Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7469

Duaren .
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bringen . 3 Diejenigen , welche mit der Regierung nicht vergnügt waren , spitzten die Ohren , bey dem Gerüchte eines aus dem Gefängnisse geretteten Drusus . Diejenigen , welche die Neuerungen , Staatsverön - derungen und Abentheuer liebten , spitzten sie nicht weniger . Diejeni - gen Freygelassenen , welche den falschen Drusus begleiteten , und sich stell - t«n , als wenn sie ihn für den wahrhaften Sohn des Germanicns hiel - ten , haben ohne Mühe Glauben gefunden . Man hat von nichts , als den größten Unternehmungen des Drusus , geredet ; dieß war schon zu - reichend , ganz Griechenland in Bewegung zu setzen . Man ist diesem Abgotte zugelaufen , und hat dermaßen gewünschet , wahr zu reden , daß man sich endlich von seinen eignen Erdichtungen überzeuget hat . per idein tempus Afia atque Achaia exterritae sunt , acri magis quam diuturno rumore , Drufum Germanici filium apud Cyclades infulas , nwx incontinentl vif um : et erat iuiienis haud difpari aetate , quibusdam Caefaris libertis , velut agnitus , per dolumque comitantibus . Alli - ciebantur ignari , fama nominis , et promtis Graecoram animis ad noua et uiira : quippe lapfum cußodia pergere ad paterno : exercitus , * £egyj>tum out Syriam inuafurum , fingebant fimul , credebantque : iam imientutis concurfu , iam publicis ftudiis frequentabatur , laetus praefendbus , et inanium fpe . Ebendaselbst V 95 . X Cap . aufs 784 Jahr . Poppaus Sabinus , der Statthalter von Macedonien , hat nicht dabey geschlafen , und er hat Recht gehabt , die Sache für Kinderspiel zusehen . Die Aufwiegler konnten großen Nutzen von einem solchen Betrieger ziehen . Er hat so viel Fleiß angewendet , daß er sich dieser verstellten Person bemächtiget . Man kann sich erinnern , daß zu An - fange des XVII Jahrhunderts , fast alle den Spaniern feindselige Prin - zen gern gesehen , daß der Betrüger , der sich Sebastian , König von Por - tugall , nennte , für keinen Betrieger erkannt würde ; und wenn die Sa - chen einmal in ihren Gang gebracht gewesen waren , so würde man alle
über das HauS Oesterreich eifersüchtige Machten diesem erdichteten Se - bastian haben zu Hülfe eilen sehen . Es hat Leute gegeben , die in Eng - land behauptet haben , daß man den Herzog von Monmonth , im >686 Jahre nicht gefangen hatte , und daß derjenige , den man unter seinem Namen enthauptet , eine andre Person gewesen . Diese Thorheit war ein Korn , das man damals aussäete , und welches zu seiner Zeil hätte Früchte bringen können . Den rottirischen Geistern war eS sehr lieb , daß diese Meynung nicht erlöschte : es wird die Zeit kommen , sagten sie , daß wir vielleicht diesen Herzog nöthig haben werden , den Pobel zu gewin« nen . Man wird seltsame Dinge , in Ansehung der Vorsorge , finden , sage ich , in den historischen Briefen , vom Wcinmonale 169z , auf der 457 u . f . S .
( E ) Er ist sehr übel verheirachet gewesen . ^ Wir haben die Stelle verlohren , wo Taeitus der Heirath des Drusus , und derAemilia Lepida gedenket . Aemilia Lepida quam iuueni Drufo nuptamretuli . Tacit . Anna ! . Lib . VI . cap . XL . auf« 788 Jahr . Man findet in den vorhergehenden Büchern nichts davon . Wenn wir alle Jahrbücher die - ses vortrefflichen Scribenten hätten , so würden wir die entsetzliche Ver« folgung wissen , die Drusus von dieser Frauen ausgestanden hat . Sie ist seine Angeberinn gewesen , ob sie gleich mit tausenderley Schandtha - thaten bedecket war , die sie unvermögend machten , ein Zeugniß abzule - - gen . Sie ist bey Lebzeiten ihres Gemahls ungestraft geblieben ; allein gleich nach seinem Tode haben sie die Angeber vorgefordet ; lind well es gewiß war , daß sie mit einem Sklaven Chbruch begangen hatte , so ließ sie sich nicht sehr angelegen seyn , sich zu vertheidigen : sie hat es für kürzer gehalten , sich selbst zu entleiben . Ebendaselbst . Der Fluch Gottes ist sichtbar über diesem Geschlechte gewesen . GermanicuS selbst , und seine durchlauchtige Gemahlinn , sind darinnm Verwickeltge - wesen .
