Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6798

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Dellius .
verschieden« andere große Männer halten dafür , daß Castor , welcher vom Joseph in ^pion . Libr . II . der Zeirrechnungskundige genennet wird , der Schwiegersohn des Dejotarns ist . Mich halten drcy Gründe ab , diese Meynnng anzunehmen . Der I ist , daß dieser Castor , wie sie bekennen ein Buch gemacht hat , welches zum Titel hat , x ? - »« - - «yvoifWa , die chronologischen llnwisienheiten . ^ Allein dieses Werk ist vom Apol - lodor Bibl . Libr . II . p . IN . 75 . angeführet worden , der unter dem Ptole - maus Evergetes dem II , geblüher hat : ( Voflius de Hiftor . Graec . p . 132 . ) also müßte Castor auf das späteste unter dieser Regierung geblühet ha - ten . Wie könnte er denn des Dejotarus Schwiegersohn gnvesen seyn ? Denn dieser Schwiegersohn hat noch gelebt , da Cicero den Dejotarus vor Gerichte vertheidiget hat , das heißt im 709 Jahre Roms , oder da - herum . Cicero in der Rede für den Dejotarus im X Cap . wo er den Castor anredet , giebr deutlich zu erkennen , daß sein Vater ein Mirschul - diger von der Rotte der Anklage ist . Kurz zuvor hatte er gesaget , daß Castor , nach derpharsalischen Schlacht , seinem Vater zugefallen , bey des Pompejus Partey geblieben wäre . Dieses wird man aus der genden Anführung sehe» . Ein Mann , der unter der Regierung des Evergetes geblühet hätte , die sich vom 608 Zahre Roms bis in das 636 Jahr erstrecket , konnte dieser wohl im 709 Jahre , noch am Leben gewesen seyn ? Meinen II Grund nehme ich daher , daß Castor , der Zeit - kundige , viel Bücher über Materien geschrieben hat , die einen ganzen Mann allein erfordert haben . Ein Schriftsteller , wie er , muß lange Zeit studiert , und fast nichts anders gerhan haben . Diefts schicket sich nicht zu des Dejotarus Schwiegersohne . Man redet von ihm , als von einen» Menschen , der sich der Partey des Pompejus mir solcher keit angenommen , daß sein Sohn aus Gefälligkeit gegen ihn , nach der Niederlage bey Pharsalus die Waffen nicht niederlegen wollen , so sehr sich auch Cicero hat angelegen seyn laßen , ihn dazu zu überreden . Hic vero adolefcens . - - cum in illo noftro exercitu equitaret cum fuis deleftis equitibus , quos vna cum eo ad Pompeium paler mife - rat , quos concurfus faccre folebat ? quam fe iadtare ? quam fe ölten , tare ? quam nemini in illa cauflä studio et cupiditate concedere ? Cum vero , exercitu amiflo , ego , qui pacis auäor femper , poft Phar - falicum praelium , fuafor fuiflem armorum non deponendorum , fed abiicienaorum ; hunc ad meam auäoritatem non potui adducere , quod «ipfe ardebat ftudio iplius belli , et patri fatisfaciendum eflcarbitra - batur . Cicero , pro Deiotaro . Ebeudas . Man setze dazu , daß Cicero in der Vertheidigunq des Dejotarus nicht ein Wort saget , welchos zu erkennen gäbe , daß'derEydam dieses Prinzen ein Gelehrter gewesen wäre . Er hätte nicht füglich davon schweigen können , wenn dieser Schwiegersohn durch seine Bücher so berühmt gewesen wäre , als der Chronikenschreiber Castor war . Man wende nur nicht ein , daß dieses Stillschweigen einer von den rednerischen Kunstgriffen des Cicero gewesen : er hat befürchtet , es möchte die Lehre des Vaters ein günstiges Vorurtheil für den Sohn zu - wege bringen , welcher des Dejotarus Ankläger gewesen ; allein dieser Einwurf ist ohne Stärke . Cicero hätte auf hunderterley Arten den Fehler des Sohnes , und auch des Vaters , durch die Betrachtung der Wissenschaft dieses letztern . vergrößern können . Bielleicht , wird man mir sagen , hatte der Schwiegersohn des Dejotarus seine Bücher noch nicht bekannt gemacht . Allein woher kommt es denn , daß er vom Apollodor angeführet worden ? und wenn sollte er sie denn ans Licht gegeben haben ? Hat ihn denn Dejotarus , welcher den Proeeß , den er in Rom gehabt , aufs höchste nur drey oder vier Jahre überlebt hat . nicht tödten lassen ? Strabo XIIB . 