Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6909

einem'vsn seinen Mitschülern geschlagen hatte : er ließ ihm die Hosen herunterziehe» , und gab ihm , nachdem ihn ein starker Bengel auf die Schultern genommen , in voller Classe auf das nachdrücklichste einen Schilling . Der Schüler ließ , um wegen dieser Beschimpfung , Rechen - schaff zu fordern , drey Edelleure von seinen Anverwandten aus der Leibwache in das Collegium kommen . Dempster ließ sich das ganze Collegimn waffnrn ; er schnitt den Pferden dieser drey Gardereiter vor dem TKore des Collegii die Zügel entzwey , und setzte sich in solchen Wehr - stand , daß diese drey Herren bcy ihm um Quartier bitten mußten . Er schenkte ihnen das Leben ; allein er ließ sie in den Glockenthurm in das Gefängniß werfen , und gab sie erstlich nach etlichen Tage« wieder heraus . Sie suchten einen andern Weg , sich zu rächen ; sie zogen Erkundigung von dem Leben und den Sitten Thomas Dempsters ein , und ließen Zeu - gen wider ihn abhören . Dieses nöthigte ihn , nach England zu gehen . Nicius Krythr . Pinacoth . I . pag . 24 .
( B ) Seine Fra» zeigte die schönste Brust , »nv die allersibon , stcn Schultern von der U ) clt , bloß . Z Wir wollen den Nicius ErythräuS anführen . Vbi ( / > ; Anglia ) non modo tutum ab infedta - toribtis fiiis perfugium , verum etiam inuliercm naftus eft , forma et vultti , adeo liberali , adeo venufto , vt nihil fupra , quam invxoris habuit lo : o . Quae mulier , cum luce quadam , Parifiis , quo rurfus Thomas cum ea fe receperat , confpefta eilet , et quia forma prae - ftabat , vt diximus , et quia habitu erat dementiflimo ; nam et pedlus et fcapulas , niue ipfa candidiores , omnium ocidis expofitas habebat ; tantus , vifendi gratia , hominuin concurfus fa & us est , vt nifi fe indo - mum cuiusdam , vna cum viro , recepiflet , nihil propius faftum ef - fet , quam vt ambo a multitudine opprimerentur . Ebendaselbst 0 . Dieß soll uns belehren , wie viel daran gelegen ist , sich den Gewohnhei - ten derer Oerter gemäß zu bezeigen , wo man sich aufhält , und vornehm - lich in Absicht auf die öffentlichen Wohlanständigkeiten .
( C ) Man hat verschiedene XVerke von seiner Arbeit . ] Seine Zusähe zu dem RosinuS de Antiq . Roman , bezeugen , daß er viel Bne - ftnheik besessen . Er hat Auslegungen über den Claudia« und CorippuS ( Erytbräus hat hier einen Fehler begangen : er setzet Crispus an - statt Corippun ) vier Bücher Briefe , etliche theatralische Stücke , und andere Arten der Gedichte . Erythr . Pinacoth . I , pag . - 6 . einige Bücher in der Rechtsgelehrsamkeit ; einen Apparatum zu der Historie von Schottland , ein Märtyrerverzeichniß von Schottland , und eine Liste der schottländischen Scribenten gemacht . Miraeus , de Script . Saec . XVI , nun , . 147 . Ich sage mit Recht eine Liste ; denn er giebt nichts , als die bloßen Namen der Leute an .
