Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7087

Diogenes .
Garafle , Doftrine Curieufc , p . 134 , , 35 . Niemals hat ein Mensch die Beschuldigung der Schwelgerey weniger verdienet , als Diogenes . Es befremdele ihn sehr , daß die Durstigen nicht an der ersten Quelle , die sie antrafen , trankein er hat sie noch für unvernünftiger , als das Vieh ge - halten ; und er , für seine Person , hat kein ander Mittel wider den Durst gesucht , als welches ihm die Natur in den Flüssen darboth .
Hiwv tTtrjt tS jfcevroj vSarot , i ) oi aXkoi rcv B & siov eiyov . KeereyeÄx h rü¥ ctc'ti rijiälv rat fih xxgtgxo^im . £i irxn - u ; miem - jTO X'° " rShi ßogtmp & ruv . Iucundius bibit fluentem aquam , quam alii vinum Thafiuni . Deridebat autem eos , qui quam fitirent , praeterirent fontes , quaererentque vnde omnino emerent Chium vel Lesbium , et inulto hos dicebat efle infipientiorcs iumentis . Dio Chryfoft . Orat . VI . p . m . 89 . Mein im übrigen ist es nicht gewiß , daß er keine andere Wohnung , als ein Faß gehabt hatte . Man fragte ihn einsmals : Xver wird dick natb deinem Tode begrabenda du weder Rneckr , nock Magd hast< Derjenige , sprach er , ders - Haus braucken wird ! Diog . Lacrt . Libr . Vl . num . 52 . Dieß setzet voraus , daß er ein Haus gehabt hat .
( C ) Man darf nickt glauben , daß er demüthiger , als gen gewesen , die sichzärtlich gepfleget . ^ Er hat gesaget , es wären alle Vermaledeyungen der Schaubühne auf ihn gefallen ; er müsse bet - teln , er sey übel bekleidet , er sey ein Landstreicher , habe weder Feuer „ och Heerd , und es reiche bey ihm kaum aus der Hand ins Maul . Und gleichwohl sehet der Geschichtschreiber dazu , er habe aus allen diesen Dingen eine solche Eitelkeit gezogen , als Alexander aus der Eroberung des ganzen Erdbodens nicht hätte ziehen können . Amyi^t i xmntit
cvve%üs ixeteyw unig txurü , ort tu ; in rijt Tgxyifiixt agit ; aäret iicn - At / goT , vj ) inopivei . titon yxf irAav» ) ? , aoiKof , * KTglSo { iytfjjfii * vas , irlaxo ( , Svesl / iuv , ßlov t%m xov ityningav , vjf ) eftu ; ixt tbtoi« Hey« iipgövn ülh yrlov > 1J Aiiil ry r« « ? % { ) ><>«
xaj IvSbj £m } v k . 'c BaßvAüva vt^gs - ^sv . Diogenes Sinopenfis de fe ipfo dicere folitus eft , fe implere et ferre tragicas exfecrationes . Nam erronem fe efle , domo et patria carere , mendicum agere , male ve - ftiri , et in diem viuere . Nihilominus tarnen in his fibi non nus placebat , quam Alexander in terrarum orbis imperio , quum fubadis Indis in Babylonem reuerteretur . Aelian . Var . Hiftor . Libr . III . cap . XXIX .
