Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6866

Demokritus .
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babey alle Ausdrückungen erwägen , und auch die geringsten Zwendeutig - keilen vermeiden sollen . Er hätte sie auch vermeiden sollen , was die Art betrifft , das Mittel anzuwenden : man wird in der Stelle des Pli , nius sehen , daß sie nicht vermieden worden sind . Addunt ötiamnum alia Magi , quae fi vera funt , multo vtiliores vitae exiftimentur ra - nae , quam leges . Namque arundine transfixa natura per os , fi furculus in menftruis defigatur a marito , adulteriorum taedium fie . ri . Ebendas . XXXIIB . V Cap . Du Piner hat also Übersicht : xvenn man einen Frosch mit einem Rohre gerade durch den Ropf und seine Natur anspießet . Der P . Harduiu setzet voraus , daß man durch die Natur habe anfange» müssen , arundinae transfixa per ranae pudenda ad os vsque . Plinius ist also , das Cerernoniel betreffend , dun - fei . Ich übergehe die andern Dunkelheiten .
Hier sind noch andere Träume des Demokritus . Er hat gesaget : daß , wenn man das Blut von gewissen Vögeln , die er benennet , unter ein - ander mischte , man eine Schlange zeuge , die eine so vortreffliche Eigen - schaft hätte , daß ein jeder , der davon äße , dasjenige verstehen könnte , was die Vögel mit einander schwatzten . Plinius hat Recht , über die - ses Hirngespinnste zu spotten : Qui credit ifta , et Melampodi pro - fecto aures lambendo dedifle intelTedhim auium fermonis dracones non abnuet : vel quae Democritus tradit nominando aues , quarum confufo fanguine ferpens gignatur , quem quisquis ederit , intelle - Auras fit auium colloquia . Plin . Libr . X . cap . XLIX . Siehe auch das XXIX B . IV Cap . Hierauf findet er ihn so leichtgläubig , daß er sich berechtiget zu seyn glaubet , auf ihn zu schimpfen , und sich glücklich zu preisen , daß er dergleichen Narrentheidungen nicht angenommen , also müssen ohne Zweifel die Mährchen des Demokritus sehr seltsam gewe - ftn seyn . Das Buch , welches dieser Philosoph von dem Chamäleon ge - - schrieben hatte , ist , wie mich dünkt , eines von den besten Vorrathshäu - fern seiner außerordentlichen Leichtgläubigkeit gewesen . Iungemus illis , saget Plinius im XXVIII B . VIII Cap . fimiilima et peregrina aeque animalia : priusque chamaeleontem , pecidiari volumine dignum exi - ftimatum Democrito , ac per fingula membra defecatum , non fine magna voluptate noftra cognitis proditisque mendaeiis Graecae va - nitatis . Nach diesem Vortrage erzählet Plinius etliche lächerliche Aus - züge aus diesem Buche ; und dann beschließt er also : Vtinam eo ra - mo contadhis elTet Democritus , quoniam ita loquacitates immodicas promifit inhiberi : palamqtic eft virum alias fagacem et vitae vtflif - fimum nimio iuuandi mortales ftudio prolapfuni . Ebend . Wir wollen noch andere Stellen in der folgenden Anmerkung sehen .
Plinius ist lobenswürdig , daß er die erdichteten geheimen Tugenden des Chamäleons nur angeführet hat , um solche zu verschreyen und lä - cherlich zu machen : allein er würde noch mehr Lob verdienet haben , wenn er einen Theil seiner Ungläubigkeit für den Demokritus behalten hätte : ich will sagen , wenn er nicht so leicht geglaubet hätte , daß dieser Philosoph der Urheber dieses Werkes und einiger andern gewesen , die mit Unrecht unter seinem Namen herum gegangen sind . Der Gedan - ke des Aulus Gellius scheint mir sehr vernünftig zu seyn , daß nicht De - mokritlis der Urheber dieser Mährchen vom Chamäleon , und von dem Verstände des Gesanges der Vögel gewesen , sondern daß sich gewisse Marktschreyer , unter dem Ansehen dieses berühmten Philosophen ver - steckt haben . Librum eile Democriti nobiliffimi Philofophorum de vi et natura chamaeleontis ; eumque fe legifle Plinius Secundus in naturalis hiftoriae vicefimo oöauo refert ; multaque vana que intoleranda auribus deinde quafi a Democrito feripta tradit . . . . His portentis atque praeftigiis a Plinio Secundo feriptis non dignum eile cognomenDemocriti puto . - - - Multa autem videntur ab hominibus iftis male follertibus huiuscemodi commen - ta in Democriti nomen data , nobilitatis auäoritatisque eius perfii - gio vtentibus . Aulus Gellius , Libr . X . cap . XII . ? ) ! an kann kein ander Urtheil fallen , als dieses : wenn man sich des Characters erin - nert , den ihm Lucia» gegeben hat . Er setzet den Demokritus , den Epi - kur , den Mettodorus in die Classe derjenigen starken Geister , die eine diamantene Seele wider diejenigen haben , welche sie von Wunderwer - ken überredei , wollen . Nach seiner Rechnung , ist Demokritus beständig tn der Ueberzeugung geblieben , daß diejenigen , welche Wunderwerke her - vorbrächten , nicht« ohne Betrug thäcen : er suchet , auf was für Manier sie bekriegen , und wenn er dieselbe nicht finden kann , so glaubet er dennoch , daß ein Betrug dabey ist . " sirt ic & w rd HeTro