! v ) Man findet in dem Msreri verschiedene , aber nicht alle Akademien , auf rvelchen er gelehrt har . Z Morcri redet nicht von der Akademie zu Nimes , wo Dempster durchs Dispuriren den Lehrstuhl eines Professors davon getragen . Er ist es selbst , der uns dieses Para - lipom . ad cap . III . Libr . V . Antiquit . Romanar . Rofini , pag . m . 87 - . berichtet : Quem Qlocum Vtrgilii ) vt nodum mihi infoluDilem obie - cit quidam , dum profeflionem in Regia Neinaufenfium Academia , difputationi commifläm , magno licet concurfu , obtinui , reieflisque aliis , folus , auod inter plures diuidere volebant quidam ardeliones , fummo cum honore confequebar , fenatu fauentiflimo , vnico Barne - rio in tot egregiis viris , et omni litterarum genere eminentibus , contradicente , maximo confcnfu Confulum , Ciuiumque aliorum , ex - ceptis quibusdam , quos fi mererentur nominarem , nunc quia in . digni funt tanto honore , cum fuo liuore , imo et malignitate callida intermori patiar potius , quam nominibus corapellatos viuere meo beneh'cio velim . Die Stelle , die man ihm als einen unauflößlichen Knoten vorgetragen , ist diese :
Non cgo te , menfis et Diis accepta fecundis
Tranfierim , Rhodia , et tumidis , bumafte , racemis .
Virgil . ' Georgic . Libr . II , Verf . 101 .
E6 ist sehr wahrscheinlich , daß er zu dieser Zeit für einen Hugonotten ge - halten worden : denn die Akademie zu Nimcs ist nur für die Neformir , ten bestimmt gewesen . ( Hankius de Scriptor . Rom . Libr . II . pag . 174 . saget , daß Dempster seine Güter verlohren habe , weil er die reformirte Religion der römischen vorgezogen : allein er hat die Worte de« Nicius ErythräuS verkehrt genommen )
( E ) Er ist ein Mann von einem erstaunlichen Gedächtnisse ge - v ? eftn . ] Er hat gesaget , daß er nicht wisse , was vergessen hieße . Mentis acumine fatis valuit , fed memoriae tenacitate longe plurimum , adeo vt multoties diccret , ignorare fe , quid fit obliuio . Miraeus , de Script . Saec . XVI , pag . 147 . Es wird mir sauer , zu glauben , daß cr hier nicht ein wenig groß sprechen sollte . Man giebt vor , daß er sich der allerver - borgensten Stellen des AlterthumS erinnert habe . Nihil adeo abdi - tum in antiquitatis monumentis , cuius non meminilTet , ita vt Fran . tifcus Cupius , vir in litteris omni coinparatione maior , Dempßerum niagnam Bibliothecam loquentem compellarc confueuerit . Ebendas . Wenn diesem so ist , so hat er das Lob einer redenden großen Bibliothek verdienet , welches ihm gewisse Schriftsteller geben . Wie er ungemein
Dionysius . 29z
arbeitsam gewesen ; denn er hat jeden Tag 14 Stunden hinter einander Bücher gelesen : so muß er nothwendiger weise «ländlich viel Dinge gewußt habe» . Erat hie , vti refert Matthaeus Peregrinus , indefefiiis in le - gendo , ita vt quatuordeeim diei horas in librorum Icclione conti - nuare foleret . Ebendaselbst . Wenn ihm dieses erlaubt hatte , mit einer großen Zierlichkeit nnd mit allen Schönheiten einer auserlesenen Beur - theilungskraft zu schreiben , so wäre dieses ein noch größeres Wunder ge - wesen , als fein Gcdächrniß . Allem es war seine Sache nicht , bedächtig und zierlich zu schreiben . Stylus ei - copiofus , confragofus tarnen . Ebendaselbst . Ich erinnere mich einer Stelle Balzacs , die ich bey kei - ner bessern Gelegen heil anzubringen weis . Xvcnn unsere - Hofleute , get er , unsern jungen Doctor nicht erdulden können , der de» - Huldgottinncn geopfert hat : mir rvas für einer Art würden sie denn dem wilden - Heinsius begegnen , wenn ihm die L . ust anka , me , seinen Eintritt in den Staarszinnnern w halten ^ Mit was für spöttischem Gcschre / e würden sie nicht den häßlichen Crastöt und den unabwaschlicli besudelten Dempster ver , agt haben» U ? er würde den Friedrich Morel , anö ( EIhoöoc Marcile , diese Zween berühmten - Hostende , vor den Lasterskichen bewahret haben ; welche Frenrdlinge in der XX>elt waren , und eine che geredet , die weder menschlich noch deutlich , viel weniqer gemein und verständlich gewesen . Diese JLeutc sind rauh und wilde gewesen , und nichts delkoweniger haben sie ihren U ? erth so gm , als die ungeschliffenenDiamamen . Balzac , Lettre III . icha - pelain , Livr . IV , pag . m . 209 .
