Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4177

I
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Calvin .
dieentiflimo quodam libro incnlcare . Beza in Vita Caliiin . fub fin . Wenn die Glaubensbethen um diese Zeit Messerschmiede oder Schuster , ihres Handwerke« gewesen wären , so würde man sich nicht befremden lassen , wenn sie dem Pöbel an Festtagen auf den Kreuzstraßen , mir der lächerlichen Erzählung dieses MährchenS , eine Kurzweile gemacht här - ren ; allein darüber kann man nicht genugsam erstaunen , daß angesehne Leute dasselbe haben aussprengen wollen . Diejenigen , welche diese Schwachheit begangen haben , 'erwecken kein großes Mitleiden , wenn man sie unter der Zuchrruthe Theodors Beza sieht : wenn es wegen einer andern Ursache wäre , so würde die Beurtheilung allzuheftigzuseynschei - nen . Wenn Calvin das Abentheuer gehabt , davon Bolsee im XIII Cap . redet , wenn er einen hätte «uferwecken wollen , der ficb toöt gestellt , unS wirkllck rodr gefunden worden , so würde ihn Balduin nicht geschont haben ; er würde ihn mit allen Kränkungen gemartert ben , die eine so strafbare Betrügerei ) , als diese , verdient hätte . ( Papyr . Mallon . in Vita Caluini , pag . 432 . ) Er hat weder deutlich noch beykäu - fig davon geredet . Wir wollen aus diesem Stillschweigen schließen , daß das Histörchen nicht« als ein lächerlicher Roman ist . Bolsee führet anstatt aller Zeugen eine aus Genf verwiesene Frau an . Dieß ist , saget er , die Witwe desjenigen gewesen , welcher den Tobten vorzustellen , und auf Calvins Wort wieder lebendig zu werden versprochen hatte . Ge - wiß ein schöner Zeuge ! Man kann sie ans ihren Worten beutthei - len und verdammen . Sie bekennet , daß sie dem Calvin , um Theil an den Almosen der Kirche zu haben , in einen , verfluchenswürdi - gen Betrüge zu dienen versprochen , und die Comodie so lange gelpielet habe , bis sie der Verlust ihres Mannes gezwungen hätte , die Sache be - kannt zu machen . Heißt dieß nicht , sich für fähig erkennen , den Calvin denjenigen zugefallen zu lästern , welche dafür bezahlen 1 Man wendet
auf diesen Gedanken in denen Ländern nicht Aufmerksamkeit genug , wo die Zeugen sich so vielmal widersprechen , und diejenigen angeben , die sie verführt haben . Oder müßte man nicht so einfältig , als boshaftig , oder
so boshaftig . als sie selbst , seyn , wenn man ihrem Mährchen den gering - sten Werth beylegte ? Eine große Anzahl Scribentcn bat sich mit diesem Schmucke gebrüstet . Der Fortseher des Daronms ist unter die - ser Zahl . Spondanus ad ann . 155z nuni . 15 . Der P Labbe hat das Jahr dieses schönen Wunderwerkes bemerket . Wenn man klügeln woll - te , so könnte man auch gegen ihn behaupten , daß er den Tag bemerket hätte ; denn also drucket er sich unter dem Jahre 1 , 5z aus . „ Calvin „ hat den Michael Server , den - 7 des Weinmonats zu Genf verbrennen , lassen , und da er durch fein Gebeth einen Armen wieder lebendig ma - , 'chen wollen , den er bestochen gehabt , sich als todt zu stellen , demselben „ wirklich de» Tod verursachet . Chronol . Francis , Tom . V . p . 766 . Varillas ist erleuchtet genug gewesen , das Lächerliche von dieser Fabel zu erkennen , aber nicht kühne genug , seine Gedanken darüber bekannt zu machen : er hat dasjenige aus der Historie FraneiseuS des I , ausgelassen , was er davon gesagt hatte ; weil man aber Abschriften von seinem Ma - fluseripte gehabt , so hat man seine Gedanken wisien , und sie den Lesern in der holländischen Ausgabe mittheilen können . Hier ist es , was er davon gesaget , und berauSzugcben sich nicht getrauet hat : Calvin jst weit davon entfernt gewesen , daß er die Auferweckung Ser ToSren hatte unternehmen sollen ; Sa er behauptet , daß Sie wahrhaftigen Xvunverwerke nach Ser ersten Einführung Ser chrttilicbe» Religion gan ; unSgar unnünlich sinS ; over Saß er Xvucker sollte getrieben haben , weil er fid ) mir hundert Cha , ler Besoldung ? ur Unterhaltung seiner Familie begnüget hat . Man findet diese Worte in zwo Klammern eingeschlossen , in der Histo - rie FraneiseuS des I . II Th VII B . - 55 Seite , haagischer Ausgabe von , 690 . Alles dieses ist dem Masson abgeborgt . Man sehe es daselbst auf
