Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6956

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Diagoras .
von getragen , wurde durch die Sieg ? ungemein merkwürdig , welche seine Söhne , und die Söhne seiner Töchter dabey ten Er hat einmal zweene von seinen Söhnen selbst dahin geführet ; sie erhielten die Krone , sie nahmen ihren Vater auf die Schultern , und trugen ihn durch eine unglaubliche Menge Zuschauer , die ihnen mit vollen Händen Blumen zuwarfen , und über seinen Ruhm und gutes Glück frohlockten K Einige Schriftsteller erzählen : er sey , bey dieser Gelegenheit , von so vieler Freude eingenommen worden , daß er darüber gestorben ( B ) : allein man hat Ursache , zu glauben , daß dieses falsch ist ( C ) „ Die Zeit , in welcher er gelebet , kann man in einem von denen Schriftstellern finden , die Moreri anführet ( D ) ; allein diese Schriftsteller sagen nicht , daß die Ursache seines Todes verschiedentlich erzahlet wird . Gleichwohl versichert dieses Moreri ( E ) .
Nach dem Drucke dieses Artikels habe ich in den Werken des Pindarus eine Ode gefunden , die dem Diagoras zu Ehren gemacht worden . Man erfährt daraus c , daß dieser Kampfer den Sieg , bey den Spielen zu Rhodus zweymal , bey den jsthnu'schen viermal , bey den nemäischen zwcymal erhalten hat ; und daß er bey den Spielen zu Athen , zuArgvö , in Arkadien , zu Theben , in Böotien , auf der Insel Aegine , zu Pellene d , und hu Megara Sieger gewesen ist . Diese Ode ist auf die Kroue des terkampfes gemacht worden , die er bey den olympischen Spielen in der 79 Olympias davon getragen hat Weder sein Va - ter Damagetus , noch Tleptolemus , der Stifter der Rhodier und der Stamm der Familie , sind darinnen vergessen worden . Man kann eher das Gegentheil sagen , daß des Pindarus Abschweifung bey den Begebenheiten des Tleptolemus ein wenig zu weitläuftig ist . Dem sey , wie ihm wolle , so erfährt man dadurch , daß unser Diagoras vom Jupiter abstammet ( F ) . Andere sagen , daß seine Herkunft unmittelbar göttlich wäre ( G ) , Diese Ode ist mit goldenen Buchstaben tu den Tempel der Miner - va geleget worden / .
« ) Man sehe oben die Anmerkung ( C ) , bey dem Artikel Berenice , Tochter , Schwester und Mutter n . s . w . b " ) Aus des nias , VI © . 184 Seite , c ) Pindar . Öd . VII . Olympior . Einsicht des Aulus Gellilts nehmen . Cicero und Plutarch geben uns noch einen andern Beweis an die Hand . Sie erzählen alle beyde das - jenige , was an dem Tage diese« herrlichen Sieges zum Diagoras gesa - gel worden . Ein Lacedämonier hat sich demselben genähert , und ihn er« mahnet , diese schöne Gelegenheit zu sterben , nicht vorbei ) zu lasse« . te man wohl nöthig gehabt , ihm diese Vorstellung zu lhun , wenn er wirklich vor Freuden gestorben wäre ? Würde er nicht dem lehrreichen Spruche des Lacedämoniers zuvorgekommen seyn , und gute Anstalt ge« macht haben , daß weder Cicero , noch Plutarch , noch ein anderer Sit - tenlehrer den Diagoras jemals auf die Art hätten anführen können , als wie sie ihn angefühw haben ? Sie haben aber ihn angeführer , nicht als einen Mann , der über den höchsten Krad seines Glückes vor Freu - den gestorben ist ; sondern als einen solchen , dem man vorgestellt , daß er wohl ckiun würde , bey einer solchen Begebenheit zu sterben . Ist die - ses nicht überzeugend genug wider den guten Aulus Gellius ? Ich wer - de bemerken , daß Cicero und Plutarch den Gedanken des Lacedämo - niers so verschiedentlich erzählen , daß Ja und Nein bey ihnen