Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7364

Drusius .
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CL1 Seine Antwort verdienet , dast man Betracktungen ber macbct . Z Erstlich hat er vorgestellt , daß sein Vater fast alle sein Vermögen , wegen der protestantischen Religion vcrlohren hatte . Hier - auf saget er , daß ihn betreffend niemal« wellticke Vortheile eine gungsursache hatten seyn können , die protestantische Lehre wider seinGe - wissen zu bckennen : er hätte allezeit aus dem Beutel seine - Vaters stu - diert : die Besoldungen , die er zu Leiden gehabt , waren zu seiner Unter - Haltung nicht zureichend gewesen : er hatte nur nach Flandern gehen dürfen , um daselbst reichliche Einkünfte zu genießen . Endlich bemerket er , daß diejenigen die so heftig wider ihn schrieen , Leute wären , die sich bey dem Bekenntnisse der protestantischen Lehre bereicherten , mittlerweile er dabey arm würde . Man kann noch heutiges Tages Gemüther von diesem Gelichter fthen : das Bckennrniß der reformirren Kirche bringt ihnen große Einkünfte , frey und unbeschwert von allen Abgaben ; eine Art der päbstlichen Würde , Lobeserhebungen , Ehrenbezeigungen , Schmei - cheleyen , „ nd niederträchtige Demüthigunqen des Pöbels zuwege : sie wür« den alle diese Vortheile verlieren , wenn sie dieses Bekenntniß verließen ; «nd sie hören nicht auf , unter diesem Verwände . viele Personen , die eben dieses Glaubensbekenntmß an den Bettelstab bringt , der Gleich - - qültigkeit zu beschuldigen und heftig zu verfolgen . Es giebt ihnen nichts , und bringt sie um taüsendcrley Vortheile , die sie sich verschaffen könnten , wenn sie es verließen . Ich bemerke dieses nur darum , damit man sehe , wie viele Jahrhunderte und Nationen einander ähnlich sind . Man wird sehen , ob ich die Worte des Drusius übel übersehet habe , so viel die Stücke betrifft , die ich daraus genommen habe . Sparferunt de me m . worein vanilfimmn , fumma eß , me alienum e / Je ab bac Reljgione . Quid dicam ? Poft natam calumniam non fuit vnquam inaior ca - lumnia . Egone alienus a religione , cnius caufa pater mens b . m . amifit anno 67 , odtodecim millia florenorum ? Quum autemexfu - laret Londini vna mecum , habebat penes fe libras Flandricas , qua» majores vocant , mille quingentas . Ex illis mille quadringentas im - pendit in caufam pnblicam . Prineeps Auriacus partem accepit , aliam Ordines Hollandiae et Zelandiae , tertiam pauperes , qui reli - gionis ergo in Angliam confugerant . Centum qnae reftabant poft - Fiminio reuerfus retuli domnm . Quod dico vero verius eft . Idem propriis fumtibift me aluit in ftudiis . A publico nihil vnquam ac - cepi . Quum Profeflorem agerem Leidae , ftipendium erat tam par - vum , vt coacUis fuerim , ex meo impendere quotannis trecentos , ali - quando quadringentos . Habeo in Flandria reditus non poemten - dos , quibus frui poflem , fi eflem in patria . Quorfum ifta ? inquies . Nempe vt fcias , vanum efle , quod aemuli mei fparferunt , qui omnes fimul tantani iafturam non fecenmt , quantam ego folus feci , quos haee religio diuites , vt me pauperetn fecit , quem nunc contemnunt propterea , optime de ipfis meritum . Drufms , Epiftola ad Pancra - tium Caftricomium , unter dem 6 des Homungs 1600 , beym Curiander in dessen Leben , 34 S .
