Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7208

Domitia . Donaldson . 323
Scmitifl Longina , die Tochter des berühmten Dvmitius Corbul» 11 , hat sich durch ihr - Unkeuschheit unwürdig gl . macht , einen solchen Vate - zu haben . Nachdem Domitian zum Casar erklaret worden , so nahm er sich alle Arten der Freyheit . Er misbrauchte verschiedene Frauen ; und da er die Domiria nach seinem Geschmacke fand , so nöthigte er sie , ihren Gemahl zu verlassen K Er behielt sie einige Zeit , als eine Beyschläserinn , und dann heirathere er sie formlich Die Würde einer Kai - serinn hielt sie nicht ab , sich in einen Comödianten zu verlieben ( A ) . Dich war die Ursache , daß sie der Kaiser verstieß : da er aber nicht ohne sie leben konnte , so nahm er sie kurz darauf wiederd ; und führte , zur Beschönigung dieser Niederträchtigkeit , an , daß das Volk die Zurückkunft der Domitia gewünscht hatte : iä populus curat feilicet ! Man giebt vor , daß diese Frauensperson , auö Mistrauen gegen das wilde Gemüthe ihres Ehgemahls , Mittel gesucht , seiner los zu werden , und sich in die Verschwörung eingelassen habe , darinnen er umgekommen ist ( B ) . Domitians Bruder , Titus , kam in Verdacht , daß er mit ihr zu thun gehabt hätte ; allein man hielt sie für gerechtfertigt , da sie es mit einem Eidschwure leugnete : denn sie war ge - wohnt , anstatt , dergleichen Abentheuer zu leugnen , sich derselben vielmehr zu rühmen ( C ) . feie hat viel Hochachtung gegen den Ioftphus gehabt , welchem sie Gutes zu thun , nicht müde wurde « . ^hren ersten Ehmann betreffend / , so kam er nicht mit ihrem Verluste frcy : Domitian war nicht vergnügt , ihm seine Ehfrau entführt zu haben ; er raubte ihm auch das Leben s . Man liest in dem Procopius , voll der Gemahlinn Domitians , eine sehr lobenswürdige That ( D ) . Die Frage ist : ob es auch wahr ist ?
« ) Xiphil . in Vefpaf . p . rn . 217 . # ) Sueton . in Damit , cap . I . c ) Xiphil . in Vefpaf . p . 217 . d ) Sueton . in Damit , cap . III . t ) Iofeph . de Vita fua , zu Ende , f ) Er hat AeliiiS Lama geheißen , g ) Sueton . in Damit , cap . X .
( A ) Die tDuröe einer Raiserinn hat sie nicht abgehalten , sich in einen Tomodianten nt rcrltebcn . ] Dieser Comödiant hat ris geheißen ; er ist auf Domitians Befehl auf öffentlicher Straße er - mordet worden , weil er die Verwegenheit gehabt , die Kaiserinn zu miö - brauchen . Domitian halte Lust , seine Gemahlinn . zur Bestrafung die - ses schandlichen Umgangs , erwürgen zu lassen ; allein er begnügte sich , «ufAnsuchen des Ursus , mir ihrer Verstoßung . Xiphilin im Domitia - tnis , auf der - za , 23 , 0 . bey mir , saget unS nichts weiter davon ; von dem Sueton erfahren wir , daß sie Domitian bald habe wieder kommen las - sen . Vxorem Domitiam , ex qua in fecundo fuo Confulatu filium tulerat , alteroque anno a Confulatu filiam , Auguftam eandein Pari - dis Hiftrionis amore deperditam repudiauit , intraque breue teinpus impatiens difeidii quafi eiflagitantc populo reduxit . Sueton . in Do - mit . cap . III .
U ? arnung an die Urheber der kurzen Auszüge .
