Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7285

Drelincourt . Dresserus .
wenn nämlich die Versammlung viel zahlreicher , al« gewöhnlich , war . Bey dergleichen Gelegenheiren har man in der Kirche nach Gewohn , heit geprediget , und außer diesem auf dem Kirchhose . Ein Prediger , der nicht die Kräfte gehabt , auf den Predigtstuhl zu steigen , würde nicht vermögend gewesen seyn , auf dem Kirchhofe zu predigen ; denn man pre - digte daselbst auch auf einer Kanzel . Drelincourt ist weder jung noch alt , mehr als ein anderer , erwählt worden , auf dem Kirchhofe zu predi - gen . V . Ist dasjenige , was man von den letzten i» Monaten seines Lebens dazu gesetzt , eine sehr üble Erzählung : wir finden darinnen nicht« , das uns nicht von dieser Wahrheit abführet , daß nämlich dieser Prediger bis in die legre Nocke seines Lebens geprediget hat . Siehe das
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geschriebene Leben , und die Anmerkung ( G ) . Werden es denjenigen , welche den Gebrauch der Aerzte in Paris kennen , nicht fremd kommen , daß man geglaubt , der Welt eine sehr merkwürdige Sache zu berichten , wenn man 'gesaget , daß diesem Prediger bey einer Krankheit von 1« Monaten viermal sey zur Ader gelassen worden ? 8esqmanno ante obitum a M . Maio A . i6 Drelillcourt ( Carl ) ein Sohn des vorhergehenden , war zu Paris den iHornung 16ZZ gebohren . Er erhielt die Doctor - würde in der Arzneykunst zu Montpellier im 1654 Jahre , und wurde , nachdem er sich in derUebung so wohl bey der Armee , die der Herr von Turenne in Flandern commandirte , als in Paris , hervor aethan hatte , von den Pflegern der hohen Schule zu Leiden , zum öffentlichen Lehrer der Arzneykunst im 1663 Jahre erwählt a . Er nahm diese Bedienung an , und erfüllte die Verrichtungen derselben mit außerordentlichem Fortgange . Seine Lehrart war die deutlichste und richtigste von der Welt ; und er zeigte in der Zergliederungskunst eine Geschicklichkeit und Fertigkeit , die man bewunderte . Er verstund die griechische und lateinische Sprache aus dem Grunde : und man sollte bey Erblickung des Umfangs seiner großen Gelehrsamkeit gesaget haben , daß er
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seinen _
MHÜpMP I .
erduldet . Er hat den Trost gehabt , seinen einzigen Sohn Carl Drelincourt , als Doctor der Arzneykunst f wohl ratet und als einen Vater zweener Söhne zu sehen . Er hat verordnet , daß man ihm keine Leichenrede halten solle .
a ) Siehe die Zuschrift an den Herrn van Beuning vor seinem Tractate de odtimeftri Partu vitali . b ) Hier oben auf der zzo S . 1 Spalte : Ich habe daselbst in der gegenwärtigen Zeit geredet , wie ich in der ersten Ausgabe gethan hatte . 0 Den j Hornung 169z .
