Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7119

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Philosophen , der von dem Daseyn eines wahren Gottes wohl überzeu - get ist , nichts anständigerS seyn , als daß er den heidnischen Aberglauben Hühner . Der andre Beweis ist nicht bündig ; denn es ist möglich , einen Gott zu glauben , und zu gleicher Zeit überzeuget zu seyn , daß sich die Schaam nur auf das willkuhrliche Recht grunder . Haben die Adami - ten ihre Zrrthümer nicht durch die übelverstandene Schrift behauptet ? Sie find also keine Gottesverleugner gewesen . Hier sind andre Be - weise von der Gottesverleugnung des Diogenes . I , Hat er gesaget , da er die Lehrmeister , Aerzte und Philosophen gesehen , daß der Mensch das weiseste unter allen Thieren sey : allein da er die Traumdeuter , ( * ) die Wahrsager , diejenigen , die dergleichen Leuten Glauben beymessen , die Geizigen und Ehrsuchtigen gesehen , so hat er geglaubet , baß der Mensch der größte Narr unter allen Wesen sey . Diogen . Laert . Libr . VI . nuni . 24 .
( * ) Man sehe in dem Diogenes Laertius Num . q ; . was er wider diejenigen gesaget , die über ihre Träume erschrecken . Ihr bekümmert euch nicht leicht um dasjenige , sagte er zu ihnen , was ihr wachend thut ; und machet euch einen Kummer aus Erscheinungen , die euch im Traume verkommen .
II , Hat er sich geweigert , ein Initiatus zu werden , und wenn man ihm sagte , daß diejenigen , welche diesen Vortheil in dieser Welt hatten , in der andern herrschten : so hat er geantwortet , daß nicht« lächerlicher wäre , al« den AgesilauS und Epaminondas in dem Pfuhle zu sehen , da viele Taugenichte , die sich zum Gottesdienste einweihen lassen , auf dem Throne der Seligen befänden . Ebendaselbst Num . zy . III , J ! rnt man ihm die Spotterey zuaeeignet , die ich in der Anmerkung ( I ) des Artikels Diagoras angeführt habe , daß es nämlich vielmehr Leute gäbe , die ungeachtet ihrer gethanen Gelübde umkämen , als deren Gebeth erhöret wurde . Ebendaselbst Num . 58 . IV , Hat er gesaget , daß der dauerhafte Wohlstand deS Harpalus ein Zeugniß wider das Daseyn Gottes enthalte . Siehe bey dem Artikel - Harpalus , die Anmerkung ( I ) Diogenes quidem Cynicns dicerc folebat Harpalum , qiii temporibus illis praedo foelix habebatur , contra Deos teftimonium dicere , quod in lila fortuna tamdiu vineret - - Improboriun igitiir profpe - ritatc fecundaeque res redargnunt , vt Diogenes diccbat , viin omnein Deonim ac poteftatem . Cicero , de Natura Deor . Libr . III . cap . XXXIV . Von diesen vier Beweisen sind die erstem zween so schwach , daß sie keine Untersuchung verdienen . Der dritte ist ein wenig stärker , aber gleichwohl unvermögend , zu überzeugen ; denn wie viele Leute giebt es nicht heute zu Tage , welche , ob sie gleich nicht aufhören Papisten zu seyn , wenn sie die Ex voto unserer lieben Frauen zu Loretto sehen , jenige sagen und denken könnten , was man dem Diogenes , wegen der Ex voto in Samothraeien , in den Mund leget ? Es giebt noch so viele andre Beweise von dem Daseyn Gottes , außer demjenigen voij der Wirksamkeit des GebetheS , daß eil , Mensch , der diesen verwürfe , den - noch vollkommen überzeuget seyn könnte , daß ein Gott sey , der die Welt regierte . Wenn der vierte Beweis überzeugend wäre , so müßte man den Claudia , , auch unter die Gottesverleugner rechnen , welcher ebendas - selbe vom Ruffin gesaget hat , was Diogenes vom Harpalus saget :
Abftulit hunc tandem Kufini poena tumultum ,
abs ol v i t q_v e deos .
