Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6886

Demokritus .
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hat , * i ? Zy . ( ( P ) Er ist nichts weniger , al» cm Xed ? tglaitbigec , in Be , tradnwng der göttlichen Narur , gewesen . ) Wenn er allein geleh - ret hatte , daß Gott ein Geist , der seinen Platz in einer Sphäre von Feuer hätte , und die Seele der Welt wäre ( * ) , fo wäre er mal erträglicher , als er ist ; allein ich finde viel andre weit gefährlichere Lehren , die ihm in den Büchern des Cicero zugeeignet werden . Quid ? Democritus qui tum imagines , earumque circuitus in Deorum nu - mero refert , cum illam naturam , quae imagines fundat ac mittat , tum feientiam intcHigentiamque noftram , nonne in maximo errore verfatur ? cumqueidem omnino , quia nihil femper fuo ftatu maneat , neget efle quiequam fempiternum , nonne Deum ita tollit onwino , vt nullam opinionem eins reliquam faciat ? Cicero , de Nat . Deor . Lib . I . cap . XII . et XXXVIII . Dieß sind die Lehren , dieVellejus , eine von den unterredenden Personen des Cicero , dem Demokritus beymißt : sie sind so beschassen , daß man versichern kann , es befinde sich ein jeder , der sie annimmt , in dem Falle desjenigen , welcher saget :
O Jupiter ! von dir ist mir sonst nichts bekannt ,
Als daß man ehemals dich Jupiter genannt .
Siehe Amiots Plutarch im Tractate von der Liebe XII Cap . Denn die Natur , , welche Demokritus Gott genennt , hat weder die Einheit , noch die Ewigkeit , noch die Unveränderlichkeit , noch die Eigenschaften , wel - che der göttlichen Natur wesentlich sind . Er hat den Namen Gottes bey den Bildern so wohl , als bey den Begriffen der Gegenstände , und den Wirkungen unsers Verstandes , verschwendet , vermittelst welcher wir die Gegenstände erkennen . Ich getraue mir wohl , zu sagen , daß dieser Irr - thum , so grob er auch seyn mag , niemals der Jrrthum eines kleinen Geistes ist , und daß nur erhabene Geister vermögend sind , denselben auszubrüten . Ich weis nicht , ob jemand jemals beobachtet hat , daß die Meynung etiles der erhabensten Geister dieser Zeit , daß wir alle ge in dem unendlichen N ? esen , in Gott sehen , bloß eine EntWickelung und Wiederherstellung von der Lehre des Demokritus ist . Man gebe ans die Lehre des Demokritus wohl Achtung , daß die Bilder der Gegen , stände , diese Bilder , sage ich , die sich in die Runde ausbreiten , oder »ich auf alle Seiten drehen , um sich unsern Sinnen vorzustellen , Ausflusse von Gott , und selbst Gott sind ; und daß der wirkliche Begriff unserer Seele ein Gott ist . Ist es denn von dieser Meynung wohl weit ent - fernt , wenn man saget , daß unsere Begriff - in Gott sind . wie der P . Malebransche rhut , und daß sie keine Folgen eine« erschaffenen Geistes seyn können ? Folget hieraus nicht , daß unsere Begriffe Gott selbst sind ? Allein unsere Begriffe und unsere Wissenschaft , können leichtlich für ei . nerley Sache gehalten werden . * * Cicero mag eine von leinen Perso - nen sagen lassen , so lange als es ihm beliebet , daß diese Gedanken des Demokritus , eines Abderitaners d . i . eines Thoren und Narren , würdig sind ; ( Democritus . . . tum cenfet imagines diuinitate praedi - tas inefle vniuerfitati rerutn : tumprineipia mentesque quae funt in eodem vniuerfo Deos efle dicit : tum animantes imagines , quae vel prodefle nobis folent vel nocere : tum ingentes quasdam imagines , tantasque vt