591S - Ueberdieß , bemerke ick ) , wie Cicero als etwas gewisses vor - aussetzet , daß der Eidam des Dejotarus in der Welt weiter durch nichts bekannt gewesen , als durch die Ehre , daß ihm Dejotarus seine Tochter gegeben . Vorher , hat er in der Finsterniß herum gekrochen . Also redet man nicht von einem großen Bücherhelden . Der entstktiche unv er - staunliche Unterschied , der sich zwisclm , ihm und regierenden Häuptern befindet , machet nicht , daß man sagen könnte , er sc» unbekannt , er habe in der Dunkelheit gelebt : und es würde mich nichts mehr überreden , daß er sich einen ungemeinen Ruhm erworben hätte . als daß ihn ein Prinz zu seinem Schwiegersöhne erwählet hätte . Ich glaube also , daß , wenn der gelehrte Castor des Dejvtarus Tochter gehcirathet hätte , er zu dieser Ehre durch den Schimmer seiner Wissenschaft gelanget seyn de ; und das ; folglich Cicero sich nicht erkühnet haben würde , dasjenige von ihm zu sagen , was er von ihm gesaget hat : Rex Deiorarus vcltram familiam abie & am et obfeuram de tenebris in iucem vocauit : quis tuum patrem antca qui eflet , quam cuius gener eflet , audiuit ? Cicero , proDeiot . c . XI . Mein III Grund ist , daß , da es verschiedene alte Scri - beuten giebt , die den Castor angeführet haben , ihn kein einziger des Dejo - tarus Schwiegersohn betitelt . Gleichwohl vergißt man dergleichen Tmilo - turen nicht leicht ; denn wie sie unter den Schriftstellern sel ? r selten sind , und der Glanz , den sie demjenigen mittheilen , der sie besitzt , sich aewis - ser maßen über die ganze Republik der Gelehrten ausbreitet : so läßt man
sichs gefallen , wenn man nur kann , zusagen , daß der Schriftsteller , den man anführet , der Sohn oder Schwiegersohn des Königes ist . Wenn man siä ) jemals dieses seltsamen Unistandes hätte erinnern sollen , so wä - re solches damals geschehen , da der König als Schwiegervater , den Ge - - lehrten so bekannt gewesen , als Dejotarus nach der Rede des Cicero . Woher wäre es denn gekommen , daß des Dejotarus Schwiegersohn nie - malS unter diesem Titel angeführet worden ? Varro in den Büchern de Vita Popuii Romani , Joseph , Plutarch , Justin Martyr , Tatian , Eusebius , der heil . Cyrillus , Ausoniuö , Stephan von Byzanz , habende» Castor angeführet , und kein einziger darunter ist auf den Einfall gera - then , ihn des Dejotarus Schwiegersohn zu nennen . In dem Vößius de Hiftor . Graec . pag . 158 , 159 . kann man finden , an »velchen Oettern diese von mir genennten Schriftsteller den Castor anführen . Wenn ich mich nicht bekriege , so hat es Niemand , als Suidas , gethan . Allein wo find doch die Leute , denen die erstaunliche Verwirrung seines Wörterbuches unbekannt ist ? Fast alles ist ohne den geringsten Zusammenhang darin - nen ; wie oft hat mau nicht dasjenige zertrennt , was vereiniget seyn sollte , und dasjenige vereiniger , was getrennt seyn sollte ? Wir haben schon gesehen , daß Suidas den Dejotarus für einen römische» Raths , Herrn genommen hat .
