Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7152

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Dioscurias .
sind ; und daß man , wenn man dabey stehen bleiben will , nur bey Sem außerlicke» bleibt , weil Gon . Oa er durck den Geisk nicht begriffen werden kann , auck nickt mit XPorten erkläret werden kann , und daß wir uns von ibm erniedrigen , wenn wir uns dadurck zu ihm erheben wollen . * Daß ©Ott , l ebendas . z , 4 S . ) diese Bucker nur darum sckreiben lassen , um uns einen hohen Begriff von seiner Große ju geben , damit wir ihn , wenn wir ihn in dem lieben , was man von ihm saget , nock mehr in ibm selbst lieben . Dialogue de la Bruyere , pag . 314 . Daß aber die Seele , wann sie Gott so liebet , wie er in der heil . Sckrift vorgestellet wird , nur einen Sckatten , oder die ^ . arve Gottes , und nickt Gott , wie er ist , lieben würde . Malaval , Pratique facile , «n angezogenem Orte 315 S . „ Daß Gott nichts von demjenigen ist , „ was die Vernunft begreift , weil alles dasjenige , was wir erkennen . be - „ griffen werden kann , Gott aber unbegreiflich ist . Wenn wir Gott er - „ kennen wollen , so verändern wir die Creatur in Gott , wie die Götzen - „ diener , und erniedrigen Gott zu der Creatur . Daß die Seele , so bald „ sie etwas durck Bilder oder Gleickniffe , von was für Natur „ sie auck ftyn mögen , wenn sie auck eingegeben und übernatürlick „ sind , erkennet , so begreift sie nickts von Gort . „ Dialoge de la Bruyere , pag . 515 , 316 . Daß der Begriff , welchen der heil . Paulus den Athenienfern , Anbethern eines unbekannten Gottes , von Gott gegeben hat , ( ebendas . 321 S ) darinnen falsck ist , Saß er Gott nickt vor - - stellet , wie er ist , denn er kann wever begriffen nock erkannt wer - den . Daß man verbunden ist , wenn man von ihm reden will , sick solcker Ausdrückungen ; u bedienen , die unserer Sckwack - heil gemäß sind : Allein diese Ausdrückungen sind seiner nickt würdig , und die Begriffe , die sie in uns bilden , sind nickt der wahrhastige Begriff von Gott . Daß man von Gott sagen könne , er sey gerecht , wohltätig , ein Belohner , ein Racher , allmächtig u . s w . ( ebendas 322 S . ) Allein alles dieses ist nickt Gott . Auf diese Art sieht ihn der Glaube nickt an , er hat keinen andern Gegen - stand , als einen unbekannten allgegenwärtigen Gott . Siehe zu Ende der folgenden Anmerkung eine Stelle des falschen Dionysius Areopagita .
* Dieß ist die schöne Lehre der mystischen Schwärmer auch bey uns , wie man aus verschiedenen Schriften darthun könnte , wenn es nöthig wäre . Ich will indessen nur eine Stelle aus der nannten gottlicken und wahren Mctapbvsica , oder wunder» baren durck Erfahrung erlangten r0lsfensckafr der ewigen und unsicktbaren Dinge jc . des D Pordädscke , die 171 ; zu Frf . und Leipzig in drey Banden in 8 herausgekommen , anführen . Indes II Bandes I Buche , II Cap . von der unausgeflossenen Ewigkeit , oder von Gott , und dessen 24 § - heißt es : Xvas ist denn die Natur dieser drev Einheit' ? Sic ist lautere Einheit . Und was ist lautere Einheit anders , als lautere Gottheit i Sie ist , was sie ist ; und was sie ist , das iff sie : Und mand weis , was sie ist , denn die ganx uncrforjcklicke Drey - heit selbst . Dieses Rleinod behalt die heil . Dreyheir für sick , vor allen Creaturen verborgen . Und im 26 § . desselben Cap . heißt es : „ Der dreveinige Gott ist pure lautere Gott - „ heit , und diesi pure Gottheit ist die höckste Rlarheit , Durck - „ sicktigkeit und - Herrlichkeit der Glorie , über alles , was man „ sick einbilden oder gedenken kann „ Zn der Vorrede des Autoris oder Verfassers an die Ewigkeit selbst ( verstehe an den Geist der Ewigkeit - S . Cap , I . § . > . ) liest man : Ewigkeit , du bist in dir selbst ein tiefe» unerforscklickes und unbegreiflickes Evesen . Du bist gan ; magisck und mystisck . Du bist ein tiefes und verbor - genes Geheimniß . Du bist laurer Geheimniß und nickrs anVers , als ein unbegreiflickes Geheimniß . Du bist Gol - tes Xvunder , du bist lauter Xvunder , und anders nickts , als ein unbegreiflickes Wunder in dir selbst jc . dervolle Ewigkeit , du bist auck das A und G , das Alpha und Omega , der erste unS Ser letzte , der Anfang und das Ende deines eignen überwesentlicken Wesens : c . Schlagen wir aber die angezogene Stelle nach , so heißt es daselbst : Durck Gott und durck die Ewigkeit verstehe ick den Geist ver Ewigkeit selbst . XVann wir nun denselben betracktcn , als sick selbst nickt offenbarend , so können wir nickts von ihm sagen , als Saß er ist eine ewige Einheit unv Einfaltigkeit . V ? as aber diese ewige Einheit und Einfalt seiner selbst ist , wer kann das sagen , als er selbst ? Es ist ein allerhöchstes und alles übersteigendes Geheimniß , welckes , durck kein Nachsinnen des Gemürbs mag ausgestmden nock durck fleißiges Lorscken der Vernunft und der Runst , sondern bloß allein durck seine eigene Offenbarung kann verstanden werden . Es kann von niemand , außer von sick selbst , nannt werden ; weil keine Creatur , den unendlicken , uner - forscklicken und unbegreiflicken Sckopser begreifen kann . G .