Er hat gesaget , daß die Bestrafung RufinS , ein Freysprechungsur , rheil für die Götter sey : er hat also geglaubet , daß Ruffin in seinem Wohlstande ein Zeugniß wider die Götter abgeleget habe . Malherbe , ein christlicher Poet , hat in Absicht auf den Marschall von Ancre , eben diesen Gedanken gehabt . Siehe oben die Anmerkung ( ? ) , des Arti - kels Toncim . Wenn alle diejenigen , welche gesaget haben , daß die ge Glückseligkeit der Boshaften , ein Bewegungsgrund ist , an der Bor - sehung zu zweifeln , Gottesverleugner waren : so würden sich viel verleugner unter den Bücherschreibern finden . Allein dieß sind zwey sehr verschiedene Dinge , wenn man saget : diese Sacke har einen starken ißmunurf wider das Daseyn Gottes dargebothen , und wenn man saget , dieser Einwurf überzeuget mich , daß Gott nickl da ist .
Mm kann alles dieses durch drey Anmerkungen befestigen . I . Ha - den die Alten , so vicl , als ich mich erinnern kann , welche von Gottes , verleugnen , reden , den Cyniker Diogenes nicht in dasVerzeichniß dieser Leute gesetzet . Siehe Aelian . Var . Hiftor . Lib . II . cap . XXXI . imglei - che» Petri Petiti Obferuat . Mifcell . Lib . I . cap . I . II . Eignet der heil . Hieronymus diesem Philosophen eine Rede zu . welche nach dem Glau - ben von der Unsterblichkeit der Seele schmecket . Siehe hier oben die Anmerkung ( H ) . III . Giebt es unter den Lehrsprüchen des nes einige , welche beweisen , daß er einen Gott geglaubet . Man hat ihn einsmals gefragt , ob er glaube , daß es Götter gäbe ? " Wie sollte ich diese« nickt glauben , hat er demjenigen geantwortet , der diese Fra - ge an ihn that , weil ick nickt daran zweifle , daß sie dick Haffen . Diogen . Laert . num . 42 . Da er ein andermal eine Frau gesehen , die sich aus allzugroßer Andacht auf eine solche Art vor den Göttern nie - dergeworsen hatte , daß sie sich in einer sehr unanständigen Srellunq be - fand , so ist er zu ihr qelaufen , und hat sie erinnert , daß'Gott überall sey , und 'sie sich hüten solle , keine Unverschämte vorzustellen . «««» * mvoe
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ti * iüxotß» 2 yirjou M * 9Te « * «Av »7 ( Ütb { ( 7r & rra yic ? 1%Jv avri •Aifftf ) i%i ) n ; y> ( ) c . Infpexerat mulierem inhoneftius coram diis procidentem , eins fuperrtitionen , auferre volens , vt Zoilus Pergaeus ait , accurrit dicens : non vereris mulier ne forte ftante poft tergum Deo , ( cunöa enim plena ipfb funt ) inhonefta te habeas . Ebendas . Nun , . 37 . Man muß aufrichtig bekennen , daß die letzte von diesen dreyen Anmerkungen nicht viel Starke hat ; denn diese zween Sprüche des Diogenes können auch wohl nur eine bloße Höhnerey gewesen seyn . Und in der That eignet man den ersten einem Gottesverleugner von Profeßion zu . nämlich dem Thevdorus im VI B . Num . 42 . des Diogenes LaertiuS . Ueberbaupt kann man aus den sinnreichen Einfällen eines Menschen nicht schließen , ob er innerlich einige Religion hat , oder nicht ;
Diogenes .
