Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6814

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Demetrius .
Demetrius Magne6 , ein griechischer Schriftsteller , der mit dem Cicero zu gleicher Zeit gelebt ( A ) , hatte Bücher gemachet , deren Verlust diejenwn sehr bedauern , die sich darauf befleißigen , das Leben der alten Scribenten zu wissen , oder zu verfertigen . Er hatte ein Werk von den Schriftstellern und Städten zusammen getragen , die einerley Namen geführet haben ( B ) . Diese Arbeit ist in Ansehung der großen Anzahl von Poeten und Philosophen , u . d . m . die einer , wie die andern , geheißen , nützlich und nothwendig gewesen . Plutarch , Diogenes Laertius , Stephan von Byzanz , Harpokration u . a . m . ha - den diesen Demetrius angeft'ihret . Die Sache , weswegen ihn Athenaus anführet , ist sehr merkwürdig ; nämlich daß Thea - timus , der wider den Eplkur geschrieben , vom Zeno dem Epikuräer angeklagt , und zum Tode verdammet worden « . Man findet ( C ) in dem Dionysius von Halikarnaß eine Stelle , davon ich reden werde .
a ) Athenacus , Libr . XIII . pag . 611 .
als Homonymum bedienet hat , wenn man andeuten wollen , daß diese und jene Poeten , diese und jene Städte u s . w . einerley Namen gehabt haben . Bloß in den dialectischen Schriften hat man den Unterschied zwischen »rjavipm SynonymuiTi , und Homonymum , beob»
achtet . Heutiges Tages hat uns der Eigensinn des Gebrauches in ei - nen andern Stand verseht : es würde nicht erlaubt seyn , ohne Unter - schied zu sagen : ein solcber bat einen Tractar , von , wevveutigen over gleichnamigen Schriftstellern gemacht , oder von Gciirift - stellern , vie einerley XTamm geftchret . Siehe die Anmerkung , F ) des Artikels Allatius . Die Begriffe , die man mit xrvevdeurig vcr - knüpft , leiden diesen Unterschied nicht , und folglich müssen wir so wohl in der ordentlichen Sprache , als in den logischen Büchern einigen Unter - schied unter aequiuoca , et av . uvoft« fynonyma beobachten ,
wenn wir lden Sinn dieser Worte auf französisch ausdrücken wollen . Plutarch hat , wie ich bereits gesager habe , bey dergleichen Begegniß nicht nöthig gehabt , etwas zu unterscheiden . Es hat ihm eben so frea gestanden , des Demetrius Werk , entweder unter dem Namen iuwtLw , oder unter dem Namen anzuführen , als es uns heutiges Ta -
«es ftey steht , einerley Werk des P . Rapin entweder unter dem TKel Comparaifon de Piaton et d'Ariftote , oder unter dem Titel parallele de Piaton et d'Ariftote anzuführen . Eine vollkommene Aufmerksamkeit würde erfordern , daß man bey Anführung eines Werkes die eignen Worte gebrauchte , daraus der Titel in den Ausgaben besteht , und daß man sich nicht damit begnüget , gleichgültige Ausdrückungen anzuwen - den ; allein die meisten Schriftsteller können sich nicht dazu gewöhnen . Einige behalten die Sachen eher , als die Worte : sie erinnern sich , zum Exempel , daß David Blondel ein Werk über das heil . Nachtmahl ge - schriebe - ? hat ; und sie erinnern sich nicht , daß dieses Werk betitelt ist , Eclaircifl'emens familiers de la controverfe de 1' Euchariftie Sie glauben auch , daß sich der Urheber anstatt des Wortes Euchariftie des Wortes Cene bedienet hat ; also führen sie ohne Bedenken bald Blonde ! au Traite de la Cene , bald Blondel au Traue de 