( M ) i t t und verhinderte nicht , vaß er nicht unter der JUtf seines Schicksals fewfeete . ] Hier ist dasjenige , was er in dem erst angeführten Briese geschrieben hat : Iam nunc experior verum elTe illud : homo homini Deus : fed et alii medocuerunt verum efle , homo homini lupus . Per eos inieöa remora , de qua fcribis . - - Tantam experior hominum ingratitudinem , vt propemodum in ani - mo fit edita prole Machabaeorum pofthac quiefeere . Mußte Nicht ein so fruchtbarer Schriftsteller , wie dieser , bey den Verfolgungen , zum höchsten empfindlich seyn , denen er sich ausgesetzet sah , weil ihn sein Verdruß verleitet , seine Feder zu einer immerwährenden Unfruchtbar - feit zu verdammen ? Hier ist noch eine Stelle , die uns viel schone Be« trachtungen des Drusius lehren wird . In einem Bnefe unter dem zi des Chnstmonats 1599 , beym Curiander , S . Turbones noltn nunc quiefeunt , aut pudet eos praeteritorum , aut exfpertant occatio - nem nouam . Mihi quidem multis de cauiis quies non folum opta - tiQima eft , fed etiam neceilaria . Scd fi hanc perfonam Dens huma - nae fabulae choragus mihi impofuit , partes delegatas oportet agam . In hac arena mihi video moriendum efle , nain vt viri im qme - feant nihil eft fpei . In eo toti funt , vt me aut latronibus obiiciant , aut moervre canfiflum uccidant . Sed bafienus gratia De ! , nee animum a fuo propofito labefaflare potuerunt , nec ßud'iis nieis ita multum de - trimenti attulere . Confolatur me primum confcientia refte facto - rum , deinde fauor dodtorum et bonorum virorum , quos hactenu» aequilfimos habui erga labores meos : quod partim Littens , tim donis ac muneribus declararunt - - - Quis vnquam in fole
ambulauit absquevmbra ? quis infignem virtutem exercuit ( ine lnui - dia ? quis bonas litteras profeffus eft cum aliquafama , absque odio Theologorum ? Capnio , Erasmus , Arias , Hieronymus experti lunt . Hunc poftrenium Roma expulfum , cum Bethlehcmi in tuguriolo degeret , nec fiquidetn latentem effugit inuidia . Ex prifcis aapi - entibus quidam interrogatus quid ageret ? Nihil , inquit , nondum enim mihi inuidetur . Regium eft , cum benefeceris audire male , inquit ille . Et profefto ita eft , Induftria parit virtutem , virtus glo - riam , gloria inuidiam , qui morbus fere peculiaris eft iis , qui alioqui pietatem profitentur , cum nihil fit alienus a vera pietate . Obrepit enim haec peftis pietatis imagine , dum videri vult vitiorum odium , ac virtutis zelus .
( N ) Sein Sohn würde ein Wunderwerk der Gelehrsamkeit geworden ftxn , wenn er länger gelebt hartes Ich habe bereits aesaaet , daß er im > ; 88 Jahre gebohren gewesen . Er hat Johann Drusius , wie sein Vater , geheißen . Er hat im fünften Jahre ange - fanaen die lateinische und hebräische Sprache zu erlernen : im siebenten ^iabre hat er die Hebräischen Psalmen so richtig erkläret , daß ein Jude , der da« Arabische zu Leiden gelchret , solches nicht ohne Bewunderung hat ansehen können . Im neunten Jahre hat er das Hebräische ohne Puncte lesen und die Puncte darzu setzen können , wo sie nach den Re - geln der Sprachkuust hingehört , welches so gar die heutigen Rabbinen nickt mehr können . Er hat so leicht Lateinisch reden können , als seine
qroßes Gedackruiß , und einen unermudeten Elfer zu den Studien ge . ^11 S^nd .
