich Wunder , daß Herr Bayle nicht die Comödie aus dem Racine Les Plaideurs genannt , angeführt , darinnen sich die - ser scharfsinnige Poet nach dem Muster Martials , sowohl über die Kleinigkeiten solcher Processe , als über die lächerlichen Redner« künste der französischen Advocaten , auf eine gesalzene Art lustitz . gemacht hat . Siehe Oeuvres de kacilie , Tom . I . paß . m . Z87 . Edit . Amftel . 1722 , in 12 . G .
( G ) Man hat eine Ausgabe von den tverken Duaren» ftt Frankfurt , 1592 , in Folio gemacht . ] Das Bücherverzeichniß vo ? Oxford , Pope Blount . Lenfiira Aiithor . pag . m . 466 . und verschiedene andere bemerken nur diese Ausgabe ; allein ich setze dazu , daß man bey Duarens Lebzeiten eine Sammlung seiner Schriften zu Lion im 1554 Iah - re , in Folio , bey Rouille gedruckt hat ; und daß man nach seinem Tode in eben derselben Stadt , und bey eben demselben Buchhändler , im 1579 Jahre , ein * andere viel vollständigere Ausgabe davoi , in Folio ge - macht hat . Nicolaus Cisiier , der sein Schüler , und nach diesem Pro - fester des Rechts zu Heidelberg gnvesen , hat dem Buchdrucker dene Stücke verschafft . Dieß erhellet aus einer kleinen Vorrede , die er vor diese Ausgabe setzen lassen , und die er zu Speyer im >57« Jahre ge« schrieben hat . Ich nenne sie klein , um sie von derjenigen zu unterschei« den , die er vor den andern Theil von den Werken Duarenö hat sekcn lassen , und welche für eine richtige Dissertation de modo et arte do - cendi atque difeendi iura gelten kann . Er hat sie im 1575 Jahre zu Speyer gemacht . Ich habe die Ausgabe nicht gesehen , die im Texte die - ser Anmerkung angezeigt ist ; allein ich weis , daß sie im 1607 Jahre zu Frankfurt wiederholt worden . Ich bediene mich der genfer von 160» , apud Petrimi de la Roviere , und es verdrießt mich , daß ich die zwo Schriften Duarens wider den Balduin nicht darinnen finde . Epißola de Francifco Balduino . Defenfio aduerfus Balbini Sycophanta maledifta .
( H ) Vflan konnte feinen Tractat von gelehrten hieben mit len andern Gedanken bereichern . ] Ich will einen darbiethen . Alan redet fast niemals von diesen Leuten , ohne sie mit der Krähe , oder viel - mehr der Aelster des AesopuS zu vergleichen . Siehe den Dacwr üb» den III Brief des I B . Horazens , p . m . 207 . Man hat diesen Begriff in folgenden Versen an angezogenem Orte des Horaz ijV . gefunden ?
Quid mihi Celfus agit ? monitus , multumque monendus , Priuatus vt quaerat opes , et tangere vitet Scripta , Palatimis quaecunque reeepit Apollo :
Ne , fi forte fuas repetitmn venerit oliin Grex auium plumas , moueat cqnucula rifum ,
Furtiiris nudata coloribus .
Duaren hat sich desselben bedienet ; denn er rühmet sich , daß er seineng«» lehrten Dieb ganz leichtlich in den Zustand dieses Vogels versetzen könnte . Corniculara Horatianam plane mihi deprehendifle videor , quam furtiuii nudare coloribus nihilo mihi difHciliusefieputo , quaiu Ariftophani iiii poetarum Alexandrinorum furta detegere ac conuin - cere . Duaren . Epift . de Plagiar . pag . 296 . Part . II . Oper . Allein ich habe noch keinen Menschen gesehen , der die gelehrten Diebe mit den Rebhühnern verglichen . Derjenige , der fieb Reickthümer rriöec vie Reckte erwirbt , ist ein Rebhuhn , rvelcbes dasjenige ausbrü , «er , tvaa - es nicht gelegt hat : er muß es mitten unter seinen SLet benstagen verlaifin , und wird zuleNt ein Vlarr . XVII Cap . 11 Bers . Diese Worte sind aus dem Propheten Jeremias , und er - klären , daß diejenigen , die sich mit dem Gute eine« andern bereichern , diesen übel envorbenen Reichthum nicht bis an ihren Tod erhalten . Die Ausleger hierüber sagen , daß das Rebhuhn die Eyer der andern Vögel raube und sie ausbrüte , daß aber die von denselben ausgeheckten Jungen , eö nicht für ihre Mutter erkennen , sondern verlassen und den Vogel su , chen , der diese Eyer geleget hat . Drufius , Obferuat . Libr . IV . cap . XXIV . pag . ni . 99 . Dieß ist das gewöhnliche Schicksal der diebischen Scriben - ten . Sie erndten dasjenige , das sie nicht gesaet haben ; sie entführen ei» nes andern Kinder , sie verschaffe» sich eine unrechtmäßige Familie ; Zeugniß

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