Es ist wahrscheinlich , daß Dio diese Aufführung Domitians nicht vergessen hat , und daß man sich diescrwegcn an den Übeln Geschmack Tiphilins h«lren muß , wenn man sie nicht in seinem Auszuge des Dio findet . Ich behaupte , daß die Unterdrückung einer solchen Sache einen bösen Geschmack bemerket ; denn man erkennet die bösen Eigenschaften Domitians viel besser , wenn man weis , daß er so niederträchtig gewe - sen , die kaiserliche Würde einer Frau wieder zu geben , die sich von einem Possenspieler schänden lassen : dieß ist ein offenbares Zeugniß der Unord - imng , welches dem Namen dieses Tyrannen die Verachtung und den Abscheu zuzieht , die er verdienet hat . Und wie es die Pflicht eines Ge - schichtschrcibers erfordert , die Getnüthseigenschaft seiner spielenden Per - sonen durch die merkwürdigsten Züge bekannt zu machen , weiche den Umfang ihrer Tugenden oder Laster bezeugen : so ist es klar , daß Xivhj - lin nicht viel Einsicht gehabt , wenn er sich tiidjc für verbunden bet , die Zurückrufung der Domitia aufzubehalten : denn ich sehe voraus , daß er sie in der Historie gefunden , die er abgekürzt hat . Man wende mir nicht ein , daß er das Amt eines Abkürzers beobachtet : eine einzige Zeile wäre zureichend gewesen , uns zu berichten , daß Domitia zurück ge - rufen worden . Der Grund , den man geleget hat , ist dem Sueton , in Ansehung unserer Domitia , nicht günstig . Dieser Geschichychreiber unterdrücket , daß sie einige Zeit Domitians Beyschläserinn gewesen : Er will , daß sie ihren ersten Gemahl nur darum verlassen habe , damit sie diesen Prinzen Heirathen können . Dieß heißt ihren Fehler vergerin - gern , und un« die Erkenntniß entziehen , wie weit sich die Unordnung
dieser Frau erstreckt hat . Ist dieses wohl die Pflicht eines Historien - schreibet
( B ) Man giebt vor - - - daß sie in der Verschwörung verwickelt gewcsin , darinnen Domitian umgekommen . ] Es ist Aureliiis Victor , der dieses in Epitome Imperatorum bemerket : Ad - feita etiani in confiLiuni tyranni vxore Domitia , ob amorem Paridis Hiftrionis , a Principe crnciatus formidante . Eö ist erstaunlich , daß die andern Scribenten dieses nicht gewußt haben .
iL ) Sie hat den Umgang mit dem Titus geleugnet . < - « anstatt dergleichen Abentlxner 5» leugnen , ist sie gewohnt ge - rvestn , sichSerjelden zu rühmen . ^ Dieß ist der Gipfel der schämtheit . Sueton hat sich , als ein Gesd ) id>tschreiber von gutem schmacke , aufgeführet , weil er durch einen so besonder» Zug . als dieser ist , die Gemüthöneigung dieser Frau bemerket hat . Quidam opinan . turconfuetudinem recordatum ( T / turn ) , quam cum fratris vxore ha - buerit , fednullain habuifle , perfan<5te Domitia iurabat ; haud nega - tura , fi qua omnino fiiillet , immo etiam gloriatura , quod illi prom - tilfimtitn erat in omnibus probris . Sueton . in Tifo , cap . X .
CD ) Man lief ? in dem procopius - - - eine sehr loben» würdige Chat . ] Procopius erzählet in seiner geheimen Historie , wel - che VOM Tristan , Lomment . Hiftoriques , Vol . I . p . 346 augesühret wird , daß die Gemahlinn Domitians , welclx : niemals die tyrannische Aufführung ihres Gemahls gebilliget , und niemanden Uebels qethan , von den Rathshei - ren sehr hoch geachtet worden . Dieß ist Ursache ge - Wesen , daß sie dieselben , nach der Ermordung Domitians , in den Räch zu kommen gebethen , und ihr alles dasjenige angebothen haben , was sie von der Erbschaft dieses bösen Prinzen verlangen würde . Sie hat wei - ter nichts , als die Erlaubniß verlanget , ihn zu begraben und ihm eine Bildsaule aufzurichtend Nachdem sie diese Erlaubniß erhalten , hat sie alle zerstreute und zerrissene Stückchen von dem Körper Domitians ge - sammlet , uud sie so gut , als es möglich gewesen , zusammen gesetzt . Die - se auf solä ) « Art zusammengesetzte Leiche ist das Muster von der Bild - faule gewesen , weld ? e sie ihrem Gemahle in der Straße aufrichten las - sen , die nach dem Capitol führet . Diese Bildfault ist zur Zeit des Pro - copius noch da gewesen , und hat die Barbarey vorgestellt , die an dem Domitian verübet worden . Der Endzweck seiner Gemahlinn ist kein anderer gewesen , als ein Denkmaal von der barbarischen That der Mör - der zu erhalten . Tristan hat am angezogenen Orte Recht , sich zu ver - wundern : daß diese schone That , wenn sie wahr ist , von so vie , len Geschichtschceibern verheilet worden .
