Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7099

Zi» Diogenes .
einen sehr schlechten Rednerstreich gespielet : er hat seine Leser auf den Weg gebracht , sich einer Sache zu erinnern , die seinen Zweck zu Grunde gerichtet .
Wer gern die Antwort auf die Lasterungen des P . Garasse , gegen un - sern Diogenes , sehen will , kann den la Mothe le Bayer zu Rache ziehen . lLs findet sich ein so unbilliger Scribente unter uns , saget er in dem Tractate , von der Tugend der Heiden , im fünften Bande seiner Werke , nach der Ausgabe in 12 , auf der 133 und 134 Seite , wo er nigen nicht nennet , den er widerleget , aber man muß wissen , daß es der Pater Garasse ist , ick will mick Eeines härtern Wortes bedienen , der sick kein Gewissen gemackt , den Diogenes und Demokricus mir Sem Vrusguer und Meister Wilhelm , einem berufenen - Hofnar - - ren des Roniges , n» vergleichen , welcke , wie er versickert , jum wenigsten so weise , als die Philosophen , gewesen . Großer Gott ! ist es wohl möglich , daß man sick die Freiheit nimmt , auf sol - che Art zu reden ! Er saget , ^daß plurarck und Diogenes L . aer - rius sick ^wohl vorgesehen hatten , die Thorheiten dieser xween Müßiggänger , bis auf uns fortzupflanz - en ; davon der eine , näm - lick Demokrilus , keinen andern Ehrentitel , als eines Possenspie - lers , und der andere eines groben Thürenklopfers , verdiente .
3Uirj , fährt er fort , es ist kein andrer Untersckied unter ihnen , als zwischen dem Meister Wilhelm gegen den Johann Farine , und dem Brusquer geqen den panralon : da Diogenes ein voll - kommener Narr und rvahnwiyiger , und Dcmokricus ein ständiger Gtocknarr gewesen , dieß sind seine eignen Worte .
Gewiß , man wird kein vernünftiges Gemutbe finden , so wenig Renntniß es auck von der Natur der Sacken hat , das nickt dadurch geärgert , und durck so aussckweifende Vergleickungen zum Widerwillen gebrackt werden sollte .
Man merke , daß Theon in Progymn . cap . V . p . m . 71 . erzahlet , es habe Alexander , da er den Diogenes schlafend gefunden , ihm den 24 VerS aus dem II B . der JliaS vorgesagt :
Ov % ( >i * atwjg / «v's2i«v ßu\>t Stertcre perpetuam non dignum eft principe noflem .
Und daß ihm Diogenes sogleich die Folge dieser Stelle Homers ent - gegen geseht :
6i Kxoir txiTtrotyxTOH vjrf retsa ixeputo .
Cui populique falus , et tanta negotia curae .
Man konnte mit keiner größern Fertigkeit des Verstandes und geschick - ter antworten . Diogenes rechtfertigte sich , und bemerkte zu gleicher Zeit , was Alexander thun sollte . Er zeigte , daß es alsdann ein Fehler wäre , die ganze Nacht zu schlafen , wenn man die Last der Regierung vieler Völker über sich hatte .
( G ) Man findet Widersprüche in den Dingen , die man vom Diogenes erxahlet . ) An einer Seite erzählet man uns , daß er keine andre Wohnung , als ein Faß , gehabt , und daß er seine hölzerne Schaale weggeworfen , als er gesehen , daß man aus der hohlen Hand trinken tonne . Quodain vero tempore habens adpotandumcauuinligneum , vidit puerum manu concaua bibere , et elififie illud fertur ad ter - , am dicens : nefeiebam , quod natura Kaberet poculum . Hieronymus ,
Lib . II . contra Iouinianum : dieß ist aus dem Diogenes Laertius genom - men , der im VI B . NUM . 37 . saget : toti irxihU» raT (
%«f# ) cr»«v , IS ; ippi\j , t TijC »1 ? « riv KOTtAlfV , T»J / ov ftE vevftufkev tV7« -
A«a . Intuitus aliquando puerum manibus bibentem , cotylam pera produäam abiecit dicens , puer me vilitate fuperauit . Man sehe auch den Seneca im XL Br . Man bemerket auch ausdrücklich , daß er weder Knecht noch Magd gehabt . Diogen . Laert . Lib . VI . num .
