Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7432

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Drusus .
dem Punct Lägen gestraft ; denn Dio versichert , daß er nach demRhei - ne zurücke gegangen , weit gefehlet , daß cr sich fertig gemacht , seine berungen fortzusetzen ; ich nbergebe die Fehler , welche die Sprache be - - ttessen : Kenner habsn nicht nölhig , daß man ihnen dieselbe meldet ; allein ich überlasse ihnen die Sorge , diejenigen zu bemerken , die sich in den von mir angezeigten Worten befinde» . Den Anfang dieses Arti - kels betreffend , muß ich anders »erfahren : £>cwfuß war Ver Sohn des Tiberius Nero und der JLivia , welche nach diesem Om gust , de« Raiftrs Tiberius Bruver , geheirather hat . Also fängt Moreri an . Zlllein diese Wortfügung tauget gar nichts : das Wort Bruder kann sich zugleich auf drey Personen beziehen , entweder auf den Drusus , oder aus den TiberiuS Nero , oder auf den August . Ein Mensch , der die Historie nicht weis , würde unter diesen drey Relativen nicht wählen können . Hier ist noch ein Fehler von einer anderer Art . Moreri saget : daß Drusus in Deutschland viele Jahre Rrieg ge - führet . Die meisten Leser werden mit diesen Worten wenigstens den Begriff von 10 oder 12 Feldzügen verbinden , und dieß ist die Hälfte zu viel : mir deucht nicht , daß Drusiis in diesem Lande fünft derselben ge - halten hat , und dieß ist die schönste Blume von seiner Krone . Er hat in einem Zahre mehr gethan , als andere Kriegsheldcn ihre ganze Le - benszeit . Man sehe einen andern Fehler des Moreri in der Anmer - kung ( H ) .
( G ) Sei» Bruder , der sich nach der ersten Nachricht von sei , ner Rrankheit auf den lveg begeben halte , traf ihn in letzten Augen an . ] Er hat so viel Fleiß angewendet , daß Plinius diese Reise unter die allergeschwindesten gefttzt hat , die jemals gethan worden . Er will in des VII B . XX Cap . daß Tiberiu« Tag und Nacht marschirt , und , ohne daß er mehr als dreymal frische ^erde genommen , 20 - ? Mei» len zurückgeleget . Valerius Maximus , in des V® . V Cap . Num z . ist mit dem Plinius einig , was die Weite des Weges betrifft ; allein er saget : es habe TibcrinS das Pferd oft verändert . Ich weis nicht , wie man hier den Dio Caßius entschuldigen könnte , welcher gesäget hat , daß der Ort , wo Augustus die Zeitung von der Krankheit erhalten , nicht weil von dem Orte gewesen , wo Drusus krank geleaen . Denn wenn man auch voraus sehte : daß Plinius und Valerius Waxmnls nicht die richtige Weite angegeben hätten , so ist es doch allfit ganz gewiß , daß es von der Lombardey bis in die Wekterau weit ist . Augustus war zu Pa - via , als er die Zeitung ! bekommen , daß Drusus krank war : Drusus ist krank geworden , da er von dem Ufer der Elbe nach dem Rheine gegangen , und ist gestorben , ehe er die Ufer des Rheins erreichte . Wir wollen dem Dio so viel zu Gefallen thun , als möglich ist , und voraus se - tzen , daß Drusus willens gewesen , nach Maynz zurück zu gehen , so muß - »e man dennoch nach dieser Voranssctzung sogen : daß er in der Wette - rau krank geworden . Was will dieser Geschichrschreiber also mit dieser Einschließung sagen ( > - ya ? b * cp> ) V Augustus , soqte er , va er die Rrankkeit ves Drusus erfahren ; denn er war nicht weit von dem Ovte , schickte eiligst den Tibcrius ; u ihm . Die Ueberseher des Dio reinigen ihn von diesem Schnitzer ; denn sie lassen ihn auf eine solche Art reden , welche bedeuten kann , daß August den Tiberius eiligst kommen lassen , der nicht weit davon gewesen , n^xv^ntvot S'^ö au -