( B ) rvir wollen sehen , was Montagne saget , Efläis , Livr . I . chap - LVI , pag . m . 545 . ] „ Ein Bischof hat schriftlich hinterlassen , daß „ es an dem andern Ende der Welt eine Insel giebr , welche die Alten »Dioskoridus genennt ; sie ist sehr bequem wegen der Fruchtbarkeit aller „ Arten von Bäumen , von Früchten und von gesunder Luft : die Ein - „ wohner derselben sind Christen , welche Kirchen undAltäre haben , die „ nur mit Kreuzen , ohne andere Bilder , ausgeschmückt sind : große „ Beobachter der Fasten und Feyertage , richtige Bezahler des Zehnten „ der Geistlichen , und so keusch , daß keiner von ihnen in seinem Leben „ mehr als eine Frau erkennen darf . Sie leben so vergnügt mit ihrem „ Glücke , daß sie mitten in , Meere den Gebrauch der Schiffe nicht wis - „ sen ; und so einfältig , daß sie von der Religion , die sie so sorgfältig „ beobachten , nicht ein einziges Wort verstehen . 'Eine unglaubliche Sache ;
„ wenn man nicht wüßte , daß die Heiden , so andächtige Gökenverehrer . „ ihre Götter , bloß den Namen und dem Bilde nach kennten . Der alte „ Anfang des Menalippus , einer Tragödie des Euripides , lautet also :
O Jupiter ! von dir ist mir sonst nichts bekannt ,
Als daß man ehemals dich Jupiter genannt .
Siehe die Anmerkung ( ? ) bey dem Artikel Demokrirus .
Unwissenheit der Heiden in Ansehung Gottes .
Dasjenige , was Montagne von den alten Heiden beobachtet , ist vollkom - men wahr ; der Begriff , den sie mit dem Worte Gott verbunden . war der göttlichen Natur keineswegs ähnlich und war unendlich weit davon entfernet ; so daß die Arhenienser nicht die einzigen gewesen , zu welchen der heil . Paulus hat sagen können , daß sie dem unbekannten Gotte einen Altar aufgerichtet Hätten . Apostgeschichte XVII , 23 . Alle ihre Altäre verdienten diese Aufschrift , und ich kann an den Unterschied nicht geben - ken , den man zu Athen zwischen den bekannten und unbekannten tern gemacht bar ; ( die ganze Aufschrift , welche der heil . Paulus gesehen hatte , war , Diis Afiae , et Europae et Africae , Diis ignotis et peregrinis , wenn man demheil . Hieronymus , Comment . in Epift . adTitum cap . I . glauben darf . ) ich kann nicht daran gedenken , sageich , ohne daß >6 ) mich des Unterschiedes erinnerte , den man in den Schulen des Aristoteles unter den verborgenen und offenbaren Beschaffenheiten machet . Es ist bey denPeripatetikeri , unter den offenbaren und verborgenen Beschaffen - heilen kein anderer Unterschied , als daß sie ein Wort haben , dieossenba - ren Beschaffenheiten zu benennen , Calor , Frigus , Humiditas , Siccitas u . s . w . und daß sie keines haben , die Eigenschaft ? » des Magnets zu de« merken . Gleichergestalt wollen wir sagen , daß bey den Atheniensern kein anderer Unterschied zwischen den bekannte» und unbekannten Gör - kern gewesen , als daß man einen Namen gehabt , den man den einen ge - geben . Jupiter , Mars , Mcrcur , Venus u . s . w , und daß man die andern nicht zu nennen gewußt . Wenn die göttliche Natur , die sie an - gebethet , nicht gleichsam das fünfte Wesen des Aristoteles gewesen , ( Quinta illa non noininata magis , quam non intellccia natura . Cicer . Tufcul . I . cap . XVII . ) dem es an einem Namen gefehlt hat , den er nicht gewußt - hat : so ist sie zum wenigsten eben so unbekannt gewesen . Die Einwohner von Marseille haben sich öffentlich zur Anbethung unbekann - ter Götter bekannt , lind auch gefunden , daß ihnen dieses mehr Furcht vor ihren Gottheiten eingeblasen hat . Man wende hier dasjenige an , was Tacitus Hirt . Libr . IV . cap . LXV . saget : Arccbantur afpeftu , quo ve - nerationis plus inefl'et . Sie haben sie von weitem angebethet , sie haben sich dem Orte nicht genähert , wo sich ihre Bildsäulen befunden . Der