Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6845

Demokritus .
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cheilhaftig mache ; denn ich erzähle nur dasjenige , was ich in dem Dio - genes Laertiu« finde .
Ich würde nicht so unschuldig von der Lüge seyn , als ich bin , wenn ich mich gewaget hätte , dieses Histörchen mit einigen Zusätzen vorzubrin - . qen , die ich nicht in den alten Quellen gefunden hätte ; und dieserwegen beschuldige ich diejenigen der Lügen und der Verfälschung , welche gesaget haben : es habe es Demokritus dem Mägdchen , das den Hippokrates begleitet , an den Augen angesehen , daß sie die Nacht bey einer Manns - Person zugebracht hätte . PucHain Hippocratis comitem , virginem pri - 1110 , feqiicnti vero die foeminam falutauit , quod noäurnae deflo - rationis veftigia in eius oculis perciperet , inuifa generis humani di - niidio fagacitate . Ioan . Chryfoft . Magnenus , in Vita Democriti , p - 7 . Dasjenige , was sie dazu sehen , daß diese Scharfsichtigkeit der Halste des menschlichen Geschlechtes verhaßt wäre , möchte noch hinge - hen , wenn sie es nicht aus einer falschen Voraussetzung gezogen hätten ; denn es ist gewiß , daß es eine höchst verdrüßliche Sache wäre , wenn es Leute gäbe , welche es einem Mägdchen aus den Augen lesen könnten , baß sie die Jungferschaft verlohren hätte . Diejenigen . welche an den gottseligen Betrügen einen Gefallen haben , sollen daran arbeiten , die Leute zu überreden , daß es viele Leute gäbe , die dieses erkennten ; allein es wäre auch zu befürchten , daß tiefer Irrthum viel stärker und heftiger angegriffen werden würde , als irgend ein anderer Aberglaube , ttnzähli - ge Leute würden Ungläubige werden , und als Ungläubige wider diesen andächtigen Betrug lehren . Es giebt einige , welche sagen : es habe De - mokritus an der Stimme dieser Frauensperson , den Verlust der Jung - ferschaft erkannt . Gafpar a Reies , in Elyfio iitcundaruin Quaeftion . Campo , Quaeft . XXXIX . num . 7 . p . m . 474 . Er hat bemerket , sagen sie , daß der Ton ihrer Stimme nicht mehr so , wie des Tages zuvor , gewe - sen ; und hierauf erzählen sie uns , daß Albertus der große , ohne daß er aus seiner Studierstube gekommen , den Fehler einer Magd erkannt ha» be . Man hatte sie in ein Wirrhshaus geschickt , Wein zu holen , und sie war singend zurück gekommen . Albertus hat bey seinem fleißigen Stu - dieren nicht unterlassen , zu bemerken , daß die Stimme dieser Magd nicht mehr so hell , als zuvor gewesen , und daraus geschlossen , daß man sie unter dieser kleinen Reise um die Jungferschaft gebracht hatte . Ncc minus vocis Imitationen , ob eandem fere caufam , quo tantum figno ferunt Albertum Magnum ex mufaeo fuo puellam ex oenqpolio vi - , num pro liero apportantein , in itinere vitiatam fuille deprehendifle , quod in reditu fubinde cantantis ex acuta in grauiorein mutatam vo - ceui agnouiflet . Ebendaselbst . Man sehe den letzten Absatz dieser merkung .