1'Euchariftie , oder Blondel dans fes Eclaircifl'emens für la controverfe de PEucharifti# an . Einige zweifeln , ob auf dem Titel Ce'ne oder Euchariftie fleht * allein weil sie sich befürchten , die kostbare Zeit zu verlieren , wenn sie die Feder aus der Hand legen und sich durch Aufschlagung des Buches Er - lauterung verschassen sollen ; so begnügen sie sich mit einem gleichgültigen Worte . Wir wollen dieses auf den Plutarch in Ansehung des Unter« schiedes anwenden , der sich zwischen ihm , und dem Diogenes Laertius . wegen des Buches von dem Demetrius Magnes findet . Er hat sich mehr an die Sache , als an die Worte gebunden : er hat gewußt , daß dieser Schriftsteller ein Werk von denjenigen Scribenten gemacht batte , die einerley Namen geführet , und daß man darinnen einen Umstand von des Demosthenes Heirath fände : er hat gewußt , daß das Worc die Materie dieses Buches vorzustellen , so gut war , als das Wort ipmuna : dieß ist ihm genug gewesen ; er hat nicht geglaubt , daß es sich der Muhe belohne , sich deswegen umzudrehen , wen - , er auch gleich ge - zweifelt hätte , ob der Titel des Urhebers und nicht «r«>
evwipm wäre . Ich hätte mich bey diesen Kleinigkeiten nicht so weit - läustig aufgehalten , wenn ich nicht geglaubt hätte , daß dieses dienlich seyn konnte , die Blendwerke der Worrforfcher zu zeigen . Wie oft haben sie nicht geglaubt , daß man gewisse Stellen , wegen des Unterschieds der Lettern , verbessern müsse ? Wie vielmal , sage ich , haben sie dieses nicht ohne den geringsten Grund geglaubt , und unbilliger weise auf die schreiber gescholten ? Was soll ich von so vielen Schriftstellern , und von so vie en Büchern sagen , die sie mit Unrecht unter dem Vorwande ver - vielfaltigen , weil sie in den Alten , die sie anziehen , nicht dieselbe Recht - schreibung finden ? 0 was für entsetzliche Schnitzer wird man nach die - sen Regeln über tausend Jahre bey Auslegung unser Schriftsteller bege - hen , welche mit der ungebundensten Nachläßigkeit die Namen der Schrift - steller schreiben , wie sie wollen , und die Titel der Bücher nach Gefallen benennen , ( siehe Nouvelles de la Republ . des Lettres Sept . i6gj Art . IX . pag . 1024 . und f . ) Siehe oben den Artikel Damian .
Wenn der gelehrte Maussac allem diesem sattsam nachgedacht hätte Ca würde er nicht geglaubet haben , daß das Werk des Demetrius Magnes welches vom Plutarch irtf ) «Wp« , , angesühret worden , von demieni - gen unterlchieden wäre , welches die andern « ? i iuUVvut , v anführen Mauflac . Diflert . Crxtic . de Harpocrat . p . m . 300 ( S - JTa „ „ . Lmia " daß er . zum Beweise seiner Meynung , die Stelle StepHms von Vy - zanz ang . ebt , wo Demetrius unter i'w , '» «rw^SÄet ist Ich wundere mich , daß er nicht den harpokration in » « "
> s1 " ° & re de " bl^lls ^onymis , gesaget : daß es vier Städte voii dem Namen Metbone gegeben . Man folgere hieraus daß diese zween Titel keinen Unterschied voraussetzen , und daß nach dem Begriffe derer , d , e sie angesühret haben , und find . Man kann auch behaupten . daß . wenn auch ein Schriftsteller ei - nes von diesen zweyen Wörtern zum Titel eines von seinen Büchern und das andere zur Betitelung dcS andern Buches gebraucht hätte , foU che« nicht in der Absicht geschehen , einigen Unterschied zu bemerken * denn es ist offenbar , daß der Begriff , nach welchem man eine lung von den Städten machet , die Antiochia heißen , eben derselbe ist dem man folget , wenn man ein Buch von den Schriftstellern machet' die Thalcs oder Aristophaneö heißen ; und also kann der Unterschied der Vernunstlehrer unter humutut aequiuoca und vniuoca ben