nicht weit von einander unterschieden sind . Sie sind nur wegen des Hauptzwecks einig , welcher der Beweis ist , daß der Tod denen nicht verdrüßlich seytt soll , die eines großen Glückes genießen . Stirb , Diagoras , Venn in» gehst du in den Gimmel . Secundis fuis rebus volet etiani nior'i , non enim tarn cumulus bonorum iiicitndus eile poteft , quam mole - fta deceflio . Haue fententiam fignificare videtur Laconis illa vor , qui quum Rhodius Diagoras Olympionices nobilis , vno die duos fuos filios viäores Olympiae vidiilet , accellit ad fenem , et gratula - tus , morere Diagora , inquit . Nunc enim in coelum afeenfurus es . Magna haec et niinium fortafie Graeci putant , vel tum potius puta» bant . Isque qui hoc Diagorae dixit , permagnum exiftimans patrem , quinn duobus filiis treis Olympionicas vna ex domo prodire , cun - äari illum diutius in vita fortunae obiedum inutile putabat ipfi . Cicero , Tufc . L zu Ende , 253 Bl . D . Ausgabe von 15 - 8 . Manmer - ke , daß man in den andern jünger» Ausgaben , non enim , anstatt nunc enim , gesetzt hat . Dieß ist nach dem Cicero da« Compliment , und so lauter es nach dem Plutarch . Stirb , Diagoras , denn ölt wirst nickt in den Himmel fahren . o<5 yit ? ( «« aJVanrs« i $w * s ) x * * * -
7tututo ; iw 6 to , futtixui / rm ä & vurot , «äit liaxscfiÖTOTa ; d ; Scafyx - Aij T«C tbieet & uf KXTurßiiw / Oi rä - j äyaüm j^ riJjpfV lurmßiK -
uTzoMTtüj . oid ßsÄTiov i A & xm rov aXvnma - tUvy Awyöfut int - iö'jTx fifj vitst Ti ( pat ) in / j { vut vApfixUcciv , ImSovrcc S' & euvti ; yvj yvyutfi - ini , ucirzecifiiios , Käräme & txyof>ot$m h'x £»$ tov * oavuihhi «» * •
ßi { «tj . Non enim ( vt Aefopus ait ) mors eft felicium acerbiffima , verum beatiflima : quae res bonorum virorum laetas fecuro loco depofuit , et fortuna declinauit conuerfionem . Melius ergo Lacori ille , quiOiympionicen Diagoram , quum fpeöafiet filios ille viftores Olympiae , fpeefoffet ctiam nepotes ex filiis et filiabus , falutans : Morere Diagora , inquit : non enim in coelum afeenfurus es . Plut» in Pelopida , p . 297 . A . B . Der Schluß dieses Lacedämoniers ist für mich dunkel : ich bekenne rt , ich mag den Sinn auch drehen , wie ick» will ; entweder wie Cicero , oder wie Plutarch . Ich würde ihn , nach dem Sinne dieses letztern , doch noch ein wenig besser versteben ; ich wür - de mir einbilden . man hätte auf diese Art geschlossen : Du baff den Kochsien Gipfel der «bre erreichet , nach ivelcbcm du streben konntest ; denn du darf« ? dir nicht versprechen , daß du bis in den - Himmel stagen «urst , wenn du noch langer lebest : stirb also , damit du dick ? vor keinem Verfalle fürckten darfst . Ich ermahne diejenigen , die nichts Wichtigers zu tbun haben , alle« dieses zu untersuchen . Volaterran hat eine Neuerung darinnen gemachet . Dia . goras Rhodius cum fe viftorem duosque Olympionicas filios vidif - fet , Nunc ait tibi Diagora moriendum , ne ampliusOlvmpiam afeen - das , quod fane prae gaudio accidit : Antares Plin . Gellius , Vola . terran . Libr . XV . p . 539 . Pllmus saget diese« nicht ; und Gellius sa - get es nicht auf diese Art . Die Materie kann an spitzfündigen Deob - achtungen und ! » gar an Gelehrsamkeiten ftucl ) tbar werden . Ich für meine Perlon will mich begnügen , den Poeten Terenz , in Eunuch . AÄ . III . Seen . V . v . Z . anzuführen , der eine von seinen Personen folgende« sagen laßt :
Nunc eft profecto interfici cum me perpeti polTum ,
Ne hoc gatidiuin contaminet vita aegritudine aliqua .
