Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7321

Drusilla .
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Universität einige Streitigkeiten mit den Jesuiten gehabt . Es sind nig Akademien , mit weichen die Jesuiten nicht Irrungen gehabt ; und sie könnten , ihre Rechrshändel betreffend , überhaupt sagen :
Qyae regio in terris noftri non plena laboris ?
Virgil . Aeneid . Lib . I . v . 460 .
Die andern Schriften des Drusbizki . die das Licht gesehen , sind latei - mich , und andächtige Werke : ve Pafiione lefu Chrifti Filii Dei . Fafciculus Exercitiorum et Confiderationum de praecipnis virtuti -
bus Chriftanae fidei . Sol in virtiite fua , fiue Tefus Chriftus in fplendore fuarum excellentiaruin fpectabilis . Nathan . Sotuel Bibl . Societ . Iefu , p . 276 .
( C ) Sein . Gebert - ? enthält viele wichtige Zdmge . 1 Ich muthmaße , daß diese Ding : nicht die Verwaltung der Geschaffte wtt der Gesellschaft , die ihm anvertraut gewesen , sondern vielmehr die Ge - sichter nnd Entzückungen , und andre dergleichen Vorfallenheiten der ausschweifenden Andachten betreffen . Diejenigen , die diese« Buch ho * ben möchten , werden mir ein Vergnügen erweisen , wenn sie mir melden wollen , oHcf ) mich bekriege .
DNtsÜla , die Tochter Agrippa des I , Königes der Jüden , war noch nicht sechs Jahre alt , als ihr Vater verstarb . Sie war bereits mit dem Epiphanes , des Antiochus , Koniges von Comagene Sohne , verbrochen - ; allein diese Heirath wurde vor der Vollziehung zerrissen , weil Epiphanes sein gethaues Versprechen nicht halten , und die jüdische Religion annehmen wollte . Azizus , König der Emcsenier , war nicht so gewissenhaft ; er willigte in die Beschneidung , wenn ihm Dnisilia versprochen wür - de . Man gab sie ihm , und er ward ein Jude b . Sie ist ein ungemein schönes Frauenzimmer gewesen : Felir hatte sie kaum gesehen , so verliebte er sich in sie . Er ließ vom Heirathen mit ihr reden , und versprach ihr einen so glücklichen Stand , daß sie die Pattie annahm . Sie verließ ihren Gemahl Azizus , und zugleich ihre Religion ( A ) , und heirathete den Felix , der da . mals in Judäa geboth . Die Eifersucht , die zwischen ihr und ihrer Schwester Berenice herrschte ( B ) , ist einer von den vor - nehmst . '» Bewegungs^ründen gewesen , die sie zu dieser verkehrten Haushaltung brachten c . Die heilige Schrift gedenket des Felix und der Drusilla d . Sie haben einen Sohn , Namens Agrippa , gehabt , der nebst seiner Gemahlinn in einem Brande des Berges Vesuvius umgekommen - . Es ist sehr viel Wahrscheinlichkeit , daß sich TacituS wegen der Heirath des Felix be - trogen hat . ( C ) . Moreri hat einige Schnitzer gemacht , die er le , chtlich hatte vermeiden können ( D ) , wenn er mit Aufmerk - sanikeit geschrieben , und seinen Geist zur Richtigkeit gewöhnt hätte .
a ) Josephs Alrerthümer XIX Br . VII Cap . Ii ) Ebcndas . XX B . V Cap . c ) Ebendaselbst . d~ ) Aposiclgcsch . XXIV , - 5 . e ) sephs Alterrh . XX B . V Cap .
