Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Demokritus .
«ontinuatam . Athen . Libr . II . cap . VII . II . Ist es falsch , daß der Geruch des Honigs viel geschickter wäre , als der Honig selbst , das Leben eines Menschen einige Tage zu verlängern . Gesetzt auch , daß dieser Mensch schon mir dem einm Fuße im Grabe wäre : so bleibe ich doch dabey . III . Redet AchenSus nicht von des Demokritus ster , vielweniger machet er sie zur Priesterinn der Ceres , eine Würde , die ihr Diogenes Laertius nicht beyleget . Dieser letzte Geschichtschreiber ist es , der die Bitte der Schwester ins Spiel bringet . IV . Endlich spottet man der Welt , wenn man bey Sachen , die sich bereits vor mehr , als zwey tausend Jahren , zugetragen haben , einen Cölius RHodiginuS anführet .
( F ) Er hat sich mit einer gan ; seltsamen Art auf das Swdie - ren gelegt . ) Er hat sich eine Kammer in einem Hause erkieset , das mitten in einem Garten gelegen , und sich in dieser Kammer mit einer so großen Absonderung von allem , was um ihn war , verschlossen , daß er , da man ihm eines Tages meldete , sich bey dem Opfer einzufinden , we - der gewahr geworden , daß das Rind , welches geopfert werden sollte , nahe bey seiner Kammer angebunden war , noch daß ihm sein Bater Be - fehl zu dieser Ceremonie gegeben hatte . Diog . Laert . Libr . IX . mim . z6 . Er muß gewiß die Einsamkeit sehr lieb gehabt haben , weil er Gefallen gehabt , sich in die Grabmäler zu verschließen . '« * * « «
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Nitebatur gutem etiam varie probare imaginationes , faepe folita - rins viiiens atque etiam fepulcra incolens . Ebendas . Er hat es ge - than , um die Kräfte seiner Einbildungskraft zu ergründen , und alle Sin - nen auf die P>obe zu stellen , wo sie sich hinwenden könnten . Lucian machet hierüber ein artiges Mährchen : daß sich nämlich Demokritus in ein Grab verschlossen , das außer der Stadt gewesen , und einige Tage und Nächte darinnen mit studieren und schreiben zugebracht . Es haben sich junge Leute gefunden , die ihm eine Furcht einjagen wollen ; sie haben sich als Geister der Verstorbenen verkleidet , die allerabfcheulichsten Larven genom - men , und sind mit hunderterley Sprüngen und Gaukeleyen um ihn herum geschwärmet . Er hat sie nicht einmal gewürdiget , sie anzusehen , sondern mir unter beständigem Schreiben gesaget , höret auf mir den Narrenpot^cn ! o' ii Sre iittee ? >>» airüv , ure
avTiif . äXki ygafuv , xavrxeSe kP>> ital^ovret .
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yMruj . Hic neque ipforum finnilationem timuerit , neque ipfos omnino refpexerit : fed inter feribendum dixerit , definite ineptire : adeo firmiter credidit , aniinas nihil esse , poftquam ecorporibns exie . rint . Lucian , in Philopfeud . Toni . II . pag . 495 . Dieß zeiget an , saget Lucian , daß er stark überredet gewesen , es sterbe die Seele mit dem Kör - per , und es sey alles , was man von der Erscheinung der Gespenster und Poltergeister und der Wiederkunft der Verstorbenen sage , ein eitles Hirngespinnste . Es hat fast niemand vom Demokritus reden hören , ohne zu erfahren , daß Hippokrares zu seiner Heilung berufen worden . Erfahrne Kunstrichter ( Menage , in Laert . Libr . IX . num . 