( F ) Lr hat , ich weis nicht wie viel Fabeln , ohne Scham« rothe , herausgegeben . Z Schottland eine Ehre zumachen , hat er nicht allein Schriftsteller angegeben , welche entweder Engländer oder der sind , sondern auch Bücher , die niemals da gewesen . Dempftemg in fuum Scriptorum Scotiae Catalogum pro libidine fua Anglos , Wallos , et Hibernos paflim retulit , et aa ail'ertiones fuas firman - das finxit faepiflinie Authores , opera , locos ettempora . Iac . Waraeus , de Scriptor . Hiberniae , pag . 119 . apud Pope Blount , Cenfura Autho - rum , pag . 643 . Folgendes hat der gelehrte Usserius vom Dempster gesaget . Lommenti genus eft , illi homini non minus familiäre , quam librorum , qui nunquain feripti funt ex ipfius otiofo depromta cere . bro recenfio . Iacob . V Aerius , de Ecclef . Britann . Primord . pag . 46z . bey ebendemselben . Wir wollen noch die Worte eines dritten Zeugen sehen . Quod vero Dempfterus Hiftoria Scot . lib . 6 . num . 536 . affir . mat , Faftidium noftrum Scotorum Chronicon fcripfiiTe , id homini nugiuendulo , et in genti» fuae rebus pene femper ineptienti , condo - nandum eft . Guil . Caue , ad ann . Chrift . 420 . bey ebendemselben Man sage nicht , daß nur die Schriftsteller jensett des Meers so nachtheilig von ihm urthcilcn ; denn ihr Unheil ist von den Katholiken anderer Nationen selbst gebilliger worden . Ich will nur den Baillet , einen französische» Priester , anfuhren . Thomas Dempster , saget er , Jugem . desSavans , Tom . II . pag . >88 . hat uns eine Rirchenhistorie i^on Schottland in neun ; chn Düchern gegeben , rvo cr viel von gelehrten Hatten dieser Gegend redet . Allein , ob er glcicb sonst geschickt gervestn , so hat er doch hierinnen weder einen richtigen Sinn , noch ein gründliches Unheil , noch ein besser Gewissen , gehabt . Er hatte gewollt , daß alle Scribenten Schottland« : seyn mochten ; er hat Titel von Büchern ersonnen , die niemals in der Welt gewesen sind , um bloß den Ruhm seines Vaterlandes ; u erheben , uni» er hat noch viel andere Berrügereyen besangen , die ihn unter den Gelehrten verschrieen haben . Dieß sind bey nahe die Rla - gen , welclie Usserius , de Britann . EccI . Primord . cap . XIII . p . 46z . ZVaraus Reriim ttibernic . Der P . ^ . abbe , Bibl . Biblioth . pag . u< ) , Gandius , Animadu . in Vofl - . pag . . 7 ; . Nicolas Antonio , Bibl . Hifp . in der Vorrede , 34 S - n . a m . über ihn führen . Der P . Lobbe beobachtet an dem vom Baillet angeführten Orte , daß er das Iudicium de omnibus omnium gentium et temporum Hiftoricis niemals gese« hen , welche« man dem Dempster zlieignet . Ich glaube , daß man den Titel falsch anführet , und daß man nur von dem Urtheile habe reden wollen , welches Dempster von einer großen Anzahl Schriftsteller gefället hat , und dieses nur mit sebr wenigen Worten vor seinem Rosimis .