( A ) Sie verliest ihren Gemabl - - - und zugleich ibre Rcliqion . Z Ich babe in der Anmerkung ( E ) des Artikels Berenice , die Enkelinn , eine Anmerkung hierüber versprochen . Herr de laRoque , ein geschickter Mann , ein französischer geflüchteter Prediger zu London , hat mir vorgesteliet , daß die Worte des jüdischen Historienschreibers nur bedeuteten , es sev diese Heirath der Drusilla den Gesetzen zuwider wesen ; allein dieß zieht keinen Aufstand der Religion nach sich : ich gebe Cfi zu ; allein nach meinem Bednnken berichtet uns Joseph dasjenige ,
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In« - . « »v m Uiyom lijÜTtliTO , T« ti ysfWfuc thSitou ,
töl rtfu * Zok . Dies , heißt nach der Übersetzung des Gele - tiiuS lila ( Drußlla ) male confnlta volens euadere moleftationes fororis Bernices , inuidentis Tibi formae praecellentiam , confenfit calcata religione patria Felici nubere : und nach Genebrards Ucber - setzung : Sie hat sich übel berachen , indem sie dieÄeneidungcn ibrerSchwesterDercnice vermeiden wollen , die über ihre groste Schönheit ärgerlich war , und darein gewilliget , ihre Religion ; u verladen , und den Felix z« heirathen . Arnold von Andilli hat den qriechischen Text dieses Geschichtschreibers , was die Abschwörung des JudeiithumS betrifft , eben auf diese Art übersetzet . Dasjenige , was mich überzeuget , daß Genebrard dieses wohl übersetzet hat , ist , weil es aar nicht wahrscheinlich ist . daß Felix bey dem Posten , den er bekleidet , sich unterstanden haben sollte , eine Frauensperson zu heirathen . die die Religion der Römer , als einen Abscheu angelchen hätte : daß er sich un - tersianden haben sollte , sage ich . eine solche Frau zn heirathen . ohne der - selben vorzustellen , daß sie andre Meynunqcn von dem Dienste der ro - mischen Götter fassen müsse . Es ist gar keine Wahrscheinlichkeit , daß Drusilla diese Bedingung verworfen hat . da die Frage von der Heirath eines Mannes war , der in Indäa geboth , der viel Tfail an der Gna - de des Kaisers hatte , nnd ein geliebter Bruder ebendesselben Kaisers war . Ich weis wohl . daß die Römer sehr leicht gewesen , die Religionen zu dulden : allein es ist ei» großer Unterschied unter der Duldung einerRe - liaion , welche die unstige nicht verdammet . und unter der Duldung einer Seere , die uns verdammet , und mit dem Bannflüche beleget . Dieß aber rbaten die Juden , in Ansehung aller andern Religionen . Und überdieß ist ein großer Unterschied unter der Duldung einer Frau , die sich zum Jndenthume bekennet , und dieselbe , ungeachtet dieses Glaubens , bekcnntnssses , zu heirathen . Man kann auch auf die Wortfügung des ^osevl's Acht haben lassen ; denn wenn er nur schlechtweg sagen wollen , daß untre Drusilla einen Heiden gebeirathet , welchen zu heirathen die Gesetze des Judenthums nicht zugäben ; so hatte er nicht nothig gehabt , diese Worte'zu the . lcn , wie er sie gctheilet hat : sie enthalten lich zween Säste ; der eine ist , daß sie die Religion übertretender andre , daß sie den Felix geheirathet . Dieß ist ein Alchen . daß m dem ersten sich etwas findet , das der andre nicht einschließt . Allein ich wollte auf diesem Deweise eben nicht so hart bestehen ; denn es giebt mehr als zu viel Beyspiele , welche beweisen , daß die Schriftsteller die scharfen Re - qeln der Vernunftlehre , bey der Fügung ihrer Worte , nicht sehr ten ; und es ist vor Alters eine Figur der Sprachlehre gewesen , i» Ii * Svob , genannt , einen einzigen Gegenstand in zween Ausdrucke zu thei - len . Pateris libamus et auro , ( Virgil . Georg . Lib . II . v . 19» . ) anstatt pateris aureis .
Man bilde sich nicht ein , daß ich den Felix zu einem andachtigen Hei - den , und gewissenhaften Manne mache ; ich gebe ihm nur Staacsserupel , ich seke nur voraus , es sey ihm nicht unbekannt gewesen , daß ihm der Fort - aana seines Glückes bey vielen furchtbaren Hofbedienten eine Eifersucht erwecket bat , welchen er keinen Vorwand anbiethen durfte , wider ihn zu schrenen . »nd ihm bey Hofe eine Grube zu seinem Falle zu graben ; zumal einen so scheinbaren Vorwand , als dieser , da man sagen können : er habe eine Gemahlinn in seinem Hause , die öffentlich bekennte , daß sie einen Abscheu vor den Hausgöttern , und vor der ganzen Religion der Romer hätte .
d * ß ist eine außerordentlich schöne , und NM zehn Stticke
ster als Beren . ee . gewesen . Diese letztere wurde ihr m f herzlich gern ihr Recht der Erstgeburt abgetreten haben , bey der Mate .
