Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7258

Z28
Drabicius .
der Anmerkung ( L ) geredet habe : nämlich daß man nach dem Bey - spiele der Lacedämonier mit Angreifung des Werkes die Götter anrufen müsse , und daß , nach dem Gebothe des HesioduS der Ackersmann sein Geb . 'th mit der Hand am Pfluge thunsoll , ( also verstehen einige die Stelle des HesioduS im II B l ? v - folg . V . 8z . ) und daß , mit einem Worte , das demüthige Flehen der Müßigganger den Göttern un - angenehm ist , und leer zurück gewiesen wird .
Sibi quisque profe & o Eft Deus : ignauis preeibus Fortuna repugnat .
Ouid . Mctam . Libr . VIII , Verf . 71 .
Man spottete des Perseus , Königes von Macedonien , der sehr eilfertig auö der Schlacht wich , unter dem Borwanve , daß er hingehen und dem Herkules opfern wollte : man gab vor , daß man den Sieg niemanden , als dem befehlenden Feldherrn , zu verdanken hatte , der denselben von den Gottern erbäthe , wenn er sich unerschrocken herumschlüge ; dieß ist das wahrhaftige Mittel , erhört zu werden , sagten die Heiden : A'äU nut
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eibus volens propitiusque annuit Dens , quippe petebat viöoriam belli et palniain haftam tenens , pugnansque opem implorabat Dei . Flutarch . in Paulo Aemilio , pag . »6j . C . Unsere eingebildeten ten folgen wirklich diesen Begriffen .
( C ) Lr meldete Sem Xagonky , daß ihm Gott befohle , das - Hans Oesterreich und den pabst auszurotten . ] Er Hatte Befehl bekommen , sich zu die , cm Prinzen in fein Lager zu begeben , und ihn erstlich mit freundlichen Worten , und dann mit drohenden AuSdruckun - aen anzureden . Man hätte den Anfang machen sollen , ihm zu ten . daß ihn der Himmel zum Konige von Ungarn erwählet hätte ; aber unter der Bedingung , daß er die österreichische und päbstliche Herrschaft umwerfen sollte , wobey ihm Gott absonderlichen Bestand leisten würde . Man hätte den Schluß mit der Ankündigung machen sollen , daß , wenn er sich der Stimme Gottes widersehte , in seinem Hause alles , bis auf die . Hunde , umkommen solle , Hift . Reuel . p . 147 - „ Ignarus horum ar - „ canoruth Drabicius , ( nämlich daß der Türke Postbothen über Postbothen an den Ragotzky mit dem Befehle geschickt , sich nicht mit der schwedischen Kriegsmacht im Jahre 1K45 in Mahren zu vereinigen , und daß der Kaiser dein Ragotzky die aller vortheilhaftestenFriedensbedingungen angebothen hatte . ) „ inandatum aeeipit 22 Iulii et 31 Iiiiii Principis Racocii ca - „ ftra adeundi , Principemque primum blandis verbis , deinde duris , „ alloquendi . Blandis : eleflum ejje diuinitus in Reßem Hungariae , „ feil ea conditione , vt Außriacae et Papali dominationi finem impo . „ nat : babiturus auxilio Deum ad ortmes boßiles exercitus cladt äff . „ ciendum ( Reil . XXX . ) Duris autem : fi viperinam illam progeniem „ perfequi rentierit , mala induibmm ejje Deum , excifurumque de 'Domo eius mingentem etiam ad barietem ( Reu . XXXL . verf . 4 . ) „ Dieß heißt die Redensarten und Manieren der alten Propheten sehr wohl nachahmen . Ich finde nicht , daß Drabicius selbst mit diesem Prinzen geredet : er hat ihn seinen aufgetragenen Befehl nur durch andere Leute wissen lassen . Per Theologum , Medicuin , Aulaeque magiftruin de fibi commilfis informat . Drabicius , Hiftor . Reuel .
