Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6831

r
, 86
Demokritus .

fts sind nur Bestimmungen der Seele , sagen sie . Demokrirus war , was die göttliche Natur betraf , nichts weniger , als ein Rechtgläubiger ( P ) , und er glaubte , dajz unser letzter Zweck der ruhige Zustand des Geistes wäre . Plato haßte ihn , und es fehlte wenig , daß er nicht alle Bücher des DemokrituS verbrannt hat ( QJ . Dieses hat , nach meinem Bedünken , diesem letz - kern weniger Nachtheil , als Ehre , gebracht . Die Lehrverfassung von den Atomen ist nicht völlig so abgeschmackt , als des Spl - nosa Lehre ( R ) : allein dieß ist eine sehr kurzweilige Sache , mit dem Moreri zu sagen : daß du> Atomen des Demokritus un - endlich in der Große wären ; denn sie waren vielmehr von einer unbegreiflichen Kleinheit . Wir werden in der Anmerkung ( K ) sagen , daß unter seinem Namen viele Bücher herumgegangen , die nicht von ihm gewesen sind . Wir würden ohne Zweifel viel klarer in dieser Materie sehen , wenn wir den Trattat des Callimachus s , oder den Tractar des Thrasyllus , seine Werke betref - send , hätten b . Ich weis nicht , ob uns Pettr Borel welcher drey Foliobände , de Vita et Philofophia Democriti , chen hat , einige Erläuterungen geben können . Wenn Aelian k gesager hat : daß Pythagoras des Demokritus Sohn wesen , so hat er sich betrogen . Demokritus billigte nicht , daß man sich verheirathete , oder daß man sich aufs Kindertagen befliß . Dieß , sagte er , heißt sich mit allzu beschwerlichen Sorgen verbinden , welche von einer weit nothwcndigern Bs - schafftigung abwenden . Man sehe die Anmerkung ( L ) zu Ende . Er sagte auch , daß die Wollust der Liebe eine kleine schwere Noch wäre ( 8 ) .
Dasjenige , was man von dem Misvergnügen erzählet , welches ihm seine Magd verursachet , indem sie ihm etwas bmch - tet , davon er eine natürliche Ursache suchen wollen , ist sehr artig ( T ) .
« ) Siehe die Anmerkung ( A ) . f ) Ein Talent gilt ungefähr 600 Thaler . <0 Siehe den critisirten Valerius Maximns in der An - merkung CK ) , zu Ende , d ) Aus des Diogenes Laertius , IX B . im Leben des Demokritus , Num . 14 u . f . e ) Laert . Libr . I . mm ; . 44 . Sext . Empiricns adu . Mathemat . p . 163 . f ) Siehe oben den Artikel Arcesilaus . g ) SuidaS gedenket desselben , b ) Laert . num . 41 . 0 Dieß ist ein Arzt zu Castres in Langmdöc gewesen . Da« Bücherverzeichnis , das er ans Licht zu geben versprochen , findet man vor seinen Antiquitez Gauloifes , 1655 , zu Paris gedruckt . Man sehe auch die Vorrede der II Centurie feiner Obfcrv . de Medic . k ) Aelianus Var . Hift . Libr . I . cap . XXIII .
