Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Demokritus .
( * * ) Die von ihm verworfenen Werke sind diejenigen , welche der all - gemeine Beyfall verworfen hatte , hiv Uk^rgm , omnino
aliena confenfu omnium sunt .
Petronius bezeuget , daß Demokritus sein Leben mit Versuchen über die Vegetabilien und Aliineralien zugebracht hat : 0mnium Kerbsrum fuccos Democritus exprellit : et ne Iapiduin virgultorumque vis la - teret , aetatem inter cxperimenta confuijifit . Man saget , daß er , da er voraus gesehen , daß kein gutes Olivenjahr werden würde , viel Oel um einen geringen Preis aufgekaufet , und damit einen unsäglichen Gewinst qemachet habe , den er aber nicht zu seinem Nutzen anwenden wollen : Er hat sich begnügt , zu zeigen , daß es nur auf ihn ankäme , wenn er reich sevn wollte . Man verwunderte sich , daß ein Mensch , der sich dem An - sehen nach , weiter um nichts , als seine Studien , bekümmert , sich auf einmal in die Handlung gemischt hatte . Darf man wohl zweifeln , daß ihn viele für einen Hexemeister werden gehalten haben , da sie die Ursache davon erfahren haben ? Andre haben ihn göttlicher Ehrenbezeugungen würdig geschätzet , sil ie r / uutiSv t / v« tuv nfX^ . 0VTm , A01 -
srov ivüiu i' & i rok Diogen . Laert . Libr . IX .
num . 39 . Vbi vero futura quaedani praedixerat , fequensque reriim euentus fidcm fecerat , dininis iam honoribus dignus a plerisque iu - dicatus eft . Dieß ist hier die Stelle , welche den Oelhandel , und das übrige beweiset : Eernnt Democritum , q>u primu , intcllexit , often - ditque cum terris coeli lbcietatem , fpernentibus hanc curam eius opulentiflfimis ciiiium , praeuifa olei caritate ex futuro Vergiliarum ortu , qua diximus rationc , oftendemusque iam plcnius , magna tum vilitate propter fpem oliiiac , coemifle in toto trachi orane oleum ( * ) , mirantibus qui paupertatem et quietem dodhinarum ei fciebant in primis cordi esse . Atque vt apparuit causa , et intens diuitiarum curfus , reftituifl'e mercedem anxiae et auidae domino - mm uoenitentiae , contentum ita probafle , opes fibi in facili , cum vellet , fore . Plinius , Lib . XVIII . cap . XXVIII .
( * ) Cicero , Lib . I . de Diuinatione , cap . III . Aristoteles , Lib . I . Po - litic . cap . VII . Diogenes LaertiuS , in Thalete , eignen dieses dem Tha - leszu ; allein mit diesem Unterschiede , daß Thales , nach dem Cicero , das zukünftige Oel , und nach dem Aristoteles und Diogenes Laertius das gepreßte gekauft hat . Siehe den P . Harduin über dich Stelle des Plinius , und den Menage über den Laertius , IB . N . 26 .
Ein andermal hat er seinen Bruder gebethen , seine Schnftter bloß zur Wegschajftmg des bereits abgeschnittenen Getreides , in die Scheunen zu gebrauchen . Er hatte ein heftiges Ungewitter voraus gesehen , welches auch bald darauf entstund . Tradunt eumdem Democritum metente fratre eius Damafo ardentitlimo aeftu orafl'e , vt reliquae fegeti par - ceret , raperetque defe & a fub teftum , paucis mox horis faeuo imbre vaticinatione approbata . Plinius XVlII Buche XXXV Cap . ^ch habe sagen hören , daß ein Edelmann in der Normandie , der vermittelst des Wetterglases einen baldigen Regen zuvor gesehen , sein Heu in ivah - render schonen Witterung trocknen lassen . Dieß hat die Landleute in derselben Gegend veranlasset , zu sagen , er hatte ein Verstandniß mit dem Teufel , weil er zu seinem Vortheile die Veränderung des Wetters so ge - schickt zuvor sagen könnte . War man zur Zeil des Demokritus wetti -
r verwegen , von seinem Nächsten übel zu urtheilen ? Waren die Ge - nimmst ! der Natur damals nicht unter den Händen noch weniger eute , als gegenwärtig ? Demokritus war also dem Verdachte der schwarzen Kunst weit mehr ausgesetzet , als er demselben zu itziger Zeit ausgesehet seyn würde .
