Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4154

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Calvin .
Reise nach Deutschland ZU thun , einander zu Genf verlassen , weil Du admittebat , eft defignatus anno Domini MDXXXVI . roenfe Aueu -
Tillet , der ObergerichtSschreiber , der sie in dieser Stadt angetroffen , seinen Vnider überredet , zurückzukommen : daß Calvin seine Reise bis nach Straßburg fortgesetzt ; daß er sich daselbst mir Bucern unterredet ; daß er nach Frankreich zurückgekommen ; daß er sich in Poitiers auf - gehalten ; daß er daselbst viele Jünger gemacht ; daß er einige davon als Apostel in die Provinzen geschickt , das Evangelium zu predigen ; daß er nach Paris zurückgekehret ; daß er von da kurz darauf nach Straßburg gegangen ; daß er daselbst eine Kirche gestiftet , welche au« französischen Flüchtlingen bestanden ; daß er daselbst die Gottesgelahrt - heit gelehret ; daß er , nachdem er diesen mühsamen Beschädigungen zwey volle Jahre vorgestanden , nach Ferrara gereist ; daß er , da er nicht länger daselbst bleiben können , ( ebcndas . XI B z und 30 Seite ) und nicht gewußt , wo er sich hinwenden sollen , den Weg nach Genf ge - nommen , wo ihn Farel im Jahre 1536 aufgehalten . Diese Erzählung ist voller llmvahrheiten und Zeitrechnungsfehler : denn I , als Calvin und Ludwig Du Tillet nach Deutschland reisten , so giengen sie nicht über Gens , sondern durch Lothringen , und kamen mir einander zu Baselan , decedere ex Gaiiia ftatuit , eoque confilio vna cum illo , quicum eum apud Santonas aliquandiu vixifle diximus , iter Bafileam verlus per Lotharingiam ingrefliis , non procul vrbe Metenfi in maximam diffkultalem incidit . . . adeo vt - - - vix Argentinam mdeque Balileam peruenerit . Beza , in Vita Caluini , pag . 367 . aufs Jahr 1 * 34 - ll . Damals war Calvin erstlich nach Straßburg gegan - gen , und ist nicht eher nach Frankreich zurück gekommen , als vis er an dem Hofe zu Ferrara gnveftn . III . Er ist nicht eher Prediger und Professor zu Straßburg gewesen , als bis er 1538 von Genf verjaget wor - den . IV . Endlich wird diese Erzählung durch des Beza Stillschweigen noch mehr zu Brdcn gedruckt , als Maimbourg« seine . Man niag hier unbeschwert merken , daß die Kirchenhistorie der reformirten Kir , chen , welche Beza geschrieen , nicht das geringste enthalt , woraus ' * mm Anfange
auf der
63 S . dieser Historie . Es wäre gewiß ein Wunderwerk , ein solches Stillschweigen in dieser Historie zu sehen , wenn alles dasjenige wahr wäre , was andere erzähle^ . Der Urheber von der Hiftoria Genevria im 3 Th . 152 S . giebt vor , daß Calvin , da er Paris verlassen , weil die Königinn Catharina ( er versteh« ohne Zweifel Catharinen von Medici« ) welche alles regier« , einen Verbannungsbefehl wider alle Lutheraner kund waci>en lassen , nach Angouleme gegangen , wo er nach Verlauf dreyer Jahre , weil er sich nicht erhalten können , nach Italien zil gehen gezwungen worden , allwo er gleichsam durch ein Wunderwerk entwischt ( Ebend . III Th . 40 S . ) und seinen Stab im Jahre 1536 nad> Genf fortgesetzt . Man müßte sehr listig seyn , wenn man um diese Zeit in Frankreich eine Königin» Catharina finden sollte . UebrigenS versichert Theodor Beza auf der 14 S . des I B . der Kir - chenhistorie , daß Calvin sich nach Xaintonge gerettet , und im den Jahre wieder nach Paris gekommen .
