Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7076

ZI0
Diogenes .
Oxford gedenket dreier andern Bücher Richard DinothS , welche sind , de Bellö ciuili Belgico libri VI . in 4 . ZU Basel , is8o ; Aduerfaria Hi - ftorica , in 4 . jll Basel , 15815 de Rebus et Fa£hs memorabilibus Loci coinmune« Hiftorici et fententiae Hiftoricorum , in 8 . zu Basel , 1580 . Ich weis nicht , ob diese Zeit von der Historie der bürgerlichen Kriege in den Niederlanden wohl angegeben ist ; denn die Ausgabe , der ich mich
Diogenes ,
bediene , ist vom 1586 Jahre , und ich habe nichts darinnen gefunden , daS Anlaß gäbe , zu glauben , als wenn es die andere Ausgabe wäre Der Urheber hat sie dem Senate und der hohen Schule zu Straßburg zuge - eignet , und die Zuschrift ist in Mümpelgard , den 18 August , 1586 , terschrieben .
; allem ausschweifen , auch die
ber Cyniker , ist einer von denen außerordentlichen Menschen gewesen , die in aller
nunft nicht ausgenommen , und welche den Grundsah bekräftigen : daß co keinen großen Geist qiebt , in dessen Character sich nicket ein wenig Narrheit einschleiche Er war zu Sinope , einer Stadt in Pontus , gebohren , und ward , wegen falschen Münzens , daraus verjagetSein Vaterb , der ein Wechsler war , wurde , wegen eines gleichen Verbrechens , verbannt . Diogenes flüchtete nach Athen , und erhielt durch seine große Beharrlichkeit , daß der Philosoph Antisthenes sein Lehrmeister werden wollte - ( A ) . Er unterwarf sich nicht allein mit Fr - euden der Lebensart , welche den AnHangern dieses Stifters der Cyniker eigen war ; sondern er fügte auch noch neue Grade der Harte dazu : so , daß man niemals einen Philosophen gesehen hat , der die Gemächlichkeiten des Lebens mehr verachtet härte , als er . Man würde sich bekriegen , wenn man glaubte , daß er mit seinem Stocke und Bettelsacke , und mit seinem Fasse , das ihm zur Wohnung diente ( B ) , deinüthiger , als diejenigen gewesen , die sich zärtlich pflegen ( C ) . Er sah die ganze Welt verächtlich an ; er übte über das menschliche Geschlecht eine obrigkeitliche Beurtheilung aus , und hielt sich , ohne Zweifel , für viel ser , als alle andere Philosophen . Man würde sich nicht enthalten können , was Großes m seinen seltsamen Manieren zu finden , wenn man sie in gewissem Verstände ansieht ; und weil Alexander dasselbe darinnen gefunden hat ( v ) , der in diesem Puncte ein so guter Kenner war , so muß wohl etwas daran gewesen seyn . Wir dörsen uns nicht auf diejenigen verlassen , die den Alexander dieserwegen getadelt haben ( E ) , noch denen glauben , welche die Aufführung dieses Philosophen , gegen diesen Prinzen , gescholten haben ( F ) . Diejenigen , welche Widersprüche in denen Dingen finden , die man vom Diogenes erzählet ( G ) , sollten bedenken , daß ein Mensch von seiner Gemüthsarr vielen merkwürdigen Ungleichheiten hat unterworfen seyn müssen . Er harre viel Fertigkeit des Geistes ; welches aus seinen sinnreichen Sprüchen und geschwinden Antworten erheller , ' welche meisten - cheils ein beißendes Salz enthalten . Man würde nicht übel von ihm urtheilen , wenn man ihn einen närrischen Sokrates nenn - te d . Er brachte ein gut Theil seines Lebens zu Korinth zu , und ist daselbst sehr alt gestorben . Man ist weder wegen der Art , noch der Zeit seines Todes einig ( H ) . Er hat wenig für sein Begräbniß gesorget , und ist gleichwohl mit Ehren begraben worden ( I ) . Die Ursache , warum er inKorinth gewohnet , war , daß ihn ein Mann aus dieser Stadt gekauft ( K ) , und zum Lehrmeister seiner Söhne gemachet hatte . Die Gefangenschaft , darinnen er sich befand , hat ihn nicht gehindert , daß er nicht seine ganze Gemüthsart vollkommen erhalten hätte Das allerunverantwortlichste und unverschämteste in seinem Leben ist , daß er sich vor den Augen aller Welt , auf eine viehische Art , in den Uebungen der Unreinigkeiten herumwälzte ( L ) . Er führte wegen sehr schlechte Gründe an ( M ) . Er bat berühmte Schüler gehabt / , und verschiedene Bücher gemacht * ; allein man zweifelt , ob die Tragödien , die unter seinem Namen herumgegangen , von ihm gewesen sind . Man weis nicht recht gewiß zu sa - gen , ob er ein Gottesleugner gewesen ( N ) ; allein , so viel is ! gewiß , daß seine Gebothe der Sittenlehre , in gewissen Dingen , sehr gut sind ( 0 ) , und daß sie verschiedene Kirchenväter dafür gehalten haben . Man hat die Manier bewundert , mit welcher er den Philosophen widerleget , der das Daseyn der Bewegung leugnete ( ? ) ; allein wir werden zeigen , daß seine Antwort un - vergleichlich sophistischer ist , als die Schlußreden dieses Philosophen gewesen sind .
f ) Er hat Jcesius geheißen . Einige haben gesaqet : daß er im Gefängnisse gestorben , - , . . . , l'chen Ausspruches , aus dem Staube gemacht : Diogen . Laert . ebendas . 0 Ebendaf .