" ( V ) Morcri ist in diesem Artikel nicht so unorventlich , als man Ursache ; u glauben gehabt hartes Ich will mich nur bey den - Vrrbumerti der Sache aufholten , und ich berühre auch unter die - sen nur diejenigen , die mir möglich sind , auf eine andere Art zu widerle - legen als durch einen bloßen Gegensatz , zwischen den Lobsprüchen , die dem Calvin von seinen Freunden gegeben worden , »md den Beschim - pfungm , die er von seinen Feinden erhalten hat . Ich sage alw l , dap Moreri demjenigen Tadel unterworfen ist , den man hier oben wegen der Zurückkunst Calvins in Frankreich , nach seinem Bruche m>k dem herrn , du Till« , gesehen hat . Es scheint auch , als wenn er noch weiter gienge als andre ; es habe Calvin nach seiner Zurückkunft nicht allein zu Poitiers und Bourdeaux , sondern auch zu Angouleme gelehrt , wo er , sich seit der Bekehrung Ludwigs du Tillet weiter sehen zulassen , sich nicht getrauet hat . Siehe'die Anmerkung ( D ) . II . Saget Moreri , daß sich Calvin in eine sehr hübsche Frau , Namen» Ideletten von isure , verliebt habe , die an einen Widerraufer von Lümch verbeira - thet gewesen , und Saß er sie , naclidem sie einige Zeit darauf XDiu t»e geworden , mr Ehe genommen . Ich habe keinen einizigen Schriftsteller gesehen , außer dem obenangeführten Florimond von Re - mond der gesagt hätte , daß diese Frau hübsch gewesen wäre ; oder daß sie Calvin eher geliebt hätte , als sie zur Witwe geworden . Bueer hat ihn qei , öth>get . : s>e zu Heirathen ; also ist es keine Heirath aus Neigung gewe - sen III - Bolsee - - - führet , die - Heirarb Calvins be / treffend , gan ; dcsondere Dinge an ; allem vielleicht saget er zuviel davon Uiiterscflcii aicbt er die Vetter und Personen sehr wohl an , die ihm bekannt gewesen . Dieß saget Moreri : allein es ist wiß , daß Bolsee von Calvine Heirath nicht geredet hat , und daß er der Idelette weder im bösen noch im guten gedenket . IV . Calvin hat keine Rinder von dieser Frau gehabt . Ich habe oben in der An - merkung ( 8 ) gewiesen , daß diese« falsch ist . V . Er bar , u Basel ne Bücker Inftitutionum , im Jahre > ; zq , herausgegeben , und den Namen Alcuin darunter gesetzt , welches durch Versetzung der Buchsta - ben der seinige ist . Ick habe bereits gesagt , daß die Zuschrift dieses Buche« zu Basel den i August 153 * unterschrieben ist ; allein ich habe auch zu gleicher Zeit bekannt , daß nian diese Unterschrift mit demjenigen nicht zusammen reimen kann , was Beza von den Reisen gesager hat , die Calvin seit der Ausgabe dieses Buches , bis zu feiner Beförderung zum Predigamte , im Monat Auguste i«6 , gerban hat . Nach meinem Dedünken ist da« geschickteste Mittel diese Schwierigkeit zu heben , wenn man saget , daß man unrer die Zuschrift anstatt >536 , 1535 setzet ; denn die Inkitutiones Calvin« haben notwendig im Jahre 1535 erschei - nen müssen . Spondanu« bemerket unterm Jahre >535 , Nuni . 6 , daß Calvin in diesem Jahre den 1 August seine Unterweisung zum ersten -
male herausgegeben . Theodor Beza in der Kirchenhistorie von den formirren Kirchen , im I B . 22 S . setzet die erste Ausgabe dieses Buch« ins Jahr 1535 , und bemerket , daß 153 ; unter der Zuschrift in einigen Ausgaben steht , als in der französischen von Gens , in fol . von isf>6 . Die Kunstgriffe , deren man sich in Deutschland bediente , die Todesstrafe der Lutheraner in Frankreich zu beschönigen , welche FranciscuS der I , hin - richten lassen , haben den Calvin bewogen , dieses Werk herauszugeben : ( Beza in Vita Caluini , pag . 367 . ) Er wird UN« solches selbst sagen : Qiiurn incognitus Bafileae laterem , quia nuiltis piis honiinibns in Gallia exufti» graue paflim apud Gennanos odiuni ignes Uli exeita - uerant , fparfi funt eins reftinguendi caufa improbi et mendaces Ii - belli , non alios tarn crudeliter tracbri , quam Anabaptiftas , ae turbu - lentos homines , quipemerfis deliriis non religionem modo , fed to - tum ordinem politieum coiuiellerent . Ego noc ab aulieis artifici - bus agi videns , non modo vt indigna fanguinis innoxii effulio falfa fanflorum martyrum infamia fepeliretur , fed vt pofthae per eaedes quaslibet absque vllius mifericordia gvafläri lieeret , filentiiun nieutn non pofle a perfidia exeufari eenfui , nifi nie pro viril» opponerem . Haee