Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7442

Drusus .
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eine viel ansehnlichere Würde , als das Consulat , wobey er des Kaisers Amtsaenosse war ; dieß war die zunftmeisterliche Ge . walt ( A ) . Nachdem er von dem Rathe die Zulassung zu dieser mächtigen Wurde erhalten hatte , so würde es ihm nicht fehl ge - schlagen haben , dem TiberiuS zu folgen , wenn Sejan nicht dawider gewesen wäre Die Herrschsucht dieses Günstling - war ohne Grenzen : und überdieß reizte ihn die Maulschelle , die er vom Drusus bekommen hatte , zu allen Arten der Gewaltthärig . keiren an . Die Ausführung war ihm uin so viel leichter , da er einen lasterhaften Umgang mit des Drusus Gemahlinn unter - hielt ( B ) . Also ließ er ihn , mit Genehmhaltung dieser Frau , durch den verschnittenen Lygdus mit Gifte vergeben K Dieses Gift Chat seine Wirkung : Drusus starb im 776 Jahre . Er hat Kinder hinterlassen ( C ) , wie man in den Anmerkungen se . Hen wird . Tiberius ließ bey dieser Begegnung alle Unempfindlichkeit blicken , welche d«e Stoiker erfordern ( D ) . Nichts icheint mir an dem Drusus lobenswürdiger zu seyn , als die Freundschaft , die er gegen den Germanicus ( E ) , seinen leiblichen Vetter und Bruder , durch Kindesannehmung , erhalten hat .
a ) Tacit . Annal . Libr . III . cap . VIII . b ) Dio , Libr . LVII . p . m . 699 . 701 . <• " ) Ebendas LV [ B . 672 S . <0 Tacit . Annal . Libr . L auf» 761 Jahr . « ) Ebendas II B . XLIV Cap . / ) Ebendas . II V , LXII , LXIII , LXIV Cap . g ) Ebendas UIB . XI Cap . b ) Ebendas . XXXI Cap . f ) Ebendas . LVI u . f . Cap . k ) Und nicht L . igius , wie imMoreri .
( A ) <£3 gab - - - - Amtsgenosse rvar ; dieß war die 5unftmeiskerliche Gewalt . ^ Also wollte August die oberste Gewalt genenner haben , um die verhaßten Titel eines Koniges und Diktators zu vermelden , und nichts desroweniger einen zu fuhren , der alle die an - dem übertraf . Er hat sich zum Gehülfen dieser Würde seinen Schwie - gersohn Agrippa , und nach des Agrippa Tode seinen Stiefsohn , Tibe - rius , gewählet . Tiberius wollte , nach seinem Deyspiele , einen Gehül - fcn m der Würde haben , und erwählte seinen Sohn dazu . Die Briefe , die er wegen dieses Mitregenten an den Rath geschrieben , harten alle Kraft eines Befehls . Mittit litteras ad Senatum , queis poteßatem tribuniciam Drufo petebat . Id fummi faftigii vocabulum Auguftus repperit , ne regit aut diflatoris nomen adfumeret , ac tarnen appel . lationc aliqua caetera intperia praeemincret . M . deinde Agrippam focium eins poteftatis , quo defundto , Tiberium Neronem delegit , ne fucceflör in incerto foret . Sic cohiberi prauas aliorum fpes rebatur : fimul modeftiae Neronis , et fuae magnitudini fidebat . Quo tunc exemplo , Tiberius Drufum fummae rei admouet : cum incolumi Gerinanico integrum inter duos iudicium temiiffet . Tacit . Annal . Libr . III . cap . LVI . aufs 77j Jahr .
Fehler des Moreri .
Wenn Moreri dieses verstanden hätte , so würde er nicht gesaget ha - ben : daß Drusus , itocb seiner Aurkckkunst «txs Deutschland , das Funftmeisteramr verwaltet hätte . Dieß drucket dasjenige nicht aus , was uns TaciruS gleich itzo gesaget hat . Ich übergehe noch zwey an - pere Schnitzer des Moreri , die in diesen Worten enthalten sind ; sus ward Nack Ill / rien geschickt / die Rriegsktmst ; u erlernen , alsdann nach Deutschland . Der erste Kriegszug des Drusus ist nach Pannonien , und der andere nach Jllyrien gegangen . Mich dünkt nicht , daß er in Person mit einem Kriegsheere in Deutschland gewesen , ober gleich die Spaltungen unterhalten hat .
( B ) Sejan t 1 - unterhielt einen lasterhaften Umgang mit des Drusus Gemahlinn . ]
Historie der Livia , der Tochter des Nero Claudius Drusus , des Tiberius Bruders .