diejer Begegniß nicht die geringste Statt haben . Maussac hätte' iick erinnern sollen , das . das vom Stephan von Byzanz und vom kration angeführte Buch , h «r« von Städten gebändelt hat , die eine wie die andern geheißen . Nun ist es gar nicht wahrschein -
lich
( A ) Er bat mit vem Cicero ; ti gleicher Zeit gelebt . Z Dieses wird durch folgende Worte bewiesen : Memini tibi Tibrum afferri a Demetrio Magnete ( ad te mifliim fcio ) irtg ) Ipcvolxf , Eum mihi velim mittas . Vides quam caufiam mediter . Cicero , ad Attic . Epift . XI . Libr . VIII . pag . 787 , 788 . grävischer Ausgabe . Das folgen - de ist noch ein viel klärerer Beweis davon : Haec igitur videbis , et , quod ad te ante feripfi , Demetrii Magnetis librum , quem ad te mifit de concordia , velim mihi mittas . Ebendas . XII Br . 799 S - Man sieht hieraus , daß Demetrius sein Buch von der Eintracht dem Pom - ponicus Atticus geschickt hat ; er hat also mit diesem guten Freunde des Cicero zu gleicher Zeit gelebt . Wenn sich VoßiuS der andern von mir angeführten Stelle erinnert hätte , so würde er de Hift . Graec . Libr . I . cap . XXIII . auf der 149 , i ? o S . die Vcrnunftschlusse nicht nöthig ge - habt haben , die er angesühret hat , zu beweisen , daß man in der ersten Stelle itwdxt und nicht lesen müsse . Der gelehrte Maussac in Notis ad Harpocr . Voce MeSn'vi» hat vorgegeben , man müsse nach der letzten Art lesen . Ego dico reftituendum * ■£ ? ; inmüpw / , de hoc enim opere loqui voluit Cicero . De Concordia autem feripfifle Demetrium illum adhuc non legi . Cr hat sich also nicht erinnert , den Brief des Cicero gelesen zu haben , wo dasselbe Buch des Demetrius de Concordia betitelt wird . Wir lernen aus diesem Beyspiele . wie leicht die allergeschicktesten Kunstrichter uns höchst falsche Verbesserungen ge - ben können . Heinrich Balesius hat diesen Fehler Maussacs nicht ent - deckt . Wir wollen einen Schnitzer de« Zonsius de Scriptor . Hiftor . Philof . pag . 207 . bemerken . Er hat gesaget , Ciccro hatte den Demetrius Magnes unter diejenigen gerechnet , die ihn in der Redekunst unterwie - sen gehabt , und er führet den Brutus des Cicero an . Zch habe dieses Werk zu Rache gezogen , und solches nicht darinnen gefunden ; ich habe nur gefunden , daß Cicero die Schule des Demetrius , des Syrers , be - sucht hat , und daß Dionysius Magnes sehr fleißig bey ihm gewesen ist . Eodem tempore Athenis apud Demetriuin Syrum , veterem et non ignobilem dicendi Magiftrum ftudiofe exerceri folebam . - . . Cicero in Bruto , cap . XCI . afliduiflime autem mecum ftiit Dionyfius Magnes . Ebendas . Man wird in dem Plutarch in Cicer . pag . «6 - . E . sehen , daß einer von des Cicero Lehrmeistern in der Redekunst Diony , sius Magnes geheißen . Es ist leicht zu sehen , woher des Jonsius Versehen kömmt : Sein Gedächtniß hat die Zunamen der beyden sonen versetzt , deren Cicero auf einer Seite gedacht hat . Mollerus de Lcriptor . Homonym . pag . 901 . ist dem Jrrthume des Jonstus gefolgt .
