Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6822

Demokritus .
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ltch , daß Plutarch feine Absicht auf dieses Buch gehabt : er hat , ohne Zweifel , das Buch angeführel , wo Demetrius voll den Personen gere - det , die den Namen DemostheueS gehabt . Dieß heißt also die Muth - maßung CasaubonS nicht gut widerlegt , wenn man saget : Stepbanus vonByzanxhgt Sc» Demetrius Magnes iv . nvmviui ; angeführet , ßlfo muß man im piutarcb öas XDott , twmifjMv , stehen lassen . Compofuerat et hie autor libros xsfi cwuvfyjurj» vt teftatur Plutar - ( faus in Vita Demofthenis : male enim illo loco vir quidam doftifli - «ms legendiun ccnfet AmwfrfMC M & yv>1« »v roij biimviun , pro euvmCfim * , autor Stephanus apud quem voce etteßuv , citatur idem Demetrius «v cwuvipoit . Maulläc . Diflertat . Crit . de Harpocrat . P - 398 . Die Widerlegung würde nicht so schlimm seyn , wenn man haupten konnte , daß das Buch , davon Diogenes LaertiuS den Titel ge - geben hat , nicht dasjenige wäre , dessen Plufrch gedacht har . Allein man kann dieses , ohne Verlegung der Wahrscheinlichkeit , nicht haupten : und es ist gewiß , daß Casaubon das vom Plutarch , und das vom Diogenes LaertiuS angeführte Buch , für einerley Buch angesehen hat . Man müßte ihn also in dieser Verschanzung angreifen . Man merke eine seltsanie Sache : BerkeliuS hat nicht den geringsten Begriff von unserm Demetrius Magnes gehabt ; denn dieß ist die Note , die er über die Worte Stephans von Byzanz gemacht hat : lv m -
umviioie , Fortaflis intelligendus Demetrius cognomento Ixion , qui vt Suidas auöor eft , quaedam ad Grammaticam fpeäantia confcri - pfit . Berkel , in Steph . Byzant . p . 87 . Es ist zu verwundern , daß ihm sein Gedächtniß nichts von unserm Demetrius darbiethen können , von welchen verschiedene Alte und Neuere sehr viele Dinge gesaget haben ; «lleinuberdieses ist er tadelns würdig , daß er geglaubet , es habe ByzantinuS ein Werk des Sprachlehrers angeführet . Es wäre viel natürlicher zu sagen : daß es ein Werk gewesen , welches sich entweder auf die te oder die Erdbeschreibung bezogen hätte ; denn man führet ihn wegen eines Namens an , den so wohl eine Stadt , als ein Fluß gehabt . Der - gleichen Homonymien und Synonymien gehören nicht für einen Sprach - lehrer , in so fern er ein Sprachlehrer ist . Ich füge diese Einschränkung bey , weil es eine Art von Homonymien und Synonymen giebr , welche einzig und allein in die Sprachlehre gehören , und worüber die Alten Schriften herausgegeben haben . Maussac hat am angezogenen Orte Recht , zu beobachten , daß , nachdem die Menge Bücher , die von Urhe - bers gleichen Namens , oder über einerley Materien verfertiget worden , Anlaß gegeben , die Schriften eines Mannes mit den Schriften eines andern zn vermengen , die die Critik , welche sich vor dieser Zeit nur mit der Entscheidung beschäftiget , ob ein Werk untergeschoben , oder ächt ge - wesen , sich in eine neue Bedienung mischen müssen , nämlich in die terscheidung derer Werke , die gleichnamigen Scribenten zugehören . Er nennet drey Schriftsteller , die sich aus diesen Theil der Critik geleget ha - ben : der erste ist unser Demetrius Magnes , den andern nennet er Si - marestus und den dritten Dionysius von Sinope . Ita Simareftus qui . dam libros n . tgi evnuvvuay compofuerat . Hinc etiam Dionyfii Sino - penfis T£f ! iftftivtffttuv traöatus apud Vlpianum Demofthenis i§>rytf tx'v . Ebendas . Man ziehe den Wower . im X VI Cap . auf der 126 S . bey mir , ftines TractatS , de ? olymatKia , zu Rothe . Allein wir müs - sen auch nicht vergessen , was Jonsius de Script . Hiftor . Philof . p . - 50 beobachtet ; daß nämlich das Werk des Dionysius von Sinope , eine Comödie gewesen , ( Siehe Athen . Libr . IX . cap . VII . p . Z81 . ) und des SimarestuS seines , ein grammatisches Werk . Ionfius , de Script . Hift . Phil . p . 448 . Also haben sie Casaubon und Maussac sehr übel zu dem Demetrius Magnes gesellet . Sie würden besser gethan haben , wenn sie ihm den Agresphon ( Siehe die Anmerkung ( H ) , bey dem Artikel
Apollomus von Tyane . ) zur Gesellschaft gegeben hätten , von welchem Suidas in aWawm« geredet har . Sie sagen ader gar nichts davon Diese Auslassung ist um destowemger zu entschuldigen , da sie dasjenige nicht angezeiger haben , was AuluS GelliuS von einem Buche erzählet , worinnen der Urheber , unter andern Dingen , untersucht hat : quot fuerint Py thagorae nobiles , quot Hippocratae ? Aulus GelliusLibr . XIV . cap . VI .