Dresserus ( Matthäus ) gebohren zu Erfurth , der Hauptstadt in Thüringen , den 24 August 15Z6 , hat sich unter den Gelehrten einen ansehnlichen Namen gemacht . Die ersten akademischen Vorlegungen , die er geHort , sind Luthers und Me - lanchthonö zu Wittenberg gewesen . Er konnte sich dieselben nicht lange Zeit zu Nutze machen , we , l ihn die für lhn sehr » „ . gesunde Luft dieser Stadt nöthigte , von da gar bald nach Erfurth zurück zu gehen , wo er das Griechische unter dem Morih Sidemann lernet ? So bald er die Würde eines Meisters der fteyen Künste 1559 erhalten , hielt er rhetorische sungen in seinem Hause ; hierauf lehrte er in der Schule zu Erfurth , und naä ) dem er , n dle Zahl der philosophischen Profes . soren aufgenommen worden , die schönen Wissenschaften und tue griechische Sprache . Nachdem er sechszehn Jahre in sei - nem Vaterlande gelehrt , ward er nach Jena berufen , den Platz des Ltpsius zu ersetzen ; dieß war der Lehrstuhl der Historie und der Beredsamkeit . Er hielt daselbst seine Antrittsrede un 1574 ^ahre « . Einige Zeit darauf gieng er nach Meißen als Aufseher der Fürstenschule ; und nachdem er sechs Jahre daselbst gewesen , so erhielt er im 158' Jahre auf der hohen Schule zu Leipzig die Profeßion der schönen Wissenschaften , und man gab ihm ein absonderliches Gehalt , die Historie von Sachsen fortzusetzen . Er fand bey seiner Ankunft in Leipzig viel Streitigkeiten unter den Lehrern ; einige wollten die Philosophie des Ramus einführen1 , und die andern wollten sie nicht leiden ; einige wollten des CalvinuS Lehre naher tre« ten , und die andern wollten keine Neuerung bey dem Lutherthume zugeben . Er wollte sich vor diesen Stürmen , die Neue , rung der Philosophie betreffend , verdeckt halten ; allein da er ihre Verknüpfung mit den andern Streitigkeiten sah ( A ) , so wurde er einer von den hißigsten Antiranusten , die in diesem Lande gewesen sind . Er' hat seine ganze übrige Lebenszeit zu Leipzig zugebracht , und ist daselbst den 5 des Weinmonats i6o7gestorben . Er ist Urheber von verschieden en Werken ( B ) . Er hat sich im 1565 Jahre verheirathet , er ist im 1598 Jahre Witwer geworden , und hat sich zwey ^ahre darauf wieder verheirathet K Er ist ein listiger Mann gewesen und hat es zu Erfurth bezeugt ; denn er brachte alle feine Amtsgenossen , welche bis auf einen , römiHkatholifch waren , dahin , daß über das augspurgische Glaubensbekenntnis ; und die hebräische Sprache auf der hohen Schule gelesen wurde f .
a ) De Eloqueutiae et Hiftor . Studio . Sie ist mit einigen andern derben Verfassers gedruckt worden , b ) Aus seinem Leben unter den Lebensbeschreibungen der deutschen Philosophen , die vom Melchior Adam zusammen getragen worden , auf der 4 ? 5 U . f . S . O Paul - Freher . in Theatro , pag . 1J04 .
( A ) Als er ihre Verknüpfung mit den andern Stremgketten Icl ) bilde mir ein , daß sich zur selbigen Zeit dasjenige in Sachsen eräuget hat , was man seit dem in Holland gesehen hat .
Verbindung des Ramismus und des Cartesianisinu« mit den
theologischen Streitigkeiten . Die Gottesgelehrten des augspurgischen Glaubensbekenntnisses , welche dem Calvinismu« geneiqt waren , hatten natürlicher weise nicht den geringsten Nutzen , die Ramisten zu beschütze» ; denn »va« für eine Verbindung fand sich zwischen den Lehrsätzen des RamnS und dem Glaubensbekenntnisse von Genf ? Gleichwohl verknüpften sich die Sache der Ramisten , und - die Sache dieser Gottesgelehrten mit einander : beyde Theile fanden es für gut , ihre Absichren mit einander zu ver - einigen , damit sie denen desto besser widerstehen konnten , welche die Neuerung nicht erdulden wollten . Dieß ist ohne Zweifel Ursache gewe - sen . daß sich die strengen Lutheraner den Ramisten mit eben derselben Heftigkeit widersetzten , als den Gönnern des Calvinismus . Man wird hierdurch dasjenige verstehen , was ich gesaget habe , daß sich Matthäus Dresserus wider die Spitzfindigkeiten des Ramus erkläret , als er gese - hen , daß sie mit den Streitigkeiten der Gottesgelahrtheit verwickelt wa - ren . welche Sachsen beunruhigten . Dieß ist gerade das Bild von der Ver - knüpftmg , die man in Holland unter den Coccejanern und Cartesianern sieht : dieß sind zw« ) Dinge , die nur hierinnen etwas gemeines haben , »aß nämlich das eine , als eine neue Lehrart , die Gottesgelahrtheit zu er - klären , und das andere als eine neue Philosophie angesehen wird . Uebn - gens sind die Grundsahe der Coccejaner und der Geist ihrer Meynun - gen von dem Geiste des Cartesius gänzlich entfernt .
