Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-7002

Dicaarchus .
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nen Meyimngen verdammet worden warm , so verlangte er , gehört zu seyn , und konnte solches nicht erhalten : die heimlichen Rotten seiner Feinde brachten diese große Verweigerung der Gerechtigkeit zuwege . Hierauf hat er seine Klagen so laut ertönen lassen , daß der Ruf davon , bis vor die Ohren EugeniuS des IV gekommen ; welcher Befehl gab , daß Tostat in Person an den römischen Hos kommen , und seine Meinungen vertheidigen sollte . Tostat erschien , und hat sich so wohl gerechtfertiget , daß er einen rühmlichen Sieg davon getragen» Libell . Supplex , pag . 21 . ex Prooetn , ApologeticiToftati , Part . II .
nes . Er hatte ein Werk , Quaeftiones de Chriftianis offieiis et Cafi - bus Confcientiae in ; Praecepta Ecclefiae , betitelt , herausgegeben , dessen Lesung verbothen wurde ; allein da man seine Schutzschrist gese - Heu hatte , welche betitelt war : Apologeticus Traftatus pro fuo libro in 5 praecepta Ecclefiae ad quaeftionem de ladHciniorumouorumqiie efu tempore quadragefnnae ; so wurde das Buch von neuem unter - sucht und gesprochen , daß kein einziger von den verurtheilten Sätzen , die Bcrurtheiiung verdiene ; so daß das Ketzergerichte durch einen neuen Rathschluß , vom 18 April >6zo , die Lejnng dieses Werkes erlaubte .
Das dritte Beyspiel ist des großen Tostat seines . Da einige von sei -
ein Schüler des Aristoteles , hat eine große Anzahl Bücher gemacht , die sehr hoch geschähet worden ( A ) ' . Cicero und sein Freund , Pomponius Atticus , haben viel daraus gemacht ( B ) , und ich glaube auch , daß sich ihre Hochachtung bis auf das Werk erstrecket hat , worinnen er die Unsterblichkeit der Seele bestritten ( C ) . Moreri eignet es einem andern Dicaarchus zu , der von iacedamon ( v ) , und ein Schüler des Aristarchus gewesen ; allein er hat Unrecht , daß er ihn zum Ur - - Heber verschiedener Bücher machet , weil Suidas , welcher vielleicht der einzige ist , der von diesem Dicäarch redet , ihm nicht ein einziges giebt . Dieses aiebt mir Materie zu einer Anmerkung wider den Meursius an die Hand ( E ) . Es ist eine Stelle in dem PliniuS , welche bezeuget , daß Dicaarchus von einigen Prinzen Befehl erhalten , die Höhe der Berge zu messen ( F ) . Die Erdbeschreibung war eines von seinen vornehmsten Studien a , und wir haben noch einen Tractat , den er davon gemacht hat b . Das Werk , welches er von der Republik Lacedämon aeschrieben , ist sehr hochgehalten worden c . Er hielt^es für einen
Em ? Person , die sich nicht zu erkennen geben wollen , hat mir einige Einwürfe einhändigen lassen , die ich ißt^untersuchen will . Sie betreffen die Schlußrede f , die ich wider den Dicaarch , wegen seiner Meynung über die Natur der ^>eele , vorge - tragen habe ( L ) . Dieß wird mir eine Gelegenheit seyn , ein Wort von einer Streitigkeit zu sagen , die in England viel Auf - sehenö gemacht hat ( M ) .
«■ ) strabo , Lib . IL p . 71 . welcher bemerket , daß Polybius den Dicaarch oft getadelt hat . J ) Er ist zu Augspurg , unter Besorgung des Hoschelius , im 1600 Jahre gedruckt worden . 0 Siehe die Anmerkung ( E ) . , Plutareh . Sympot Libr . IV . zuAnfange 65 ? S . ^ Er ist aus der Stadt gewesen , die itzo Meßina heißt , und ehedem Messana geheißen hat . Suidas . f ) Siehe die Anmerkung ( C ) .