Man merke , daß die Erzählung des Varillas eine Abichrift von des Florimond von Renwnd seiner ist . Siehe hierunten die Anmer« kung ( AA ) . Der Grundsatz , den ich zu Anfange dieser Anmerkung qeleget , ist sehr geschickt , diejenigen zu widerlegen , welche sagen , ( siehe Drelincourt , Defense de Calvin , pag . u . f . ) daß sich Calvin , da er zu Orleans studierte , wider die tomifdbe Rirchc empörte , und reit da nach Italien gegangen , rvo er sich vornehmlich ja Rom , ; u Venedig und 3» Padua aufgehalten ; daß er von da nach Pari« zurückgekommen , daß er sich befürchtet von dem Criminal - lieutenant ergriffen zu werden ; daß er sich nach Noion begeben ; daß er daselbst wegen seiner Pfründen Richtigkeit gemacht , und darauf nach Gasconicn und Dearn im Jahre >53 ; gegangen , rvo er nicht wohl empfangen worden , weil er ein Sacramentirer gewesen ; daß er nach Genfqegangen , da es sehr wenig gefehlt , daß er von der Drücke hmutter Feskür , k worden , ( Dieß eine ge , btaticbltcbe Todesstrafe unter ihnen ) ; weil er seine Behren ausgestreuet ; daß er , nachdem er entwischet , nach Lausanne ge , flohen , von da er kurz darauf nach Genf zurück gekommen ,
allwo er ' "
gewesen ,
schriftliches Zeuqiuß ,
Van der Myle mitgetl>eilet . und welches Drelincourt semer gung Calvin« eingeschaltet hat , wo er auf der 37 S . bemerket , das An - vreas Rivetus dasselbe bereits in seinen Iefuitam vapulantcm eingerückt gehabt . Jacob Desmäv Doctor der Sorbonne , bat im Jahre 1657 < ebend . 155 ©0 ein klein Buch herausgegeben , welches zum Titel hat : Anmerkungen über das L . eben Calvin» , des Erzkeners , au« den Registern seiner Gcburtsstadt , Noion , gebogen . Er versichert ^ ebend ><>6 . 167 S . ) auf der 39 S - daß Calvin die hohen Schulen , zu Pari« , Orleans , Toulouse und Padua besucht ; daß er Reisen nach Rom , Venedig' Bearn und an andere Omer gethan ; daß er sich nicht lanqe weder zu Rom noch Venedig aufgehalten , und daß er viel länger zu Padua gewesen Man Deiche aus dem Verzeichnisse dieler Reisen , alle diejenigen kühnlich aus , von weichen Theodor Beza nicht redet . Sie hatten ihm nicht unbekannt seyn können , wenn sie mrklich gesche . hen wären : er würde derselben unfehlbar Meldung gethan haben , wenn er Wissenschast davon gehabt ; denn dieß sind Dinge , welche dem Calvin Ehre brachten . Man muß erstaunen , wenn man so viele ver , gebliche Unwahrheiten betrachtet !
( H ) ®r wurde gewissermaßen durch einen Defehl von ( I ) ( Cr nahm den Derufzum predigen und zum ^ . ehramte der Gottesgelahrtkeit an . ] Beza ist so klar und deutlich hierinnen , daß sich Moreri darbey nicht verirret bat . Caluinus feie Prctbyterii et Magiftratus voluntati permifit : quorum fuliragiis , accedente plebis confenfu , dele & us non concionator tantiim . ( hoe autem pri miun reeufaret ) fed etiam facranitn littcrarum Dcftor , quod vmitn
aamitteoat , en aengnatus anno uomini muääavj . menle Aueu - fto . Ebend . Was will man deutliches haben ? Unterdessen Häven weder Sponius noch Leti unter den Protestanten , noch Maimbourq unter den Papisten , diese Sache verstanden . Farel wollte den vin zurückhalten , ( so redet Spon in der Historie von Genf im III B . pag . cm . 243 . ) er weigerte sich lange Zeit . Farel , welcher ihn noch starker beschwor , bewegte ihn endlich , da zu bleiben , nickt zu predigen , sondern in der Gotte«gelahrche»'t zu lehren . Leti saget eben dasselbe hiervon . Cal - vino fi lafcio perfnadere di fermarli non gia con la eonditione di predicare , di che ne lafeiava a gli altri lacura , mä d'infegnare la Teologia . Hiftoria Genevrina , Tom . III , pag . 41 . Hier sind die Worte MaimbourgS : sie haben die De -
auf fortgesetzt , und Calvin , welcher keine Annehmlichkeit hat , re , öffentlich zu reden , hat über sich genommen , die Gottesge - lahrtheit daselbst nach seiner Art , so gut , als er sie verstanden , zu lehren , ohne daß er sie jemals studiert hatte . Hiftoire Du Calvi - nifme , pag . 64 .
( K ) Er erklarte , daß er sich den Verordnungen u . s . w . Z
Die Kirche zu Genf bediente sich dcS gesäuerten Brodtes beym Nacht - mahle , sie harten die Taufsteine aus den Kirchen weg genommen , und alle Feste bis auf die Sonntage abgeschafft . Die Kirchen des CantonS Bern , hatten diese drey Dinge gemisbilllget , und auf dem zu Lausanne gehaltenen Synodo einen Schluß gemacht , zu verlangen , daß der Ge , brauch des ungesäuerten Brodts , der Taufsteine und der Festtage , zu Genf wieder eingeführet würden . Dieß sind die Verordnungen gewe» sen , welche Calvin anzunehmen sich geweigert hat . Beza in Vita Cal . vini pag . 369 . aufs Jahr 1538 .