Sie hat Livia geheißen , und ist des Germanicus Schwester gewesen . Anfänglich ist sie mit dem Cajus Casar , des Augustu« Enkel , und nach dem Tode dieses Prinzen , mit des Tiberius Sohne , Drusus vermählet gewesen . Zu Anfange war sie sehr häßlich gewesen , und dann war sie sehr schön geworden . Sejan hatte eine so üble Meynung von dieser Frau , daß er glaubte , er würde sie , wenn er ihr LiebeserklärWgen te , zur Unterstützung seines Anschlages , vermögen , ihren Gemahl aus dem Wege räumen zu lassen . Er that also verliebt mit ihr . und gete ihren Genuß leichtlich ; worauf er ihr den Anschlag entdeckte , daß , wann sieden Drusus mit Gifte vergeben wollte , er sie Heirathen und zur Kaiserinn machen wollte . Diese ungewisse Hoffnung bewog sie , sich durch ein abscheuliche« Verbrechen einer gewissen Hoffnung zu berauben ; so gewiß ist es , daß eine Frau , die ihre Ehre einmal in die Schanze ge - schlagen hat , ihr Gemüth , nach dem Eigensinne desjenigen , dem sie sich Preis gegeben , zur Rechten und Linken lenken läßt . Ich bin e« nicht , der diese Betrachtnnq machet ; es ist Tacitus . Man lese folgendes , man wird darinnen die Maulschelle finden , die Drusus dem Sejan gegeben hat . ( Wenn man dem Dio im ; 8 B . auf der 709 S . glauben will , so hat Sejan die Maulschelle au Ä Ä ? & % ! * & Ä'Ä
sehe anch den Sueton im T'bernis , l - XNCap ^ er ^th hat , ehr scharfe Verordnungen wider das Anden en und d . Bild» dieser bs .
haften Frau herausgegeben . Tacit . ' terdesien hat dennoch
be gesaget , daß sie Sejan nicht gehe . rathet > unteroe , , en g« onmoj Glandorn . Onomaft - p . 452 , das Gegenthcil vorgegeben .
II Band .
vnlfam patitur , poftea tarnen cum non abfilteret , fit voti compos . Allein Sueton ist viel glaubwürdiger , welcher uns den Tiberius vorstel - let , wie er den Sejan auch zu derjenigen Zeit mit guter Hoffnung abge - speiset , da er Anstalt zu seinem Untergange gemacht , der kurz darauf er - folget . Spe affinitatis ac Tribunitiae poteftatis deceptum ir . opinan . temcriminatuseft pudenda miferandaque oratione . Sueton . in Tiber , cap . LXV .
( C ) iS , t bar Rinder hinterlassen . ] Seine Tochter , Julia , hat zum ersten Gemahle den Nero , ihren leiblichen Oheim , des Germani - cns ältesten Sohn , und zum andern den Cajus Rubellius Blandusge - habt . Tacit . Annal . Libr . VI . cap . XXVII . Kurz nach dem Tode des Germanicus ist seine Schwester Livia , des Drusus Gemahlinn , mir Zwillingen niedergekommen , worüber Tiberius so vergnügt gewesen , daß er sich in vollem Rathe deswegen glücklich geschähet . Ebendaselbst , II B . LXXXIV Cap . aufö 77 - Jahr . Einer von diesen zween gen ist kurz nach seines Vaters Tode gestorben ; der andere , Namens TiberiuS , sollte , nebst dem CajuS Cäligula , im Kaiserthume folgen ; denn der Kaiser TiberiuS hat sie alle beyde gleich zu seinen Erben erkläret : ( Sueton in des Tiberius letztem Cap . ) allein Cäligula har seinen Mit - erben umbringen lassen , ( Sueton in Caliaula , XXIII Cap . ) wie esTi - berius zuvor gesehen hatte . Dio , Libr . LVIII . p . 729 . Wir müssen nicht vergessen , daß er den letzten Willen dcs Tiberius für nichtig er - klären laßen ; durch dieses Mittel hat er allein regieret . Hierauf hat er , Tiberius , den Enkel , an Kindes statt angenommen . Fratrerti' Tibe - rium die virilis togae adoptauit , appellauitque principem iuuentu - tis . Sueton , im Tiberius , XV Cap . siehe auch den Dio , LIX SB . zu Anfange . Ich finde hier eine kleine Schwierigkeit : wenn TiberiuS , der Enkel , kurz nach dem Tode de« Germanicus , gebohren worden , wie Tacitus versichert , so ist er >8 Jahre gewesen , da sein Großvater gestor - ben ist . Wie ist eö denn gekommen , daß ihm sein Großvater nicht das männliche Kleid anlegen lassen ? Diese« würde nicht unnützlich gewesen seyn , ihm die Erbfolge zu versichern . Gewiß wird man mir antwor - ten , daß er ihn wegen der Ehbrüche der Livia für unrechtmäßig gehal - ten , und daß dieses die Ursache gewesen , daß er ihn verabsäumet . Dio , Libr . LVIII . p . 729 . Suet . in Tiberio , cap . LXII . Ucbrigcns hat man diesen jungen Menschen wegen einer sehr geringen Ursache hinrich - ten lassen . Er hatte wider einen heftigen Husten Arzney gebrauchet . Alan gab vor : es sey dieses ein Gegengift gewesen , und er habe durch diese Aufführung den Caligula beschuldiget , als wenn er ihn vergiften lassen wollen . Fratrem Tiberium inopinantem repente immirto Tri . buno militum interemit . . . . caullätus . . . qll0c } an . tidotum oboluiflet quafi ad praecauenda venena fua fumtum , cum - . - propter afliduam et vehementem tuflim medicamento vfus eilet . Sueton . in Calig . cap . XXIII . Siehe auch pbilonern» de Legat .