rie von der Schönheit machen zehn Jahre mehr , ein sehr überlastiges Vorzugsrecht : man würde dasselbe gern los seyn , man würde solche« mir Freuden gegen den Stand derJüngstgebohrnen vertauschen ; allein man kann dießfälls nichts wider die Natur ändern . Die Eifersucht der Berenice ist keine verborgene Regung gewesen : Drusilla hat die Wir - kungen davon empfunden ; so daß sie höchst vergnügt war , durch ihre Heiratl , mir dem Statthalter von Judäa , der ben dem Kaiser in großem Ansehen stund , sich in dem Stande zu sehen , der Berenice die Stirne biethen zu können . Er war der Freygelassene dieses Kaisers . Suet . in Claud cap XXVIII . und ein Bruder d> . '6 Pallas , ( Josephs Alterth , XX B . V Cap' Tacit . Ann . L . XII . c . LlV . ) Pallas war in demGemüthedesClandiuS wohl angeschrieben . Suet . ebcndas Tacit . ebendas . Die Alten hatten ein Sprüchwort von dem Bruderhasse : Fratrum inter fe irae funt aeer - bifTirnae : Erasmus fübret bey der Auslegung dieses SprüchwortS des Aristoteles Politik im VII Buche an , welcher gesaaet hat : o " ^ <'^tm , X«texoi yaa Tretefi» ! ccoit . ^2 : : Vndc prouerbio dicitur , acerba enim bella fratrum . Mich dünkt , daß der Schwesterhaß noch viel heftiger ist ; und wenn man sagen kann , daß alle Zeiten z» der eisernen Zeit ge - hören , wo die Freundschaft unter den Brüdern seltsam gewesen :
Fratrum qnoque gratia rara eft ,
Ouid . Metam . Lib . I . verf 145 .
so glaube ich . daß man solches noch mit besserm Rechte in Absicht auf die Schwestern sagen kann . Drey Dinge verhindern gemeiniglich ihre Ei« fersucht . ( inan erwäge diese Worte wohl ; denn es kann ein jeder sehr gute und schöne Ausnahmen von dieser Regel finden . ) Die Gnade Gottes , der Mangel beneidenswürdiger Eigenschaften , und ein großer Grund der Dummheit : denn wenn es ihr Alter erlaubet , daß sie zu gleicher Zeit , in Betrachtung ihrer Schönheit , ihres Geistes , ihre« Glückes , mit Schimmer erscheinen ; so ist es fast unmöglich , daß sie ein - ander lieben können , nnd man würde seine Aufwartung bey der einen sehr schlecht damit machen , daß man die andre lobte . Es giebt viele , die so viel Geschicklichkeit und Starke besitzen , den Verdruß nicht merken zu lassen , der ihnen dadurch verursachet wird ; allein sie empfinden ihn nichts destoweniger . Der Beschluß eines Briefes , von dem de la Fon - taine , an die Herzoginn von Bouillon , soll das Ende dieser Anmerkuna machen . „ Diese Schäfchen , gnädiae Frau , sind eure Hoheit , und die „ Frau Mazarin . Hier wäre der Ort gleichfalls ihren Lobsoruck tu „ machen , um denselben mit dem ibrigen zu verbinden : »vir aber der , „ gleichen Vergleichungen eine etwa« kübliche Matetie sind , so alaube ich „ bester zu thun , mich derselben zu enthalten :
„ Als Schwestern liebt ihr euch , nnd gleichwohl Hab ich Recht „ So viel mir möglich ist , das Gleichniß zu vermeiden - ' , . Es läßt sich zwar das Gold , allein das Lob nicht theilen , „ Der größte Redner kann . wenn er ein Engel war ,
„ In diesem Stücke Nicht zwo Schwestern . zweene Helden , „ Zween Bücherschreiber »nd zween Heilige vergnügen .
Dieser Brief steht in dem andern Bande der Retour d« Pieces choi - fies , im 1683 Jahre gedruckt , und in den Oeuvres Pofthumes de Mr . de la Fontaine , paß . 85 u f . amsterdamer Ausgabe von Cunäus urtheilet sehr wohl von dem BewogungSgrunde des mosaischen Verbo« theS , zwo Schwestern zu gleicher Zeit zu heirathen In Leuit . cap XVIII . saqet er , de Republ . Hebr . Lib . II . cap . XXIII . p3g . n ) . 2y£ ediflum Numinis extat , quo ludaei duas forores eodem tempore habere vxores vetantur : non ob aliam causam profefto , qu^n quod ardentiflima esse inter has aemulatio in tali coniundHonefolet * cum caeterae omnino , quae ea confanguinitate non sunt , aequiore animo fub eodem marito aetatem vna agant . Siehe Polygam , triumjihatr . P - 373 *
( C ) ffis ifr sehr wirf^«bffchtmlichteit , daß sich Tacims we - gen der - He . ratk des Mir betrogen hat . ] Dieß sind seine Werte in des V B . IX Cap - Llaudnis defunflis regibus aut ad modicum redaftis Iudaeam Prouinciam equitibus Romanis , aut libertiü per - mißt . Et quibus Antonius Felix per omnem fäeuitiam ac libidi - nem ins regium feruili ingenio exereuit , Drufilla Cleopatrae et An - tonii nepte in matrimonium aeeepta , vt eiusdem Antonii Felix pro - gener , Claudius nepos eflet . Diese Worte bedeuten augenscheinlich , daß Felix , in währender Zeit , da er in Judäa gebothen , der Drusilla , des Antonius und der Cleopatra Enkelinn , Gemahl gewesen . Allein
dieses

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