vniuerfum mundum compleÄantur extrinfecus . Quae quidem omnia funt patria Democriti quam Democrito digniora . Cicero de Natura Deorum , Libr . I . cap . XXXVIII . ) so bin ich ge - wiß , daß sie kein kleiner Geist jemals bilden werde . Dieselben zu biU den , muß man den ganzen Umsang der Macht kennen , die einer Natur zukömmt , welche vermögend ist , die Bilder der Gegenstände in> unserer Seele zu malen . Die Species intentionales der Scholastiker , sind der Peripatetiker Säende : man muß . ich weis nicht was seyn , wenn man sich soll einbilden können , daß ein Baum sein Bild in allen TheiK» der Luft , in der Runde Heruni bis in das Gehirne einer unendlichen Menge von Zuschauern hervor bringt . Die Ursache , welche alle dieje Bilder hervorbringt , ist ganz etwas anders , als der Baum . Mansuche i»e - selbe , wo man will : wenn man sie außer dem unendlichen Wejen fin - det , so ist es ein Zeichen , daß man tiefe Materie nicht versteht . Ich leugne nicht , daß diese Lehren des Demokritus , im Grunde nicht höchst abgeschmackt sind . Der heil . Augnstin hat sie gründlich widerleget , und uns einen Unterschied zwischen dem Demokritus und Epikur gezeiget , davon wenige Schriftsteller reden . Er beobachtet , daß sich nach dem De , mokritus in den Staubchen , entweder eine belebte und geistige Kraft siiidet , welche die Bilder der Gegenstände der göttlichen Natur theil - hastig machet ; oder zum wenigsten eine Seele , die vermögend ist , uns Gutes oder Böses zu thun . Allein Epikur hat in seinen ersten gen weiter nichts , als die Natur der Atomen oder Korperchen erkannt . Democritus boc diftare in naturalibus quaeftionibus ab Epicuro dicitur , quod ifte fentit , inefle concurfioni atomorum vim quandain animalem et fpiritalem : qua vi eutn , credo , et imagines ipfas nitate praeditas dicere , non omnes omnium rerum , fed deorum , et prineipia mentis efle in vniuerfis , quibns diuinitatem tribuit ; et animantes imagines , quae vel prodefle nobis foleant , vel nocere : Epicnnis vero neque aliquid in prineipiis rerum ponit , praeter ato - mos . Auguftin . Epift . LVI . p . m . 273 . Ich weis nicht , ob der H . Au - austin den Text des Cicero wohl verstanden hat , den er umschreibt . Er wäre zu entschuldigen , wenn er ihn nicht verstanden hätte ; denn Cicero hat sich nickt deutlich genug ausgedrückt . Dem sey wie ihm wolle , so ist hier ein Stuck von der Auslegung des h . Augustins : Quanto lius ne audiflem quidem nomen Democriti , quam cum dolore cogi - tare'in , nefcio quem , fuis temporibus mann um putatum , qui deos efle arbitraretur imagines , quae de folidis corporibus fluerent , foli - daeque ipfae non eflent , easque hac atque hac motu proprio circum - eundo atque illabendo in animas hominum facere , vt vis diuina co - eitetur * cum profecto illud corpus , vnde imago flueret , quanto fo - lidius e'ft tanto praeftantius quoque efle iudicetur ? Ideoque fluftua - uit ficut ifti dicunt , r . utauhque fententia , vt aliquando naturam quandain , de qua fluerent imagines , devm efle diceret ; qui tarnen cogitari non poflet ; nifi per «s imagines , qua . fundit ac emittit , id eft , quae deilla natura , quam , nefcio quam corpoream et fcmpi - ternarn , ac etiam per hoc diuinam , putat ; qua . , vapons firmlitudi - cu , ^ . ferrentur , et venirent atque mtrarent
£252 " «SiTTÄSÄ Deos glÄ^Ä ( %itk' daß Demokritus de» Atomen eine Empfindung zuzueignen scheint .