Allein an der andern Seite schwatzet man uns von der Flucht seines Knechtes vor . Es könnten einige hierbey ein wenig Erdichtung wöhnen , das heißt , daß man die Entlaufung des Knechts ersonnen , um Gelegenheit zu haben , den Diogenes einen scharfsinnigen Einfall sagen zu lassen . Man giebt vor , er habe denen , die ihm geratben , diesen Ent - laufenen suchen zu lassen , geantwortet : wäre es nickt lackerlick , daß Menades ohne den Diogenes , und Diogenes nickt ohne den Me - - nades leben konntet Ebendaselbst Num . 55 . Ich für meine Person finde nicht , daß diese Erzählungen widersprechend wären . Konnte wohl ein Mensch bey seinen verdrießlichen Zufallen des Geistes , denen er unter - warfen feyn müßte , immer einerley seyn ? Wir wollen nicht zweifeln , daß er zu einer Zeit dasjenige gewollt , was er zu einer andern verwor - fei' hat . Sein Leben ist lang genug gewesen , daß es uns Jahre darbie - then kann , in welchen er sich eines Gefässes bedienet , und andre , tn wel - chen er bloß seine hohle Hand gebraucht hat . Dieß könnte man sagen , wenn man von diesem Cvniker weiter nichts , als das Leben dieses Philo - sophen hätte , das un« Diogenes Laertius hinterlassen hat : allein wir haben in dem Aelian ein Capitel , welches uns der Mühe überhebt , zu einer solchen Auflösung Zuflucht zu nehmen . Aelian giebt uns zu tu kennen , daß Diogenes noch kein Philosoph gewesen , da ihn sein Knecht verlassen hat . Ben seinem AuSzuge aus Sinope ist es gewesen , da er einen von seinen Sklaven mit sich genommen hat , und da ihm derselbe entlaufen ist . Er hat damals nur einen Anfang von der Weltweisheit gehabt , der ihn bewogen , zn sagen : es wäre sckimpflick , wenn nes des Diogenes , und Diogenes nickt de« Manes entbehren konnte . Ov * ai^ov M«v»K f " ) Sji & ai ^ bioyhut , A'oytvnv z«
Annon turpe eflet , qiuini Manes Diogenis non egeat , Diogenem Ma - nis indigere ? Aelian . Var . Hiftor . Lib . XIII . cap . XXVIII . Seneca erzählet eben dasselbe , de Tranquillit . cap . VIII . Allein er ist noch kein Cyniker gewesen , und er hat dem Ueberflusse erstlich lange Zeit her - nach abgesagt . Aelian setzet darzu , daß dieser Knecht aus einer Stadt in die andre herum gelaufen , bis ihn endlich zu Delphis die Hunde zer - rissen hätten .
( H ) Man ist weder wegen der Art - - > feines Todes einig . 1 Einige sagen , ( Diogen Laert . Lib . VI . num . 76 . ) daß eine Uebertretung der Galle , die durch einen Ochsenfuß verurfachet worden ; den er ganz roh gegeben , die Ursache seines Todes gewesen , b»< ! «
Dieß ist außer Zweifel ein Fehler , der durch «omwa« . verbessert den muß ; denn es sind eine große Anzahl Schriftsteller , die vom Me - nage über diesen Ort angeführt werden , einig : daß Diogenes darum ge - storben , weil er einen rohen Seefisch , Polypu« genannt , gegessen gehabt .
Andre sagen , daß er , durch Zurückhaltung des Athems , sich selbst erstickt
habe . Ct - Jßa vor e'JoVT«« . tvj / J ro trjiS [ Ut tmixxuv .