4 . ) sind überzeugt , daß die Briefe , die man hiervon in des Hippokrares seinen findet , untergeschoben sind : allein man darf nicht zweifeln , daß diese Fabel nicht sehr alt seyn sollte . Man hat al'o vor geraumer Zeit erdich - tet , daß die Abderiten an den Hjppokrates geschrieben , und ihn gebethen hätten , den Demokritus zu besuchen . Sie Hobe« befürchtet , er möchte ganz und gar närrisch , und durch seine große Wissenschaft , völlig ver - wirrt werden ; welches sie als ein großes gemeines Uebel angesehen ha - den . Hie prac multa qnae detinet ipfum fapientia aegrotat , vt timor fit , ne noftra vrbs Abderitarum pefiiimdetur , fi Democritus meine fuerit motus . Beyin Hippokrares im I Dr . Num . 5 , vom Magnenus« in dem Leben des Demokritus , aus der - 4 S . angeführer . Sie haben gesehen , daß er sich um nichts bekümmert , daß er über alles gelacht , daß er gesaget , die Luft sen völler Bilder . daß er dasjenige gesucht , was die Vogel sagten , daß er sich gerühmt , er thäte von Zeit zu Zeit eine Reise , in bertt unermeßlichen Räume der Dinge . Es scheii . t aus einem von diesen Briefen deS Hivpokrates . daß die Liebe zur Einsamkeit den De - mokritus denjenigen Übeln Gerüchten ausgesetzet hat , die von ihm herum gegangen sind . In veritatis regione quam fapientia colluftrat , non eft patcr , nee tnater , vxorue , ant cognati , non liberi nec fratres ne - que faimili , fortimaqnc vel aliud ex his , quae tumultiim facitint . De - niocritus illuc prae fapientia connnigrauit , et infania teneri creditur ob folitudinis amorem . Magnenus , ebendas . 26 S - Uebrigens wird die Unterschiebung dieser Briese nicht verhindern , zu glauben , daß Hippo , krateö von den Abderiten gerufen worden . und daß sich der Erfinder dieser Briefe , mir einem Worte , auf Sachen gesteifet , die sich auf eine sehr gute Tradition gegründet haben . Ich stoße also dasjenige hier nicht »im , was ich oben in dem Artikel Abdera gesaget habe . Allein hier ist noch etwas stärkers . Drelincourt . Professor der Arzneykunst zu Leiden , einer von den gelehrtesten Männern , unserer Zeit , hat mich versichert , daß malt keine Ursache an der Richtigkeit der Briefe , welche unter des Hippokrares seinen . den Demokritus betreffen , zu zweifeln Ursa - che habe : Dieß ist , saget er , die durchgängige Meynung der Arzney - kundigen .
( G ) Er wurde sehr fain'g - - - - und zwar in so hohem Grade , daß er sich bis ; » dem Ruhme der Erfindung erheben konnte , wie uns Seneca lehret . ] Dieß ist das Lob , das ihm sein Lebensbefchreiber giebt : 'hv «« h w^raS / o , - . r« r« ? ( föetKx , »V ri fax * , ™ , * • / } th ; iyxv -
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Philofophia quinque certaniinuni peritus . Namque naturalia , mo - ralia , mathematica , liberalium difciplinarum orbem artiuinque omnem peritiam callebat . Laert . Libr . IX . num . 37 . Was seine fundenen Sachen betrifft , so findet man , daß ihn Seneca im XL Briefe , 371 S - bey mir , deswegen nicht gar sehr gelobet hat . Democritus , in . quit , inuenifie dicitur fornicem , vt lapidum curuatura paulatim inclinatoruni medio faxo alligaretur . Hoc dicam falfum esse . Ne - cefie eftenimante Democritum , et pontes , et portas fuifle , qua - rum fere fumma cumantur . Excidit porro vobis , eundem critum inuenifie , quemadmodum ebur molliretur , quemadmodum decodhis calcnhis in fmaragdum conuerteretur , qua hodieque co . cVura innenti Iapides coftiles colorantur . lila fapiens licet jinuenc - rit , non qua fapiens erat , inuenit . Multa enim facit , quae ab im - prudentiflinjis aut aeque fieri videmus , aut peritius , aut cxercita -