habt : überdieß ist er von aufgewecktem Gemüthe gewesen , und hat sich sehr beliebt gemacht : er hat edle Regungen , und eine seltene Gottes - furcht besessen . Er ist im ein und zwanzigsten Jahre in England , bey Wilhelm Thomas , Dechanten zu Cichester , der ihm «inen sehr guten Ge - halt gegeben , am Steine gestorben . Er hat verschiedene Werke , viele hebräische Briefe . Verse in eben dieser Sprache , und Noten über die Sprüchwörter Solomons hinterlassen . Er hatte die Neifebeschreibung Benjamins von Tudele , und die Chronike des andern Tempels , ins La - tettt zu übersetzen angefangen ; und er hat den Nomenciator , des Elia« Levita . in alphabethische Ordnung gebracht , und die griechischen Wörter darzu gesetzet , die in der ersten Ausgabe nicht waren . Aus der Vorrede des Johann Drusius , zum X B . der Praeteritorum . Die Erzählung von diesem allen ist artig : man sieht diese Worte darinnen : Quod fi vita ei longior contigiflet , et ad inftam aetatem pertingere potuiflet , dicam praefifeme ( abfit verbo inuidia ) fuiflet interpres litterarum facrarum eximius , qualem fortafle orbis Chriftianus alium non ha - buiflet . Dieser junge Mensch verdienet in der andern Ausgabe , von den berühmten Kindern des Baillet . einen Platz . Joseph Scaliger in den Sealigeranen , auf der 6« Seite , bey mir , saget , daß der Sohn des Drusius , mehr Hebräisch verstanden , als sein Vater .
( O ) Scaliger - - - hat sehr übel von unserm Drusius gereder . Z Man sehe , was er für Züge einer Abfchilderung von ihm ge - macht hat . „ Er hat eine üble Nachrede , denn er hat gehurt , und seine „ Tochter auch : seine Wohnung ist ein Hurenhaus . Er hat mehr ge - „ wüßt , als Düjon . Armseliges Urtheil des Drusius er hat nichts ge , „ wüßt , als die Sprachkunst : er weis nicht so viel , als Serrarius . außer „ in der hebräischen Grammatik * / = Drufius Lipfii fimius habet , , miram latinitatem , non latine feribit . Drusius ist gegen den Bux« „ torf nichts . Er hat dreyßig Jahre die Sprachkunst gelehret , und wei - „ ter weis er nichts ; et mirum eflet , nifi feiret optime . Ego bene „ fcio , quid fit Drufius , eft dochis in Grammaticis et in textu He - „ braeo - - - Drufius non eft do & us , licet fe putet efle doöis - „ fimum . „
( P ) iLm Schüler ve» Drusius - , » hat für die Manu - fcripte und Tochter de» Verstorbenen gesorgt . ^ Man sehe den Brief , den Sixtinu« Amama , den z des Christmonats >6 - 6 , an den Caspar Barläu« geschrieben , ( es ist der 444 unter den Arminianischen , auf der 7 - z S . der FolioausAabe , ) worinnen er ihn bittet . es so einzurichten , daß ein wichtiger Mann , dem man die zwölf kleinen Propheten des Dru - sius zuschreiben wollte , diese Zuschrift genehm hielte . Amama bemer - ket , daß achte von diesen Propheten schon vorlangst erschienen wären , daß aber die vier andern das Licht niemals gesehen hätten : er stellet dem Barläus das Elend der einzigen Tochter des Drusius , der fünfjährigen Witwe Curianders , vor : er setzet darzu , daß er bey Herausgebung verschie« dener Werke des Drusius , dieselben jederzeit einigen mildthätigen Mecä - naten zugeschrieben hätte , welche dem Bedürfnisse dieser Frauen , d»rch ein klein Geschenke zu statten gekommen wären ; und dieß ist die Ursache , warum er den BarläuS bittet , diesen ansehnlichen Man» zu vermögen , diese Zuschrift anzunehmen . Er saget ihm , daß die Witwe mit wem - gem vergnügt scyn , und fünfzig Gulden ftir ein großes Glücke ansehen würde . Ago caufam viduaepauperculae , quae nunc cumbonaemen - tis ( jörore ftrenue luöatur . Ea eft filia vnica Cl . Drufii , quam D . Hauelus Curiander ante annos quinque reliquit viduam . Ex MS . parentis eins b . m . multa nunc publici iuris feci , quaefiuique illis eiusmodi Mecaenates , qui aliquo praemiolo eins paupertatem iue - runt fubleuatum - - - Non exfpeöabit magnain remuneratio - nem : fi quinquaginta florenos vel daleros fimplices obtinuerit , bea - tam fe iudicabit . Haec eo dico , vt videas et intelligas , quam an - gufta res fit huius foeminae , vel propter parentem meliori fortuna dignae , et quam fit exiguum , quod illa exfpedlat . Sixt . Amama , p . 72 ? . Was für Jammer , daß die einzige Tochter emes Gelehrten zu einem so großen Elende gebracht ist , und daß die Nachkommen so vieler Nar - ren auf Kutschen fahren . Sic vifum numini .
