Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6972

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Diagoras .
Aufmerksanckeit . Diagoras war so abergläubisch gewesen . als »in Mensch seyn konnte , und hatte seine Gedichte ans eine andachtige weise angefangen ; allein , so bald er gesehen , daß der meyneidige Mensch gestraft blieb , der ihm Schaden gerhan hatte , so behauptete er , daß kein Gott wäre . alayofat Si i Mh'aio ? , Situgaixßoirojii ; , u ; $xa : , to ttgä - tov yevonevot , ü ( f' / n { YJi 'itnMpmi' o { yt yj ) * ixvrö xxTtjiS - aro ra - i rfinov thtov' xxtx Suifimx ye / j Tv%ttv irä / T * rt - AutW * Si W rivot UtifxiffuvTOt rjrf ftfjiiv «vex« tb'tm So'vto« , nt5 * ? notaTo elf r» * ( y«v pi ) tivai ätoy . Diagoras autem lius , qui ftiit , vtdicunt , priraum Dithyrambicus , vt Ii quis alius fuperftitiofus , qui etiam poefim fuam inchoauit hoc modo : A Daemone et fortuna fiunt omnia . Iniuria autem affedhjs ab aliquo , qui pcieraucrat , et propterea nihil pafliis filerat , eo dedudtuseft , vt diceret non efleDeum . Sext . Empirie , aduerfus Mathematic . p . zi8 . Der Scholiast des Aristophanes versichert , daß Diagora« , welcher an - fänglich sehr gvttesfürchtig gewesen . in die Gottlosigkeit verfallen sey , weil er um eine Sache , die er zur Verwahrung gegeben , durch den Be - trug desjenigen gekommen war , dem er sie anvertrauet hatte , A<«ye ? «
i MtfAi'o ; o« TO TTgiTigov ifv äcoteßlif , WMfaxxraS^mfV vr . ä nvat < * ) tote - rfi»9f ) { tsrt TO «Si«» i & Zfuiifv . Scholiart . Arift . inNub . Aft . III . Seen . I .
Diese in Verwahrung gegebene Sache hat . nicht in Versen , sondern in Waaren und Gelde bestanden . * oc % ? hV«t« Tm »y u * q -
ik tätim frei * « . Ebendas . Man liest in eben diesem Scl ) o - liasten . daß Diagoras ein Gottesleugner geworden , weil die Athenienser sein Baterland übenvältiget hatten . Siön ^l , . o» ixoMfutK * Ärlixoi . Ebendas . Auf dieses bezieht sich , nach meinem Bedünken , dasjenige , welches eben derselbe S pjy kxaXTthuvTX xirov taaavtov aqiß & yuv . to' / Si 'ayuyovt * SCo . Jkjj - fwl öi tÜt« Six to & nßi< etürü itrfi tu iivs * i ( ix nüsi Swyitro xoi - yetroißv aCra . tbc f3na0fifv«c h awh * fo'Tf ? ov . Schol . Ariftoph . in Auib . folio 193 verfo Edit . Florent . 1525 . Craterus hat diesen Befehl in seiner Sammlung von den Raths - Müssen der Athenienser nicht vergessen . Wir haben gesehen , daß An - stophans Sch " liast diese Sammlung anführet . Er führet sie auch in sei - nen Noten über vie Comödie von den Fröschen im VII Auftritte , des I Aufzuges an . Man ziehe da« , 05 Bl . der florentinifchen Ausgabe , von 15 - 5 zu Rache . . .