( H ) Ich habe in einigen Ncuern gelesen , dafi sein langes Le - den eine Folge seiner Rcujij'heit gewesen . ] Ein Schriftsteller , Balth . Bonifacius , Hift . ludicra , Libr . XI . cap . V . p . 317 . den ich reits widerleget habe , versichert , daß Demokritus , welcher ein mehr , als hundertjähriges Leben dem Honige , und seiner strengen Keuschheit , zu verdanken gehabt , alle Werke der Liebe , als eine Sache verabscheuet ha - be , welche machten , daß ein Mensch aus dem andern herauskäme . Man führet den Plinius indes XXVIII B . VI Cap . an ; allein in dem Plinius findet man weiter nichts , als diese Worte : Venerein damnauit tus , vt in qua homo alius exfiliret exhomine . Drelincourt hat mir zwo ganz gleiche Stellen ange^iget ; die eine ist aus des Galenus Comm . 111 . in VI . Epidemior . p . 478 . 1 . 73 . die andere ans dem Tertullian , deAnims , c . XXVII . p . 530 . C . Man sehe auch Llem . Alexandrin . Lib . II . Paedag . p . 193 . D . Nicht ein Wort , weder von der Tugend des Honiges , noch von der Keuschheit , in Absicht auf das lange Leben des Demokritus , ist darinnen zu finden ! Den Honig betreffend , so hätte unser Ncuerer einen Bürgen finden können , weil uns AthenäuS in des II B . VII Cap . auf der 46 S . versichert , daß Demokritus den Honig allezeit sehr geliebt , und geglaubet habe , man müsse zur Erhaltung der Gesundheit , den Ho - nig zu den inner« Theilen . und das Oel zu den äußern gebrauchen . Es scheint auch , daß dieser Philosoph den Körpern die Wiederaufstehung versprochen habe , die in Honig begraben würden ; denn es ist sehr wahr - scheinlich , daß sich diese Worte des Plinius in des VII B . LV Cap . Similis et de afleruandis corporibus hominum ae reuiuifeendi pro - miffa Democrito vanitas , qui non reuixit ipfe , auf eine Stelle des Varro beziehen , die ich herschreiben will : Quare Heraclides Ponticus plus fapit , qui praeeepit , vt comburerent , quam Democritus , qui vt in inelle feruarent : quem fi vulgus fecutus esset , peream fi centum de . nariis calicem mulfi emere poflemus . Varro in Libro vegi ratfüt , apud Nonium voce Vulgus . Allein wegen des andern PuiictS weis ich nicht , wo unser Neuerer eiue Bürgschaft finden würde . Wir wollen ihm erlauben , zu schließen ; er wird seinen Zweck doch nicht erreichen : weiin er saget , es habe Demokritus das Liebesspiel nur darum geradelt , weil er sich bey der Enthaltung von demselben sehr wohl befunden ; so wird er einen falschen Gruiid voraus sehen , indem eS eine große Anzahl Leute giebt , welche die Keuschheit anrathen , weil sie die kläglichen und verdrießlichen Folgen der Unkeuschheir erfahren haben . Ein anderer Neuerer geht allzuweit , wenn er saget : es habe Demokritus so wohl durch Gründe , als durch sein eigen Benspiel , angepriesen , sich dem weib - lichen Geschleckte nur sehr selten zu nähern . Morum praeterea in . tegritas pudicitiaque tanta , vt rationibus exemploque rarum Vene , ris vfum commendaret . Magnenus in Vita Democr . pag . 8 . Er füh< ret den Plinius und das IV Cap . des III B . von dem Rodericus von Castro , de Natura Mulierum , an . Er saget nicht , waö für eine Stel - le des Plinius man zu Rarhe ziehen soll : allein , außer Zweifel zielet er auf die Worte , die ich aus dem VI Cap . des XX VIII B . angeführet habe . Worte , wo man keinesweges findet , daß sich Demokritus zum Beyspiele angeführet hätte . Roderich von Castro mißr dem De - mokritus nicht bey , daß er sich angeführet hätte : und wenn er ihm soU ches beymäße , so würde ein Blinder einem andern Blinden den Weg weisen .