II Sand .
( * ) N«y yat «vt * t»v J^ugt^treq * 3 ) airot * Ai»» »v nvf ) , yjj auro» tivo« ri } v rS xoana ^vxfv . Cyrillus
contra Iulianum , Libr . I . Dieß ist aus dem Plutarch , de Plac . Phi - lofoph . Libr . I . cap . VII . pag . 881 . D . gezogen , wo er saget , v5» tov ©eov iftTüfOEiäi , niv tS xo'ff ( xa Democritus mentem
Deum in igne globofo , mundi animam .
* * Ich weis nicht , warum HerrBäyle diesen Fehl er des kritus , eben einen Fehler nennet , den nur große Geister begehen könnten . Ein solches Lob giebt beynahe zu verstehen , als ob der Verfasser diesen Fehler für eine Wahrheit ausgeben wollte : und ich stehe nicht dafür , daß nicht vielen , die Herrn BävlenS Urtheile hoch schätzen , die Lust ankommen sollte , auch für große Geister von ihm gehalten zu werden . Der Beweis , den man davon angiebr , ist auch eben nicht der beste : denn darum , weil Malebransche eben dergleichen schwärmerische Meynung von dem Ursprünge der Be - griffe gehabt , wird des Demokritus Einfall nichts besser . Um aber von der Meynung Demokrits recht zu urtheilen , muß man sich von dem Worte 5» ? , oder Deus , bey den Griechen lind Lalei - nern einen rechten Begriff machen . Es hieß bey ihnen unstreitig ganz was anders , als bey uns . Ein jedes Ding , was bey ihnen etwas vortreffliches , großes und unbegreifliches in sich hatte , hieß diuinum quid , oder 2 - - - " n , oder etwas göttliches : wie man mit unzähligen Stellen der Alten erweisen könnte . Daher kam es auch , daß man wahrhaftige Menschen bey lebendigem Leibe Götter nen - nen konnte , ohne sich im geringsten daran zii stoßen . Wenn nun Demokritus auch die Ideen etwas göttliches nennet , so will er nicht sagen , daß sie Theile oder Wirkungen desjenigen unendlichen , ewigen und nothweudigen Wesens wäre» , welches den Grund aller Dinge in sich hält ; sondern er will nur sagen , daß die Begriffe etwas vortreffliches und unbegreifliches wären . Es folget auch her - nach in dem Urtheile des Herrn Bäyle keineswegs , weil die cies intentionales der Scholastiker etwas umgereimtes waren , ( die sie doch vielleicht von einem Schüler Demokrits , dem Lucre - tius de natura rerum , gelernet haben , der auch solche ausfließende dünne Bilderchen aus allen Körpern gelehret , ) so wäre es auf keine andre Art möglich , den Ursprung der Ideen zu erklären , als nach MalebranschenS Manier . Denn zu geschweige» , daß ein Baum , damit ich mich seines Beyspiels bediene , rings um sich her die Lichrstralen werfen . und z . E . in hundert finster» Kammer» sein Bild auf hundert Papiere malen kann ; daraus dann erhellet , daß er es auch in hundert , ja tausend klugen werfen könne : so ist es ja bekannt , daß auch Leibuik noch eine andre Meynung von» Ursprünge der Ideen erfunden , die Hn . Baylen nicht unbekannt seyn können . Er hat derselben anderwärts in diesem Wörterbuch ? gedacht ; und sie kömmt darauf an . daß sich die geistigen Wesen , dergleichen »nsre Seele ist , ihre Begriffe selbst bilden und her , vorbringen , ohne dieselben von außen zu erwarten . Siehe davon Io . Henr . Kreufchneri Diflertat . de Origine idearum in mente humana . Regiomonti , 1716 , in 4 . Was ist es also nothig , mit dem Malebransche , ein philosophischer Quäcker zu werden , und ent - weder die Welt zu vergöttern , oder die Seelen in Gottes Wesen zu versenken ? Siehe was ich im I B . dieses Wörterb . im Artik . Averroes , auf der 392 S . gesagt habe . G .