( A ) Er wurde von den Magis erlogen . ^ Xerres . König von Persien , der bey seinem Bater geherberget , hatte ihm etliche MagoS schenkt , welche des Demokritus Lehrmeister geweien sind . Diog . Laert . in Vita Demoer . Libr . IX . num . 54 . Wie aber ein unendlicher terschied unter der Beherbergung eineS Königes und der Bewirthung ftines Kriegsheers ist , so kann man den Schriftsteller nicht entschuldigen , welcher gesaget hat : daß des Demokritus Vater dem Kriegsheere dieses Monarchen eine Mahlzeit , ohne seine Besch , vemng . anschaffen können . Val . Max . Libr . VIII . cap . VII . mim . 4 . Extern . Moreri läßt sich hier auch sangen : er hätte es vermeiden können , wenn er nur auf die Wor - te des Diogenes Laertius Achtung gegeben hätte : allein er scheint diesel - den nicht zu Rathe gezogen zu haben . Würde er wohl nach einer solchen Berathschlagung gesaget haben : Diogenes Laertius wolle , daß Demokritus von Miletus gewesen wäre ? Laertius will dieses nicht : er saget nur . daß es einiger Meynung wäre . Ich will im Vorbeygehen sagen , daß Moreri den Herodot nicht so kurzweg lmtte anführen sollen . Dieses ist das Mittel gewesen , seine Leser zu überreden , daß man in den Mu - sen Herodot« die Sackte finde , davon er redet . Nun ist dieses falsch lind gar keine Wahrscheinlichkeit , daß Diogenes Laertius den Urheber dieser Musen anführen wollen . Ach glaube , daß er an dieser und andern Stellen einen Herodot versteht , der von diesem , den wir haben , ganz unterschieden ist .
( B ) wenn er nickt sichtbare proben seines großen Geistes ge - zeiget , so hätte er sich einen Schandfleck der Ehrlosigkeit ; uge - zogen , weil er sein Vermögen nicht erhalten hatte . ] Die Gesetze des Landes enthielten , daß diejenigen , welche ihr väterliches Erbe ver - thaten , nicht in das Grabmaal ihrer Familie begraben werden tollten . Diese Vorwürfe und den Verdruß zu vermeiden , den ihm seine Neider , ver - möge dieses Gesetzes , kälten machen können , hat er sich bemühet , die Strafe abzuwenden , die ihm bätie aufgeleget werden können . Zu die - fem Ende hat er unter allen seinen Werken dasjenige ausgesucht , das die andern alle überttossen ; es war betitelt : mund er bat es dem Nathe vorgelesen . Sie wurden dadurch so eingenommen , daß sie ihm ein Geschenke von fünf hundert Talenten gemacht . Ebrensäulm avfgcrich - tet und befolgen , daß das gemeine Wesen nach seinem Tode für sein Lei - ckenbeaänqniß sorgen sollte . Dieß ist auch geschehen , Diog . Laert . in Vita Demoer . MIM . 39 . Diogenes Laertius bricht seine ErzaUw'gen auf eine solche Art ab , daß ich mich verbunden gehalten , einiae kleine Umstände beyzufügen . Aihenäus erzählet die Sache besser : wir wollen sehen , wie es Athen . Libr . IV . cap . XIX . p . 168 machet , daß nämlich Demokritus förmlich angeklaget worden , und genöthiget gewesen , seine Sache vor Gerichte zu vertheidigen ; und daß er . nachdem er eines von seinen Büchern gelesen , ( dieß ist der große Diacofmos und die Historie der - Oolle gewesen , t« rm h «3« . Ebetibas . ) nnd vorgestellet , daß die Unkosten , die er aufwenden müssen , sich in den Stand zu sehen , die - selben zn verfertigen , sein väterliches Erbe gefressen hätten , so ist erftey gesprochen worden . Jedermann weis die Verse des Horaz , welche die Nach - läßigkeit des Demokritus , in Ansehung der irdischen Güter , bezeugen :
Miramur fi Democriti pecns edit as ; ellos
Cultaque dum peregreeftanimus line corpore velox .
Horat . Epift . XII . Libr . I . v . ii .