( G ) Einige von seinen Düciiern sind von dem Reyergerichte ; u Rom verOammt worden . ^ Man findet in dem Schlüsse vom 16 Marz 1621 . Thomae Dempfteri de Antiquitate Romanorum , do - nec corrigatur : und in dem Schlüsse vom 17 des ChristMonatS 16 - 3 . Scotia llluftnor , feu Mendicabula repreflk modefta pareebafi Thomae Dempfteri . Pope Blount Cenfura Author . pae . 645 versichert daß man in diesem letzten Schlüsse finde . Liber inferiptus H ] bern' , ae fiue antiqmoris Scotiae vindiciaeaduerfus immodeftam pareebafim Tbomae Dempßcn . Dieses findet sich nicht in meiner Alisqal'e . die im >667 Jahre zu Gens , nach der römischen von eben dem Jahre , nachgedruckt worden . Man sieht in der Bibl . Bibliothecarum des P . Labbe auf der > ? 8 S . roua - Nische Ausgabe 167» , wo die Stelle nidjt an ihrem Orte steht , daß der Urbe - ber des Buches , welches den Titel hat , Hibermae fiue Antiquiori» Scotiae Vindiciae , G . F . Federieus Hibernuö heißt , und daß sein Buch zu Antwerpen 162 , in 8 gedruckt worden .
Dionysius , Tyrann von Heraklea , einer Stadt in Pontus , machte sich den Verfall der Perser zu Nutze , nachdem sie die Schlacht bey Granikus wider den Alexander verlohren hatten . Er hatte sich nicht erkühnt , sich größer zu machen , so ( aiKtc er sie zu fürchten hatte ; er fürchtete sie nicht mehr , da er sie in einen Krieg venvickelt fajj , darinnen sich das Glücke für die Macedonier erkläret hatte : alleil , cr sah seine Hoffiiiing bald vernichtet , die er auf die Schwächung der persischen Monarchie gegründet hatte . Er hatte mehr Ursache , sich vor dem Ueberwinder zu fürchten , als er sich vor dem persischen Hofe zu sürchten acbabt hatte . Diejenigen , die vonHeraklca verbannt worden waren , tiahnien zu dem Schutze Alcranderö Zuflucht , und fanden ihn so aenetat gegen sich , daß es wenig fehlte , so hätte er ihnen zu Liebe , den Dionysius vom Throne gestoßen . Die Sache wäre unfcblbar erfolgt , wenn Dionysius den Streich nicht durch tausend Staatsränke abgewendet hätte ( A ) , unter welche man seine «einige Bemühung zu rechnen hat , sich der Cleopatra Gewogenheit zu erwerben . Er wurde durch die erhaltene «Nachricht von Alexanders Tode voll der Unruhe befteyet . Diese Zeitung hatte lhn vor allzugroßsr Freude fast verrückt ge - macht ( B ) Perdickas hatte nach Alexanders Tode nicht weniger ^ute Nel^ung gegen die Verbannten von Heraklea ; so daß
Dionnsius von neuem gezwungen war , seine Zuflucht zu tausend Kunstgriffen zunehmen , um den gedrohten Sturm zu be . frhmnmi Allein diese Verwirrung war nur von kurzer Dauer , lveil Perdickas bald getodttt wurde . Seit dieser Zeit gien - die Sachen des Dionysius vom Tage zu Tage besser , wozu ftme Vermahlung mir der Amasino viel diente ( C ) . ästige Leben , das er führte , machte lhn so fett , daß er fast bestandig schllef ; und seine Schlafsucht war so tief , day «»8 . . . . . . '■< dau man ibm lanae Tadeln in den Leib Bechen miiLt«' : f , mm f^nnte man hur
gen
wollüstige
dcr Mittel war . —
Mittel diesen Zweck erreichen^
Das kein an -
ibn aufzuwecken , als daß mal , ihm lange Nadeln in den Leib stechen mußte : kaum konnte man durch dieses Deck erreichen . Er starb im fünf und fünfzigsten ^ahre seines Alters , davon er dreyßig regiert hat . Seine
Oo 3
Unfern
\

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.