5«5«c oti v0ff£ ? ( h 7« ? »iv nifM rev Tißifiov Karte ruxo ;
Ad famam aegrotantis Drufi Augufhis , qui 11011 ita procul ab eo abe - rat , celeriter Tiber ium accerfit . Dio , Libr . LV . zu Anfange . Allein Casaubon über Suetons Claudius , im I Cap . widerleget ihre tzung durch zwo gegründete Anmerkungen : I . Leider die griechische Sprache nicht , daß man durch er liest kommen , giebt . II . Sind Augustus und TiberinS damals zu Pavia gewesen , wie uns Va - lerius Maximus belehret . Also muß man schließen : daß sich Dio ent - weder als ein übler Erdbeschrriber , oder als ein Mensch ausgedruckt , der die Umstände der Sache nicht gewußt har . Wir wollen noch eine andere Sache darzu sehen , welche diese Reise des Tiberius sehr seltsam machet Er ist von Pavia nach Demschland so geschwind , als ein Post - reiter gereist , und aus Deutschland nach Italien mit aller Langsamkeit «ines Leichengefolqes zu Fuße zurück gekehret . Drufuni fratrem in Germania aimflt , cuins corpus pedibus toto itinere praegrediens Romam vsque peruexit . Sueton . in Tiberio , cap . VII . Drusus war im Sommer gestorben , und seine Leiche langte erstlich mitten im Winter zu Pavia an . Es ist Tacitus , der dieses saget : Ipflnii quip - pe ( Augttßum ) afperrinio hyeinis Ticinum vsque progrelTiiin neque abfeedentem a corpore fimul Vrbein intrauifle . Tacit . Annal . Libr . III . cap . V .
( H ) worden war . Ich bekenne , daß man ihm einen Alwr in Deutschland aufgerichter hatte , allein diescs war , keine Vergötterung . Tumuium tarnen miper Varianis legionibus ftru ( I ) t£s ist nicht wahrscheinlich , daß Drusus durch das Ver , brechen des Raiftrs , seines Schwiegervaters , am Gifte geftor , ben sey . ] Die Verleumdung ist eine entsetzliche Sache Eben diesel - ben Leute , die das Gerüchte am meisten ausgebreitet hatten , daß August des Drusus Vater wäre , sind vielleicht diejenigen gewesen , die ihn be - schuldiget , daß er ihn mit Gifte vergeben hätte . Weil Sueton dieses , als eine sehr übelgegründete Fabel verwirft , so kann man glauben , daß er nicht die geringste Spur der Wahrscheinlichkeit dabey gesehen hat ; denn er ist von Natur nicht sehr geneigt dazu , seine zwölf Kaiser zu rechtftttigen , oder ihre Mangel zu verbeelen . Er berichtet uns die besondere Zärtlichkeit , die August beständig gegen den DrusuS gehabt , und er giebt zweene besondere Umstände davon an , die ich nicht weglasen l>arf . 'August hat die Grabschrift in Versen gema - chet , die auf das Grabmaal des Drusus gegraben worden , und die Histo - rie dieses großen Mannes in Prosa geschrieben . Es ist mir nicht un - bekannt , daß die allergrößten Prinzen und herrschsüchtigsten chen der wütendsten Eifersucht gegen ihr eigenes Geblüte unterworfen sind , welche sie verleitet , Dinge zu begehen , die ihrem eigenen Nutzen nachteilig sind , so bald sie fürchten , daß ein ansgehenderRuhm , uud der zuschms wächst , das Volk allzusehr küheln möchte . Allein ich sehe in der Aufführung Augusts nicht Merkmaale genug von dieser Leidenschaft , daß ich glauben sollte , er hätte jemals aufgehöret , diesen Prinzen zärtlich zu lieben , von dem ersichvermuthlich eingebildet , und sich solches vielleicht auch nicht ohne gute Gründe eingebildet hat , daß er dessen Vater sey . Dem sev , wie ihm wolle« so wollen wir die Worte Suetons ansehen , wir werden darinnen ein unvergleichliches Stücke von des Drusus Gemüthseigenschast finden : Fuifle autem creditur non minus gloriofi quam ciuilis animi . Nam ex