Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7344

Drusius .
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DttlslUS , - ( Johann ) gebühren zuAudenarde in Flandern , den 28 des Brachmonats 1550 , ist ein sehr gelehrter Mann unter den Protestanten gewesen . Er ward den theologischen Studien gewidmet , und bey guter Zeit nach Gent geschickt , um daselbst die Sprachen zu erlernen , und darauf nach Löwen , um daselbst die Philosophie zu treiben . Nachdem sein Vater , der protestantischen Religion halber , im 1587 Jahre in die Acht erklärt , und seiner Güter beraubet worden : so flüchtete er nach land . Seine Ehfrau , eine gute Katholikinn , vergaß nichts , um zu verhindern , daß unser Johann Drusius nicht gleichen Weg nähme : sie rief ihn von Aüdenarde zurück , und schickte ihn nach Tournai : weil aber die Bekümmerniß , sich auf einmal , so wohl ihres Ehmanns , als ihres Vermögens beraubet zu sehen , ihr eine große Krankheit zugezogen hatte ; so konnte sie das Auge nicht dermaßen auf ihren Sohn haben , daß er nicht das Mittel gefunden hatte , sich heimlich wegzumachen , und zu seinem Va - ter nach London zu gehen . Er kain zu Ende des 1567 Jahres daselbst am Man sorgte für seine Studien . Man gab ihm Lehr , meister , und er bekam gar bald eine vortheilhafte Gelegenheit , das Hebräische unter dem Anton Cevallier zu erlernen ; welcher „ ach England gekommen war , und diese Sprache auf der Akademie zu Cambridge öffentlich lehrte . Drusius wohnte bey ihm , und hatte viel Theil an seiner Freundschaft . Er kehrte erstlich im 1571 Jahre nach London zurück , und als er sich anschickte , eine Reise nach Frankreich zu thun ( Ii ) , so brachte ihn die Zeitung von der parijer Bluthochzeit , zur Veränderung dieses Em - Wusses . Ein wenig darauf , ward er vom Thomas Carthwright b nach Cambridge , und vom Lorenz Humfred nach Oxford berufen : er nahm den letztem Beruf an ( Bj , und ward durch dieses Mittel , im 22 Jahre , Professor der morgenlandi - sehen Sprachen . Er hat sie vier Jahre zu Oxford mit großem Bcysalle gelehrtt . Hierauf wollte er sein Vaterland wieder sehen , und gieng nach seiner Ankunft daselbst nach Löwen , wo er die Rechtsgelehrsamkeit studierte . Die Religionsunruben nöthigten ihn , nach London zu seinem Vater zurück zu gehen ; allein der Friede von Gente , brachte Vater und Sohn in ihr Vater - fand zurück . Dieser letztere versuchte sein Glück in Holland , und er fand daselbst gar bald eine Proseßion der morgenlän» tischen Sprachen d . In währender Zeit , da er dieses Amt zu Leiden verwaltete , war er auf seine Verheirathung bedacht : er verheirathete sich 1580 mit einer Jungfer von Gent , die mehr als halb bekehret war ( C ) , und welche er seir seiner Heirath in der resormirten Religion völlig unterwies . Die Besoldung , die man dem Drusius in Holland gab , war für das Bedürsni'ß seiner Familie nicht zureichend : er ließ sich vernehmen , daß , wenn man ihm anderwärts eine beßre Bedienung anböthe , er die» selbe annehmen würde - . Der Prinz von Oranien schrieb auf die erhaltene Nachricht , daß er sich gewisser maßen dem meist , viethenden und letzten Käufer , zum Verkauf angebothen , an den Rath zu Leiden ; es so einzurichten , damit ihnen ein solcher Mann Nicht entqienge . Gleichwohl entwischte er ihnen ; sie ließen ibn nach Frießland sehen , von da er einen Berus erhalten hatte . Dieß war das Proftssoramt der hebräischen Sprache auf der Akademie Franeker . Ei - wurde im Brachmonate <585 darzu eingeführt , und'hm den Verrichtungen desselben bis an seinen Tod rühmlich vorgestanden , welcher sich den i2Hornung f 1616 * erauact Es ist aewiß , daß er viel Hebräisch verstanden ( D ) , und daß er viel Licht in den jüdischen Alterchümem , und den : Texte des alten Testaments erlanget gehabt . Dieses erhellet aus verschiedenen Büchern , die er Herausgegeben hat ( E ) . Seine Fabiakeit in diesem Stücke ist so bekannt gewesen , daß er Befehl bekommen , über diese Materien zu arbeiten , und dieserwegen von den Generalstaaten bezahlet worden ( ? ) . Man Hatte wegen einer neuen Übersetzung der Bibel , in die flamandische Sprache , die Auqen auf ihn geworfen ( G ) ; allein es funden sich Leute , die mit gutem Erfolge an seiner Ausschließung arbeiteten . Er hat einen großen Briesivechsel mit Gelehrten unterhalten ( H ) , und dadurch erfahren , daß seine Werke hoch gehalten worden , und daß man ihn ermahnet , beständig zum gemeinen Nutzen zu arbeiten . Er hatte diesen Trost sehr nöthig h ; denn er