( D ) Alexander der große , fand etwas Großes in feinen Manieren . ) Er muß solches wohl darinnen gefunden haben , weil er gesager , daß er gern Diogenes feyn wollte , wenn er nicht Alexander re . Plutarch . in Alexandra , p . 671 . Es kömmt mir nicht befremdlich vor . daß er einen Menschen bewundert hat , der , da er alle Arten der Vortheile von ihm erhalten konnte , nichts von ihm verlanget hat , und ihn , ohne das geringste Compliment und alle Ceremonien , erinnert , sich so zu stellen , daß er ihm den Sonnenschein nicht entzöge . Ebendaselbst . Valer . Maxim . Lib . IV . c . III . zu Ende . Diog . Laertius , Lib . VI . num . 38 . Sollte ein Prinz , der alle Tage mit heishungrigen Wölfen belagert war , und ungeachtet aller seiner erlangten Macht nicht allen ungestümen Bett - lern Genüge thnn konnte , sich nicht verwundern , daß eine Privatperson , die ihm angebothenen Schätze ausschlug ? Alexander hatte von allen Enden Staatsleute und Philosophen zu ihm kommen sehen , die sich um die Wette bemühten , ihm ihre schmeichelhafte Aufwartung zu machen . Plutarch . in Alexandra , p . 671 . Diogenes war der einzige , der sich nicht von seiner Stelle gerückt : Alexander , da er gesehen , daß er nicht zu ihm kam , wie er vermuthet hatte , hat selbst zu ihm gehen müssen . Wenn ihm diese Gleichgültigkeit sonderbar zu seyn geschienen , so bewun - derte er die Hoheit der Seele , die sich in der Antwort dieses Philoso - phen gezeiget : re» A' . M%m3gov 5™ k°h
KxralpgtmtütvTet rijv w * 6joJ / / av , vtf ) TO peytSoi tS ctvigot « ? c . Perhl - betur in tantum permotus Alexander fuifle et obftupuiflfe contem - tus defpicientiam hominis et animi celfitudinetn vt etc . Plut . in Alexand . p . 671 . imgleichen de Fortuna vel virtute Alexandri , p . 331 . Man hat Ursache gehabt , z» sagen : daß Alexander bey dieser Gelegen - heit von einer schlechten Privatperson überwunden worden . Eadem re gloriari Socrates potuit , eadem Diogenes a quo vidtus eft ( Ale . xander ) . Quid ni vifhis fit illo die , quo homo fupra menfuram humanae fuperbiae tumens , vidit aliquem , cui nec dare quidquam poilet nec eripere ? Seneca deBenefic . Libr . V . cap . VI . Diese te bezeugen sehr deutlich , daß Seneca geglaubet , eS habe Alexander die - fts Gespräche mit dem Diogenes erstlich nach der Eroberung von Per - sien und zu der Zeit gehalten , da dieser Prinz von dem Glänze seines Glückes verblendet , sich als einm Gott verehren lassen . Allein , wenn jemand diese Meynung des Seneca in diesen Worten nicht deutlich ge - nug finden wollte , so bitte ich ihn , diese Worte zu betrachten : Ne - cefle eft a Socrate beneficio vincar : necefle efta Diogene , quiper medias Macedonum gazas nudus inceffit , calcatis regiis opibus . ne ille tunc merito et fibi et ceteris , quibus ad difpiciendam verita - tem non erat ofiiifa caligo , fupra cum eminere vifus eft , infra quem omnia iacebant ? Multo potentior , multo locupletior fuit , omnia tunc poflidente Alexandro . Plus enim erat , quod hic ncllet accipere , quam quod ille poffet dare . Ebendas IV Cap . Hier haben wir eine von denen Lügen , darein man aus Mangel der Aufmerksamkeit verfällt . Die ganze Welt weis : I , daß Alexander nach seinem Ueber - aange in Asien niemals wieder nach Griechenland gekommen : II , daß Diogenes in währender Zeit , da Alexander Asien bezwungen , nicht aus Griechenland gekommei , ; also hat Seneca hier ans Mangel der Auf - merksamkeit , und weil er allzusehr an die Gegensätze gebunden gewesen , die Seiten mit einander vermenget . Es ist gewiß , daß das Gespräch Alexanders und des Diogenes vor dem Kriege in Persien hergegangen ist Alexander hat diesen Cvniker in der Zeit zu Corinth gesehen , da er zum allgemeinen Feldherrn Griechenlandes ernennet wurde , den Darius mit Krieg zu überziehen . Plutarch . m Alex . P . 671 . Es fehlet wenig , so findet man des Seneca Zeitrechnungsfehler in dem Diogenes Laer - tili« . Er erzählet im VI Buche , num . 60 . daß Alexander den Dio - genes unversehens besuchet , und zu ihm gesaget : Ick bin der große König Alexander : eV « Und ick , hat der andere geantwortet , bm Kaya yi^t i kvuv . Dieß setzet voraus , daß Alexander
den Dariu« bereits überwunden gehabt ; ^ denn zu der seit , da er den Diogenes gesehen , »st er bloßer König von Ma^dvme» ge»
wesen , und nennen .