Wir wollen die Worte anführen , welcher sich Melchior Adam bedie - Net : Venit autem Lipfiani eo tempore , quo ( verba referinuw ipfius Dreileri ) anceps inaium in Academiam illam inuaferat : dum nonnulli argutias Rami , rcpudiata doctrina Ariftotelis et Melanch . thonis inuehere conarentur : alii religionis quaedam dogmataad fen . fiun Caluini infleöerent . Vtrumque extremum declinarc ipfe cu - piebat : et quoniam concertatio de Rami nouitatibus Philofophicam communitatem vehementer conturbarat , abftinendum fibi ab eins confortio esse putauit , ne in medium certainen atque difcrimen fe obiiceret . Melch . Adam , in Vitis Philofophor . Germanor . pag . 496 . Berlepsch , der churfurstliche Bevollmächtigte , zog ihn von diesem ftied - fertigen Vorhaben ab . und es ist dem Dresserus dasjenige begegnet' was vielen von denen begegnet , die sich spät in dergleichen Streitigkeiten mengen ; sie sind viel hibiqer . als die ersten Anfanger . Der Ramlsmus hat dem Dresserus ein abscheuliches Ungeheuer j» seyn geschienen : Vto II Band .
vcro cognouit cum Rami do & rina coniunflam esse illius dogmati« difceptationein , magno animi ardore pcftiferum id gentis amouere conatus eft , ebendas . 497 S . er hat sich in allem den ? lbsichten de« chursürstlichen Bevollmächtigten gemäß bezeiget , welcher , seiner SeitS , für die Angelegenheiten des Dresserus große Sorgen trug : denn er hat nichts vergessen , das Buch auszurotten , welches die Ramisten wider diesen Geaner herausgegeben hatten , und die Urheber desselben zu tigen . Idem Beriepfchius omnes vias perfecutus eft , quibus scriptum aduerfus Dreflerum ediruni , a Ramaeis proßigaret , et in autores iufta feueritate animaduerteret . Ebendas . 497 S . Man darf sich nicht dar - Über verwundern , weil er geglaubet , es führe der Ramismus zum Cal - vinismu« . Memini , mqutt , Parifiis quantas turbas , quantas cnede» pepererit Rami fefta . Quin et in haec verba grauitate magna aupit quid quaeritis ? Rannsmut eft gradus ad Caluinisinum . Cberi daselbst' Heutiges Tages verlachet man mit Recht dergleichen heftige Streitig - keiten . welche die Akademien im XVI Jahrhunderte , wegen Kindereyen , zerrheilet haben . Also muß man die Streitigkeiten der Ramisten und Peripatetiker nennen . Man kann die Nachrichten von so vielen Tu , Multen nicht ohne Lachen oder Mitleiden lesen . Unserer Zeit wird es bey den folgenden Jahrhunderten eben so gehen . und also bleibt der Grundsatz wahr , daß die eine Hälfte der Welt der andern spottet : er bleibt , sage ich , zur Schande eine« andern sehr billige» Grundsatzes wahr :
Loripedem redtus derideat , Aethiopem albus ,
Iuuen . Sat . II . v . aj .
und wegen der Beobachtung einer andern höchstungerechten Grundregel : Clodius aceufat moechos , Catilina Cethegum .
Ebendaselbst , v . 27 .
( E ) ( £c ist der Urheber verschiedener Werkes Von einer Rhe - torica inuentionis , difpofitionis , et elocutionis , exemplis facris et profanis quam plurimis illultrata : \>on drei ) Bückern , Gymnafnia - tum Littcraturae Graecae , Orationuin , Epiftolarum , et Poematuni ex Auftoribus facris ac profanis , cum exemplis rnoduin feribendi monftrantibus : von einer Ifagoge Hiftorica per millenarios diftribu . ta , et ad annum vsaue nonagefimum primum filpra mille quingen - tos dedußa : von vielen andern der Jugend »üblichen Reden und Bü , chern , cum aliis iuuentuti Scholafticae vtilibus . Melch . Adam . 1 . c . p . 497 . Dieß ists alle« , was Melchior Adam von den Schriften de« Dresserus vorbringet . Er saget nichts von den medicinischen Büchern , Tt - die

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