( B ) Er batte ein Xveri ! von den Schriftstellern gemacbt , vie einerlei Namen geführet . ^ Diogenes Laertius giebt den Titel davon :
i lAiyvtic «v toic rcig ) hpum / tun nootrwv te yji } Zvyyfxfeaiv ,
Demetrius Magnefius in libro de Poetis ac Scriptoribus aequiuocis . Diog . Laertius , Libr . I . in Epimenide num . ns . und Libr . V . in Ari - ttotel . num . j . In Thalete , Libr . I . num . 38 . bemerket er , daß derUr - Heber von sechs Personen geredet , die Thalcs geheißen . Ich übergehe die andern Stellen , wo er ihn anführet . Isaac Casaubon . ein gelehrter Ausleger , in Diogen . Laertium , Libr . I . num . 38 . hat geglaubt , man müsse das Wort cvjwitwv weqnehmen , und das Wort in diese
Stelle Plutarchs in Demofthene pag . « ? z . F . setzen : uä w hu *
tuvtw t «Ää tceula nvi evjwKvctv , <ü ( kofu A^rfiot i Iv
toTs TEfl •Zujmipm'' Non duxit eam tarnen vxorem ( Demoßbenes ) fed Samiam quandam , vt tradit Demetrius Magnefius in libris de Synonymis , in matrinionio habuit . Er führet auch die 8 ; 8 S - an F , ohne den Titel des Buches zu bemerken , und die 859 S . B , ohne daß er ihm den Zunamen Magnes giebt . Eben dieser Ausleger beobachtet , daß Demetrius nicht der einzige gewesen , der über diese Materie geschrie - den hat , und daß die Griechen den Dionysius von Sinope in und einen gewissen Symaristus i» anführen . Die erste von
diesen zwoen Beobachtungen ist vom VoßiuS sehr übel begriffm worden , oder er hat sich vielmehr allzuviel auf fein Gedächtniß verlassen , und sich desselben nicht wohl gebraucht . Er giebt von den griechischen Geschicht - schreibet» auf der >50 S . vor , Casaubon hätte gesaget , daß man in dem Diogenes Laertius ianstatt «•£ ? > wmvuuv lesen müsse . Er setzet dazu , man müsse nichts ändern , weil Demetrius so wohl über die eine , als andere von diesen Materien Bücher gemacht hätte . Erbe - weist es mit den Worten Plutarchs , die von mir hier oben angesühret worden sind Dieß heißt voraussetzen , es stehe * £ ? > in dem
Diogenes Laertius : dieß aber ist falsch . Es ist «i»ch falsch , baß Casaubon dieses Wort hat eiiigeftlhret haben wollen ; er hat solches nicht anders gewollt , als in Absicht aus das Leben des Demosthenes , welches Plutarch geschrieben . Menage in Laertium Libr . I . num . zF . hat diese zwey Versehen des VoßiuS aufgedeckt , welche nichts destoweniger Ursache ge - Wesen , daß ein gelehrter Mann , loh . Mollerus de Scriptor . Homony - mis , pag . 902 . vor kurzem aesaget hat : Casaubon habe mit Unrecht vor - gegeben , ' daß man in dem Diogenes Laertius zu dem Leben des Thales sehen müßte . Er beschuldiget den Jonsius mit Unre6 ) t eines gleichen Vergebens . Menage hätte noch ein drittes Versehen deS Voßius bemerken können ; denn man muß sich unter dem Vorwande . weil Plutarch das Werk de Synonymis anführet , nicht einbilden , daß dieses Buch von demjenigen unterschieden wäre , welches andere unter dem Titel de Homonymis anführen . Es wäre also nöthig gewesen , daß Casaubon in Plutarchs Texte eine Veränderung verlanget hätte . Es ist sehr wahrscheinlich , daß Plutarch diese Worte geschrieben hat , h roTt net ) eu - münuv . Ein Gnchichtschreiber , der viel Bücher anführet , bürdet sich die Dienstbarkeit nicht auf , sie eben durch dasselbe Wort anzuzeigen , das sich der Urheber bey derselben Betitelung erkiest hat ; er begnügt sich , sie durch Worte anzuzeigen , die eben dasselbe bedeuten ; nun ist es gewiß , daß man sich in der gemeinen Sprache so bald des Wortes Synonymum

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