^osius ( man sehe den Lambin über diese Stelle desSoraz . ) hat mit Unrecht geglaubet , daß Horaz aus einem Gedäcktnißfebler . dasje - Demokritus gesaget , was er vom Anaxagoras hatte sagen snllen Es ist wohl wahr . Plutarch lehret uns , daß Anaragoras seine Mr ungebautt liegen gelHn ; allein dieß verhindert nicht , daß mokritus nicht eben dergleichen gethan haben kann Amßxyi ( at np x«r«v „ Wor» . Anaxagoras agrum oiubui pafiendim re -
liquit . Plut . de vitando aere alieno , p . 851 . t - T> »Ulm , ixans / «» - Mite , nW rüv X« ? - ' FXA^fTSV VT hiwmtp5 m /
uryaAoipjortv« . Hic numinis afflatu et animi duftus celfitudine do - muin deferuit , et agrum reliquit incnltum vaftatumque . Ebend . im PtrikleS , 162 S . B . Akan sehe auch die Anmerkung ( A\ bey dem Ar - tikel Anaxagoras . Hat es Cicero nicht auch vor dem Horaz geiaget ? lZewocritu» , qvii ( vere falfo ne quaereremus ) dicitur ocuijs fc pru uafie , certe vt quam minime aninuis a cositationibus abduceretur , oatrimonium neglexit , agros defemit ineuftos , quill quaerens aliud nifi beatam vitam ? Cicero , de Finibus , Libr . V . cap . XXIX . Philo bnmaet die Sage der Griechen , daß Anaxaqoras und Demokritus ihre Aecker unqebauet hätten liegen lassen , damit sie sich mit wenigerer Zer - streuung auf das Studieren der Weisheit hätten legen können . De vita contempl . p . 89« . Allein , wird man mir einwenden , wie kann man dieses und diejenigen Schriftsteller , beym Laertius , im Demokritus , Num . 35 . mit einander vergleichen , die gesaget haben : daß
tus , bey der Erbtheillmg mit seinen zweenen Brüdern , das kleinste Leos genommen habe , welches in baarem Gelde bestanden , und folglich für einen Reisegeist viel geschickter gewesen ? Siehe auch Aelian# , IV B . XX Cap . Ich antworte , daß man sich mit den verschiedenen Erzählun - gen solcher Dinge begnügen muß ; es würde die meiste Zeit sehr sckwer fallen , sie zu vergleichen , lind die beste darunter zu erkiesen . Hier ist Valerius Maximus , welcher uns erzählet , daß Demokritus alle seine Güter dem Vaterland ? geschenket , und sich nur eine sehr geringe Sum - me vorbehalten hatte . Er stellet uns dieses väterliche Erbe , als ein un - sägliches Vermögen vor , und er gedenket der Brüder des Demokrirus nicht im geringsten . Dieß heißt die Sache« höchst nachlaßig erzählen . Es sind noch einige andere Schnitzer in seiner Erzählung : Democri - tus cum diuitiis cenferi pollet , quae tantae fuerunt , vt pater eius Xerxis exercitui epulum dare ex t'acili potuerit : quo inagis vacuo animo ftudiis litterarum eilet operatus , parua admodum fumma re - tenta , Patrimonium fuum patriae donauit . Athenis autem complu . ribus annis moratus , omnia temporum momenta ad percipiendain et exercendam doftrinam conferens , ignotus illi vrbi vixit : quod ipfc in quodam volumine teftatur . Valer . Maximus , Libr . VIII . cap . VII . Extern . num . 4 . Ich habe bereits die Bewirthung die - seS erstaunlichen Kriegsheeres beurtheilet . Es ist nicht wahrscheinlich , daß sich Demokritus so lange zu Athen aufgehalten haben sollte , weil es Schriftsteller giebt , welche sagen : daß er gar niemals da gewesen ist . Die großen Reisen des Demokritus , davon man nichts saget , hätten mehr Betrachtung verdienet , als sein Aufenthalt zu Athen . Man hat nichts von dem Wunderbaren dieses Aufenthalts gesaget . Man hatte Haupt« sachliche Betrachtungen über die Verachtung machen sollen , welche Demo - kntuS gegen die Ehre bezeuget , die er sich erworben hätte , wenn er sich zu erkennen geben wollen .