Num . 21 . Aelianus Var . Hiftor . Libr . X . cap . XVI . d ) Es ist Plato , der ihn also genennet hat : Siehe Aelianu« Var . Hiftor . Libr . XIV . cap . XXXIII . O Siehe die Anmerkung ( K ) . / ) Siehe die Anmerkung ( X ) zu Ende , g ) Diogen . Laertius , Libr . VI . num . 80 .
d ) Diog . Laert . Libr . VI . in dessen Leben , und daß sein Sohn sich , ohne Erwartung des richterlichen Ausspruches . aus dem Srai
( A ) f£r erhielt durch seine Beharrlichkeit , daß Oer phllosoph Antisthenes sein Lehrmeister werden wollte . ] Ein sehr geschickter Mann , da er hiervon reden wollen , hat einen großen Fehier wider die Zeitrechnung begangen . Dieß sind die Worte des Joln : Avis Cnretien - nes et Moraux pour 1' Institution des Enfans , p . 4 und 5 . Er führet niemand an ; allein er hätte den Aeiian , Var . Hift . Libr . X . cap . XVI . wegen der Antwort des Diogenes , nach dem Stockschlage , anfuhren können . „ Man erzählet auch von eben diesem Diogenes , daß , da der „ Philosoph Antisthenes , der Urheber von der cynischen Secte , sein „ Lehrmeister , da er ein Schüler des Sokrates geworden war , und die - „ serwegen alle seine Schüler zurück geschickt hatte , Diogenes ihn nicht „ verlassen wollen , worüber sich Antisthenes gegen ihn erzürnet , und ei - „ nen Stock ergriffen , ihn fortzujagen . Allein dieses machte den Dio - „ genes nicht fürchtftim , indem er sich bückte , den Schlag zu empfangen , . . und sagte : iBs ist kein Stock so hart , den , ch nicht aushalten „ will , um von dir etwas Gutes ; u erlernen . , , Sokrates ist im ersten Jahre der 9 ; Olmnpias gestorben , und des Diogenes Tod muß mit Alexanders des Großen seinem in ein Jahr , oder kurz darauf gesetzt werden . Siehe die Anmerkung ( H\ Nun ist dieser Prinz , nach dem Eusebius , im lebten Jahre der uz Olympia» , oder nach dem Petavius , im ersten Jahre der 114 Olympias gestorben ; wir können also setzen , daß Diogenes im z Jahre der 114 Olympias gestorben ist . Weil er nun , ungefähr 90 Jahre alt , gestorben ist , so war er in dem I Jahre der 92 Olympias gebohren . Er war also nur ungefähr 12 Jahre alt , als Sokrates starb : also hat er , wegen der vom Joly angeführten Ursache , nicht von des Antisthenes Schule ausgeschlossen werden kön - nen . Man könnte etwan ein Jahr gewinnen , wenn man sich genau an diejenigen bände , welche sagen : daß Alexander und Diogenes an einem Tage gestorben sind : allein man würde dieserwegen seine Rech - chnung doch nicht finden ; denn man muß sich erinnern , daß des So - krates Proeeß einige Zeit gedauert hat . Nun hat , unter währendem Verfahren , Antisthenes seine Schule nicht geschlossen , hin in des tes seine zu gehen , dieß ist ganz ausgemacht . Ueberdieß ist Diogenes nichteher nach Athen gekommen , als bis er faWe Münze in seinem Vaterlande gemacht , und auch ein Amt bey der Münze bekleidet hatte , und nachdem er zu Delphis gewesen war , das Orakel um Rath zu fta - aen Diog . Laert . Libr . VI . num . 20 und 21 . Kann man wohl nach diesem vernünftiger weise sagen : das ; er nur fünfzehn oder sechzehn Iah - re alt gewesen , da er zu Athen um einen Platz unter den Schülern des Antisthenes anzuhalten angefangen bat ? __ _ r
( » ) Tin Laß diente ihm zur Wohnung . Er hatte einem fohlen , ihm eine Celle zubereiten : als man aber diesen Befehl nicht geschwind genug ausführte , so ist er böse darüber geworden , und hat sei - ne Wohnung in einem Fasse aufgeschlagen , welches dem Tempel der Mutter der Götter zugehörte . Dieß erzahlet er selbst in einem von seinen Briefen . Ebendas . Nnm . - z . Ich wollte , daß die Ausleger des Dio - genes Laertius ausfündig gemacht hätten , wie er die Erlaubniß bekom - inen hätte , sich eine Sache zuzueignen , die einem Tempel zugehorete . Er hat nicht beständig dasselbe Faß gehabt ; ein unbesonnener Jüngling zer - schmiß ihm das erste , und wurde deswegen zur Geißelung verdammet . Die Athenienfer , die ihn mit dieser Züchtigung belegten , haben dem Diogenes ein ander Fast gegeben . Ebendas . Num . 4Z - Dieses Faß ist ohne Zweifel von demjenigen unterschieden gewesen , das er zu Korinth