( E ) Die Strenge der Athenienser erstreckte fid ? sehr roett . ] Denn außer , daß sie , wie wir gesaget haben . einen Preis auf des Dia - aoras Kopf gesellt , so haben sie auch alle Völker in Peloponnesus überre - det . dergleichen zu thun . Dieses kann man aus dem Scholiasten des Aristophanes an den . Orte folgern , den ich aus seinen Noten über die Comödie von den Fröschen angefuhret habe . Er entlehnet dieses von dem Kraterus . An einem andern Orte führet er den Menauder an , welcher in seinem Tractate von den Geheimnissen gesaget hatte , daß die Verbannung nicht allein den Diagoras , sondern auch die Pellanier be - troffen habe , ( vielleicht sollte es Pallenier heißen , und die Einwohner von Pallene verstanden werden , welches , nach dem Stephan von By - zanz , ein Flecken in Attika gewesen . ) weil sie sein Werk ans Licht ge - geben hatten . * Schol . Ariftophan . in Auib . fol . 193 verfo . Eben dieser Scholiaste er - zählet daß der der Athenienser wider den Diagoras sie bewogen , dem Vaterlande dieses Gottesleugners , ? ? ! elos , viel Nebels zu thun . v'D a ol iyavaktij'ffavti ? , ti ) v ix & xuem . Ebendas . in
Nub' Aa . III . Sc . I . fol . 78 . Die Melier haben sich , seit der Saä« des
^»iaaoras , 'einen so Übeln Namen zugez ? gen , sußeß^ro Si Mrfx ol
m - 'a« . hro A . * r°' ? a - ebendas . daß man geqlaubet : es habe Ariftophan , in Nub . Ac> . III . Sc . I . folio 78 verfo , dem Sokrates den Zunamen des Melters gegeben , damit er ihn , als einen Gottesleugner , ausschreyen können : , , Äristopbanes giebt dem Sokrates diesen Namen , weil er ein Scküler des Aristagoras gewesen , welcher von der Insel MeloS ''war , und weil alle die Melier den Ruf gehabt , Gottesleugner zu seyn , „ seit dem der Philosoph Diagoras auf den Einfall gerathen war , die . . Gottheit zu leugnen . . . Dieß ist die Frau Daeier , welche dieses auf der 349 S . ihrer Noten über die Wolken des Aristophanes saget . Sie hat es aus dem alten Scholiasten genommen , und folglich ist es nicht wider sie , sondern wider ihn , daß ich eine Anmerkung machen will . Der Rnthschluß der Athenienser , wider den gottlosen Diagoras . ist im ersten ^iahre der y« Olympias kund gemacht worden . ( Diod . Sic . Libr . XIII . cap . VI . ) also müssen die Melier , seit dieser Zeit , diesen Übeln Ruf er - lanaet haben . Nun ist damals Sokrates über 5° Jahre alt gewesen : es wären also viele Jahre , seit den Vorlesungen , verflossen , die ihm Ari - stagoras gehalten hätte ; eS wäre auch eine sehr üble Spöttercy gewe - & > , wenn man die Lästerungen so weit herholen wollen , die Diagoras reibet sein Vaterland erreget hat . Aristagoras ist damals schon im Gra - be . oder wenigstens sehr alt gewesen ; wer könntees denn begreifen , daß fich AriNovban überzeuget hatte , er wurde dem Sokrates einen qroßen KsTttmin er das Volk erinnerte , daß Aristagoras , der Melier , KKwieftn hätte ? Jchkönnte noch einen andern Ein - wurf machen Die Cc mödie von den Wolken , wo Sokrates ein Me - lier genennet wird , ist schon vor der Verbannung des DiaaoraS gesvielt worden , im ersten Jahre der 89 . Mpia« . ^»nd dann wieder im den Jahre darauf , siehe Samuel Petit Mifcell . Libr . L_cap . VI . Allein wenn man dem Scholiasten glauben darf , so sind gewisse Dinge in ser Comödie . die sich auf jüngere Geschichte beziehen . als die Verban - nung ist ; also will ich auf dieser Schwierigkeit Nicht besteben . Wie aber weder Diogenes Laertius . noch feine Ausleger nicht die geringste Kennt - niß von diesem Aristagoras , dem Melier , deö Sokrates Lehrmeister , ha - ben : so gerathe ich auf den kleinen Verdacht , daß sich das Wort Arista - gsrqs in den Scholien Aristophans , anstatt Diagoras ? , nqt schlichen hat WaS meine Mutbmaßung bekräftiget , ist , daß der Scholiast sei - nem Aristagoras zwen Merkmaale aiebt . die dem Diagoras zukommen : er machet ihn zum dithyrambischen Dichter und Schänder der Geheim - Nisse : jmthrnt A>««r®f«e t * Sve * nßor Scholiast . Ariftoph . Ebendas . Auf dem 10 ; Bl . wlrd gesaget : daß Diagoras mit dem Simonides und Pindarus zu gleicher Zeit gelebet hat . Nach dieser Voraussetzung hätte er den SokrateS gelehret haben können .