fD^ Die Feit , darinnen er gelebet , kann man in einen von denen Schriftstellern , die Moreri anführet , finden . ] Dieß ist nicht ganz genau , sondern nur überhaupt , und zwar so : Dorieuö , der dritte Sohn des Diagoras , ist mit seinem Bruder Pisidoru« aus Rhodus ver - jaget worden . Sie sind nach Thunum , in Italien , geflüchtet : und da - her ist e« gekommen , daß sie der Herold , als sie bey den Spielen gekrönt worden , Thurier genennet . DorieuS ist wieder nach Rhodus zurückge -
gangen ,
( A ) 8 ; S versicherter , daß Dörieu« , der Sohn des Diagora« , des Kämpfte« , zur Zeit Conons , de« Feldherrn derAthenienser , gelebet hat . Nun erstreckt sich die Regierung dieses Artys vom andern Iah - re der - 6 Olympias , bis in das dritte dcr 37 Olympias . Man sehe den Calvisius . Phraortes hat vom andern Jahre der 31 Olympias bis in das letzte der 36 regieret ; uud Conon hat ungefähr in der 96 Olympias geblühet ; es ist also wider alle Wahrscheinlichkeit , daßDorieus , dcr mit diesem Conon zu gleicher Zeit gelebet hat , der Sohn eines Mannes seyn kann , dcr sich unter nährender Regierung des Phraortes verheirathet hat . Man sehe hier unten die Anmerkungen ( D ) und ( F ) .
Man merke , daß , wenn man das Grieckiscl , e de« Pausanias ein we - nig besser untersuchet , als es sein lateinischer Ueberseber , Romulus Ama - säuS , untersuchet hat , so findet man , daß er un« bericktet , es sey Diago , raS , der Kämpfer , der Sehn eines Damagetus , dessen Vater mit Na - wen DorieuS , dcr Sol , n de« Damagetus' nnd der Tochter des Aristo - menes gewesen . Es steht t5 4«^«« in denen Ausgaben des Pausa - „ ias . im IV B . allein nach des CamerariuS Muthmaßung muß nian Augteoi ; , wie im VI B , lesen .
( B ) Einige Schriftsteller erzählen , er six bey dieser gegeben - hcir n , ir so vieler Freude eingenomincn worden , daß er darüber gestorben . ] Ich glaube , daß man dicscs unter den Alten nirgends , als im Aulus Gellius findet» und daß er in diesem Stücke für ein Ori - ginal unzähliger neuerer Schriftsteller angesehen werden muß , welche dieses Beyspiel allezeit angeführet , wenn sie von der Freude , als einer Sache geredet haben , die vermögend ist , den Tod nach sich zu ziehen . Wenn ich sage : daß Aulus Gellius ihr Original gewesen ist , so sage ich nicht , daß sie ihn alle zu Rathe gezogen haben : er ist das uiunittelbare Original einiger , und vermittelst dieß» , auch aller andern . Dieß ists , was er saget : er erzählet die Sache nicht so schlechtweg , wie Pausanias ; er Hat , ohne Zweifel , einige rednerische Ausschmückungen dazu gefüget : De Rhodio etiam Diagora celebrata hiftoria eft . Is Diagoras tres filios adoiefeentes habuit , vnum pugilem , alterum pancratiaftem , tertium luctatorem ; eosque omues vidit vincere coronarique eo - dem Olympiae die : et quum ibi euin tres adoiefeentes amplexi , coronis fuis in Caput patris pofitis , fuauiarentur , quumque populus gratulabundus flores vndique in eum iaceret : ibi in ftadio , infpe - «Scante populo , in ofculis atque in manibus filiorum animam etfla - uit . Aulus Gell . Noä . Atticar . Libr . III . Cap . XV .
( C ) N ? an hat Ursache , ? u glauben , daß dieses falscl ) , 'st . ] Die Sache ist allzuseltsam gewesen , als daß sie von denjenigen hatte au«ge - lassen werden sollen , die weirlaustig von dem Diagoras geredet haben : ich kann es nicht begreifen , wie Pausanias , der im VI B . auf der >84 S . so gelassen von ihm redet , nnd Mit so vielen Auslchweifungen , einen Tod von dieser Art , mit Stillschweigen hat übergehen können , wenn er davon , als von einer gewissen Begebenheit , hatte reden hören . Nun würde er , ohne Zweifel . auf diese Art erfahren haben , ob die Sache gewiß gewe - sen wäre . Man merke , daß er uns nicht allein den Stand der Bild - faulen erkläret , die man dem Diagoras , ftinen Söhnen Und seinen En - keln aufgerichtet har , lind viele besondere Umstände berühret , die diese Familie betreffen^ sondern daß er auch von den» ruhmreicl>en Tage re - det , an welchem sich dieser Mann , wegen der Siege seiner Sohne , mit so vielen Frvhlockungen »nd Glückwünschen beehrt gesehen . Hätte man sich wohl an diesem Orte der Anmerkung enthalten können , daß goras , unter denen ihm zugeworfenen Blumen und unter den Glück - wünschen dcr Versammlung gestorben wäre ? Wir wollen also des Pansania« Stillschweigen für einen gewissen Bewei« von der schlechten

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