zu
es war ihm nicht anständig , sich den großen König zu
( E ) t ( N ) ir därfen denen nickt trauen , die den Alexander dieser - wegen geradelt . ^ „ Wenn Alexander nicht Alexander wäre , so hätte er „ Diogenes seyn wollen : so sehr hat sich die tugendhafte Armuth bey dm» „ königlichen Ansehen und Stolze in Hochachtung gesetzt . „ Diese Worte finden sich in einer Predigt , die Balzac beurtheilet hat ; und dieß sind die Ausdrückungen , mit welchen er sie im christlichen Sokrates , auf der 243 S . getadelt . „ Der Prediger hat diesen Spruch für ungemein gut gehal - „ ten , und ich halte ihn für ungemein böse . Denn was heißt wohl , nach „ eurer Meynung und nach der Wahrheit der Sache , Diogenes seyn ? „ Ich will es euch sagen : bloß dnrch die Uebersetzung des griechischen „ Textes , ohne den geringsten Zusatz von meiner Seite . Diogenes seyn , „ heißt die eingeführten Gewohnheiten und angenommenen Gesetze fchän - „ den ; es heißt , weder Scham noch Ehrbarkeit haben ; es heißt , weder „ Verwandten , noch Wirth , noch Freund erkennen ; e« heißt , unablaßig „ klaffen oder beißen ; es heißt , auf öffentlichem Markte eine rohe Schoi - „ le oder ganz blutiges Fleisch essen ; es heißt , die Augen des Volkes „ durch noch viel unflätigere und haßlichere Handlungen beleidigen ; durch „ Handlungen , bey welchen man nicht geheim und einsam genug „ seyn kann . Dieß heißl Diogenes seyn , und dieß hat Alexander seyn „ wollen , wenn er nicht Alexander gewesen wäre . Es konnte kein böser „ Wort aus dem Mlmde von des Aristoteles Schüler kommen , und der „ Prediger konnte diejenigen nicht mehr schelten , die er zu loben gedachte , „ als da er sich einer so verhaßten Vergleichung bedienet hat , wenigstens „ bey Leuten , die keine Fremdlinge in guten Büchern sind . „ Hier tadelt man zwo Personen , Alexandern und den Prediger . Dieser letztere scheint mir des Tadels würdig zu seyn , den man wider ihn machet : denn wenn man die Betteley der Mönche lobet ; so muß man . so viel man kann , verhindern , daß ein Leser leine Aufmerksamkeit nicht auf den Bet - telstand der cynischen Philosophen wende . Allein den Alexander be - treffend , so bin ich Bürge , daß er mit Unrecht getadelt worden , und tvill zum Beweise davon diese Worte CostarS , in der 8uite de la Defenfe de Voiture , p . 39 anführen : Dünget ihnen wohl , mein Herr , daß dieß Sie Gedanken de« großen Alexanders genugsam einsehen heißr i Dieser Xveltbezwmger wußte diese Erklärung von , Diogenes nickr , und er verlangte von ihm nur dasjenige , was er an ihm erkannt und bemerket hatte ; eine außerordentlicke Veracktung alles desjenigen , was in Sem ganzen Leben am glänzendsten und prächtigsten ; u seyn scheint . hatte ihm ne Sckalze und seine Mackt angcbothen ; und dieser zerlumpte Bettler verlangte Heine anvere Gnade von ihm , als daß er aus der Sonne treten mockte : als wenn er M ihm hatte sagen wol - len ; rauber mir die Güter der Natur nickt , ick überlasse euck die Güter des Glückes , die ick weit unter mir balte . Alexan - der hat die Starke und Srandhastigkeit einer so hohen Seele unvergleicklick erkannt , und sick m denen - Herrn von seinem - Ho - fe gewendet : hohner diesen Mann nickt , jagte er >u ihnen , wenn ick nickt wäre , was ick bin , so mockte ick 1eyn , was er ist ; das heißt , wenn ick nickt alle Güter und Ehre besäße , so würde ick mick glückselig sckäyen , dieselben , wie dieser Philosoph , verackten . Äal ? ac mag davon sagen , was er will , so ist diese Meynung für einen Scküler des Aristoteles sehr xarrlick unv fein . Wenn man nur ein wenig richtigen Verstand hat , so empfindet man , daß Costar das Pflöckchen getroffen hat , und Balzacs Benrthei - lung ein höchst falscher Gedanken ist . Plutarch bat diesen Spruch Alexander« auf eine Art umschrieben , welche gelesen zu werden verdie - «et . Plutarch . de Fortuna vel Virtute Alexandri Orat . L zu Ende , auf der ZZI , 332 Seite , bey mir .