ES ist kein einziger unter den Neuern , der an diesem Theile der tik so nützlich , als Meursius und Jonsius , gearbeitet hat , aud\ in hung der alten Schriftsteller , von gleichen , Namen . Man vergesse jenige nicht , was vom Allalius , in der Anmerkung ( F ) , seines Artikel« gesager worden . Wie aber unter den Schriftstellern der letzter» Jahr - hunderte , die Aehnlichkeit der Namen , nicht weniger eine Quelle der Fehler gewesen , so hat auch die Noth erfordert , etwas über diese rie zu verfertigen . Ein gelehrter Deutscher , Johann Moller , auö Flens - bürg m Holstein , hat sich darinnen geüber . und gutes Glück gehabt . Sein Vorhaben geht auf die alten und neuern gleichnamigen Schrift - steller . Sein Buch , Homonyinofcopia I lirtonco - Philologico - Cri - tica , fnie Schediafma * a ? sgy> * o - j de Scriptoribiis Homonymis qua . dripartituin , etc . betitelt , ist «698 zu Hamburg in 8 gedruckt worden Man findet darinnen unzählige Fehler angemerkt , welche in der eignung eines Buches , an einen Schriftsteller bestehen , der es nicht ge - macht , und mit dem wahrhaften Verfasser weiter nicht , als nur den men gemein hat , u . d . m .
( C ) Man findet in dem Dionysius von - Halikarnaß eine le , davon ick reden rverve . ^ Dies« Schriftsteller , ein so guter lichter , als Historienschreiber , beobachtet , daß Callimachus und die an - dern Sprachlehrer zu Pergamus , von dem Redner Dinarchus nichts ge - schrieben hätten , was nicht höchst unvollkommen wäre . Er fuget dazu : daß Demetrius Magnes , der für sehr gelehrt gehalten worden , undtvelcher von eben diesem Redner , und zwar auf eine Art geredet Mitte , iveiche Wun , derdinge in seinem Werke , de Homonymis , versprochen , sich nichts desto - weniger betrogen . a ? h« { « man lese 4 m * > - »« et %bc * s «ra / v . V« ?
iv rjT mgi tüv bnavu / xtiv nfaymrrsla etc . Demetrius Magncfius , qui po - lyhiftor fuifte vifus eft in tra & atu de homonymis et ? . Dion . Halie . in Iudicio de Dinarcho , p . m . 349 . Er führet die ganze Stelle an . Man sieht darinnen , daß Demetrius anfänglich beobachtet , es hätte vier Dinarchen gegeben , und darauf etwas von jedem gesaget , und den An , fang mit dem Redner gemacht . Man sieht auch alles darinnen , was er von diesem Redner gejaget hat . Die Critik des Dionnsiu« von Ha - likarnaß darüber , ist >el , r gut : er beklaget sich , daß die Rede des Deme , Mus weder von der Geburt des Dinarchus , noch von seiner Lebenszeit , noch von dem Lande , wo er seine Beredsamkeit gebrauchet hat , etwas meldet . Dieß sind Sachen , davon man sich sehr wohl hätte unterrich - ten können , wenn man sich die Mühe nehmen wollen , sich darnach zu erkundigen . Dionysius von Halikawaß beweist es durch Darlegung seiner Einsicht , die er durch sein Nachsorsä ) en in diesen Puncten ten hat . Ich schätze mich glücklich , daß ich gleichen Geschmack gehabt , ehe ich diese Stelle des Dionysius von Halikarnaß gelesen habe : ich ha - be noch nicht gewußt , daß er diese Fehler von der Erzählung unsers De - metrius bemerkt gehabt , als ich diejenigen getadelt habe , welche das Lob eines Mannes , ohne Bemerkung des Ortes , und der Zeit seiner Geburt und seines Todes , u . s . w . machen . Siehe die Nouvelles de la Rep . des Lettres . Brachmonat , 1684 . Art . V . soo S . Ausgabe von 1686 . Diese Mängel können uns , wegen des Verlustes von den Schriften dieses Schriftstellers , nicht trösten ; denn seine Erzählungen würden uns , so un . vollkommen sie auch wären , große Dienste leisten .