Männern des Peters Iu -
DoNüldsoN " , ( Walcher ) gebürtig aus Abredon , in Schottland , hat einen Rana unter den gelehrten M XVII Jahrhunderts gehabt . Er ist in dem Gefolge und Dienste Davids Cuningam , Bischofs von Abredon , und ' _ niuS , Großalmoseniers von Schottland , gewesen , als sie im Namen des Königes Jacob , in Gesandtschaft an die Hose von Dannemark und der deutschen Fürsten gegangen . Nach seiner Zurückkunft gieng^er nach Heidelberg^wo der berühmte Dio - nysiuS Gottfried , die Rechte lehrte . Donaldson , welcher daselbst einigen jungen Schülern eine kleine Sittenlehre in die Feder vorgesaget Hatte , sah sich bald zu einem Schriftsteller gemacht , ohne daß er daran gedachte ; denn der junge Mensch von Riga in Liefland , welcher dieses Manuscript unter die Presse gab ( A ) , bath deswegen niemand um Erlaubniß . Der Verfasser , da er uns dieses berichtet , vergißt die verschiedenen Ausgaben nicht , die von diesem Werke in Deutschland und Großbritannien ' -
Eharenton berufen worden , em Kollegium zu eröffnen ; auein man smg , o gieicy einen Proceß wider diese Ausrlch - tung an . Damit er min , unter währendem Laufe des Processes nicht müßig seyn mochte , so brachte er unter seinen Papieren die verschiedenen Stücke von seiner SynopfiOeconomica in Ordnung , und ließ sie zu Paris , 1620 , in 8 . drucken . Er schrieb sie dein Prinzen von Wallis zu . Es ist ein Buch , welches gelesen zu werden verdienet b . Es ist im 1624 Jahre zu Rostock in g gedruckt worden . Dasjenige , wo er alles das unter Grundtitel und unter gewisse Hauptcapitel gebracht hat , was in dem e bin und wieder zerstreuet ist , kann auch sein ? n Nutzen haben f . Es ist griechisch und lateinisch
Diogenes Laertius von einer Saä , „ . . , . . . „ .
zu Frankfurt im 1612 Jahre unter diesem Titel gedruckt worden : Synopfis Locorum communium , in qua fapientiae numa - nac iinago repraefentatur , etc .
a ) König nennet ihn Danaldfanius : er sollte sagen Donaldfonus . Also nennet sich der Autor selbst vor seinen Büchern . 6 ) Bar - thius in Stat . p . 39 , nennet diesen Schriftsteller , nachdem er etwas aus ihm angeführet , fani iudicii hominem . c ) vJimi sehe die Vorrede t\ * r Svnonfis Oeconomicae .
gen , und ihn belehren kann , von denen zusammen getragenen Werken ein besser Urtheil zu fällen : Acccflit et eonim non taciturn , vtcunque fuppreflo mco nomine , teftimonium , qtii ex eo feripferunt , et in fyflemata fua quae ad guftum videbantur tranftulerunt . Keckerinan - mim ctim meis qui conferet , haud vana haec aut oftentationi di6la reperiet : plagii manifeftarii ex eo mangonem deprehendent , quod ne erroribus quidem nnitatis , tanquam maneipiorum nominiDus , familiae fuae plcraque adferipferit . Specimen aeeipe , quod libri fecundi cap . V . mendofe ab operis erat vulgatum , plagiarius qui authorem ipfuni ne de nomine quidem habebat notum , fic nothum citat . Hoc loco fubtieimus pracclaram fententiam Cafjit , quae eß 2 . Iii . epißolarum Ciceronis : ipfi homini duplices menus , focias aures , oculos geminos diu'tna trüuerynt , et quae fequuntur . At vero apud Cice - S< 2 ronein
der Synopfis Oeconomicae .
( A ) ( Hin junger Mensch - - - - hat das Manuscript seiner Sittenlehre unter die Presse gegeben . ] Er hat Wernerus Becker geheißen . König hat den Zeitpunct dieses Werkes niä ) t recht gewußt , weil er säget' es habe der Verfasser seine Synopfin Ethicam im i^zi Jahre gemacht Es ist eben dasselbe Buch , welches nach dem Bücher - Verzeichnisse von Oxford , unter dem Titel : Synopfis Moralis Philofo - phiae , 1604 gedruckt worden . . ,
( B ) <»r hat den qclehrten D»cbstal Rectermanns nicht ver - gessen . Z Die Sammlung von gelehrten Dieben , die vom Tb°ma , . us , einem Professor in Leipzig , herausgegeben worden . / " kM mchts von
der Beschuldiauna . die man dem Keckermm' , hier aufbürden will . Ich will
die Worte tmstrs «Schriftstellers , der Länge nach . anfuhren , weil man eu , Versehen darinnen wahrnehmen wird , das dem Leser einigen Nutzen vrm - ! l Sand .

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