( D ) Cibcr ließ - - - - alle Uncmpstndlichkeiten blicken , welche die Stoiker erfordern . ^ Man hat ihn , unter «vährender Krankheit des Drusus nicht unruhig gesehen , und er hat nicht aufgehö - ret , in den Rath zu gehen , auch nicht zu der Zeit , die zwischen dem To , de und dem Leichengepränge seine« Sohnes verflossen . Er allein hat alle seine Gelassenheit erhalten , in währender Zeit der ganze Rath äch - zete und weinte . Tiberius per omnes valetudinis eins dies nttllo metu ( an vt firmitudinem animi oftentaret ) etiam defiin & o needum fepulto curiam ingreiTus : Confulesque fede vulgari per fpeciein moeftitiae fedentes honoris locique admonuit , et efFufum in lacrv - mas Senatum , viäo gemitu fimul oratione continua erexit . Tacit . Annal . Libr . IV . cap . Vlll . Siehe auch den Sucrcn . im Tiberio , LII Capitel . Er hat in seinen Reden die Art seines verstellten und como - diantenhaften Geistes erhalten , so , daß es ganz leicht zu erkennen war . es habe kein Misvergnugendemselben Einhält thnn können . Man lese dieses im Tacitus , man wird die Mühe darbey nicht bedauren ; allein ich zweifle gar sehr , daß man in Abhandlungen , vom Tröste , wohl thue , ein solche ? Beyspiel anzuführen ; ( Seneca . de Confol . ad Marciam , im XV Cap . u . v . a . haben sich desselben bedienet : denn Tiberius hat sich nur darum so aufgesührer , weil er nicht die aennaste natürliche Zu - neigung hatte . Er hat den Priamus für qlücklich qescha ! ; t , baß er alle seine Kinder überlebt hatte . Sueton , im Tiberio , LXII Cap .
( E ) XTidns scheint mir an dem Drusus lobensvkrdiger stt seyn , als die Freundschaft , die er gegen den Germanicus erhalten . ] Ger , manicus war von dem Kaller an Kindes statt angenommen wordni - er ist also sowohl , als Drusu« , der vermukhliche Erbe gewesen : allein außer diesem war er die Liebe »nd das Vergnügen des Volkes' er kiatte
schöne Thaten gethan ; er hatte erhabene Eigenschaften . Drusu« bat nicht den geringsten von diesen Vorrheilen besessen . Wie ist e« möglich gewesen , daß er einen solchen Nebenbuhler nicht gehastet har ? Woher muß e« gekommen seyn , daß eine so ubel geartete Seele dein German ! - cus Gerechtigkeit erwiesen , den Germanicus geliebet hat ? Mm , muß hierinnen die wunderliche Herrschaft des Temperamente« erkennen . Die Laster haben nicht eine solche Verbindung mit einander , als man sich einbildet : es giebt eine gewisse Tugend , die sich in einem Herzen besser bey vielen ausnehmenden Lastern , als ben mittelmäßigen Man , geln erhält . «h habe nicht alle Ursachen angesühret , die vermögend gewesen , die Eifersucht in der Seele de« Drusus zu entzünden . Ja ich habe so gar die vornehmsten davon vergessen , die man gar bald in den Worten des Tacitus finden wird . Der Hof hatte sich zwischen Xx - dem

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