Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7389

Drusus .
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rot haben , zu welcher Zeit und an welchem Orte und wider was für ei -
tie« Feind solches vorgegangen wäre ; und Sueton wurde nicht aufeine so ungewisse Art davon geredet haben , als er davon redet . Drufus ho - ftium duce Draufo couunus trucidato fibi pofterisque fuis eognomen inuenit . Sueton . in Tiberio , cap . III . Man setze dazu , daß er eines Claudius Drusus gedenkt , der vor den , ersten puuischen Kriege gelebt hat ; denn Sueron selber ihn vor dem Claudius Pulcher , der eine See - schlacht im ersten punischen Kriege verlohren . Die Ausleger Suetons sagen nichts von diesem Claudius Drusus . Dieß beweist , daß dieser Zu - naine entweder zuvor , da der erste Drusus aus der Familie Livia den erdichteten Drausuö getödtet , oder wenigstens unabhänglich von diesem Gefechte bekannt gewesen . Denn wer wollte wohl sagen , daß , weil ein Livius den Drausus überwunden , ein Claudius , Drusus zugenamt worden wäre ?
( B ) Xvir wollen ein TOozt von einigen Nachkommen des er - ( Jen Drusus sagen . ) Ich glaube , daß Cajus livius Drusus , Con - sul im f>06 Jahre von ihm abqestammet ; allein ich kann nicht sagen , ob er sein Sohn oder sein Enkel gewesen . Er hat einen Sohn , mens Marcus livius Drusus hinterlassen , der im 641 Jahre Eon - sul gewesen , und sich mit großem Vortheile wider die Seordisker , ein ursprünglich gallisches Volk in Thracien , geWagen hat . Liuius , in Epit . Libr . LXIII . Wir wollen hier unten sehen , ob er triumphirt hat . Er ist mit dem Marcus Aemilius Seaurus Sittenrichter gewesen , und unter wahrender Verwaltung dieses Amts gestorben . Plmarch . in Quaeft . Rom . pag . 276 . Ich glaube nicht , daß man ihn , wie Glandorp Onomaft . Rom . pag . 543 . thut , von demjenigen Marcus Livius Drusus , «inem vernünftigen und sehr beredten Manne , unterscheiden dörfe , wel - - cher mit dem Caj . Gracchus , Zunftmeister des Volks gewesen , und ihm in seinen Unternehmungen Vorschub gethan ; aber nach Veränderung der Partey die Angelegenheiten der Patricier mit solcher Herzhaftigkeit un - terstützt hat , daß er der Beschützer des Raths genennt worden . Sueton . in Tiberio , c . III . Er ist des ersten Drusus Urenkel gewesen , ( ebendas . ) und hat einen Bruder , Namens Casus Drusus , gehabt , der sich durch sei - ne Beredsamkeit bekannt gemacht . Cicero in Brufo , pag . in . 204 . ^ch sehe , daß nnsere Sprachlehrer wegen der Bedeutung des Wortes abnepos nicht einig sind : denn Danet , wenn er den Sueton anführet , versteht durch dieses Wort den Urenkel ; in dem Calepin wird eben dieses Wort für den Sohn Oes Urenkels genommen . Es ist wahr , daß Sueton ( er nennet den Cäsar , des AugustuS auunculuni , und gleichwohl ist Cäsar der groß Oheim Augusts gewesen . Sueton . inAugufto , cap . VII . ) und verschiedene andere alte Schriftsteller die Grade der Verwandtschaft uicht genau beobachten . Man redet von einem Casus Drusus , einem so großen und arbeitsamen Rechtsgelehrten , dessen Haus , ob er gleich blind und von Jahren überhäuft war , täglich mit Leuten angefüllt gewesen , die ihn um Rath gefragt . C . Aitern Drufi domum compleri confuL toribus folitam aeeepimus , quiun quorum res efl'et fua ipli non vide - bant caeaim adhibebant ducem . Cicero , Tufculan . Libr . V , foliom . - 7« B . Valerius Maximus redet in des VIII B . VII Cap . Num . 4 . rühmlich von ihm : Confimifis perfeuerantiaeLiuius Drufus , qui aeta - tis viribus et acie oculornm defedhis ius ciuile populo benigniifime interpretatus eft , vtiliflimaque difeere id cupientibus nionimenta compofuit . Nam vt fenem illum natura , caecum fortuna facere po - tuit , ita neutra interpellare valuit ne non animo et videret et vige . ret . OliveriuS über diesen Ort des Valerius Maximus hat sich fälschlich eingebildet , daß dieser Drusus der Vater desjenigen ist , der so viel Un - ruhen angerichtet , um den Lateinern die Ertheilung des römischen Bur , gerrechts zu verschaffen . Er bekriegt sich : denn der Vater desselben hat Marcus Livius , und nicht Cajus Livius geheißen : es ist eben derselbe , der mit dem Lobspruche eines Beschützers des Raths beehrt worden . ColeruS , hat sich verwundert , daß PomponiuS nichts von dem Rechts - gelehrten Cajus Drusus saget . Er hat in der That Ursache gehabt , sich darüber zu verwundern , angesehen dieser Rechtsgelehrte ein Schrift - steller gewesen , und Celsus in den Digesten seiner rühmlich gedenket . Guill . Grohns , in Vitis Iurisconfult . pag . 33 . Die Neuern sind bey ver Frage getheilt , ob dieser CajuS Drusus eben derselbe ist , der im 606 Jahre Consul gewesen , oder ob er der Bruder des Consuls vom 641 Jahre ist . Rutilius nimmt diese letztere Meynung an : andere , wel - chen die erste lieber ist , widerlegen ihn durch das Wort aeeepimus , sen sich Cicero bedienet . ES ist sehr wahrscheinlich , daß Cicero von ei - nein Manne redet , den er nicht gesehen hatte ; denn in der Folge geben - ket er eines andern Blinden , den er hätte sehen können , welcher seine Meynuna in , Rathe gefaget , den Nachfragenden geantwortet , und an einer Historie gearbeitet hat . Alleil , es scheint , daß Cicero den CajuS Livius Drusus , den Bruder desjenigen hat sehen können , der im 64 - Iah - re Consul gewesen . Es ist also wahrscheinlich , daß er von dem Consul des 606 Jahres redet . Ebendaselbst .