( C ) ( Sc hat zwo Proben einer 'außerordentlichen Einsicht ge»
gebend Bey einem Besuche , den Demokritus beym Hippokrates ab - gelegt , hat dieser letztere Milch auftragen lassen . Man saget nicht , ob dieses geschehen , des Demokritus Geschicklichkeit auf die Probe zu stel - len ; man saget nur , daß et entschieden habe : es sey diese Milch von ner schwarzen Ziege gewesen , die nur einmal getragen hätte . Hippokra - tes hatte eine Frauensperson mit sich gebracht : das erstemal , als sie De - mokritus gesehen , nennte er sie Jungfer , allein dm Tag darauf Frau : und er hatte es getroffen ; denn sie hatte dieselbe Nackt ihre Jungfer - schast verlohren . Dieß ist ohne Zweifel ein sehr scharfsichtiger Geist ge - wesen ; lind es befremdet mich nicht , daß ihn Hippokrates bewunderr hat . Wenn man mich um meine Meynung , wegen dieser Historien , fragen will ; so werde ich , ohne alles Bedenken , antworten , daß ich sie für falsch halie . Nicht darum , daß ich nicht glaubte : es könne die Schwärze ei - nes Thiers und desselben wiederholte Fruchtbarkeit einige besondere Ei - genschaft an der Milch hervorbringen . Es ist nicht unmöglich , daß dieses geschieht , nnd an der andern Seite auä ) ist es sehr möglich , daß es nicht geschieht . Wir wollen eben dasselbe von dem andern Artikel sagen . Es ist möglich , daß der Verlust der Jungferfchaft an dem Aeußer - lichen einer Person einige Veränderung mackei ; und es ist auch lich , daß er nicht die geringste verursachet . Da diese zwey einander ent - gegen gesetzten Dinge möglich sind , so wollen wir voraus setzen , daß in der Milch von einer schwarzen Ziege , und die zum erstenmal ? qettagen hat , eine besondere Eigenschaft ist , die von der Schwärze und der ersten Tragung abhänget ; sollte es denn aber einem Menschen möglich seyn , diese Eigenschaft zu erkennen ? Ich antworte , daß mir dieses nicht un - möglich zu seyn Mint ; allein ich glaube nicht , daß bis i« - o jemand zu diesem Grade der Erkenntniß gelanget ist . Man saget , daß die Bienen unter vielen Personen , die sich ihren Stöcken nähern diejenigen auf da» genaueste zu entscheiden wissen , welche nicht längst die Wollust der Venus gekostet haben . Plutarch . m Praec . Coniug . p . , 44 Hjerbey ist nichts , das nicht wahrscheinlich wäre ; denn die sinnlichen Werkzeuge des Un - gezieftrs sind so zart , baß eine Ausdunstung der Körperchen , welche die Sinnlichkeit der Menschen nicht reizet , dennoch den Geruch der Bienen oder Ameisen reizen kann Unterdessen sehe man , was von dem P . Cot - ton , in dem Artikel Mariana , in der Anmerk . ( C ) gesaget wird . lein die Wisstnschaft des Demokritus würde der Bienen ihre noch über , ttoffen haben , weil man nicht saget , daß sie zu entscheiden wissen , ob e» das erstemal gewesen , da man das Venusspiel geübt . Ich sag ? also : daß , wenn alles wahr wäre , was man von den Bienen erzählet ; und wem , es ohne Widerspruch wäre , daß der Verlust der Iungferschaft et - ivas von dem Aeußerlichen änderte , man dennoch daraus nicht folgern könne , es habe jemals ein einziger Mensch auf der Welt diese Veränderung erkannt ; und dem sey auch , wie ihm wolle , so bleibe ich dennoch bey der Mey - nung : da» ? Demokritus die bevden Sachen , davon die Rede ist , nicht erkannt hat . Gleichwohl kann ich sie vorbringen , ohne daß ich mich der Lügen
tkeilhastig

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