( F ) Catißn erzählet , v«ß er gestrafer worden , weil er die Ge - frrimnirfe der Athenienser offenbarer bäne . ^ Dieß sind die Worte Tatianö , in der Rede wider die Griechen , auf der 164 Seite , bey mir :
aixyigat a'3i ) wxää t5t»v il - ogxiif & iievav toc it & q' AbrJcctoi ; \m - ftigix , TtTiiJMgyxxTt' yjff toi ( Qfvyloi ; uCtS aöyoit IvTuyx & WTti $nxt ftsftur^xxre . Diagoras Athcnienfis erat , fed quod myftcria apud Athenienfes profanaffet , punitus eft : huius Phrygios libros cum legatis , nosodiftis . Ich weis nicht , ob ein guter Redner also hatte schließen wollen : ihr habet einen Menscken gesirafet , der nire Ge - heimnisi'e gemein gemacher harre ; und ob ibr gleicl , seine Äü - cker leset , so fahret ihr dock fort , uns ; u Haffen . TatianS End - zweck ist , zu zeigen , daß der Haß der Heiden gegen die Christen unge , recht sev ; und dieses zu beweisen , führet er zwo Sachen an : die eine , daß man den gottlosen Diagoras gestraft ! habe ; die andere , daß man seine Bücher lese . Mich blinkt nicht , daß er nicht viel Geschicklichkeit bewiesen , das Andenken der alten Schärft der 'Athenienser wider die , jenigen aufzuwärmen , welche über die Religion der Griechen gespottet harten , als wie die Christen derselben spotteten . Und hat dann Tatian nicht gesehen , daß es leicht war , ihm zu antworten ' ! Xfenn man euch so begegnet teure , wie man dem Diagoras begegnet ist , fö wurde man mit euren Zöückern aucl , so verfahren , als wie mit den Seinigen : ! £s werden sich Nenbegierige finden , wel , che die Schriften verwahren werden , die ibr wider unsere Got - ter aufstnet ; se^d deswegen unbesorgt , erduldet nur eine Strafe , die des Diagoras seiner gleich ist , und deren ihr uns erinnert . Man mag mir verzeihen , wen» ich manchmal die Mängel der Der - vunstschlüsse beurtheile . Es ist weit nühlicher , dieselben jungen Lesern zu zeigen , als ihnen die Untvahrheit der Geschichte zu eröffnen . 'Ich kcm - me wieder auf meinen Text .
Athenaqoras und SuidaS berichten uns eben diese Gemeinmachung der acheniensischen Geheimnisse . Hier sind die Worte des Suidas in 1« Si nvsij ( tx St0>t «irtA^»» , « ? treXKilf hrgbri» rfc
ifcrij ; . - - jic pvwitx xuai Si^ytiro , xoivothüv avrx , yjj xoiBv rj / 1 tb' { ßutouhti ; pveicSro» etnoTfiiruy . Myfteria adeo contemne - bat , vt inultos a virtute auerteret . . . myftcria narrabat omni - bus , ea cuulgans et extenuans , et illos , qui volebant initiari , aucr - tens . Sie bezeugen , daß sich dieser Gottlose daran nicht begiiüget , der ganzen Welt bekannt zu machen . worinnen diese Geheimnisse bestand den ; sondern , daß er auch diejenigen abgehalten , sich in denselben weisen zu lassen , weiche eine Lust darzu gehabt . Wir haben bereits in der Anmerkung ( D ) , wegen dieser Sache , den Scholiasten AristophanS angesuhret . Wir wollen sehen , was Athen . - igoraS saget : ai * >o' ? ?
ÜX0TU ( xSfOTUTH ittixiÄHV Äätivau , , / xi ) uc'vov TOV * Of ( p ( . * ) Ich habe unter den Heiden nur einen Schriftsteller gefunden , der diese Begebenheit erzählet : Dieß ist der Scholiast Aristophans .

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