Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7134

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Diogenes .
Lipsius hat guten Grund gehabt , sie für die Beschreibung der Lehre des Diogenes anzunehmen , in Manuduft . ad Philofopn . Stoic . Libr . I . Difl' . 8> pag . m . 645 .
ES ist dienlich zu sehen , wie er über die Hervorbringung der Welt philosophirt hat ; seine Meynungm sind in gewissen Stücken und über - Haupt genommen , der Meynung des Cattesius ziemlich ahnlich . Da alle Dinge in Bewegung waren , sagte er , so sind einige dichte , und an - dere dünne geworden : an den Oettern nun , wo die Dichtigkeit ent - stund , veränderten die Dinge die Gestalt , sie drehten sich , und zogen die andern vermöge ihres Umlaufes ( Revolution ) mit fort ; das dünnste und leichteste erreichte die Höhe , und bildete die Sonne , und die oberste Gegend . Hier ist mein Bürge : ich will seine Worte herschreiben :
Aicy£»IC 5 Äna^uviA - nit , vfyliccron roi%eiov' xtveicSou Si ri n & vrx , aitiigui rs tivon rHt xoepu ; ' xotiiozoiti 3i Stüh " «Vi t5 irmraf y . iju - fiijy , % p'v «gocis , p Ii ! tt / xv9 ynontvv , fax fft / vsxfyi ) «•£ to xvkvov , »roiifffai , vjfj bt« Aoirrst , xara tov ittTOV Asyov , ra xnpo - txtcc ri ) v pev« Aaßo'vtir , rov tjA Ich glaube , Diogenes Laertius bekriegt sich , wenn er saget , daß Dio - genes von Apollonien einen unendliche» leeren Raum zugelassen habe . Diogen . Laert . Libr . IX . num . 57 . Ich wollte lieber dem Plutarch
folgen , welcher de Placit . Philofoph . Libr . I . cap . XVIII . pag . S83 . vtt - - sichert , das alle Narurkündiger , die Nachfolger des Thales , bis auf den Plato , den leeren Raum verworfen haben .
( C ) Die Äuft ist - - - Sie einzige Ursache gewesen ; Sie Gorrer find von derselben hervorgebracht worden . 1 Es ist etwas ganz seltsames , daß es solche verblendete Philosophen gegeben , die Gott einen so niedrigen Ursprung zugeeignet haben . Die Vernunft hat erfordert , zu versichern , daß Gott die Körper hervorgebracht ; hinge - gen haben einige von ihnen versichert , daß die Körper Gott bervor - gebracht hätten . Kann die Ursache wohl unvollkommener als ihre Wirkung seyn ? Also kann eine verständige Natur keine unempfind - liche Materie zur Ursache haben . Ich weis nicht , ob die Ersah - rung von der menschlichen Art , nicht die Begriffe der gesunden nunft verdunkelt hat . Mm , hat Helden , Weise , und die größtenMän - ner entstehen sehen ; woher ? Kaum können die Augen , und die Einbil - dung diesen Gegenstand erdulden : so abgeschmackt , widerwärtig und häß , lich ist er . Gleichwohl muß man die ersten Anfänge der größten Seelen hier suchen , wenigstens wenn es uns Gott nicht offenbaret , daß er ei - nen Geisterschassen , um denselben mit der Maschine des Körpers zu einigen . Wir werden in der Anmerkung ( G ) des Artikels Jupiter , sehen , ob dasjenige , was bey der Fortpflanzung des vernünftigen Tbieres vorgeht , diejenigen auf den Irrweg bringen können , welche soviel 6irn - gespinnste wegen des Ursprungs der Götter vorgebracht haben .