Bey dieser Gelegenheit will ich mein Bedenken sagen , daß Salma , sius den Solin , die Anfälle des Demokritus wider die Magos betref - fend , sehr übel widerleget . Solin qiebt vor , es habe sich dieser Philo , soph des Steines Catochites wider dieselben nützlich bedienet . Accipi - nius Democritum Abderiten oftentatione fcrupuli huius frequen - ter vfum ad probandam occultam naturae potentiam in certamini - bus quae contra magos liabuit . Solin . cap . III . zu Ende . Salniasius sehet dem Solin , in Exercit . Plin . 98 . 99 S . verschiedene Stellen des Plinius entgegen , welche , wie wir in dieser Anmerkung gesehen haben , beugen , daß Demokritus den Schwarzkünstlern sehr ergeben gewesen . Allein wer hat demSalmasius gesaget , daß der Nacheifer unter der - gleichen Leuten nicht statt hat ? Ist es nicht sehr wahrjcheinlich . daß sie eilender heraus fordern , wer es besser kann ? Wird dieses nicht durch unsre Teufelsgeschichtschreiber bekräftiget ? Sagen sie uns nicht , daß es Hexenmeister giebt , die dasjenige vernichten können , was andre machen ? Es ist handgreiflich , daß Jannes und Jambres , > Timoth . III , 8 . den Moses , dem sie sich widersetzten , für einen Zauberer «ehalten haben . Also kann auch Demokritus eine lange Zeit ein demüthiqer Anbänger der Schwarzkünstler gewesen seyn ; und dann , da er geglaubet , eben so viel , oder noch mehr , als die andern , davon zu verstehen , sich denjenigen , die ihm aufgestoßen sind , widersetzet haben , um seinen Ruhm über den ihrigen zu erheben .
Ich glaube nicht , daß er so thöricht gewesen , sich selbst die Auaen aussustechen . ) Verschiedene Schriftsteller erzählen diese 5borl , eit Die gemeinste Ursache , die man anglebt , warum er solches aetban , ist , daß er gehostet , viel gründlicher nachzudenken , wenn die Ge , genständ ! des Gesichts den verständlichen . «rasten der Seele kerne Hm - draina mehr machen konnten . Cicero de Hnib . Lib . V . cap . XXIX . bejahet und verneinet die Sache nicht ; allein wenn er die Sache beja - het hätte , so hätte er auch diese Ursache derselben erkannt Dernocri . tum Philofophum in monumentis hiftoriae Graecae scriptum eft . . - luminibus oculorum Ina fpontefe priuafie , qui cxiftimaret cogitationes commcntationcsque anirai lvii in contemplandis rae rationibus vegetiores et exadHores fore , fi eas vzdendi illecebris , et oculorum impedimentis liberaflet . Aulus Gellnis , Libr . X . cap . XVII . War es ihm denn nicht genug , sich in einem dunkeln Orte zu verschließen , oder bey den Stunden seines Nachsinnens , die Augen mcht «uftumachen ? Laberius hat in einem theatralischen Stucke gedichtet , t« habe sich dieser Philosoph darum geblendet , damit ihm der Wohlstand der Boshaften nicht mebr in die Augen fallen sollen : Laberius , sage ich , hat dieses ohne einigen andern Grund gedichtet , als weil ihm diese Voraussetzung bequem gewesen , die Person zu behaupten , die er unter Händen gehabt . Er hat auch gesaget , wie sich Demokritus ge - blendet hat , indem er sich gegen das Lickt gestellet , das von einem Schil - de zurück prallte . Aulus Genius , Lib . X . cap . XVII . Caulam volun . tariae caecitatis finxit aliam ( Laberius ) , ( in wimo , quem fcripfitRe .
ftionem , ebendaselbst , ) vertitque in eain rem quam tum agebat , non inconcinniter . Eft enim perfona , quae haec apud Laberium dicir , diuitis auari et parci fumtum plurimum albtiamque adolefcentis viri deplorantis .