Priester hat sich nur denselben mit Zittern genähert , und sich befürchtet , daß sie ihm erschienen ; das heißt , er hat sich gefürchtet , sie zu erkennen . Lucan bildet sich ein , es sey zwischen den Maßiliensern und den andern Völkern ein großer Unterschied , weil an andern Oertern die Götter un< ter gewissen , zur öffentlichen Schau ausgestellten , Figuren angebethet worden : denn , saget er , die Maßilienser haben ihre Götter , die sie nicht gekannt , um so vielmehr gefürchtet . Er hat sich also eingebildet , daß man in Griechenland und Italien , die Gottheit besser gekannt , als zn Marseille : er hat sich aber sehr betrogen , er hätte nur sagen sollen , daß man daselbst nur besser erkannt , unter was für Figuren sie die Bildhauer und Maler vorgestellet .
Sinmlacraquc moefta Deorum ,
Arte carent , caeiisque extant , informja truncis .
Ipfe fitus , putrique facit iam robore pallor Attonitos : non vulgatis facrata figuris ,
Numina tic metuunt : tan tum terroribus addit Quos timeant non nofie Deos Non illum cultu populi propiore frequentant ,
Sed cefiere Deis . Medio cum Phoebus in axe eft , Aut coelum nox atra tenet , pauet ipfe facerdos Accefi'us , dominumque tiniet deprendere luci .
Lucanus , Pharfal . Libr . III . verf . 412 .
Die Heiden könnten diese Anmerkung nicht auf das Christenthum un - ter dem Vorwande zurückschieben , daß man in demselben befiehlt , die Vernunft unter dem Gehorsame des Glaubens gefangen zu nehmen , und sager , daß der Glaube besser durch die Unwissenheit , als Erkenntniß . er - klärt werde , und daß man nicht dem Wege der Untersuchung , sondern dem Wege des Ansehens folgen und die Geheimnisse anbethen müsse , ohne sie zu begreifen : diese Zurückschiebung , sage ich , wäre ungerecht , wenn mai , sie dem Christenthume überhaupt machte ; denn die protestan - tischen Gemeinschaften verwerfen den Weg der Untersuchung nicht , und befürchten nicht , wie der Priester zu Marseille , daß sich die Gegenstände ihres Glaubens offenbaren mochten .
Man hat in der vorhergehenden Anmerkung die Griindlehren der neuen mystischen Gottesgelehrten gesehen ; allein man muß hierbey mer - ken , daß sie dieselben für so alt auegeben , als die nmstischeGottcSgelahrt - heit ; denn sie führen die Worte des heil . Dionysius an . „ Euch be - „ treffend , mein lieber Timotheus , so leget euch ernstlich auf die mysti - „ schen Beschaulichkeiten , verlasset eure Sinne , die Wirkungen eures „ Verstandes , alle empfindliche und verständliche Gegenstände , und über - „ Haupt alle Dinge , welche sind , und welche nicht sind , damit ihr euch „ erhebet , und euch , so viel als ein Mensch kann , und auf eine unbekannte „ und unaussprechliche Art mit demjenigen vereiniget , der über alles We - „ sen UNd Über alle Vernunft ist . , , Molinos , Introd . a la Guide fph - it . niinj . 14 . vom La Bruyere Dialogue VIII , pag . 316 . angesichrer . Man merke , daß es Philosophen giebt . die dafür halten , daß dasjenige , was die Quietisten von der Falschheit der Begriffe sagen , unter welchen man sich gemeiniglich die Gottheit vorstellet , sehr vernünftig sey , und daß die Bilder , deren sich die h . Scribenten bedienet haben , uns dieselbe zu erkennen zu geben , der Verbesserung nöthig haben . Man sehe , was ich j» der Ali - merkung ( 6 ) des Artikels Simonides aus dem Charron anführen werde .
/ eine Stadt in ColchiS . Sie war eine so große Handelsstadt , daß dreyhundert Nationen , davon die einen , die Sprache der andern nicht verstunden , dahin gehandelt haben ( A ) ; und daß die Kaufleute aus Rom daselbst 130 Dollmetscher unterhalten haben . Plinius , welcher dieses auf das Wort des Timosthenes versichert , bemerket , das ; diese * macht

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