Pa ( D ) 7 ( Tommtu» hatte im , 650 Jahre Verrichtungen in Ungarn . ] Die Protestanten , welche der Kaiser aus seinen Landern vertrieben , hatten sich beständig Hoffnung gemacht , wieder dahin zurück zn kommen ; einige gründeten sich auf die Bündnisse , die wider den Kaiser waren qemachr worden , die andern auf die Erscheinungen «in«# ger Enthusiasten . Bey Lebzeiten Gustavs wurde die Sache fast ge - Wiß , und man hatte nach seinem Tode nicht Ursache , daran zu zweifeln ; denn feine Heerführer sehten den Krieg zur El , re der Nation , und zum Nubcn des Bundes fort . Die Geflüchteten hofften also , daß ihre Zurückbe - rufung einer von den Artikeln des münsterischen Friedensschlusses seyn wür - de Allein sie mußten mit Schmerzen erfahren , daß diese lange und wichtige Unterhandlung im Jenner des >650 Jahres geschlossen wurde , ohne daß man an ihre Verbannung gedacht hätte . Das Haus Oesterreich war bey seinen Unterhandlungen so fei» , daß eS hundertmal vortheilhaftigere Bedingungen erhielt , als es sich hätte verlprechen können : die Kirche mußte für den Kaiser , ungeachtet aller Widcrsprechungen des romischen Hofes , leiden : alles was er wider die Sectirer in seinen Staaten gethan hätte , blieb fest und unbeweglich . Hierauf sahen sich diese armen Flucht - linge . die sich in verschiedene Oerter zerstreut harren , ohne alle Hoffnung , und beschlossen , eine Versammlung zur Berathschlagung ihrer Angele - genheiten , zu berufen . Pacis Monafterii et Ofnabrugae fexennio agi - tatae , tandemque conclufae ; itcrumque Noribergae biennio venti - latae , tandemque terminatae , vltinia publicatio incidit in Ianuarium anni 1650 . Qua Bohemiae Regno , cum ineorporatis Prouinciis , hae - reditatis nomine , Auftriacae Domui reli & is , difperji , propter tuan . geliuin a fpt reditus aeternum exclußt quid iam agendum ejfet , deli - terare coepernnt . Ebendaf . 49 S . Die in Pohlen wünschten , daß die andern Abgeordnete zu ihnen schickten . Es wurde ihnen gewillfahret , außer von Stilen Ungarns . Die Geflüchteten in Ungarn führten un - ter andern zu ihrer Entschuldigung an , daß sie unter währender Zeit ih - rer qemeinschaftlichen Verbannung öfters Abgeordnete nach Pohlen ge - schickt hätten , und es also billig wäre , daß man auch einmal zu ihnen käme . Sie verlangten namentlich , daß man den Comenius , Oberaus - fther der Kirchen in Mahren , zu ihnen schicken möchte : man willigte um so viel eher darein , da Comenius damals von dem Fürsten Sigismund Ragotzky wegen gewisser Derarhschlagungen , die Verbesserung der Schu - len betreffend , berufen worden war . Siehe den Artikel Comenius im Texte zwischen den Anführungen h und i . Dieß ist die Ursache gcwe - sen , daß Comenius bey seiner Abreise aus Elbingen den Weg durch Schlesien und Mähren nach Ungarn nabm , allwo er nebst vielen abge - ordneten Predigern und Edelleuien das Osterfest ftverle . Drabicius be , fand sich auch daselbst : er eröffnete ihm seine Offenbarungen , und machte ihn von dieser Zeit an gewissermaßen zu seinem Gehülfen . Comenius , Hiftor . Reuelat . pag . 149 , , so .
( E ) Ragotzky starb 1652 - - - der Engel , der dem Co - menius altes jägre , hatte ihm diesen großen Artikel nichr offen - barer . Z Da mir dieser Juiftrucf , welcher eine Nachahmung aus den Memoiren der Herzoginn Mazarin ist , eingefallen , so bade ich mich def - ftn bedienet . Vermuthlich wird man mich deswegen entschuldigen .