Tandem qui fublatus eft cum labris dentes obfirniaflet , et fpii itum continuiflfet . Cercidas , beym Diogenes Laertius , im VI B . Num . 77 . Andre sagen , daß er an einem Hundesbisse gestorben sey . Diogen . Laert . ebendas . und Suidas ; andre , daß er sich zu Tode gestürzt , Aelian . Var . Hiftor . Lib . VIII . cap . XIV . und noch andre , daß er sich erwürget hät - te . Diese letzte Meynung wird vom h . Hieronymus als gut , und mit Umständen , angeführt , welche zu wissen nicht undienlich seyn wird . Sein Tod , saget er , ist ein Zeugniß von seiner Mäßigkeit , und seiner Tugend ; denn als er auf die olympischen Spiele gienq , so überfiel ihn auf dem Wege ein Fieber . Er legte sich unter einen Baum , und schlug die Dienste seiner Gefährten aus , die ihm ein Pferd oder einen Wagen anbothen . Geher immerhin zu dem Schauspiele , sagte er zu ihnen , diese Nacht wird meine Krankheit entscheiden : überwinde ich sie , so reise ich morgen auf die olympischen Spiele ; rücker sie mich weg , so fahre ich in die Hölle . Er erwürgte sich dieselbe Nacht , und hat vorgegeben , daß er solches nicht sowohl thäte , das Leben , als das Fieber zu verlieren . Abite quaefo , et fpeöatuin pergitc . Haec me nox aut viclorem probabit , aut viöum . Si febrem vicero , ad agonem ; fi me vicerit ad inferna defeendam : ibique per noetem elifo gutture , non tan» mori fe ait , quam febrem excludere . Hieron . Lib . II . adu . Iouinian . Einige , als Demetrius in Aequiuocis , beym Laertius , Num . ? ? - Plu - tarch , Sympof . im VIII35 . 1 Cap . und Suidas , haben gesaget , daß er an eben demselben Tage gestorben , als Alexander , in der , , z Olympias . Er ist beynahe 90 Jahre alt gewesen . Diog . Laert . Lib . VI . n . 75 . Allein , wenn er nicht nach Alexander» gelebt hätte , wie hätte ihn Perdickas vor sich laden , und ihn mit dem Tode bedrohen können , wenn er nicht käme' ! Ebendas . Num . 44 . Hätte er wohl vom KrateruS um einen Besuch gebethen werden können ? Ebendaselbst Num . 57 .
( I ) Er hat wenig für sein Segrabniß gesorgt , und ist gleich - wohl mit Ehren begraben worden . ^ Man saget , er habe bey sei - nem Absterben verordnet , daß sein Körper ganz und gar nicht begraben werden sollte , oder daß man ihn im Grabe höchstens , nur mit ein wenig Staube bedecken sollte . Er wünschte allen Gattungen von Thieren zur Weide zu dienen . Ebendas . Num . 79 . Ueberdieß findet man noch im Diogenes Laertius , daß er in den Fluß Jlissus zum Dienste seiner Brüder geworfen seyn wollen ; allein diese Worte sind außer Zweifel auf eine ungeschickte Art in den Text dieses GeschichtschreiberS einge - flickt worden : denn wo sollte ein so ungereimter Schriftsteller seyn , zu sagen , daß dieser Philosoph habe in den Fluß geworfen seyn wollen , »im den Hunden nützlich zu seyn ? Es ist also keine Wahrscheinlichkeit , daß diese Worte vom Diogenes Laertius kommen . Man könnte sie an - fänglich auf den Rand gesetzet haben , die Meynung Aelianö anzudeu - ten , Var . Hiftor . Lib . VIII . cap . XIV . welche diese gewesen , daß unser Cyniker verordnet , seinen Leichnam in den Jlissus zuwerfen ; und daß sie nach diesem einer oder andrer Abschreiber , unverständiger Weise dem Texte angehängt hat . Man merke , daß der Jlissus ein Fluß in dem Lande Attica gewesen , und daß Diogenes in einer Vorstadt von Co - rinth gestorben ist ; E'v tm Kfavaw T« icgo rtjt Kofhätt yvirjasla ; in Cra - nio : id erat Gymnafium ante Corinthum . Diogen . Laert . num . 77 . Und man schließe hieraus , daß Aelian einen Schnitzer gemacht hat . Menage hat eine sehr gelehrte Anmerkung hierüber , im VI B . des Laer - tius Num 79 . gemacht . Es giebt in dem Cicero eine Stelle , welche an - geführt zu werden verdienet : man erfährt daraus , daß Diogenes auf die von seinen Freunden an ihn gethane Frage , ob das Verlangen , welches er hätte , unbegraben zu seyn , zum Besten der wilden Thiere , oder der Vögel abziele ? ihnen zur Antwort gegeben , man solle ihm einen Stock in die Hand geben , damit er sich vor ihrem Anfalle wehren könne : nnd da sie verseht , wie wilst du dieses thun können , da du nickt« empfinden wirst' ! gesaget , was ist mir denn darangelegen , daß mick die wilden Thiere zerreißen 1 Durior Diogenes , et idem quidem fen - tiens , Ted vt Cynicus afperius , proiici fe iulfit inhumatum . Tum amici , volticribusne an feris ? Minime vero , inquit , fed bacillum prope me , quo abigam , ponitote . Qui poteris ? illi , non enim fen - ties . Qiiid igitur mihi feramm laniatus oberit , nihil fentienti ? cero , Tufcul . I . cap . XLUI .