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IxovTot Vi & xir ( K ) Man müßte glauben , daß er der schwamm Runst sehr ergeben gewesen . ] Dieses kömmt nicht im geringsten mit den griffen Lucians überein , die so gleich angeführet worden sind . Dem sey , wie ihm wolle , so ist es billig , den Plinius im XXX B . I Cap . zu hören : Certe Pythagoras , Empedocles , Democritus , Platoadhanc ( Maglcen ) difeendam nauigauere exfiliis verius , quam peregrinationibus , fu - feeptis . Hanc reuerfi praedicauere , hanc in arcanis habuere . De - piocritus Apollobechem Coptiten , et Dardanum e Phoenice illuftra - uit : voluminibus Dardani in fepulcriun eius petitis , fuis vero ex ■difciplina eorum editis : quae reeepta ab aliis hominum , atque tranfiifle per memoriam , aeque ac nihil in vita , mirandum eft . In tantum fiaes iftis fasque omne deeft , adeo vt ii , qui cetera in viro illo probant , haec eins efle opera inficientur . Sed fruftra . Hunc enim maxitrie aftixille animis eam dulcedinem conftat . Plenumque miraculi et hoc , pariter vtrasque artes effloruifle : Medicinam di . co Masicenque , eadem aetate illam Hippocrate , hanc Democrito illuftrantibus . ( hier führet der P . Harduin den Clemens von Ale - randrien Libr . I . Stromat . p . 303 an . welcher gesaget , daß tus eine Säule des Acikari , eines babylonischen Schriftstellers erklä - 2 ? m , d d . e Ehrung seinen Schriften einverleibet habe . ) Ich habe diese Stelle darum der Lai'ge nach hergesetzt damit meine Leser er - fahren' . die Anhänger des Demokr . tus beständig geleugnet haben , n , ^ai ? cken Bücher gemacht , die man ihm beygele -
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II Sand .
confeflati magoe . Kurz darauf beobachtet er , man wolle nicht zugeben , daß gewisse Bücher , die diesen zween großen Männern zugeeignet wer - den , aus ihrer Feder geflossen wären : und hier ist es , was er antwor - tet : Nec me fallit hoc volumen eius a quibusdam Cleemporo Me - dico adferibi : Pythagorae pertinax fama antiquitasque vindicauit . Et id ipfum auöoritatem voluminibus aftert , ( dieser Grund ist schwach , denn wie viele schleckte Bücher , vornehmlich in der Materie von der Magie , laßt man nicht unter berühmten Namen herum flie - gen ? ) fi quis alius curae fuae opus illo viro dignum iudicauit : quod feeifle Cleemporum cum alia fuo et nomine ederet , quis cre - dat ? Democriti certe chirocmeta efle conftat . At in his ille poft Pytbagoram magorum ftudiofiflimus quanto portentofiora
Anmerkungen über das Buch , Chirokmcta betitelt .
Ehe ich weiter gehe , so muß ich ein wenig beo dem Titel des Buche« stehen bleiben , davon Plinnis geredet hat . Salmasius hat es glücklich ausgefunden , daß dieses Buch nicht Chirocineta Hätte sollen betitelt werden : er Hat also dieses Wort verbessert , welches in den Ausgaben des PliniuS gestanden , und gewiesen , daß man Chirocmeta an dessen Platz setzen müsse . Zu gleicher Zeit Hat er eine Stelle des VitruviuS verbessert , wo von eben diesem Werke des Demokritus geredet wird Multas res attendens , saget VitruviuS in des IX B . III Cap . admil ror etiam Democriti de rerum natura Volumina , et eins com . mentarium quod inferibitur z« ( ox / j . > ! tvv , in quo vtebatur annulo fignans cera molli , quae eflet expertus . Vorher las man beym Vitruvio XHftroniTov in quo etiam vtebatur annido fignans cera ex milio quae eflet expertus . Salmasius verbesiert durch ebe»' dieses Mittel die Stelle des Diogenes Laertius , wo gesager wird , daß Demokritus xtfvixa $ Quai * * ngoßA^xarce verfertiget habe . Er sollte gesaget haben : XHgoxwTu 1 ) tpwffiK« TTfcß^nara Siehe den Salmasius , in Exerci - tat . Pliniani» , p . noo , not . Casaubons ganze Critik war nicht wei - ter , als auf die Muthmaßnng gegangen , daß man vielleicht das Uebel des Diogenes Laertins dtirch das Lhirocineta des Plinius Heilen kön , ne . Lasaubon . in Laert . I . ibr . IX . num . 