Ich habe nichts wider den de la Mothe le Bayer zu sagen ; denn wenn er saget : es habe Demokritus an dem Gerüche der Milch die Ei - genschaft der Ziege erkannt , so erkläret er uns zu gleicher Zeit , daß es , nach dem Diogenes Laertius , das Gesicht und nicht der Geruch gewe - sen , der dem Demokritus dieselbe zu erkennen gegeben hätte . Also be - wiegt uns la Msthe le Bayer nicht ; er giebt uns nicht Anlaß , zu glau - ben , daß seine Muthmaßung eine Sache sey , die er aus den alten Schriftstellern genommen . Man wird nicht verdrießlich darüber feyn , die Ursache seiner Muthmaßung hier zu sehen . Demokritus , saget er im IV Br . des X Bandes , auf der z> S bat sich in einer Unterrc - Sung mit dem - Hippokrates in Bewunderung geftnr , indem er eben so , ( das heißt , wie Pherecydes ein Erdbeben aus dem Gerüche des Wasser« aus einem Brunnen , vorher gesaget hatte . ) geurtheilcr , Saß die ihm vorgetrageneMilch von einer schu ? ar ; en Ziege rvare , die nicht mehr als einmal getragen Hütte . Jcb weis wohl , Saß der Verfasser seines Lebens , Diogenes ÜMxtius , von dieser Entscheidung , als von einer tiOitfimg des Gesichtes redet . AI - lein dasjenige , u ? as rvir in Sem philostrarus von einem lungen Wirten lesen , welcher an Sem Gerüche erkannt , Saß Sie Milch nicht rein gewesen , bewegt mich , von der Tl ? ar Oes tus ein gleiches zu denken . Dieser ungemein große und vier - schrorige Bauer , bat Agathion geheißen , und den Sophisten ^e - rode» gebetken , den folgenden Tag ein Gefäße voll reiner Milck für ibn bereit zu halten , Sas heißt , Sie von keiner Xveiberhand gemolken worden . Allein er hat sogleich , als man sie gebracht , erkannt , Saß sie nicht so wäre , wie er sie verlanget , mit der Ver , sickerung : Saß der Geruch r>on den - Händen derlenigen , Sie sie gemolken hatte , seiner Nase zuwider war« . Philostrarus net ihn deswegen einen rvahrsäger .
So eitel auch das Mährchen seyn mag , welches ich von der Entde - ckunq des Albertus Magnus angeführec habe , so kann man doch sagen : daß sich geschickte Aerzte sehr angelegen seyn lassen , von den Verwandt - schaften zu urtheilen , die sich , nach ihrem Vorgeben , unter den gungsgliedern und der Kehle finden ; und es ist gar eine gewöhnliche Sache , Leute zu sehen , und auch Leute vom gemeinen Pöbel , welche be - merken , daß ein Prediger das erste Jahr seiner Heirath , einen viel schwächern , heisern und rauhern Ton derSvrache hat . Meursius ver - sichert , daß vor Alters die Ammen alle Morgen denen Mägdchen , welche sie unter ihrer Aussicht hatte , den Hals gemessen , um zu erkennen , ob sie die Jnngserschaft noch hätten , oder nicht . Meurf . Aufl . Phil - cap . XXXVI . benm Almelou . Specimin . Antiqii . e facris profanarum , p . 67 . Er beweist dieses mit einer Stelle des Catullus : allein ich wollte lieber sagen : daß diese Stelle nur zeige , man habe ih - nen den Hals am Hochzeittage und den Tag darauf gemessen . Man sehe die Nouvellen von der Republik der Gelehrten , den Monat Jen - ner , >686 , auf der 27 S Jsaac Voßius hat bey der Auslegung dieser Stelle eine Note gemacht , worinnen von einem erdichteten Buche de« Demokritus geredet wird , in welchem man anzeiget , auf wa« für Art der Hals gemessen werden müsse . Dieses gehöret also , von Rechts we - qen , zu diesem Theile meiner Auslegung . In veteri fcripto de fympa - thia et antipathia , quod perperam tribuitur Democrito , ita haec referuntur : Aaßuv ( 3i ( 3A««ow keeraixeT^eov axo ürl» ein utIiv k«v kJv iVov 5 , fr« . J W I " I' . Nempe ii filum aut
funiculum ex lino aut papyro accipias , et anterior , z colli fpatwm ab auread aurem , et deinceps ccnucen , feu auerfain metiaris col - Ii parte , 11 fiiniliter ad aures , fuerintque haec interualla inaequaha , defloratam eile fponfani , contra fi acquales fuerint , ft , fem , er . culi , efle etiammim virginem . Alu . d quoque addit fignum , feilicet fi collum fuerit caliduni et nates fngidae , et koc quo . que aniilläe virginitatis efle indiciuni . If . \ otlius , in haec ba Catulli Epith . Pelei et Thetidis , N * » me1 " '
reuifens Hefterno Collum pttcrlt circumdare filo , p . 248 . Es hat noch eine andere Art zu messen gegeben : Severin Pinea» redet davon im V Cap . des I B . de notis virginitatis , und Caspar von Reies in seiner 38 Frage .