Man hat auf diese große Gleichgültigkeit des Diogenes , wegen de« 35egräbnisses keine Acht gehabt . Seine Freunde , als sie ihntodt gefun - den , haben nicht gezweifelt , daß er das Ende seines Lebens , durch Zurück« Haltung des Athems , nicht selbst verursachet hätte . Sie haben mit fol - chem Eifer gestritten , wer ihn begraben sollte , daß sie zu Tätlichkeiten schreiten wollen . Personen von großem Ansthcn . haben ihre Streitigkeit beygelegt . Diogenes ist bey dem Thore des Isthmus begraben worden ; sein Grab wurde mit einer Säule gezieret , worauf man einen Hund von Marmor setzte . Diogen . Laert . Lib . VI . num . 77 . 78 . Pausania« gedenket dieses Grabes , im II B . auf der 45 S . Die Einwohner zu Sinope , haben diesem Philosophen , ihrem LandeSmanne , zu Ehren , Bildsäulen von Erz aufgerichtet . Diogen . Laert . num . 7g . Ich habe . vergessen , zu sagen , daß er nach einiger Meynung von dm Söhnen des Xeniade« begraben worden , deren Lehrmeister er gewesen war . Ebendas . Num . z , . Man füget dazu , es habe ihn Xeniädes geftaat . wie er be - graben seyn wollte , und daß er geantwortet hätte , das Eesickte gegen die Erde ; denn , setzte er darzu , als man ihn nach der Ursache dieser Phantasie gefragt , es wird sick bald eine Veränderung der Dinge ereignen , d , e das Unterste , u Oberfk kehren wird . Er hat da - durch sagen wollen , wenn man seinem Historienverfertiger glauben darf , daß das Königreich Makedonien groß werden würde , so klein^als es ge - tvefen . A'« TO inmfarSj qS , tb« ? « * T« * «vßv yl -
yt£on . Quia Maccdones iam potentia maiore doininarentur , atque ex humilibus fubliines fierent . Ebendas . Num 32 . Diese Erklärung ist nicht richtig , weil Diogenes zu der Zeitgestorbei , ist , da die Macedoniec auf den höchsten Gipfel ihrer Gewalt gelanget waren . Er ist nach eini - ger Mevnung an einem Tage mit Alexander , , gestorben ; er hatte also den Ruhm dieser erstaunlich empor gestiegenen Nation gesehen . Nach einigen andern muß man glauben , daß er diesen Prinzen überlebet , und die Zwiespalten seiner Nachfolger gesehen hat . Er hätte also vielmehr den Verfall der Macedoniec , al« ihre Erhebung , vorher sagen müssen . Der Ausdruck des Diogenes Laertius ist nicht richtia , als in dem Falle , wenn man voraus setzet , daß er sich auf die Zeit des Philippus , Könige« von Macedonien , bezieht . Es ist unter dem Philippus gewesen , da
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