hatte an seiner Seite viel Feinde , die ihm tausenderlei ) Widerwärtigkeiten erregten ( l ) , und seinen guten Namen grausam verlästerten . Ec war entweder aus Bescheidenheit , oder aus einer Befreyung von Vorurtheilen , im Verdammen und im Loben weit einge - zogner , als viele andre : dieß war Ursache , daß man ihn als einen bösen Protestanten ausschrie ( K ) . Seine Antwort verdienet , daß man Betrachtungen darüber machet ( L ) , und sie hat nicht verhindert , daß er nicht unter der Last seines Schicksals seufze» müssen ( M ) . Sein Sohn würde ein Wunderwerk der Gelehrsamkeit geworden seyn , wenn er langer gelebt hatte ( N ) . Scaliger hat viel gutes von ihm gesagt ; Scaliger , sage ich , welcher außer diesem von unser , nDrusius sehr übel geredet hat ( O ) : denn was kann man wohl entsctzlicherS , und schimpflichers wider einen Professor der heil . Sprache sagen , als wenn man sein Haus ein Hurenhaus nennet ? Drusius hat einen Schüler gehabt , der ihm gefolget ist , und seinen Nachruhm wider diejenigen vertbeidiqer hat , die ihm Schuld gegeben , daß er dem Arianismuö geneigt gewesen ' . Er hat auch für die Manufcripte , und für die Tochter des Verstorbenen gesorget ( P ) . Boßuet , Bischof von Meaux . hat sich eine Sache zu Nutze gemacht , die er im Drusius von der Muße des Pabstö gelesen ( QJ . Ein Jesuit , der unsern Drusius getadelt hat ( R ) , hat weiter nichts ge - than , als daß er sich selbst tadelnswürdig gemacht hat .
a ) Sein Geschlechtsname war Driesch ? . b ) Er war Professor der Gottesgelahrcheir . <• ) Er ward im 1576 Jahre geschloffen . <0 Im 1577 ^ahre . , ) Quoniam vcro familiam ex tarn parco ftipendio , quod annuatim numerabatur , alere nequit , hic nofter alia coeitare incipit , fuique fruendi , fi legitime vocetnr , fpem facere . Abel Curiander , in Vita Drufii , p . g . / ) Dieß ist nach der alte» Zeit g ) Aus seinem Leben , welches Abel Curiander , sein Schwiegersohn , aufgesetzer . b ) Siehe die Anmerkung ( M ) . / ) Siehe oben den Text des Artikels Amama , zwischen den Anfuhrungen / ) und F ) .
( A ) Er schickte sich an , eine Reise nach Frankreich jtt chun . ] Meursius hat aus einem Fehler der Aufmerksamkeit , diese Stelle im Curiander nicht wohl begriffen . Poftea cum Ceuallerius a fuis in Gal - liam reuocatus abitura pararet , impetrauit a patre ( Drufius ) , vt ibi adhuc annum integrum commorari poflet . Curiander , in Vita fii , pag . 5 . Hier ist aber noch nicht der vornehmste Fallstrick , sondern in denen Motten , die ich gleich anführen will : Ann» poft difcefiuin Ce - tullerii lanus nofter profcdhis eft I . ondinum , hac fine , vt in Gal - liam , Philofophiae ftudium profequendi gratia , denuo conccderet . Ebendas . 6 S Meursius , da er eine von diesen Stellen durch die an , dre ausleget , bat geglaubet , er könne sagen , daß Drusius dem Cevallier nach Frankreich gefolger sey , und , als er nach London zurück gekommen , sich angeschickt habe , eine andre Reise nach Frankreich zu rhun , von welcher ihn die Blurhochzeit zu Paris abgewendet hatte . Reuocato in Gal . liam Ceualerio eum comitatus , ad Hebraeam fumma cum conten . tione animinn aduertens , priuatim qiioque adolefcentes duos Allglos docere coepit . Inde Londinum reuerfus cum recurrere eo omnino ftatuifl'et , ianiena Parienfis nuntiatur . Qua de caufa mutato conti , lio , etc . Meurfiut , Athen . Batau . pag . 2 ? ? . So viel ist gewiß , daß Drusius mir dem Cevallier nicht nach Frankreich gegangen . Er ist zu Cambridge geblieben , und hat daselbst die zween Englander unterwiesen , von welchen Meursius redet . Dieses ist aus der Erzählung Curianders , auf der 6 S . klar . Es ist auch gewiß , daß er sich nach Cevalliers Ab - reise mehr auf das Griechische , und auf die Philosophie , als auf das He - bräische gelegt , woraus erl>ellet . daß Meursius die Beschässnqnngen die - ses iunoen Menschen nicht wohl bezeichnet hat . In der andern Stelle Curianders , hätte das Comma »ach denn» , und nicht vor diesem Worte aeleket werden sollen ; und dieses ist es , was den Meursius betrogen bat° Der Verfasser will sage» , , es habe Drusius nach Frankreich gehen wollen um daselbst fein philosophisches Studium noch einmal fori zu feken ' cfch bin gewiß , daß man in den Büchern hundert Schnitzer von dieserNarur finden würde , wenn man sich die Mühe nähme , die Auszüge mit dem Werke selbst zu vergleichen , daraus die Auszüge nommen worden . Und im Vorbengehen sehe man , wozu die bloßen Kehler des Punetirens vermögend sind .