Democritus Abderitcs phyficus philofophus Ciypeimi conftimit contra exortum Hyperionis ,
Oculos effodere , vt passet fplendore aereo .
Ita radiis folis aciem elFodit luminis ,
Malis bene eile ne videret cinibus .
Sic ego fulgentis fplcndorem pecuniae Volo elucilicare exitum aetati meac ;
Ne in re bona efle videam nequam filium .
Plutarch hatte sagen hören , daß sich Demokritus der Brennspiegel be - dient , und das Gesicht darauf geheftet hat , um sich von einer Hinderung des Nachdenkens zu befteyen . 65» l * «vo freSiif in ro a^oVtsv
tKVtlut fßiton rat o^n ( iinefiitifavo» n't Zgonlgx irvftiUhrrx vjf } t« ) v ux
kütüv iyjfaiKuew Equidem falfiun eft , quod dicitur
critum fponte fiia oculos extinxifle , in ignitum fpeciihim eos defigen - tem kiminisquc reflexionem aeeipientem . Plutarch . de Curiofitate , p . 521 . C . Er verwirft diese Erzählung als eine Falbel . Der Verfahr von den Nouvellen der Republik der Gelehrten , nachdem er die ) e angeführer , die diesen Philosophen , nach dem Laberius , vermocht , sich z» blenden , se'zet darzu : Andre sagen , er habe sich darum geblendet , daß „ er ohne weniger Zerstreuung nachdenken wollen . Dieß ist viel wahr - „ scheinlicher , obgleich vielleicht eben jo faljch : denn wo ist doch die „ Wahrscheinlichkeit , daß Demokritus , der über alle Dinge in der Welt „ gelacht , sich au« dem Wohlergehen eines unehrlichen Menschen , eine „ Ursache zum Verdrnsse maclieu sollen ? Dieß hat für eine» , Philoso - „ phen , wie er , der die ganze Weit lächerlich zu marlon gesucht , nur ein „ Freudenfest und eine Lustbarkeit seyn können . „ Im Monate ming >686 , 155 Seite . Er hat sich deswegen , als über einen erdichteten Sieg , wider die Religion , ergehen können .
Qnare religio pedibu« iubieäa viciiTiin Obteritur , nos exaequat viöoria coelo .
Lucret . Libr . I . ver£ 79 .
Tertullian führet noch eine andre Beweguugsursache , von der Auffüh» rung dieses Philosophen , an . Er giebt vor , es habe Demokritus keine Frauensperscn ansehen können , ohne dieselbe zu begehren , noch deren Genuß zu entbehren vermocht , ohne daß er sich nicht darüber geärgert hätte , und verdrießlich gewesen wäre . Er hat also kein besser Mittel wider diese Verfolgung gewußt , als die Beraubung des Gesichres . Ter« tullian zieht hieraus für die wahren Gläubigen , eine große Ursache des Triumphs über die Weisen des Heidenthums . Democritus excaecan . do fenietipfum , quod mulieres fine concupifcentia adfpicere non poflet , et doleret , fi non eilet potitus , incontinentiam emendatione profitetur . Tertullian . Apolog . cap . XLVI . Dieß ist ein sehr erdich - reter Triumph ; denn das gewisseste , was man vom Demokritus weis , wirft da« Vorgeben Tertulliaus , völlig übern Haufen . Er ist ein voir den Sinnen ganz abgezogener Mensch gewesen , ein Nachdenkender , der Ehre und Reichrhum verachtet , und bis in sein achtzigstes Jahr gereisek hat . Er saget es selbst beym Clemens von Alexandrien , Stromat . Lib . I . pag . 304 . und beym Eusebius , Praepar . Libr . X . cap . IV . p . m . 472 . Man geräth nicht leichtlich auf den Einfall , große Reifen zu thuruvmti man blind ist ; und wenn diejenigen , die über achtzig Jahre alt sind , Ur - n , so ~