mihi edendae Inftitutionis caufa fuit . Calu . Praefat . in Pfal - mos . Nun fällt aber das Martyrthum dieser Lutheraner in dcu Mo - nat Jenner 1535 . Es muß also dieses Werk nach dem Monate Jenner >535 unter die Presse seyn gegeben worden , und folglich ist das vom Moreri bemerkte Jahr 1534 eine Lügen . Dieß Werk kann nicht im Jahre »536 herausaegeben fem , : denn es ist unstreitig , daß Calvin kurz darauf , da dieses Werk erschienen ist , nach Italien zu der Herzoginn von Ferrara aegangen , und nach seiner Zurückkunft in Frankreich , nachdem er be - schlössen , sich wieder nach dem Rheine zu wenden , durch Genf gegangen , und sich daselbst im Augustmonate 1536 festgesetzt hat . Beza ist nicht der einzige , welcher bezeuget , daß Calvin nach der Ausgabe dieses ches von Basel gereist ist ; Calvin berichtet eö uns selbst , und zwar mit diesem Umstände , daß nämlich niemand gewußt , wer der Urheber davon gewesen . An propofitum mihi eflet famam aueupari , patuit ex breui difeeflu , praefertim quum nemo illie leiuerit me authoreni efl'e . Caluin . Praefat . in Pfalmos . Man lese die Vorrede , wo er dieses saget , und worinnen er die Welt belehret , daß ihn die naturliche Furchtsamkeit bewogen , alle« Aussehen zu meiden , und sich verborgen zu halten , ohne daß er sich um einen großen Namen bekümmert hätte : man lese , sage ich , seine Borrede über die Psalmen . Den Namen Alcuin betreffend , so siehe die Anmerkung ( KL ) .
In den Zusätzen des Moreri steht ein Artikel vom Calvin ; der von Worte zu Worte aus der HAorie de« Calvini«mus , von dem Maim - bürg genommen ist : also müßte man nur den Kohl wieder aufwärmen , wenn man denselben hier beurtheilen wollte ; man kann solches in der vorhergehenden Anmerkung finden .
( X ) ( Y ) p«tin ist die Ursache gewesen , daß Calvins Leben , welches papyrius LNasfön verfertiget , bekannt gemacht wor - den . ] Patin berichtet uns diesen besondern Umstand in dem erst angeführten Briefe : Den papyrius Masson betreffend , saget er , so hat er desien Leben absonderlich beschrieben , welcbes mir Ser BruOer Oes Verfassers , Oer ein Domherr war , im Jahre 1619 gegeben hat : allein nack diesem , Sa hier eine Sammlung vonLobreSen Oes Papyrius tNassdn geSruckt worSen , habe ich
mir vieler Mühe kaum erkalten können , Safi Siests Leben mir hinein gcSruckr würde . Der BucbhanSler hatte sich bey den Jesuiten Rarhs erholer , die es ihm verkochen hatten ; allein nichts destowenlger hat er mir geglaubet , da icb iKm gcsaqek daß dieser Zusan sein Buch in bester» Werth bringen würde . Der Text dieser Anmerkung zeiget klar , daß ich gegen den Varillas nicht sehr lehrbegierig gewesen bin . Ich habe alle« , was er von dem Leben Calvins saget , das mit desPapiriuS Massons Lebensbeschreibungen gedruckt worden , aufmerksam untersucht , und nicht« darinnen aefunden , wa« dem Zeugnisse Guido Patin« die Wage halten könnte . Mein Leser mag unbeschwert von meiner Aufführung urrheilen , wem , er die Stelle de« Varillas mit denen darauf folgenden Noten verglichen hat .
„ Balesdans hat die Lebensbeschreibungen desPapyriu« Masson drucken „ und denselben ein Leben Calvins einschalten lassen , weil er dasselbe unter „ den Papieren diese« Verfassers gefunden , und sich eingebildet , daß eS „ von ihm wäre . Seine Blindheit ist um >0 viel unerträglicher . da . . diese Schreibart , von der Schreibart der andern Werke Masson« , „ so unterschieden ist , daß nur eine mittelmäßige Kenntniß der lateini - „ fchm Sprache zureichend ist , solches bey dem ersten Anblicke gewahr . ^»werden . Allein ich kann mich nicht genugsam verwundern , daß „ sich der berühmte Spondanu« , Bischof zu BamierS , vom Balesdans „ bekriegen lassen , welcher den Masso für den Urheber dieses Lebens ge - „ halten hat , und lieber dem Urtheile eine« andern , als seinem eigenen „ Beyfall geben wollen : Ich habe von den Herren Dnpuy erfahren , daß „ es von dem berühmten Jacob Gillot , geistlichem Rache bey der großen „ Kammer de« ParlementS zu Paris , aufgesetzt worden ; welcher an den „ Werken der aufgeweckten Kopfe seiner Zeit viel Theil gehabt , ohne „ daß er darinnen genennet seyn wollen . Und gewiß , diese« Leben scheinr
„ mir

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