Drabicius ist hier der Engel , der dem Comenius alles gesaget ; allein , anstatt , daß er ihm den Tod des Ragotzky melden sollen , ehe er sich er - äuger hatte , so hat er vielmehr nach dein Tode dieses Prinzen Prophe - zeyungen überschicket , die ihn als lebendig voraussetzen . Einer von den Vertrauten saget hiervon , daß sie Drabicius in der That verhöhnte : Comenius hatte den Muud geschlossen ; allein da er Zeit gehabt , nach ; » - denken , und die Begleichung mit verschiedenen andern Gesichtern an« zustellen ; so hat er gefunden , daß sie den Tod dieses Prinzen ein Jahr zuvor verkündiget haben . Das sind die rechten Leute : sie kommen nie - mals zu kurz , wenn man ihnen nur Zeit läßt , ihre Flöten zu stimmen . Febris mahgnae morbo correptus fuit ( Sigismundus Racocius ) quae illi 4 Februar» vitae finem attulit . Quod , quia nec praedidtum adeo , nee exfpeftatum fuit , nouus offenfionis lapis fuit fadhim . Praeter , tim cum Drabicius nouas fuas nobis fubmittens Reuelationes , tan . quam de viuente adhuc fermocinaretur , quem nos non viuere iain certi eramus . Hinc amicorum rei confciorum vnus ( I . T . ) ad me ; Ludißcamur , quam vere viuit Deus ! Ad quod nihil , quod refpondc - rem , habens obmutui . Nunc ifta ordine relegenti fapientiae Dei veftigia manifefte fefe oftentant . Comenius , Hiftor . Reuel . p . 156 , 157 .
( F ) Der Tinbruch des Ragotzky in Pohlen . ^ Comenius geste - het treuherzig , daß er dieses für die Erfüllung der Prophezeiung gehal - len , die ihre drey Seher vorgebracht ; nämlich , daß sich der Morgen mir der Mitternacht vereinigen , und dieses entsetzliche Werk des ewigen Got - tes seinen Anfang nehmen werde . Ab infperato Principis Tranf cum exercitu in Poloniam aduentu , credebamus ianj illud impleri quod ab omnibus his Videntibus praedi & um , vt fe Oriens iungat Septen - trioni , tremendumque illud opus Dei mox procedat . Ebendaselbst 183 S . Er bekennet auch sehr offenherzig , daß er sich betrogen : er hätte solches nicht wohl leugnen können , weil die thörichte Unternehmung des Ragotzky den allerschlechresten Ewig von der Welt gehabt . Allein man sehe , woher Comenius die Ursache seines Jrrthums genommen hat : es ist daher gekommen , saget er ebenda , elbst . weil ich nicht Achtung genug ge , geben , daß , nach den Prophezeyungen der Christina Poniatovia der mor - genländische mid mitternächtige Löwe sich nur mit einander vereinigen sollen , um eine Unterredung zu halten , und daß sie auch nicht in genug - samcm Verständnisse mit einander seyn , sondern nnverrichteter Sache wieder auseinander gehen würden . Man setze noch dam , saget er , daß Ragotzky , nach dem Drabicius , nicht eher in Pohlen hatte einfallen sol - len , als bis er mit den Tartarn und Türken die nöthigen Verabredun - gen genommen , und in seinem Lande alle erforderlichen Anstalten ge - macht gehabt . Wir dachten , fährt er fort , er hätte alles dieses zuvor ge - than , ehe er sich ins Feld gemachr ; allein wir haben uns hierinnen betrogen . Man beobachte dieses wohl , und sehe darinnen einen Beweis von der Halsstarrigkeit dieser Herren : es fehlet ihnen niemals an Ausflüchten , und es findet sich allemal ein Anhang , darauf man nicht Aufmerksam - feit genug gewendet hat : und also hält man allezeit eine ^»»terthüre und einen Schlupfwinkel bereit , daß man auf neue Kosten wieder zu pro - phezeyen anfangen kann . Wenn Ragotzky die Bedingungen erfüllet gehabt , die ihm Drabicius vorgeschrieben hatte , und seine Unternehmung nichts destoweniger unftuchrbar gewesen iväre : so würde man nicht un - »erlassen haben , zu leugnen , daß ihn die Prophezeyungen betrogen hät - ten ; denn hatte die Poniatovia nicht zuvor gesaget , daß sich der Morgen und die Mitternacht mit einander unterreden würden , ohne etwas zu thutt ? Comenius ist viel feiner gewesen / als man denket , da er sein Klee - blatt zusammen genommen . Man findet mehr Ausflüchte in dreyen Prophezenungen , als in einer . Man lese die Note in der folgenden Anmerkung ( H ) .