iuu ; tr yuutii , sich zu blenden , jo kann solches nicht aus der Ursache gesche - yen , daß der Anblick einer Frauensperson , bey ihnen das Feuer der Lie - be anflammer . Eine Begierde , die von einem Verdrnsse , wegen des entbehrten Genusses begleitet wird , kann durch die Beraubung des Ge - sichteö nicht geheilet werden ; die Unkeuschheit des Herzens , hat eines andern Hülfsmittels nöthig . Clemens von Alexandrien saget etwas , welches , wenn man es wohl betrachtet , den Tertullian unumstößlich wi - verleget : ich habe es in dem Texte des Artikels , zu Ende , angeführt . Allein dieß sind . die eignen LSorte dieses Kirchenvaters : a - ^ok^tc ; Ii
yifU'j ■ / « / «xtSoitcüui ftxfaTUTOii , Six rx ; ra ) kec ( I« uiriii xtihx ( re
itiro rut inteyttaiorinuv . Democritus autein repudiat matri - monimn et procrcationem liberoruni propter multas , quae ex ipfis oriuntur , nioleftias , et quod abftrahant ab iif , quae fiint magis ne . cefläria . Clem . Alexandrin . Stromat . Lib . II . p . 421 .
( M ) Die Art , mir welcher er den Zvarius getröstet , ist ziem - lich sinnreich . ^ Ich will sie nicht anführen : man kann sie in dem Moreri lesen , und in einem Schriftsteller , dessen Bücher man überall findet . La Mothe le Bayer , Toni . VIII . pa$ . 340 . Siehe auch des P . Garasse , Do & rine curieufe , pag . 207 . Dieser letztere hat es ein wenig ausgeputzt : : weil er niemand anführet , so will ich diesen Mangel ersetzen . Ich sage also , daß man dich Historie nirgends , als in einem Briese des Kaiser Iulianus , finde .
( N ) <£c ist 5» entschuldigen , d . ifi er des ganzen menschlichen Acbem gespottet hat . ] Man sehe hierüber des Montagne Ellais , Liv . I . chap . L . welches von dem Verfasser der neuen Briese , an den gewesenen Jesuiten Maimburg , im XXI Br . auf der 715 S . angesüh - ret wird .
f ( O ) Er ist der Vorlau fer Kpikurs gewesen . ' ! Ich kann denen - jenigen keinen Beyfall geben , welche sagen , daß die wenigen Neuerun , gen , die man in dem Lehrgebäude des Demokritus sieht , nachdem dassel - be vom Epikur angenommen worden , eben so viele Verderbungen sind . Man sehe den Cicero , de Finib . Lib . I . cap . V . und VI . Allein ich kenne , daß Epikur nicht viele Dinge darzu qesetzet , und einige verderbet hat . Quid eft in Phyficis Epicuri non a Democrito ? Nam etfi quaedam commutauit , vt quod paulo ante de inclinatione atomo - mm dixi , tarnen pleraque dielt eadem , atomos , inane , imagines , in . finitatem locorum , innumerabiiitatem mundornmque , eorum ortus et interitus , omnia fere quibus naturae ratio continetur . . . . Cicero , de Nat . Deor . Lib . I . cap . XII . XXVI . XLIII . Democritui vir magnus in primis euins fontibus Epicurus hortulos fuos irriga . uit . Ebendas . XXXIII Cap . Siehe auch deu Plutarch aduer5 . , s Co - lotem , 1101 S . Er hat sich Schaden gethan , da er die Verbindlichkei - ten nicht bekannt , die er gegen den^Demokritus gehabt , und ihn für ei« neu Träumer , und Vorbringer narrischer Erzählungen , ausgeschrieen
hat ,

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