( L ) Die Antwo« , welche er im Jahre 1539 auf einen Drief u . s . w . ] Diese Antwort findet sich in dem Bande der kleinen Wer» ke Calvin« . Sie ist zu Sttaßburg den i des Herbstmonatö 1539 un - herschrieben , und e« ist gewiß , daß'Calvin erstlich im Jahre 1541 wieder nach Gens gekommen . Man hat hierauf in der Hittoria Genevrina Tom . III . pag . 59 nichrwohl Acht gegeben . Quefta Lettera tu . . . ancora communicata a Calvino in Strasburg ; che pure rispofe ma dopo ritornato in Geneva .
( M ) Xilan sollte l'aum glauben - , - so viel Dücher ftl ? reiben können . ^ D^e ? luSgabe , welche man von allen seinen Werken zu Genf gemacht , besteht aus zwölf Foliobänden . Die amster - damer Ausgabe von 1667 hat sie bis auf neun Bände eingezogen . Die Auslegungen über die Bibel sind der wichtigste Theil der Werke Cal - vins . Man sehe das Urtheil , welches Richard Simon über diese Aus« legungen gefällt . Hiftoire Critique du Vieux Tellainent , Livr . III , chap . XIV , p . 434 . u . f . es ist halb gut , halb böse ; allein , alles zusammen genommen , so ehret »nd erhebet er das Verdienst Calvins ungemein . Es hat ein Jesuit fälschlich vorgegeben , daß dieser Prediger , nach der Bestrafung des ServetuS , ein Buch de non caftigandis Haereticis ausgegeben habe . Der Jesuit führet dieses zum Beweise an , daß der Geist der Ketzere« zwo Widersprechungen mit einander zu vereinigen suche : eine Sache , saget Garasse , Do & rine curieufe pag . 230 , wel , che sicl ) niemals so deutlich , als in der Person Calvins gezeigec hat ; st - e denn so bald Calvin den Gervet wegen rungen nnd Gottesverlcugnungen , die er in Genf eingeführer , zum Code verdammen lassen , jo bald als diesir verfluchte Re , yer verbrannt und seine Asche in den XDmÖ zerstreuet war ; so gleich hat Calvin ein Duch de non caitigandis Haereticis geschrie , ben , und seiner Chat durch seine / lehre widersprochen . Auf diese Art zerskosten sich die Doshaften die Ropfe selbst , wie der Antipheron des Aristoteles . Alles dieses ist lächerlich ; denn Calvin hat vielmehr nach der Todesstrafe de« ServetuS ein Buch un , ter diesem Titel herausgegeben : Fidelis Expofitio errorum Michaeli * Serueti , et breuis eorumdem Refutatio , vbi docetur iure gladii coercendos efle Haereticos : ein Buch , welches noch itzo ein grausa , mes Geschrey wider seinen Urheber erregt . Diese wider den Calvin gesprengte Unwahrheit , kam , keinen bessern Platz finden , als in der Anmerkung , die seine Schriften bettifft .
( dl ) Da« ausgesprengte Gerüchte von seinem Tode hat bey den Ratboliken viel Freude gemacht . 1 Er war im Jahre 1556 unter währenden Predigten von einem Anfalle des dreytägigen Fieber« angegriffen worden , und weil er wider seinen Willen von der Kanzel ge - hen müssen , so hatte man so gleich tausend Unwahrheiten ausgesprengt . Beza sehet darzu , es hätten die Domherren zu Noyon einen chen Umgang gehalten , dem Himmel wegen des Todes dieses Crzkel - ers zu danken , den ihre Stadt hervorgebracht hatte . Multis inde falfis fequutis rumoribus , iisque vsquii adeo Pontificiis gratis , vt de Cal . uini morte folenni fupplicatione Nouioduni , Caluini patria Canoni . ci fuis idolis gratias egeiint . Beza in Vita Caluini , pag . 389 . aufs Jahr 1556 . Ich befürchte , daß den Geschichtschreiber sein Gedächt - niß hier verlassen hat . Wie mich dünkt , so hat er das Jahr >551 mir dem Jahre > ; ; 6 vermengt . Ich habe in dem Artikel Denelier eine Stelle Calvin« angesühret , welche bezeuget , daß der llmgang der Dom - Herren , seiner Landesleute , zur Danksagung wegen seine«
nen Tcdes , im Jahre imi gehalten worden . ^Sollten sie da« ^» , 5 wegen eines solchen falschen Gerüchte« fünf Jahre darauf wiederholet haben ? Ich kann mir diese« kaum einbilden , ich finde es viel wahr - scheinlicher , daß sich Beza , der viele Jahre darnach geschrieben , in der Zeil betrogen hat . Die besten Gedächtnisse verfallen öfter als man denket , in dergleichen quid pro quo .
( O ) J

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