dem , die Begierde , einen guten Einfall anzubringen , ist gemeiniglich so mächtig , daß man denselben lieber heraus saget , als einen Freund erhält , und verdienstlichen Widerwärtigkeiten des Glückes zuvor kommen will . Ehe ein Spötter , der einen Gott glaubet , einen glücklichen Einfall ver - lohren Zehen läßt , ehe wird er lieber als ein Freygeist reden : und ein Ruchloser wird reden , als wem , er einen Gott glaubte . Siehe das Tagebuch von Trevonx im Heumonate 1702 , französischer Ausgabe , und was auf der 46 S vom Herrn du Tot gesaget wird . Ich will mich als» bey dem Lehrsahe unsers Eynikers , alles ist voll von Gott , nicht auf - halten ; denn er kann sich desselben bedient haben , eine Spötterey darauf zu gründen . Der Grundsatz , daraus er bewiesen , daß den Weisen alles zugehöre , verhindert mich nicht , zu glauben , daß er kein Gottesverleugner gewesen . Alles gehöret den Göttern ni , sagte er ; nun sind die rveisen Freunde der Gotter , und alle Sacken sind unrer Freun - den gemein ; also gehört den Xveisen alles In dem Munde eines Spocrvogels , wieDiogenes , ist diese'Schlußrede kein besserer Bür - ge seiner Religion : als wem , uns Bion , der Borysthemer , das Dilem» ma anführet , davon ich oben in der Anmerkung ( C ) , des Artikels Dion , der Boryllhenier , geredet habe . Wir wollen aus dem Texte die» ser Anmerkung schließen , man könne nickt reckt gewiß sagen , ob Diogenes ein Gottesverleugner gewesen . La Mothe le Bayer har sich daran begnüget , da er die Schutzfrist dieses Eynikers gemacht . Jck wollte nickt versickern , saget er , de la Vertu des Paiens , auf der 134 Seite , des fünften Bandes seiner Werke , daß Diogenes nickt ein solcker Gottesverleugner gewesen , als dar ? » ihn dieser Scri , benre macket , da mick in diesem Stucke meinen Glauben zurück zu Hairen nickt» verpflickttt , als das Ansehen der ZUrckenväter , die so rühmlick von ihm geredet haben ; allein ihn desweqen für einen solcken zu halten , weil er die Gotter des Pöbels ver , höhnet hat , dieß ist eine sehr fehlerhafte Folgerung . Man merke wohl , daß dieser Mann , dessen Glaube , in Betrachtung deS Daseyns Gottes , sehr ungewiß ist , gleichwohl ganz vortreffliche Gebothe der Sittenlehre gegeben hat . Ich werde hiervon ein paar Worte reden .
( O ) " 3n gewissen Dingen sind seine Gebothe der Sittenlehre sehr gm gewesen . ) Ii , gewissen Puneten sind sie abscheulich gewesen , wie wir oben in der Anmerkung ( L ) gesehen haben ; allein man kam , nicht leugnen , daß sie in andern nicht sehr vortrefflich gewesen wären . Er hat wider die Verschwendung , den Geldgeiz , die Ehrsucht , wider die Rachgier so heftig geprediget , als er nur gekonnt . Er hat die Eitelkeit der menschlichen Beschädigungen insonderheit aus diesem Grunde be - wiesen , daß wir nämlich unser Innerliches zu verbessern verabsäumten , und unser Hauptwerk äußerliche Dinge seyn ließen . Zum Exempel , er hat die Sprachlehrer getadelt , welche die Unglücksfälle des Ulysses un , terfuchten , mittlerweil sie ihre eignen Unordnungen nicht wüßten . Er spottete der Sprachlehrer , saget Moreri , welche die Jrrthümer des Ulysses untersuchten , nnd ihre eignen hindansetzten . Das Wort Irr - thum schicket sich gar nicht hieher . Es sind die Fehler des Ulysses nicht gewesen , welche die Sprachlehrer untersuckt haben , sondern seine Reisen von einem Orte zum andern . Wir Wüllen uns der Worte eines be - rühmte» , Schriftstellers bedienen . Sein philosophisckes Ä . ehrge« bäude