hofte luper viflorias , optima quoque fpolia captaflc , fummoque faepius diferimine duces Germanorum tota acie infe6latus : ne tliffi - mulalle vnquam priftinuin fe Rcipublicae ftatum qtiandoque reftitu - turuni , fi poflet . Vnde exiftimo nonnullos tradere aufos , fufpe - ftum eum Augußo , reuocatumque exprouincia : et quia cunöare - tur , iiiterceptum veneno . Qiiod cquidem magis , ne praeternutte - rem , retuli , quam quia verum aut verifimile putem : cum fhis tantopere et viuum dilexerit , vt coheredem femper filiis infti . tuerit , ficut quondam in Senatu profefliu eil ; et defundhiin ita pro concione laudauerit , vt Deos precatus fit , Similes ei Cacfares fuos facertnti ßbique tarn honeßum quandoque exitum darent , quam illi dedijjent . Nec contentus elogium tumulo eins verfibus a fe com - politis infeuipfifle , etiam vitae memoriam prola oratione coaipo - fuit . Sueton . in Claudio , cap . I . Er liebte den schönen Rubm weit mehr , als die Herrschaft , und e6 beherrschte ihn der römische Geist völ - hg : er hat alle sein Ansehen anwenden wollen , die Freyheit der Re - publik wieder herzustellen , ob gleich sein besonderer Nutzen ihn verband , die linrechrmäßige kaiserliche Gewalt zu handhaben , unter welcher man damals lebte . Man giebt so gar vor : daß er den Tiberius schriftlich ermahnet , sich mit ihm zu vereinigen , in der Absicht , den August zu nöthigen , die Sachen in den vorigen Stand zu setzen . Wenn einige Ursache die vom Sueton verworfene Lästerung wahrscheinlich machen könnte , so müßte es ohne Zweifel diese seyn , daß nämlich Tiberius den Brief gezeigt hätte , den er vom Drusus über diese Materie erhalten hatte . Es ist Sueton selbst , der es erzählet : Odium aduerfus ne - ce ( Timelines m Drufo primuin fratre detexit { Tiberius ) , prodita eins epiftola , qua fecum de cogendo ad reftitnendain libertatem Augufto agebat . Ebenda , . L Cap . Ueberhanpt ist man in Rom von dieser edlen und unvergleichlichen Neigung des Drusus so überzeugt gewesen . daß dieses die Hauptursache vo» der erstaunlichen Liebe gnvesen , die das Volk gegen den Germanicus bezeuget hat . Drufi magna aPud popu - lum Romanum memoria , credebaturque fi rerutn potims foret , Ii . bertatem redditurus , vnde in Germanicum fauor et fpes eadem , nam uiueni ciuile ingemum , wtra comitas . Tacit . Annal . Libr . I . cap . XXXIII .
Drusus , der Sohn des Tiberius , und seiner ersten Gemahlinn , Vipjänia , der Tochter des Agrippa , ist seinem Vater in der Vechellungskunst nicht ähnlich geweftn " ; allein in der Unreinigkeit , in der Völlerey und der Grausamkeit bat er ihm nicht übel geglichen K Er ist im 764 Jahre Quastor gewesen c : nian schickte ihn nach dem Tode Augtistö nach Pannonien daselbst die wlderspanstlgen Legionen zu besänftigen . Er brachte solches sehr glücklich zu Stande , und wurde kurz nack seiner Zurückkunft in Rom zum Consul ernannt d . Er führte im 770 ^ahre ein Kriegvheer in Jllnrien an . Man ertheilte ihm die - se Bedienung , thetls , damit er sich die Zuneignung der Soldaten erwerben könnte , theilö , daß man ihn aus dem Sckooke der Wollust reißen wollte , darein er sich in Rom stürzte Er unterhielt auf eine listige Art die Spaltungen , die sick , unter den Deutschen eingeschlichen hatten , und zog viel Vortheil daraus f ; so , daß ihm der Rath die Ehre der Ovation zuerkannte Er kam im 77z Jahre s nach Rom zunick , und ward im folgenden Jahre mit dem Kaiser , seinem Vater , Consul K Es gab noch

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