CA ) Sr bat eine sehr große Anzahl Hücker gcmackt , die sehr koch gehalten rvorden . Z Man glaubet , daß sein Werk von der sik nicht allein die Beschreibung der Gewohnheiten und Manieren , die man bey der Uebung dieser Kunst beobachtet , sondern auch die Historie der theatralischen Stücke enthalten hat , die um den Preis gestritten ha - den Aus dieser Ursache hat man gemuthmaßet , daß sein Tractat uüff'iKMv kymrn , de Certaminibus Miificis , der von dem Scholiasten des Aristophanes , ad Vefpas , 519 Dl . beym Jonsius , de Scriplor . ttiftor . khilof . p . 86 . angcführct wird , nur einTheil des Tractatö , * • ? > k««k , de Mufica ist Es wird von eben diesen Scholiasten ad mibes auf dem qq Bl . beym Jonsius 8 ? S - angezogen . Man will auch , daß ein andrer * te\ <« * «v de Certaminibus Dionyüacis , von dem liasten ad Alles , 606 Bl . beym Jonsius , 88 S . angeführt , und auch ein andrer Tractat , der zum Titel gel , ab^ und von diesem Scholiasten ad Vefpas , 467 Dl . beym Jonsius ebendaselbst angesuhret wird Äeile des Tractats x« ? ) numm äymon , de Certaminibus Muli - cis Mwftn . So redet Jonsius , Eiber hic Dicaearchi ,
LZ'jL de quo diximus , omnino pars fuit eiusdem operis « , i x«s de Mufica , quo et de ipfis antiquis Muficis atque Poetis eorum - que fabulis , de faltationibus et de certaminibus «uficis cum egifle verifimile eft . Ionfius , ebendaselbst 89 Se'te . Em dergleichen Werk würde eine unvergleichliche Rüstkammer für den Urheber emes h . stori - schen Wörterbuchs seyn . Das Buch Dicaarchs , . de V itis ,
vom Diogenes LaertiuS , im Ii ! B . in ^l - tone angeführt , würde ein eben so vortheilhaftiges Register seyn . ^ch falle ein gleiches Unheil von dem Werke , welches den Titel hat : j * rnt ßU , de
Vita Graeciae , ( Athen . Lib . XIII . pag - 595 . und Libr . XIV . pag . 636 . ) worinnen er eine Beschreibung von Griechenland , und von den Gesehen und Gebräuchen der Griechen gegeben hat . Der h . Hieronymus hat dieses Buch , contra Iouianum . Lib . IL und nicht wieimMoren , Lib XI .
«Srfübret Ich zweifle nicht , daß PorphyriuS sein Absehen mcht auf
habe» sollte , wenn er den Dicäarch unter die Zahl de - rer geL ha ? welche dasjenige , was Griechenland betrifft , kurzlich und
TccM * rJXy\iy°yTr° ! mt Porphyr Lib . IV . de Abftinent . beym Voßius ,
einigen andern Werken des Dicaarchs . Man ziehe auch Dasjenige zu Rothe , was ich sagen werde . . . . . ^ , . . .
CB ) Cicero und - - Pomponms Atticus haben viel dar - aus gemacht / , Cicero hat sich keine Schwierigkeit daraus gemacht , auf das bloße Wort des Dicaarchus . eine Sache zu versichern , die ihm »u alauben sauer angekommen ist ; nämlich , daß alle die Städte des Pe - lnvonnesus , Seestädte wären . Er hat einen Gelehrten zu Rathe gezo -
und durch diese aus dem XVI Dr . des II B . an den Atticus : Nunc prorfus hoc ftatui , vt quoniam tanta controuerfia eft Dicaearcho familiari tuo , ( siehe auch den XXX Dr . des Xlll B . ) cum 'Eheo . phrafto amico meo , vt ille tuus tov * fatx7» * ov ßlmv , longe omnibus an - teponat , hic autem äiugetixov , vtrique a me 1110s geftus efle videa - tur . Puto enim me Dicaearcho alFatim fatisfecilft . Allein es ist ne Stelle , wo Cicero feine Hochachtung gegen den Dicäarch besser bli - cken läßt , als in dem II Br . des II B . an den Atticus , siehe auch de» IV Br . deS VIII B . O magnum hominem ! ruft er aus . A ! an bese - he die ganze Stelle . Man verwundert sich mit Recht , daß sie VoßiuS nicht bemerket hat . Rupertus , Epift . ad Reiner , p . 503 . Er hat eitt gleiche« Stillschweigen bey der Stelle im III B von den Gesetzen , und wegen des Buches , de interim hominum , beobachtet . In dem III B . von den Gesetzen , hat Cicero zu erkennen gegeben , daß dieser Philosoph sehr gute polirische Discurse herausgegeben hat : Theophraftus inftitu - tus ab Ariftotele abundauit , vt feitis in eo genere rerum , abeodem . queAriftotele do & us Dicaearchus huic rationi ftudioque non defuit . An einem andern Orte erzählet er eine sehr merkwürdige Sache , daß Dicäarchus , nachdem er er alle Umstände mit einander verglichen , die den Menschen ums Leben bringen , gefunden , daß durch den Krieg viel mehr umkommen , als durch alle die andern . Eft Dicaearchi über de interitu hominum , Peripatetici magni et copiofi , qui colleöis cete - ris caufi ? , eluuionis , peftilentiae , vaftitatis , belluarum etiam repen - tinae nuiltitudinis , quarum impetu docet quaedain hominum genera quanto plures deleti fint homines feditionibus , quam omni reliqua
Dicaarch zu finden , und gleichwohl den Rath gegeben , nicht daran zu Geiseln Dieser Gelehrte ist ein Grieche gewesen . Siehe den XVIIL Br de« VIIB - an den Atticus . Ich will dieWorte desCicero ansuh - ren sie sind dem Dicäarch rühmlich . Peloponnefias ciuitates omneis tnarifiims efle hominis non nequam , fed etiam tuo iudicio probati , Dicaearchi tabnlis credidi . Is multis norainibus in Trophonia Chae - ronis narratione Graecos m eo reprehendit , ( Athenäus , IM XIIIB .