gehabt , worinnen er gewohnet , als der König von Macedonien diesen Orr angreifen wollen . Alte Einwohner haben mit einer ungemeinen Aeinsigkeit an der Befestigung der Stadt gearbeitet . Diogenes , der nicht der einzige seyn wollen , der nichts thare , hat sein Faß herumge . walzet . Lucia» , de confcrib . Hiftoria , Tom . I . p . m . 659 . Menage zieht daraus einen Beweis , daß dieses Faß nicht von Thone gewesen ; allein er bekennet auch zu gleicher Zeit , daß es Mittel gäbe , ein Faß von dieser Materie fortzuwälzen , ohne es zu zerbrechen . Tcftaceum non fuifle Diogenis doliiun , fedligneum , lllud conuicerit , quod illae - fum , neotiofns efl'et , faepe verfaret ; de quo eft apud Lucianum in libello : Qiiomodo confcribenda fit hiftoria . Quamquam tefta . ceum dolium verfari et circumagi potuit ; in timeto , vel folo fub - a£to , vel reftibilibus agris , vel in aequato etiam pauimento ; cum praefertim ampla illa et capacia dolia pro amplitudinis modo folida fuifle et fpiflä credibile fit . Menage , in den Noten über den Dioge - nes Laertius , VI B . Num . 2z . . 234 S . Er hat diese Anmerkung nicht umsonst gemacht . Er hat sein Augenmerk auf die Verse Juvenals , in der XIV Sat . v . zo8 . wo dieses Faß von Thone ist :
Dolia nudi
Non ardent Cynici : fi fregeris , altera fiet Cras domus , aut eadem plumbo commiflä manebit .
Senfit Alexander , TESTA cum vidit in illa Magnuin habitatorem , quanto felicior < * ) hie , qui Nil cuperet , quam qui totum fibi pofeeret orbem .
( * ) Moreri liest feliciter , und saget : man glaube , daß Juvenal den Diogenes in diesen Versen loben wollen : die Sache ist ganz unstreitig klar , also tauget das man glaube nichts .
Ich würde mich nicht befremden lassen , daß man die gezwungene Ar - muth des Diogenes verdammte , die er gezeiget , da er nichts , als ein Faß , zu seiner Wohnung haben wollen : allein , hier einen Beweis der Völle - rey zu finden , das heißt ins Lacherliche fallen . Man wird hier ein Ge - webe von Ungereimtheiten sehen , welches bey nahe so verdrießlich ist , als das Uebrige des Artikels . „ Was den Cyniker Diogenes betrifft , so „ dienet ihm sein Name zum Lobe : denn es ist eben so viel , als wenn „ man sagen wollte - Diogenes der hündische . Dieser Tropf spielte einen „ Philosophen , und seine vornehmsten Verrichtungen sind dieft gewesen : «' - Tag und Nacht in einem Fasse zu wohnen : eben so . wie die Ge - „ fahrten deS Aeneas , die , nachdem sie das Fleisch gegessen , die Teller „ anbissen , menfasconlumimus , inquit lulus ; ( Libr . VII . Aen . vf . ufi . ) „ nachdem er den Wein getrunken , sich des Fasses bediente , das heißt : er „ hat es so lieb gehabt , daß er darinnen wohnen wollen . Also hat es „ die ehrliche Alte beym Aristophanes verordnet , daß man ihren Kör , „ per im Keller unter das Faß legen sollte , damit ihre Gebeine ange - „ feuchtet wurden : wie die Tmnkenbolde im Wirthshause , welche die „ ausgesoffenen Flaschen zu Leuchtern brauchen , um nach der Mahlzeit zu „ spielen : so , wie sich Buckanan in seiner letzten Krankheit ein Faß voll „ Wein de Grave , vors Bette setzen lassen , seine Seele , bey dem ange - „ nehmen Gerüche dieses wohlschmeckenden Saftes . aufzugeben : ( siehe „ oben die Anmerkung ( v ) / bey dem Artikel Buchanan . ) so . wie sich „ Bettheau , der Fischer , in seinem Kahne begraben lassen , saget Ron - „ sard . Also hat Diogenes Tag und Nacht in seinem Hause gewöhnet , „ voller Verdruß , wenn er daran gedacht , daß es leer war : eben wie un« „ sere aufgeweckten Köpfe Tag und Nacht in den Wirthshäusern liegen . , ,
( ? «rafle .

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