( ? ) - - - nock denjenigen , welcke die Aufführung dieses Philosophen gegen diesen Prinzen gesckolten Habens „ Er war so „ unhöflich , daß er , da er eines Tageö von Alexandern beftagt worden , „ der ihn in seinem Fasse besuchet hatte , um seinem Verlangen ein völliges „ Genügen zu thun , ihn mit denselben Worten angeredet , die Bris - „ quet , ( dieftr war ein berühmter Hofnarre de« Königes , ) zu dem Kö - „ nige zu sagen pflegte , und ihn bey wunderlicher Gebehrdling , nach alt - „ gallischer Manier , gedutzet : sürchtest du dich nicht , Alexander , sagte er , „ daß ich dich beiße , denn ich bin ein wütender Hund ; das heißt , wider „ die Uepxigkeit , wider deine Ausschweift , ngen , und deine gar zu ttobiae „ Majestät ; und nachdem er hierauf von einigen von Alexanders Ge - „ folge , die sich seiner , als eines Possenreißer« der Comödie bedienten be - „ fragt worden , ob er jemals einige gute und weise Primen aeseben „ hätte ? ein Gelächter , ein sardonisches Gelächter ausgeschlagen und pickel - „ hermgsmaßlg> gesagt , ümo * xtro , xhm ich habe dergleichen eben so „ viel , als Krähen und Maykäser im Frühlinge , gesehen : dieß ist der „ Witz und die Höflichkeit einer Person gewesen , welche eine exemplari - „ sche Bestrafung wohl verdienet hätte . . . Garafle Doftrine curieufe , p . 13 ; . Es sind hier viel andre Dinge zu tadeln , als die der Prior Oaier getadelt hat . Er höhnet den Garasse , als einen Ignoranten , der nicht gewußt , daß man nn Griechischen jedermann dntzet , und daß alsoDioge - neS den Alexander nicht au« UnHöflichkeit gedutzet hat . Cenfure de jla Doörine curieufe , p . , 75 . I , Ist Alexander nicht Lachens wegen zum Diogenes gegangen , es ist ein ernsthafter Besuch aeivesen . II , Wenn man redlich handelt , so führet man nicht dergleichen Dinge an , die mai , in apokryphifchen Schriftstellern findet : man nimmt sie au« den ernsthaftesten glaubwürdigsten Scribenten , als wie in Ansehung dieses Besuches Alexan - der« , diejenigen sii»d , welche das Leben diese« großen Prinzen , oder das Leben des Diogenes aufgesetzer haben . Was hat aber der P . Garasse aethan'i Er hat die Erzählung Plutarch« , und des Diogenes Laertius , unterdrückt und eine ganz verschiedene gegeben , deren Quelle er nicht anqezeiqt Dio Chrysostomus hat eine ganze Rede von der Unterredung Alexanders mit dem Diogenes gemacht , wo er ohne Zweifel hunderterley Dinae von seiner Erfindung angebracht hat : gleichwohl^ sieht man dasjenige nicht darinnen , wa« Garasse saget . III , Es ist nichts abgeschmackter« , als daß ma» , zu diesem Besuche Zuflucht nimmt , wenn man des Dioge - nes Nachruhm mit Schande bedecken will : denn wo sind doch die Leser , welche die Bewunderung nicht wissen , die dieser Prinz gegen den Dioge - nes gehabt ? und wenn man an einen solchen Bewunderer gedenket , wird man nicht mehr gercizet , den Diogenes zu bewundern , als zu ver - achten ? Und also hat Garasse , ob er sich gleich hütet dasjenige zu gen , was Alexander wegen dieser Materie gesaget hat , gleichwohl

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