auf der S führet den Dicaarch an , r« ««T ? » ( p«v ( 8
de defeenfu in antruni Trophonii , ) qi . od mare tarn fecuti sunt , nec vllum in Peloponnefo locum excipit Qinim mihi autör placeret : etenim erat rot , et vixerat in Peloponnefo : admirabar
rnen , et vix accredens communicaui <^m Dionyfio Atque is pnmo eft commotus , deinde quod tum de ifto D'caearcho non minus bene
homo eft et ciuis haud paullo melior , qua®1^1 n0 " n ^ w '
efle confumta , deinde comparat , quanto plures deleti fint homines hominum impetu , id eft bellis et feditionibus , quam 1 calamitate . Cicero , de Offieiis , Lib . II . cap . V . Alles dieses bezeuget die Hochachtung des Cicero gegen diesen Schriftsteller . Ich werde bald eine Stelle anfuhren , wo er ihn sein Vergnügen nennet .
( C ) - - - Und id ) glaube aucb , Saß frdb ihre - tung bis auf da . » XTOevt erstrecket hat , darinnen er die Unskcrb , lickreit der Seele bestritten^ Er hatte zweene Tractate über diese Materie gemacht , davon ein jeder in drey Bücher abgerheilt war . Di» caearchu , in eo fermone , quem Corinthi habitum tribus libris er - ponit do & orum hominum difputantium , primo libro multos lo - quentes facit , duobus Pherecratem quendam Phthiotam feuern , quem ait a Deucalione ortum , diflerentem inducit : nihil efle omnino ani - muin , et hoc efle nomen totum inane , fruftraque et animalia etani - mantes appeüari , neque in homine inefle animum vel animam , nec in beftia . Vimque omnem eam , qua vel agamus quid , vel fentia - mus , in omnibus corporibus viuis aequ . iliter efle fufatn , nec fepara - bilem a corpore efle , quippe quae nulia fit , nec fit quiequam , nifi corpus vnum et fimplez , ita figuratum , vt temperatione naturae vi - geat et fentiat . . . Ebendas Tufc . I . cap . X . et XVII . Acerri - me delitiae meae Dicaearchus contra hanc immortalitatein difleruit . Is enim tres libros fcripfit , qui Lesbiaci vocantur , quod Mitylenic fermo habetur , in quibus vult efficere animos eile mortales . daselbst . Cicero bezeuget in einem von seinen Briefen , daß er dieser zweyen Werke nöthig habe , und bittet den Pomponius Atticus , ihm dieselben zu verschaffen . Dicaearchi «Kw vtrosque velim las . Ebendas . XXXII Br . XIII B . an den Atticus .
Unumstößlicher Einwurf wider den Dicäarch , über die Unsterblichkeit der Seele .
Verfassung unistoßen . Wenn man einmal mit diesem Schriftsteller fest stellet , daß die Seele nicht von dem Körper unterschieden ist , und daß sie eine Kraft ist , die über alle lebendige Dinge gleich ausgetheilt ist , und nur ein einziges und einfaches Wesen mit denen Körpem machet , die man lebendige nennet : so weis man entweder nicht mehr , was man saget , oder man ist verbunden , zu behaupten , daß diese Kraft allezeit mit dem Körper ver -
hindert

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