Demokritus , einer von den größten Philosophen des Altetthums , war von Abdera in Thracicn - . Er wurde von den Magis erzogen ( A ) , welche ihn in der Gottesgelahrrheit und Sterndemerkunst unterwiesen . Er hörte hierauf dm Leucip - pus , und lernte von ihm das Lehrgebäude der Atomen , und des leeren Raumes . Die außerordentliche Neigung , die er gegen die Wissenschaften hatte , trieb ihn an , alle Länder der Welt durchzureisen , wo er geschickte Leute anzutreffen hoffte . Er besuchte die Priester in Aegypten ; er zog die chaldäischen und persischen Philosophen zu Rache ; und man will , daß er so gar bis nach In - dien und Aethiopien gegangen sey , um sich mit den Gymnosophisten zu unterreden . Er verthat hierbey sein ganzes väterliches Erbtheil , welches sich über hundert Talente belies t ; hierauf hatte er nöttzig , den Unterhal^von seinem Bruder zu erwarten :
und wenn er nicht so sichtbare Proben seines großen Geistes gezeiget , so hatte er sich einen Schandfleck der Ehrlosigkeit zugezo - gen , weil er sein Vermögen nicht erhalten hatte ( » ) . Der Rcisegeist der Großen herrschte bey ihm : er suchte die Reichthü - mer der Gelehrsamkeit in dem innersten Indien , und bekümmerte sich wenig um die Schätze , die er fast vor seiner Thüre hatte , rc . . : a » , Ktfsen nemrfen c . wenn wir einiaen Scbriftsiellern bierinne» alauben wallen ? rn - nn o> . s ,
zu Athen gewesen c , wenn wir einigen Schriftstellern hierinnen glauben wollen ; oder wenn er auch da gewesen ist , wie andre versichern , so hat^er sich doch daselbst keinem Vienschen zu erkennen gegeben . ^ Er hat z>vo Proben einer außeror -
gen , weil er sein Vermögen nicht erhalten I
mer der Gelehrt ' " A -
Er ist niemals
ist , wie andre v . . . > ' , , ■ ^ . ■ ■ . « . - - - - > , — »»»>»» hud»vi -
dentlichen Einsicht gegeben ( C ) , welche ihm die Bewunderung des großen Hlppokrates erworben haben . Allein man darf dasjenige nicht glauben , was man davon gesaget hat ; man muß sich vielmehr einbilden , daß man ein Belieben gehabt , die Historie der Philosophen mit so vielen wunderbaren Abembeuern auszuschinückeli , als die Geschichte der irrenden Ritter ; und es ist ge - wiß , daß , in Ansehung der Herzhaftigkeit , die Heldenthaten des berühmten Rolands nicht wunderbarer seyn könnten , als die : wo Entdeckungen des Demokritus »n den Geheimnissen der Natur . Einige sagen : er habe 109 Jahre gelebet ( D ) : und habe seine Stervestiinde , zum Besten seiner Schwester , auf einige Tage aufgeschoben ( E ) . Er hat eine große Anzahl Bücher verfettiget d : man darf sich darüber nicht verwundern , ^wenn er auch nicht so lange gelebet hätte ; denn er liebte die Einsam - feit , und legte sich mit einer ganz seltsamen Art auf das Studieren ( F ) . Ueberdieß war er ein witziger Kopf , ein weitlauftiger , scharfsinniger Verstand , der sich in alles einließ . Die Naturkunde , die Sittenlehre , die Mathematik , die schönen Wissenschaft ten die freyen Künste , fanden sich in dem Bezirke seiner Wirksamkeit . Er wurde in allen Dingen sehr gesclM , und in so ho . bem Grade , daß er sich bis zu dem Ruhme der Ersindung erheben konnte , wie uns Seneea belehret ( G ) . jch habe in eini - aen Neuern gelesen , daß sein langes Leben eine Folge seiner Keuschheit gewesen ( H ) ; allein ich finde dieses nicht in den Alten . ÖBenn alles dasjenige , was man von ihm erzählet , aus seinen wahrhaften Schriften gezogen P kann man nicht leugnen ,
/ wwftn ( K ) ' lw will luijtn , vrr wiaqie , rveicye au , tm »<■» vuuu nia ; [ , vaz er
% rtblrroiftia aewesen ist . sich selbst die Augen auszustechen ( L ) , wie einige gesaget Häven . Die Antwort , mit welcher er den Tviriug aetrostet hat , ist ziemlich sinnreich ( kvl ) . Er ist zu entschuldigen , daß er über das ganze menschliche Leben gespottet fiif CNV Gr fiaf bierinnen besser gethan , als wenn er dem Heraklitus nachgeahmet hatte , der unaufhörlich geweinet hat . Er ist j . r ( finihirg aewesen ( 0 ) ; denn das Lehrgebäude dieses letztern ist von d^ Demokritus seinem nicht weiter unter -
Ä Ausbesserungen . Es ist auch Demokritus gewesen , welcher den Pyrrho -
wem allesÄienige an die Hand gegeben , was sie wider das Zeugniß der Sinne gesaget haben ; denn außer , daß er zu sageit nkkeate' es sen die ^öabrbeit in dem Grunde eines Brunnens verborget , , so behauptete er , daß nichts wesentliches wäre , als die flSrhn undd^ ? ereunddaß alles übrige in der bloßen Einbildung bestünde^ Dieses ists , was die heutigen ( ^artesia - ! ? . 7o ? den^^ der Farbe , dem Gerüche , dem Tone , dem Geschmacke , der Kälte , der Hitze sagen ; L

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