betreffend , saget la Mothe leVaier auf der 127 und 1 - 8 S . des fünften Bandes , welckes nickts - , als die Sittenlehre berrof , fen , so kann seine Professoren m'ckts bester von allen Unflärereyc» befreien ? die man ihnen beimessen wollen ; als der einzige Bey , fall der Stoiker , welcke als die allerstrengsten unter allen phi« losophen bekannt sind , und welcke sich wohl enthalten haben würden , solcken Personen ihr Hob ; u geben , deren L . eben mit dergleicken Unfiäthereyen angefüllet gewesen rväre . Nun weis jedermann , daß sie mir denTynikern in sebr gutem Verständnisse gelebt haben , als rvenn beyde nur einen iLndzroeck bätten , nack ver Tugend zu leben , worinnen sie das höchste Gut senken . Dieserwegen haben eben diese Stoiker die cymscke Lehre , zim - nov ix' xgsTnv oSov , ( Laert . in Mened . in Zenonej den kürzten XDeg genennet , auf welchem man zu dieser sckonen Tugend gelangen konnte i 1 4 VVas die Person des Diogenes betrifft , so ha« ben ihn die größten Männer des Alrerthums bewundert . Ale - xander hat ihn auf eine so hohe Staffel gcscm , daß er , da er aus einer Unterredung weg gieng , die er mit ihm gehalten , ver - sickert , er wolle Diogenes seyn , wenn er nickt Alexander wäre . Seneca kann nickt ( ätt werden , ihn an tausend Grtcn zu loben , und da er ihn in seinem Bucl ? e von dem Ruhstande unsers £Le , bens , virurn ingentis anirni , genennet , so fügte er dieses schöne ^ . ob allen andern bey , daß derjenige , welcker von der Gluckse , ligkeir des Diogenes nickt sattsam überführt wäre , auck an dem Zustande der unsterblicken Götter und demjenigen zwei« seln müßte , was man von ihrer Seligkeit sagte . Der h . Johann lthrysöstomus stellet ihn als ein Muster vieler Rlosierrugenden vor , im andern Ducke , das er wider diejenigen gemackt , die das Rlosterleben verackteren . Der heil . Hieronymus , im II B . wider den Iovinianus im IX Cap . redet sehr rühmlick von ihm : er nennet ihn großer und macktiger , als Alexandern , er leger alle seine Tugenden vor dem Jovianus aus , um ihn dadurch zu besckamen . Iä ) will bey dieser Stelle nur noch einen Zusatz ma - chen : daß nämlich Dio Chrysostomus in einigen von seinen Reden un , ter des Diogenes Namen , dasjenige vorgebracht hat , was er von den strengsten Sittenlehren zu sagen hatte .
( ? ) Man hat die Art bewundert , mit welcker er den phi« losophen widerleget , der die Xvirklickkeit der Bewegung leug , nete . 2 Nachdem er die Lehre dieses Philosophen lange Zeit ganz ge - duldig angehört , so ist er zwey - bis dreymal in dem Hörsaale herum ge - gangen . Man ziehe den Diogenes LaertiuS im VI B . Num . 39 . zu Rache , mit deS S - xtus Emvirikus , Pyrrbon . Hypotypof . Libr . II . cap . XXII . und Lib . III . cap . VIII . verglichen . Man sehe die Anmer - kung ( K ) , des Artikels Zeno , von Elea , wo wir zeigen wollen , daß dieses weder die Schwierigkeit heben , noch sie verstehen heißt .
gebürtia von Apollonia , aufder Insel Creta ( A ) , hat einen ansehnlichen Rang unter den Naturlehrern er - halten , die eher in Ionien qeblühet haben , als ^ - okrates in Athen pyilosopbirte . Er ist ein Schüler des Anarimenes gewesen , und man kann sich auch mit einiger Wahrscheinlichkeit einbilden , daß er nach i^m in der Schule von Ionien gelehret hat " . Er hat die Meynung seines Lehrerö , wegen der ersten Ursache aller Dinge , ein wenig verbessert ( B ) ; denn da er gelehret , daß die Lust , die
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