Jho wollen wir sehen , ob der Consul vom 641 Jahre über die Scor - disker triumphirt hat . Ich glaube es nicht : denn der ganze Beweis , welchen Sigonius in Faftis anführet , ist eine übel verstandene Stelle det Plinius . Dieß sind die Worte des Plinius in des XXXIII B .
XI Cap . 69 © . bey mir . Frater eius Allobrogkus primus omnium pondo mille habuit . At Liuius Drufus in Tribunatu plebis XI . ( der P . Harduin setzet X , anstatt XI . ) Kam propter quinque pondo notatum a Cenforibus triumphalem fenem , fabulofum iam videtur . ( er zeiget dieses in des XVIII B . VI Cap . an : Praecipiebant ifta qui triumphali denas argenti libras in fupelleflile crimini dabant . ) Diese Worte wohl zu verstehen muß man Achtung geben , daß Plinius die Ueppigkeit der letzter» Zeiten der Sparsamkeit der erstem entgegen setzet . Er zeiget , wie die Ueppigkeit stufenweise gewachsen . Scipio der Africaner hat feinen Erben nur 64 Mark an Silbergeschirr hinterlassen . Libras 32 argenti Africanus fequens haeredi relinquit . Plin . Libr . XXXIII , cap . XI , pag . 68 . Sein Bruder QuintnS FabiuS Maximus der Allobroger ist der erste gewesen , der - 00 Mark davon gehabt hat . Allein Livius Drusus hat in seinen , Zunftmeisteramte des Volks 21000 Mark davon gehabt , ( oder nach der Verbesserung des P . Harduin 20000 ) Denn , fetzet PliuiuS dazu , wir halten es itzo für eine Fabel , wenn ein Greis , der die Ehre des Triumphs gehabt , von den Sittenrichtern , zehn Mark halber angemerkt worden . Kam propter quinque pondo tum a Cenforibus triumphalem fenem , fabulofum iam videtiir . Alf» hat man in jedem Jahrhunderte Mühe , dasjenige zu glauben , was die Historienschreiber von den alten Zeiten sagen , und welches von der ibi - gen Art allzuweit entfernt zu Iam scheint . Also wird es den Damen vom ersten Stande scheinen , daß man ihnen einen Roman oder eine Fabel erzählet , wenn man ihnen vorstellet , daß die Personen von ihrem Range , zu Fuße über die Straßen gegangen , ihre Kinder selber gesauget und jährlich nur so und so viel in Kleidern verthan heben . Die Historie , die nach dem Plinius fabelhaft zu scyn geschienen , betrifft denjenigen Livius Drusus nicht , von welchem geredet worden . Dieß ist eine viel ältere Historie , es ist eine Handlung des CensoraintS , die im 478 Jahre Roms wider den Cornelius Ruffinus ausgeübt werden , welcher Dicta - tor und zweymal Consul gewesen . Aulus Gellius , Libr . IV , cap . VIII , et Libr . XVII , cap . XXI . Valer . Maximus , Libr . II , cap . IX , num . 4 . Die Sittenrichter setzten ihn von der Rathsherrenwiirde wegen der Ueppigkeit ab , weil sie 10 Pfund schwer an Silbergeschirre bey ihm ge - - funden . Fünf Pfund hat man nur davon haben dörfen : also ist er we , gen fünf Pfund abgefetzt worden . Propter quinque pondo notatum a Cenforibus triumphalem fenem . Wenn Valerius MaximuS diese Geschichte erzählet , so geräch er auf eben dieselbe Betrachtung , wie PIU nius . Er befürchtet , daß man ihn für einen Fabelhanns halten wird , und bekennet , wie es fast unglaublich fey , daß eben dieselbe Stadt , wel , che die Armuth so sehr verachtet , eine bürgermeisierliche Person darum gestraft , weil sie zwanzig Mark Silber gehabt . Ipfae medius fidius mihi htterae faeculi noftri obftupefcere videntur , cum ad tantam fc - veritatein referendam minifterium accomodare coguntur ; ac vereri , ne non noftrae vrbis adla commemorare exiftimentur . Vix enim credibile eft , intra idem pomoerium decem pondo argenti , et inui . diofum ftiiile cenfum , et inopiain haberi contemtiffimam . Valeriu» Maximus , ebendaselbst .