Duaren , ( Franciscus ) Professor der bürgerlichen Rechte zu Bourges , im XVI Jahrhunderte , war von SalNtbneu , einer Stadt in Bretagne . Er ist der erste von den französischen Rechtsgelehrten gewesen , der von den Lehrstühlen der Rechts . Gelehrsamkeit die Barbaren der Glossatoren verjaget hat , um darauf die reinen Quellen der alten Rechtsgelehrsamkeit erschei - HCtt JU laffett CrÖlCf ot * h rons , mit neidischen Augen<
trieb ihn an , ein Werk zu _ , . . . . „ . - _ - . . . . . Kr . .
Nossen hatte . " ( A ) . Man sah an chm die Wahrheit von dem Grundsätze , Pafcitur in viuis liuor , poft fata quiefcit ; denn nach Barons ^ " " " ' * * * * ■ " ••• - ^ . . .
Ehren des V<
Schmerzen gesehen , — . . . , , . DT , „ ,
dieses Dorns entlediget hatte , so ward er gewahr , daß Cujaz , der diesem gefahrlichen Nebenbuhler gefolget war d , noch mehr Verdienste hatte . Er liebte diesen neuen Ankömmling nicht , und es erhoben sich Streitigkeiten unter ihnen , davon die Folgen auf
' ^ " —« —Partey verändert hätte , und nach
! lg Jahre alt , unverheirathet ge - - Wiederholungen ausgelassen habe ; allein dasjenige muß ich besser erklären , als er gethan hat " , was den Gedachtnißmangel betrifft ( k ) . Er hat nichts von einer wichtigen Sache gesaget , die ich nicht verschweigen kann ; daß man nämlich gesaget hat , es fey Duaren ein Protestant gewesen , und doch niemals das Herz gehabt , sich von der römischen Gemeinschaft abzusondern . Balduin hat ihn für einen Nikodemiten und» Treulosen ausgeschrieen ( C ) , und ihm vorgeworfen , daß er Calvins gelehrter Dieb gewesen ( D ) Es giebt wenig Leute , dia dasjenige beobachten , was ich anführen will . Nachdem Duaren sein Professoramt niederqeleget , so Wardts dem Balduin ge - - ' ^ " - * ■—^rück zu rufen , und ihm die erste Stelle abtrat
geben , der drey Jahre darauf den Rath gab , ihn wieder zurück zu n
einige andre Sachen^anführen , die zur Erganzung^des Moreri ^enen können ( F ) ^ Man hat eine Ausgabe von^den
Werken Duarens zu Frankfurt , 1592 , in tfelto , gemacht ( G ) den hin , ' M M M 4
sie noch
Balduin geschrieben ( I ) .
ä ) Aus dem Sammarthano in Elogiis , Lib . I . pag . m . zz .
, ( E ) Ich will noch ine Ausgabe von den Man hat nicht vergessen , seinen Tractat von gelehrten Die -
Werken Duarens zu Hrantsurt , 1592 , m ^vnv , gemacyr yjian yar nicyr vergeben , leinen - mctat von geleyrten 4Jte *
jen hinein zu setzen : dieß ist eine sehr artige Schrift , allein , für eine so überflüßige Materie , als diese , allzukurz . Man könnte tc noch mit vielen andern Gedanken bereichern ( H ) . Ich werde einige Auszüge von einem Briefe geben , den er wider den
Elog . Libr . I . p . m . 38 . c Papyr . Mafio , Elogior . Part . II . v . - 57 . Balduin , in der Anmerkung ( L ) . - ) Thuamis , Hiftor . Lib . XXI
b~ ) Pofito fua pecunia in eius honorem monumento . Sammarth , ii» d~ ) Bullart , Academ . des Scienc . Tom . I . p . 228 . Siehe den Artikel XXIll . p . m . 471 . / ) Sammarth . Elog . Lib . I p . 38 .