( Q_ ) Bossuet - , , har sich eine Sache ; u Nuye gema - cher , die er in Sem Drusius »^on der Müne vespabstes gelestn . Z Ich will erstlich die Stelle des Bischofes Bossuet . mit allem . was der« selben anhängig ist , den Summarien , den Anführungen , u d . m . anführen , und dann einige Betrachtungen darzu fugen . Hier ist es , was er in dem Avertiflement für 1' Explication de 1' Apocalypfe , num . 6 p 319 . holländischer Ausgabe , saget : „ Es würde sich hier nicht die Mühe . . verlohnen , ein Mährchei , zu erzählen , welches unter den Protestanten „ herum geht ; wenn nicht ihre beweinenswürdige Leichtgläubigkeit sie „ alles für wahr annehmen ließe , wa« ihnen ihre Leute vorschwatzen .
L . öckerliches Mahrchen Scaligers , welches vsm Drusius , einem Protestanten , verachtet , und von dem reformirten predi -
ger Juricu , erhoben wird .
„ Die Kunstrichter von England , haben ihren Anmerkungen eingt - „ schaltet , es habe ein glaubwürdiger Mann , öcm - Herrn^von „ Monnnorenci , da er in Rom gewesen , erzählet , vafi ver pabst - „ liebe - Hauptschmuck am Vorverrheile , diese golvcnen Sucbsfa * „ ben Myfterium , geschrieben gehabt , Oaß man aber diese Auf - „ schrift verändert hätte . Jurieu erzählet diese zum Betrüge der „ Einfältigen höchst geschickte . Historie mir diesen prächtigen Worten : Crit . ad cap . XVII . 5 . T . col . VII . p . 85» . Prej . leg . I . Part . chap . VII .
p . 121 . „ ijr man oput tmc ^fu ; cucr» /
„ vaß ( Sott ; ugclasten , oaß die päbiie ebmals das^Vort , Ge - „ heimnifi . auf ihren Münen gesckrieben getragen haben . Jo * „ scph Scaliger , unv versckicSene andre , haben bezeuget , der« „ gleichen alte Mützen gcseben ; u haben , worauf es geschrieben „ gewesen . Dieser arglistige Prediger setzet von dem Seinigen darzu . „ daß es Scaliger gesehen hätte . Man hat gleich zuvor gesehen , daß „ dasjenige , was er davon geschrieben , nur ein Hörensagen , und ohne ei« „ nen gewissen Urheber ist . Crit . ad cap . XVII . 5 . Tom . VII . p . 4»5 ? . „ Drusius , ein protestantischer Schriftsteller , ist auch dabey geblieben , „ und hat erkannt , daß Scaliger nur auf das Wort eines andern davon ge - „ redet : er machet auch sehr wenig aus diesem Mährchen , davon er Bewei - „ se und ein besser Zeugniß fordert . Man würde sich vergeblich zer - „ martern , dasselbe zu suchen : es ist eine aus der Luft erfundene Sache ; „ allein Jurieu will nichts verlieren , er findet alles glaubwürdig , so ge - „ ringe es auch seyn mag , was wider denPabst geschieht . , ,
Uu - SS

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