( G ) Drabicius verlohr das meiste d«bey . ) Ich habe niemand ge - funden , der mich hatte belehren können , wie sein Ense gewesen , und ich weis nichr , ob man der folgenden Erzählung glauben darf : ich dabe sie aus einem französischen Schriftsteller genommen : Rocolles , Vienne deux fois delivree , pag . z»> . Man hat vielerlei Serracbtungen qe - »>acl ? r , saget er . mir welclicn ich die £ . efec auf , »halten für im# nothig geachtet , die in der Thar nichr verbunden sind , denselben Glauben ju geben , eben so wenig , als dem rhorichten Briefe , den ein Er^narr ( dessen Namen und Person ich nichr kennen will ) an einen großen Monarchen nach den ausschweifenden Gesichtern des böhmischen Nicolaus Drabicius gerichrer har , der als ein Betrüger und falscher Prophete verbrannt , und des - sen 2>«ch von einem reformieren Prediger aus Zürch in der Schwei ; , an allen - Hofen der europäischen Prinzen , und so gar bis zu dem Großvezier herumgetragen worden ; welcher dieser« wegen vierzehn Jzhre gefangen gesc , scn . und zur Äezeugurg sei - nec Thorhcit , diese Zeit über , den Darr bis an den Gürtel wach , sen lassen ; wie mich ein glaubwürdiger Edelmann , der ihn ge , kannr , versichert hat . Maresius har eine ganz andere Sache sagen hören , daß nämlich Drabicius , anstatt , den Großtürken zu taufen , wie er sich vermuthet , gezwungen gewesen , in die Turkey zu fliehen , und da - selbst gestorben sey . Ad multa particularia proceflerunt ( bi impoßores ) circa Ragocium . - - magnum Turcam a Drabicio baptizan - dum ( cum c contrario feratur ipfum Drabicium ad Tureas tran . fiille et inter eos obiifle ) quorum impofturas et falfitatem oppofi . tus euentus doeuit . Mareiius , in Antirrhetico contra I . A . Co . menium , pag . 67 .
( H ) Comenius harte sich nur vor , - - und dcnVorwür - fen von dem Gecrcrar des Ragorzky zu fürcl ? ren . Z Da dieser Prinz seinem Bruder Sigismund gefolgt , so ist er in den Geheim - »ißen des Drabicius unterwiesen worden : er hat nicht blicken lassen , ob er denselben Glauben beygemessen oder nickt ; allein er hat befohlen , daß man ihm die Erscheinungen mittheilen sollte , die Drabicius ferner - hin haben würde . Hiftor . Reuelat . pag . >62 . Die Prinzeßinn . seine Mutter , ward mit in die Parrey gezogen : Drabicius bekam deSNachrs in einem Gesichte Befehl , sie zn besuchen , um ihr den Segen oder den Fluch anzukündigen , nachdem sie seine Prophezeyungen aufnehmen wür - de . Ebendaf . 165 S . Sie wurden dem Johann Bisterfeld , einem Gor - keSgelehrten und Staatsrache , zur Untersuchung übergeben , der sie worfen . Ebendaf . 175 S . Allein dem sey , wie ihm wolle , so bezeugen die Vorwürfe von dein Secrerär des Ragotzky , daß es diesem Prinzen , zu seinem Schaden , an Glauben für den Drabicius nicht gemangelt hat . Man ist gegen diese Vorwurfe nicht stumm geblieben : ComeniuS
hat

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