Ich sage dieses nicht , der Keuschheit des Demokritus den geringsten Makel anzuhängen ; ich will nur den neuer« Schriftstellern die bindlichkeit begreiflich machen , darinnen sie sich befinden , nichts Vorzüge - ben , was sie nicht in glaubwürdigen Zeugen finden . Wir werden hier unten in der Anmerkung ( K ) sehen , daß ihm Tertullian in diesem Puncte keiii gutes Zeugniß giebt .
( I ) LNan kann nicht leugnen , daß er sich in gewisien Stücken mit - Hirnzespinnsien genähret . Columella , de ReRuftica , Libr . XI . zu Ende , hat das Buch angezogen , welches Demokritus von den Anti - pathien ( widrigen Leidenschaften ) verfertiget harte . Man hat dariniien gesunden , daß , wenn eine Frau , zur Zeit ihrer monatlichen Blume , mit bloßen Füssen und ausgeflochtenen Haaren , dreymal um jede Abthei - lung gienge , sie alle Raupen in einem Garten todtete . 8ed tus in eo libro , qui Graece inferibitur irgg ) umvuBä» , affirmat , has ipfas beftiobs enecari , fi mulier , quae in menrtruis eft , folntis cri - nibus , et nudo pede vnamquamque aream ter circumeat , poft hoc enim decidere omnes vermiculos , et ita emori . Was kann man wohl nennen , das mehr nach dem Aberglauben röche ? Demokritus hat auch gesaget : daß man eine Frau zum Bekenntnisse der Wahrheit zu bringen , ihr . wenn sie schliefe , nur die Zunge eines Frosches auf da« Herz legen dorfe . Democritus quidem tradit , fi quis extrahat ra - nae viuenti linguam , nulla alia corporis parte adhaerente , ipfaque dimiflä in aquam , imponat fupra cordis palpitationem mulieri dor - mienti , quaecunque interrogauerit , vera refponfuram . Plinius , Libr . XXXII . cap . V . p . 846 . Allein es hat eine Zunge seyn müssen , die einem lebendigen Frosche ausgerissen worden , und sie hat ausgerissen werden inüsseii , ohne daß man den Frosch an einem andern Orte an« gegriffen hat ; oder vielmehr , daß kein ander Stücke daran hängen geblieben ist . Ueberdieß har man den Frosch wieder ins Wasser setzen müssen . Will man wissen , was Plinius von diesem Kunststucke für ein Urrheil gefället hat , so darf man ihn nur an dem Orte zu Rache ziehen , wo er eine gleichmäßige Kraft beschreibt , die man dem Herzen einer Eule zueignet . Man hat vorgegeben , daß wenn man das - selbe auf die linke Brust einer schlafenden Frauensperson legte , sie alle ihre Geheimnisse sagen mußte . Nec omittam in hac quoque alite ( iuione ) exemplum magicae vanitatis : quippe praeter reliqua portentola inendacia , cur eins impofitum mammae mulieris dor - mientis finiftrae , tradunt efficere , vt omnia fecreta pronunciet . Pün . Libr . XXIX . cap . IV . Plinius nennet dieses eine Anffchneiderey der Schwarzkünstler : ohne Zweifel hat er eben dieses llrtheil , von dem Mährchen des Demokritus gefället : er hat es in die Zahl solcher Groß , sprecherey gesellet ; denn er bemerket unmittelbar darauf , daß die Schwarzkünstler noch einige andere Dinge dazu setzten , welche , wenn sie wabr wären , verursachen würden , daß die Frölche dem menschlichen Geschlechte nützlicher wären , als die Gesetze . Die Frosche würden ein unfehlbares Mittel dardiethen . den Bnhlereyen der Frauen ein Ende zu machen . Die Worte des Plinius sind , 10 wohl wegen des Gebrauchs dieses Mittels , als wegen eines merkwürdigen Umstandes , nicht klar genug . Er saget nickt , ob dieses Mittel der Hahnreyschaft vorbaue , oder nur die Beharrung der Frauen im Ehbniche Verbindern würde . Dieses ist keine logische Unterscheidung : die Sache ist wichtig , er hätte
dabey

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