CD ) Einige haben gesaget : er habe >09 Jahre gelebet . ) Man findet nichts gewisses , weder von der Zeit seiner Geburt , noch von der Zeit seines Todes . Wir sehen auch . daß Scaliger nichts weiter rhur , als daß er bemerket , wo sich die Schriftsteller widersprechen . Scalig . in Eufeb . num . 1616 . p . 109 . In der Chronik des Eusebius hat Demo , kritus zu Anfange der 70 Olympia ? geblühet , und ist im 2 Jahre der 9z gestorben . Menage , notae in Laert . Libr . IX . num . 41 . mißt dem EuiebiuS bey , er habe den Tod deS Demokritn« nn 4 ^ahre der94Olym - pias bemerket . Jonsius hat sich betrogen , wenn er dieses auf der - z S . saget . Auf diese Art müßte er viel über 109 Jahre gelebet , oder von seinem >9 Jahre an geblühet haben . Dloder aus Sicilien , in des XIV B . II Cap . läßt ihn im 90 Jahre . im ersten Jahre der 94 Olympias sterben . Lucian , , n Macrobus , auf der 639 , 640 S . bey mir . des II Bandes versichert , daß sich Demokritus , im 104 Jahre seines Alters zu Tode gehungert . Wenn man etwas gewisses von des Anaxagoras Al - ter hätte , so würde man die Chronologie des Deniokritus in ein besseres Licht sehen können ; denn dieser letztere versichert , sin paruo Diacoimo , beym LaertiuS . im Demokritus , Num . 4> . ) daß er vierzig Jahre jünger , als Anaxagoras , wäre . Er ist , saget Laertius im II Buche , Nuni . 7 . zwey und dreyßig Jahre alt gewesen , als Terxe« nach Europa überge« gangen : er hat 72 Jahre gelebet , und ist im 1 Jahre der 78 Olympia« gestorben . Ich übergehe noch viele andere Verwirrungen , welche eben so schwer aus einander zu wickeln sind , als diese . Man kann kühnlich versi - chern , daß sich Aelian , Var . Hift . Libr . IV . im letzten Cap . betrogen , wenn er voraussetzet , daß Demokritus über die Unruhe Alexanders ziem - lich gespottet , worinnen sich dieser Prinz deswegen befunden . daß er die Welt noch nicht erobert hätte , und daß es derselben , nach dem Demo - kriruS , eine große Anzahl gäbe . Die >»9 Jahre , die man diesem Philo - fophen giebt , können ihn nicht bis zu den Eroberungen Alexanders fuh - ' ren . Die Meynung des AuluS Gellius ist gegründet : er hatte sie durch gute Wege erhalten : er versichert , daß Sokrares viel jünger , als De - mokritus , gewesen . Aul . ( Zell . Libr . XVII . cap . XXI . Nun ist te« im > Jahre der 95 Olympias , 70 Jahre alt geworden : ( Siehe des - sen Leben vom Charpentier . - 84 S . ) also müßte Demokritus damals aufs wenigste 80 Jahre alt gewesen seyn . Er wäre solchergestalt über 140 Jahre alt gewesen , wenn er sich noch am Leben befunden , da Ale - xander im > Jahre der in Olympias den Thron beffiegen hat . Wir müssen die TodeSart nicht vergessen , die Marcus AntoninuS . n<= ? > tfi» «« txoTov , Lib . III . Scä . III . dem Demokritus , allen andern lern zuwider , beyleget . Er laßt ihn an der Läusekrankheit sterben : er nimmt ohne Zweifel einen für den andern , den Pherecydes für den De - mokrituö . Man wird in der Anmerkung ( E ) verschiedene Zeugnisse , den sreywilligen Tod unsers Philosophen betreffend . sehen . Mm kann auch diese drey Verse des Lucrez , im III Buche , Vers 105 - , da - zu fügen :
Denique Democritum poftquam natura vetuftas
Admonuit niemorem motus languefcere mentis ,
Sponte füa leto caput obuius obtulit ipfe .