( 0 ) man darf nicht zweifeln , daß Plutarch die Meinungen d , ese» Naturkündigers nicht zuweilen angezogen ( wt . j Ich sehe hier nur auf seine Bücher von den Meynungen der Philosophen . Die Stellen , wo er die Meynungen des Diogenes anführet , sind , so viel als ick habe gewahr werden können , diese : das I , das VIII und XIII Capi - tel des II Bucks ; das V und XVI <£ap . des IV Buchs ; das XV , XX und XXIII Cap . des V Buchs . Ich bin überzeugt , daß er fast al - lezeit den Diogenes von Apollonia versteht , und ich wurde dessen ebne alle Ausnahme überzeuget seyn , wenn Rondel mir nicht geschrieben hätte , daß man lieber glauben solle , es gehe die Stelle , die man unten , in der Anmerkung ( E ) des Artikels pereira . sehen wird , auf den Cvniker Diogenes . Diese Stelle ist aus dem XX Cap . des V B . im Plutarch , und scheint zu bedeuten , daß der angeführte Diogenes den THieren die Empfindung abgesprochen ; es ist ein Umstand dabey , der einen sehr reizet , zu glauben , es sey vom apollonischen Diogenes die Rede . Wir haben oben in der Anmerkung ( B ) gesehen , daß er gesaget , es wäre die Seele von Luft ; allein der Diogenes , in dieser Stelle Plntarcks , hat gelehret , daß die Thiere an dem Verstände und der Luft Theil hätten . ixiv uiric tS vomtb Rationis et aeris partieipes eas cfle . PJnt .
de Plac . Philof . Libr . V . cap . XX . pag . 909 . Dieß war die Sprach , die Diogenes von Apollonia hätte führen sollen , da er den THieren nur den wirklichen Verstand , und die wirkliche Empfindung nehmen wollen ; aber nicht die Seele oder den Ursprung desVerstehens oder Empfindens . ES ist handgreiflich , daß dieses sein Zweck qewesen ; er hat die Seele in den THieren zugelassen , aber geglaubt , daß die Dicke und Feuchtigkeit der Werkzeuge die Thätigkeit in ihr schwache . Fraveiseus von Fonge - rolles , welcher den Diogenes Laertius ins Französische übersetzt , und aus - geleget hat , eignet diese Meynung dem Diogenes von Apollonia zu . fzt bar dafür gehalten , - - - sager er in Addit . a Diogene Laerce , pag . 657 , daß alle Gattungen der Thiere zwar " Verstand haben , der meiste Thcil derselben aber , wegen ihre« dicken Tem - peraments , des Gebrauches der freycn Vernunft nicht mächtig sey . eben so wenig als die Rasenden , werten einiger - Hindernis derselben mächtig sind . Man sieht wohl , daß er auf die Stelle PlucarchS zielet , dieselbige aber mit weniger Treue vorbringt .
Diogenes , ein Philosoph von der Secte der Stoiker , warder Babylonier zugenannt a , ob er gleich nicht aus Ba - bnlon , sondern aus Seleucia an dem Tigris gewejen . Die Nachbarschaft dieser zwocn Stadre war die Ursache dieses Zuna - mens b : außer daß man der leßten zuweilen den Namen der erstern gegeben hat Dieser Philosoph ist ein Schüler des
Chryüppus gewesen d , und hat verschiedene Werke verfertiget ( A ) . Sein Ruhm muß groß gewchn seyn , weil ihn die Athe - nienser nebst dem Karneades , dem Haupte der Akademiker , und dem ( Lritofaus , dem Haupte der peripatetischen Secte »ach Rom abgeschickt haben . Ich habe anderswo von dieser Gesandtschaft geredet Unser Diogenes hat acht und achtzig " fahre
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sehr unbesonnener junger Mensch ins Gesichte aereuspert . ^ch glaube nicht , daß man ihn mit demjenigen vermengen darf , von welchem Athenäus übel geredet hat ( C ) ; allein ich unterscheide ihn nicht von demjenigen , der den Karneades die Ver - nunftlehre gelehret hat ( D ) . Ich werde einen Jrrthum des Moreri bemerken ( E ) . Man sehe denselben in der letzten Anmerkung .
<0 Diogenes Laertius , Libr . VI . mim . 81 . Siehe auch des Strabo XVI B . 512S - t ) Ebendaselbst , c ) Bochart . Geo°T , Sacr . Libr . L cap . VIII . rf ) Cicero de Diuinat . Libr . I cap . III . e ) Zn der Anmerkung ( F ) des Artikels Carneades . f ) Lucian . iti Macrob . p . 641 . Tom . II . g~ ) Cicero , de Seneä . cap . VII .