( B ) ige ward - - - nach Cambridge , nnd - - - .
^^d : ^man^oerbes^r^so^den P^^^^
den von urroto : man Wrttp «'l' W ? kTi „ ä fanet Hebraeae Schauplätze der berühmten Männer auf der 15 - 0 S . saget , ttevra
II Sand .
Linguae Professor in Vniuerfitate Cantuaritnfi an . aetatis 22 confti - tutus eft ; dieß sind zween Fehler für einen . Es ist falsch , daß DrusiuS zu Cambridge gelehret hat , es ist falsch , daß die Akademie zu Cambridge Cantuarienfis genennt wird . Dieses letzte Wort ist das Beyworr von Canterburi .
( C ) ( Ec vtecbdtatbete sich e < - tnit eilter Jungfer von Genr , u ? elche ( - ) mehr als halb bekehret rvar . Z Sie hat M« , ria von der Varrent geheißen : sie hat lieber ihrem Erbtheile und ihrem Vaterlande , als ihrer Religion , absagen wollen , und ist ungemein mild - thätig gegen die Armen gewesen ; mich dünkt , daß sie im ljQQ^ahre ae - stvrben ist . Es ist unter den Briefen der Arminianer , ein Brief von dem Arminius ( es ist der . 47 ) im Monate May 1599 unterschrieben , Wommen er dem Drusius fein Beyleid , über den Tod seimr Ehfrau , be - zeugt . ttaec cum in klandna virgo , guftum melioris puriolisque doörinae percepifTet , connix in Hollandia ita in illa confirmata eft , vt citius bonis luculentiflimis priuari , deque ciuitate et patria , quam de fententia fua , dimoueri potucrit . Praeter alia , hoc de iJIa refe - runt , quod inexhauftae in Pauper« fuerit benignitotis , qui vnanimi et confona voce Franekerae clamitant , cum eins nientio incidit ; Erat illa parens et matcr vnica egejletis , omvisqxi aduerfitatis folamtru Curiander , in Vita Drufii , pag . 7 . 8 . Es sind drey Kinder au« dieser Ehe enlsprossen , eine Tochter , welche den 22 Marz >58 - zu Leiden geboh - ren , und «604 mit Abel Curiandem verheiratber worden , der das Leben seines Schwiegervaters herausgegeben hat . Ebendaselbst z S . eine an - dre Tochter , welche den 1 April , 587 zu Franeker gebohren , und den 29 May 1608 an Abraham Balken verheiraeher werden ; und ein Sohn , welcher den 26 deö Brachmonats > ; «3 gebohren worden , tverde hier unten von ihm reden . Die andre Tochter ist zu Gent den 12 bei Wintermonats 16 . 2 aestorben . Sie war einiger Geschäffte halber da - hin gegangen . E>> , Priester , der ihre Krankheit erfahren , besuchte sie in der Todesnorh , um ihre Beichte zu hören , und ihr die letzte Oelunq zu geben , sie wies ihn aber Zurück , und ihr Ehmann wollte ihn gar schla - gen . Man mußte die Leiche der Verstorbenen mit tausenderley Un - kostm und Gefährlichkeiten nach Seeland überbringen : denn zu Gent redete man von nichts , als sie auf den Schindanger zu schmeißen^ Eben - das . >4 >5 «5 -
O ) Er sollte sagen , mehr als halb bekehrt , de la Monnoie redet also von wr : und auch der P . DorleanS in feinen Staatsveränderun - gen von England . Crir . Anm .
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