CA ) «c hat ein U ? erk verfertiget , darinnen er sieb bemühet , die - Hochachtung ju vergeringern , die man gegen seinen Amrsge - Nossen gehabt . ^ Dieses Vorhaben ist vom Sammarthan sehr stark bemerket worden . Mo immun opinioni de Baronis doftrina con - ceptae nonnihil detrahere conatus eft , editain cum de iurisdiSio - re et imperio apologia , maleuoli animi tefte in pofterum futura . Sammarth . Elog . Lib . I . p . m . 38 . rJch habe in den Werken Duarens diese Schrift gesucht , und mich darüber verwundert , daß ich sie so kurz befunden , da sie nach der genfer Ausgabe , von 1608 , in F0U0 , noch nicht vollkommen fünf Seiten ausmachet ; allein es erhellet aus dem Borbe - richte , ( man sehe die - 83 S . des II Th . von den Werken Duarens , tu , «Nische Ausgabe von 1608 . ) daß der Urheber seine Schutzschrift in dem - ienigen angebracht , was nian fumma capita nennet , und das übrige terdrückt habe , un» gegen den Baron einige Gefälligkeit zu bezeugen . Er hat diesen kurzen Auszug an ihn gerichtet , und ihn den isten Jenner , 549 unterschrieben . Er beobachtet , daß die Schutzschrift wider lein Wissen , in vorhergehendem Jahre , unter dem Namen des Ambrosius SLttasi gedruckt worden . Teißier theilet dieses Werk in zwey Theile , und unterscheidet von dem Traetate , de Iurisdiöione et Imperio , die Schutzfrist aduerfus Eguinarium Baronem .
( b~ ) - M ) muß dasjenige besser , alsMoreri , erkläre» , rvas de» Gedächmisiiuangel betrifft . 1 Moreri giebt vor , daß Franciscus Duarein genothlget gewesen , die Reden ber ; ulescn , die er macht aebabt , und daß dieser Gedachtnißmangel ihn verhiw Serr , den Gelehrten in Deutschland , seine Linsichren m der XVtfi fenfdMft der Rechte mUMtheilen , welches gewisser maßen sache aeweten , daß sie etwas von der - Hochachtung verlohren , LffivEL arfaflet hatten . Er hatte sagen sollen , daß er , weil er kein all ? uglücklicheS Gedächtniß gehabt , seine Vorlesungen niemals
äs & ÄSH
que vnquam nifi ex feripto praelegebat . Qyo faöum eft , vt in Ger» manico itinere cum paflim a doctifUmis viris ad praelegendum pro - uoearehtr , nec eorum vtique defideriis obtemperare ( quod a litis commentariis deftitutus omnino tibi diffideret , ) a nonnullis rerum imperitis et inique iudicantibus habitus fit indoftior . Sammarth» Elog Lib . I . pag . m . 38 . Dieß ist das Original , welches Moreri hat ubersetzen wollen , und an dreyen Stellen verfälschet hat . Er hat Re - den , anstatt Vorlesungen gesetzt : er hat gesaqet , seine Tinsichren , in der Wissenschaft der Rechte , mittheüen . ( man kann solches» auch schriftlich thun : also hat Moreri die Art für die Gattung genommen , ) anstatt Vorlesungen in der Rechrsgelehrsamkeit halten ; er har dasjenige den Gelehrten zugeeignet , was er nur den Unwissenden hatte beymessen sollen . In der That sind es nur Unwissende , die vermögend sind , einem berühmten Lehrer unter dem Verwände zu tadeln , daß er den Lehrstuhl nicht besteigt , wenn er als ein Reisender durch einen Ort geht , wo eine Akademie ist . Man mag muthmaßen , so lange als es gefällig ist , daß er seinem Gedächtnisse nicht getrauet , und daß dasselbe von den Sammlungen abgehangen , die er in seiner Studierstube zu - rück gelassen , so wird doch derjenige . der von Sachen wohl zu nnheilen weis , daraus noch nicht schließen , daß er unge>chickt sen Man merke , daß Sammarthan saget , eS habe Duaren den Lehrstuhl nicht deswegen zu besteigen abgeschlagen , weil er hätte vom Papiere lesen müssen , son - dern , weil er wegen Mangel seiner Papiere befürchtet , daß er keine Vorlesung aussehen möchte , wo jede Sache wohl angeführt wäre . Die meisten Professoren haben ihre Schriften vor Augen , wenn sie ihre Lehr - stunden halten : ihr Amt «fordert kein ander Verhalten ; und daher kömmt es , daß die Eigenschaft eines Vorlesers , in dieser oder jener Wissenschaft eine gleiche Bedeutting mit dem Worte Professor Hai . Also muß man glauben , daß sich die Professoren und Studenten in Deutschland nicht verwundert haben winden , wenn sie den Duaren vom Papiere hätten lesen sehen . Alfa haben diejenigen , die übel von ihm geurtheilet , sich auf dasjenige gegründet , was sie gcglaubet ; nicht , daß er nicht Gedächtniß genug gehabt , um einen Difcurs von einer Stunde auswendig zu lemen , sondern daß er desselben nicht so viel ge - habt , einen solchen Discurs ohne Beyhülse seiner Manuskripte aufzu , sehen . Es ist wenig daran gelegen , ob er abliest , oder auswendig redet , Xü 3 eins

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