( A ) Er hat verschiedeneUverke verfertiget . ^ EinenTractatvon der ^Lahrsagung , Licer . Libr . I . de Diuinat . cap . III . einen andern vom Adel Atlwn . Libr . IV . cap . XIX . pag . 168 . noch einen andern von den Gesetzen , ebendas . Libr . XII . cap . VI . pag . 526 . und einen dern von der Minerva . In diesem lebrern hat er dasjenige physikalisch erklart was man von der außerordentlichen Geburt dieser Gottinn ge - saaet Q«ein ( Chryßfpum ) Diogenes Babyloniiis confequens in eo libro , qui infcribitiir de Minerna , partum Iouis ortnmque virginis ad phyfiologiam traducens , disiungit a fabula . Cicero , de Natura Deorum , Libr . I . cap . XV . Ich weis nicht , in was für einem Werke er dasjenige gelehret hat , was Cicero erzählet . Dieß betrifft die Red - lichkeit in dem Handel : feine Sittenlehre ist über diesen Punet nicht so strenge , als seines Schülers , Antipaters , seine gewesen . In huiusinodi caufis aliud Diogeni Babylonio videri folet , magno et graui Stoico , aliud Antipatro , difcipuIo eins , homini aciitifllnio . Antipatro omnia patefacienda , vt ne quid omnino , qnod venditor norit , emtor igno - ret : Diogeni venditorem quatenus iure ciiiili conOitutum fit , dicere vitia oportere , cetera fine infidiis agere , et quoniam vendat , velle quam optime vendere . Ebenders de Oftic . Libr . III . cap . XXII . Hier ist eine andere Stelle : Quaerit etiam ( Hecaton in libro fexto de Of . Jiciis ) fi fapiens adulterinos nummos aeeeperit impmdens pro bo - nis : cum id refeierit , folutunisnc fit cos , fi cui debeat , pro bonis . Diogenes ait , Antipatcr negat , cui potius allentior . Qui vinum fii - giens vendat foiens , debeatne diccre . Non necefle putat Diogenes :
Antipater viri boni exiftimat . Haec sunt quafi controuerfa iura 8toiconnn . Ebendas . XXIII Cap . Ich wollte glauben , daß Diogenes von diesen Dingen in seinem Tractate von den Gesetzen geredet hätte .
einer großen Mäßigung abgrlegcr . ^ folgende Worte des Seneca im III B . vom Zorne , XXXVIII Cap . Ä werden uns diese Sache lehren : Comumelia . »
tibi reclt aliqu» . Num quid maiorem quam Diogeni , Philofopho btoico . cui de ira cum niaxime difierenti adolefcens protenius lnfpuit . Tulit hoc llJc leniter ac fapienter , non quidem , inquit , irafcor : fed dubito tarnen an irafei oporteat . Ich erzürne mich nicht ,
saget er , allein gleichwohl bin ich zweifelhaft , ob ich mich nicht erzürnen lollte . Dieß hieß durch Beyfpiele predigen ; er hielt eine Vorlesung vom Zorne : er bejtrittdiele Leidenschaft vom Lehrstuhle , und nichts war ter , als dieses . Man gab ihm Anlaß , dasjeniqe auch selbst auszuüben , was er r - eth : man erwies ihm unter wahrender seiner Predigt von der Geduld eine entsetzliche Bestl , iinpfuna ; er erzürnte sich nicht darüber . Hier sieht mau einen praktischen Sroicker : allem es entfuhr ihm ein Wort , welches sich nicht vollkommen zu der Lehre feiner Secte reimte . Er hätte als ein Stoiker versichert feyn sollen , daß er sich nicht er - zürnen dürfte .
v ( C ) Ich glaube nicht , ^dafi er mit demjenigen vermenget den darf , von welchem Athenäus ubel geredet hat 1 Er redet in des V B . XIIICap . auf der - n S , von einem epikuräifchen Philosophen
Diogenes ,

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