CE ) ? um Besten seiner Schwester , hat er einige Tage seine Todesstunde verschoben . 1 Seine Schwester hat sich ungemein be - trübet , nicht weitste seinen Tod vor Augen gesehen , sondern daß sie we - gen dieses Todes dem Feste der Ceres nicht beywohnen könnte . Sie aus dieser Unruhe zu reißen , hat er sich alle Morgen ivarm Brvdt gen lassen , und durch den bloßen Genich dieses Brodtes sein Leben erhal - ten , bis die drey Tage des Festes vorüber waren : worauf er sich ganz sanfte in die Arme des Todes sinken lassen . ( Nach dem Ovidius ! >ar die - seS Fest neun Tage ; nach dem Hesnchius viere ; nach dem ? lristophane« fünft gedauert . Man sehe den CastellanuS , de Feftis Graeconim , p . 173 . Casaubon , in Laert . Libr . IX . num . 4Z . will , daß eS an dem Orte , wo Demokritus gewohnet , nur drey Tage gedaurer habe ; allein in Athen sey es anders gewesen . Gleichwohl saget er in seinen Noten , über den Arhenäus , «7 0 . daß es in Aihen nicht länger , als drey Ta - ge , gedauert hat . ) Also erzäbtet e« Laerrins im IX B . seines Lebens , Num . 4 ? . Dieß schmecket sehr nach der Erfindung eines mnßigenGet - stes . AthenänS erzählet die Sache nicht mit denselben Umständen Er saget : es habe Demokritus , aus Ueberdruß des Alter'S , seinen Tod be - schleumget , indem er alle Tage etwas von seiner ordentlichen Kost abge - krochen . Das Fest der Ceres hätte sich genähert , und sein Hausfrauen - zimmer sehr befürchtet , er möchte unter ivährenden diesem Jabrfeste sterben ; denn sie hatten keinen Theil an dieser Feyer haben können , »venn er in dieser Zeit gestorben wäre . Sie haben ihn also gebethen . seinen Tod bis nach dem Feste zu verschieben , damit sie dasselbe freudig zurück le - gen könntei' : er hat darein gewilliget und Befehl gegeben , ibn , einen Topf mit Honig zu bringen . Der bloße Geruch dieses Honiges hat ihn etliche Tage beym Leben erhalten : worauf er ihn wegnehmen lassen und ge - sterben ist . Athen . Libr . II . cap . VII . p . in . 46 . Ein neuerer hat sich einfallen lassen , den Zlthenäus verwegener SLeise zu tadeln . Er führet deS Athenäus II B . III Cap . an . er hätte das VII Cap . anfuhren sollen . Er beschuldiget ihn , gesagt zu haben , daß die Schwester des Demokri - tus , Priesterinn der Ceres , ihren Bruder gebethen , nicht unter wahren - dem Feste zu sterben , und daß sich Demokritus einen großen Topf mit Honig bringen lassen , und etliche Tage nichts , al« Honig , geges - sen habe . Dieß ist kaum wahrscheinlich , saget unser Neuerer , es ist viel wahrscheinlicher zu sagen , daß dieser in letzten Zügen liegende ehrliche Greis , der keine Nahrung mehr zu sich nehmen können , sein Leben bloß durch Anriechu , , g des Honig« verlängert habe , wie solches mein Lands - wann , Eölius Nhodigmus , versichert . Lt iiaec quidern minus proba - biliter Athenaeus cum vero lit propius moribunduin fenem omnis - que alimenti incapacem , non ipfo melle , fed Isla tnellis euaporatio - ne vitam produxifle , vt afleruit Rhodiginus ineus ( libr . XXI . c . III . ) Balthaf . Bonifacius , Hiftor . Ludicra , Libr . I . cap . XL p . m . Wer inuß nicht lachen , wenn er diese« liest' ! denn I , ist es nicht wahr , daß AthenäuS taget : es habe Demokritus Houig gegessi'n : er versichert , daß dieser Philosoph nichts davon genossen . als den Geruch .
'kocväC t»v ayfyuTov tj ? airc rS ixfAirot bvettpoff u6vr Xfüftt -
»ov : In inultos dies vitam prorogaife Jolv mellit odore et halitu

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