Ich erstaune , daß Sigonius den Text des Plinius so übel verstehe» können , als er ihn verstanden hat . Wie hat er sich doch immermeh» einbilden können , daß nachdem 641 Jahre Roms die Mäßigkeit der Republik so groß gewesen , daß neun oder zehn Mark Silber , mehr oder weniger , zur Absetzung eines Rathsherrn Ursache gegeben haben ? Die Sachen befanden sich nicht auf diesem Fuße , die Verderbniß und Ueppig - keit hatten eine entsetzliche Ueberschwemmung angerichtet . Allein konn« ten denn die eignen Worte des Plinius dem Sigonius kein Licht geben» Sie bemerken auf eine ganz deutliche Art . daß Drusus Zunftmeister des Volkes gewesen , da er so viel Silbergeschirr gehabt : und gleich darauf erzahlet Plinius eine Strafe , die an einem Greise ausgeübt worden , der ehmals die Ehre des Triumphs gehabt . Es ist also klar , daß dieser GreiS nicht Drusus gewesen ; denn wenn Drusus wegen der Uepvigkeit ge - straft worden wäre , fo müßte es zur Zeit seines ZuiiftmeisteramkS ge , fchchen seyn : oder man müßte den PliniuS beschuldigen , daß er die Sa» chen auf eine ganz ungeschickte Art erzählte . Gleichwohl kann man nicht glauben , wie viele Leute diese Stelle des Plinius betrogen hat . Plerique etiam hunc triumphafle volunt . Glandorpius , Önomaft . pag . 543 -
( C ) Moreri verdient in einem Stücke getadelt ; u werden 1 Er hat gesaget , daß die Familie der Druser ein Äff von der Vai M'lie der Claudier gewesen , und daß sie obgleich plebeusck . nichts destorvemzer durcl ? acht Konsulat« - - , anfeblliS ! U " V durch die großen Manner berühmt gewesen , die daraus entsprossen , unter welchen die vornehmsten Salinator und Drusus gewesen . Ich ubersehe ihm alle Sprachschnitzer und alle Sunden der Unterlassung , und begnüge nuch nur , zu bemerken ; L daß die Familie der Druser ein Ast . nicht von der Familie der Claudier'son . den , der Livier gewesen : II , daß es die Familie der Livier und nicht der absonderliche Ast der Druser gewesen , die durch acht Consulate » . s w . berühmt ist : III , daß Salinator nicht aus der Familie der Druserent - sprossen ist . es mußte denn auf die Art seyn , tvie das Haus Bourboir aus dem Hause von Burgund abstammet . Man würde aber diesen letztern Ausdruck gar nickt erdulden . Zween Bache , die aus einer - ley Quelle kommen , entspringen ja deswegen nicht einer aus dem andern .
( Marcus Livütö ) der Sohn desjenigen , der bey dem Zunftmeisteramte des Volks , des Cajus Gracchus Amt^aenosse gewesen , und das Lob eines Beschützers des Raths verdient gehabt , hat seinem Vcter - u der Unterstützung der Datncier nachgcahmet ; allein die Art seines Verfahrens dabey hat abscheuliche Unordnungen erreg ! : ( A\ Er hatte große Gaben viel Beredsamkeit , viel Geist , viel Herz ; und wenn er dicstö nicht wohl anaewendet , so lst der ubermäßige Ehrgeiz , der ibn besessen , und von welchem er in seiner zartesten Kindheit Merkmaale gegeben , Schult'daran gewesen ( k ) . Di -
Bartenen weiche die Stadt tbeilten , waren die Partey des Rothes . Mj M 1 ' ~ ' '
öffentlichen Gelder einhoben , besaßen alle Gerichtsbedicnungen t
Mittel kielten sie sozusagen , dem Rache den Daumen auf dem Auge . Als , . . W . . , MWWWW . „
Sache der Ritter unterstützte ( v ) , so unternahm er die Sache des Raths zu behaupten lind zu erheben ; und damit es ihm ' L - ben nicht an Kreaturen mangeln sollteb - , so gerieth er auf den Einfall , die Geseße der Graccher , die Austheilung der Aecker

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