( QJ iL« hat wenig gefehlet , daß plato nicht alle Bücher de« Demokrim« verbrannt . ) Er hat sie fleißig gelainmlet , und eben ins Feuer werfen wollen , als ihm zweene pythagorische Philosophen vor« , stellt , daß dieses zu nichts dienen würde , weil sich bereits viele Personen damit versehen hätten . Der Haß des Plaro gegen den Demokritus ist daraus zu ersehen gewesen , daß er denselben niemals , auch so qar in den Stellen angeführet hat , wo er ihm widersprochen , da er doch fast aller alten Philosophen gedacht hat . Diogenes Lamms , welcher dieses saget , sehet darzu , daß dieses ein wohlausgesonnener Staatsstreich aewesen . wodurch man verhindert , daß man es nicht wahrgenommen , daß Plato dem al - lervortrefflichsten der Philosophen widersprochen . Der Historienschrei , ber hätte vermuthlich den Zweck besser getroffen , wenn er sich des Ge - dankens bedienet Härte , welchen Salo , bey Verfertigung eines ges von der Historie der Kirehenversammlunq zu Trident , durch den Cardinal Palavicini , gebraut hat . Man findet Ursache , , u wider , sprechen , sager er in dem Tagebuche der Gelehrten , vom 2z Mär , . 66 ; - daß dieser Cardinal bezeuget , - » sey seine vornehmste Absicht alle die Fehler ; u zeigen , die sich m dem Fra - paclo befinden , und daß er diesen Schriftsteller fast in allen Capireln seines Suche« nennet . Man saget , e» sey Baronin« dabey viel listi , ger verfahren . Denn ob er gleich seine Jahrbücher zur Äe , streitung der Rettereyen und Unwahrheiten der Cenmriatoren von Magdeburg , unternommen : so h»t er sich nici't« destowe - Niger wohl gehütet , denselben ossenbarlich in fernem XWie ? u widersprechen ; sondern er hat feine Historie pur und schlecht weg gemacht , ohne daß er sie ander« , al« unter dem allgemeinen X7amen der Retter und Neulinge , genenner baire . Die Ursache , die ihn ; u einem solchen Verfahren verbunden , ist , daß er es für beß'er gehalten , so wenig davon reden , als möglich ; aus Furcht die Nenbegierde der üßMt ju rcixen , und sie begierig ju machen , ein Buch 5» sehen , dcfl'en Lesimg allezeit gefahrlich ist : da man hingegen nach derArr , deren fiel ? der Cardinal Pa , lavicini bedienet hat , sein 35ucb weder lesen noch begreifen kann , wenn man nicht de« Fra - Paolo feine« liest . ifi Gefahr dabey , daß man diese - Hiliorie , welche sehr wobt ac , schrieben ist . diest« Cardin» ! « seiner vorzieht , welche nvar wahr hastiger seyn kann , aber nicht so wahr , cheinlich iji . Das Unac , mach , welches Baromus venn - . den wollen , ist , „ ach meinem Bedünken , ebendasselbe , vor welchem sich Plato zu Hute» gesucht . Hierinnen be - steht der gan^'Kunstgriff . ^Diogenes Laerrius hat die Ränke bey dem Kriege der Schriftsteller nicht wohl gekannt , weil er die £«»d nicht an diesen gelegt , da er von der Ausführung des Plato redet . ' Man hat sagen wollendes habe Aristoteles dasjenige wirklich gethan , was Plato Willens gewesen , und , damit erder einzige Philosoph sem , möchte , dessen Kenntniß aus die Nachkommen rcichen'sollte , und sich der Schätze de - rer , die vor ihm philosophirt hatten , ungestraft anmaßen könnte , so hätte er alle ihre Schriften verbrannt . Ein Professor zu Pavia hält diese - So -

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