49 . Allein , dieses Hätte ein Uebel durch ein ander Uebel vertreiben Heißen . Diejenigen , »velche glaubet Haben : man müsse im Plinius das Werk Chirocmeta stehen lassen , haben es nach ihrer Phantasie ausgeleget : einige haben gesaaet - dieser Titel bedeute , daß man dieses Wort öfters in bänden haben solle' Nec melius mterpretantur ita diäa , quod allidue manibus tradtandä efient . Salmafius , Exercitat . Plinian . p . noc . C . Andere haben bet , daß dieses Buch also betitelt worden , weil man es mit großen Feierlichkeiten in die Hand nehmen . Du Pinet , auf dem Rande , einer ftanzosischen Uebersetzung desPliniuS . Hesychius bekräf - tiget des Salmasius Verbesserungen unvergleichlich ; denn er berichtet uns , daß die Kunstrichter über die Stellen eines Buches , die ihnen dun - kel und einer genaueyi Untersuchung würdig geschienen , ein Stück Wachs geklebet haben . . Es ist noch ein starker Einwurf übrig . Wenn das Chirocmeta des Demokritus ein Werk gewesen , Ivo er auf alle Dinge sein Siegel gedruckt , davon er aus der Erfahrung geredet : woher kömmt es denn , daß er dasselbe mit so vielen Fabeln und lächerlichen und aberaläubischen Mahrchen angefüllet hat ? Begnüget Pliniii« sich nicht , es'überhaupt mit diesen Worten zu bezeiä ) nen : In his Democri . tus , poft Pythagoram niagoruin ftudiofiflimus , quanto portentofiora tradit ? Er führet auch verschiedene Dinge daraus an , welche nach der schwarzen Kunst schmecken .
Ich finde in allem diesem viel Verwirrung , und ich sehe kein besser Mittel , als das non li^vet , oder das h ( xu der Skeptiker Es könnte seyn , daß Demokritus , ohne genügsame Überlegung der Folgen seines Lehrgebäudes , gehoffet hätte , mehrere geheime Eigenschaften und die Kunst zu entdecken , vermittelst der Magie , tausend außerordentliche Dinge juwege zu bringen . Dieß vorausgesetzt , können wir uns einbil - den , daß er alle magische Bücher begierig gelesen , und daß er die vorge - gebenen Wunderwerke , die er gesehen , oder durch mündlichen Unterricht erhalten können , gesammlet hat . Er hat wunderbare Erfahrungen von der Tugend gewisser Kräuter machen , und die Seite seines Chirocme . ta , mit seinem Siegel bemerken können , auf welcher er seine Erfalirun . gen erklaret hat . Dieses Bach hat also so betitelt werden können ob gleich die meinen Sachen , die es enthalten , nicht mit dem Siegel de« Urhebers bekräftiget gewesen ; und also hat nicht« im Wege Gestanden daß Plinius nicht viele Fabeln darinnen hätte finden sollen «ne Parrey , die man nehmen kann . Sie ist es aber nicht 'die mir d e beste zu seyn scheint . Ich wollte lieber - sagen : daß Demokritus d e abergläubischen , fabelhaften und magischen Schriften nicht gemacht hat , die unter seinem Namen herumgegangen sind . Diogenes Laertius , welcher in delien Leben zu Ende , ein langes Verzeichmß von den Wer . ken dieses Philosophen gegeben hat , setzet dazu , daß man ihm noch an . dere , aber fälschlich , beylege . Coluinella , de Re RnfticaLibr . VII . cap . V . bekennet solches namentlich , in Ansehung eines gewissen Bu - ches , dessen wahrhaftiger Verfasser , Dolus , ( oder vielmehr , nach dem Suidas , Solu« Mendeslus ) geheißen . Es scheint , daß Suidas nur eine kleine Anzahl Bücher für die wahrhaften Werke dcS Demokritu« angiebt . Wir haben oben die Klage gesehen , welche Aulus Gelliu« führet . Endlich kann man sagen : daß , wenn Diogenes Laertius der , selben nicht mehr verworfen hat , solches nur beweise , daß es Betrüger gegeben , die kurz nach des Demokritus Tode verftiziedene Schriften ütu ter seinem Namen haben ausfliegen lassen ; man hat sie für aci . re Sin - der angenommen , die folgenden Zeiten Kaden sich nach dieser Mmnun'<» or , richtet : weiter hat Plinius ( * ) und Diogenes Laertius ( * * > mckts ae . brauchet , diese Werke für wahrhafte Geburten des Demokritus anzu - nehmen . Und dasjenige , welches Anlaß gegeben , daß man sich im An - fange leickt betrogen , ist gewesen , daß die außerordentliche ^euk'eai . - 'de diese - Philosophen , seine Liebe - ur Einsamkeit sein Fleiß auf du - Rah ! rungen , der Fortgang einiger von seinen Borbersaqungen , ohne V^ihe uberredet haben , er habe alle seine Geheimnisse , alle die Anmerkungen schriftlich hinterlassen , die man in den Büchern gesehen , welche unter seinem Namen bekannt gemacht worden .
( * ) Pythagorae pertinax fama antiquitasque vindicant . DieK ist der Beweis , dessen sich Plinius in des XXI V Buches , XVll Capirel bedienet .
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