Dasjenige , was ich von dem beständigen Fleiße gesaget habe , mit chem Castor hätte studieren müssen , wird allen denen sehr wahrscheinlich vorkommen , welche die Natur seiner Werke erwägen wollen . Es scheint , daß er an Verbesserung der Zeitrechnung , und Bemerkung der Fehler von den alten Historienschreibern gearbeitet hat . Man führet ihn in des Eusebius Chroiüke wegen der Königreiche Sievon , Arzos , und Athen , und wegen der Monarchie der Assyrier an . Er hatte ein Buch von der Stadt Babylon gemacht ; er hatte von den Völkern geschrieben , die nach und nach Herren des Meers gewesen sind . n * - ? ) '
Er hatte einen Tractat vom Nil» und einen andern gemacht , wo er die Gebrauche der Römer mit den Gebräuchen der pythagoräischen Secke vergleicht . Plut . in Quaeft . Roman , führet ihn an . Zch tvill nichts von den Werken der Redekunst sagen , die ihm Suidas zueignet ; denn vielleicht sind sie von einem andern Castor . Die Kenner werden mir sehr leicht - lich zugestehen , daß von allen Federgeburten keine mehr Zeit , mehr Fleiß und mehr Geduld erfordern , als diejenigen , wo man sich vornimmt» di« Zeitrechnung zu verbessern , und den Geschichtschreiben ! ihre Fehler decken . Hiermit bat sich Castor beschädiget : zum Zeugnisse dienen seine chronologischen Feyler , uud das Buch , davon Auso -
nius hat reden wollen . Quod Caftor cunctis de Regibus ambiguis . Aufonius , in Profeflör . Burdig . Epigr . XXIII . v , 7 .
lieber nichts habe ich mich mehr qewundert , als da ich gesehen , daß man den Antonius <£«fror beym PliniuS , mit dem Schwiegersohne des Dejotarus vermenget hat . Dieses hat der P . Harduin in Indice Autor . Plinii gethan , da er nicht in Acht genommen , daß Anton Castor zur Zeit des PliniuS und über hundert Jahre zelebet hat . Dieß ist ein vortresf» licher Kräuterverständiger gewesen , der in seinem Garten eine sehr große . Menge Pflanzen gezogen und gelehrt davon geredet hat . Er ist niemals krank gewesen , und , nachdem er über ein Jahrhundert gelebt , noch ein gutes Gedächtniß , und einen Körper bey Kräften gehabt . Pli - nius hat diesen Garten gesehen und viel Licht von diesem Kränterkundi - gen erhalten . Nobis certe , exceptis admodum paueis , Contimit reli . quas contemplari fcientia Antonii Caftoris , cui fumma ancteritas erat in ea arte noftroaeuo , vifendo hortulo eins , in quo plurimas alebat ; centelimum aetatss annuni excedens , nulluni corporismalura expertiif , ac neaetate quidcm memoria aut vigore concufljs . Plinius , Libr . XXV . cap . II . Moreri führet das I Cap . des XV B . an . Kann wohl dieses des DejotamS Schwiegersohne zukommen ? Ist er nicht nebst seiner Gemahlinn von seinem Schwiegervater im 714 Jahre Roms über 50 Jahre vor des PliniuS Geburt getödtet worden ? Er ist im 774 Jahre Roms gebohren worden , und im 8z> Jahre sechs und fünfzig Jahre alt , mehr oder weniger , gestorben . Wenn der P Harduin , der sich aufeine Stelle des Plinius gründet , murhmaßet , daß Anton Castor etliche Bän - de von den Pflanzen gefertiget , so hat er vielmehr Grund : gleichwohl konnte es seyn , daß die Worte des Plinius , ( sie stehen zu Anfange des X VII Cap . im XX 95 . ) nur bedeuteten , daß ihm Castor in feinem Gar - ten die Pflanze gezeiget , davon die Rede ist , oder daß er den Liebhabern , die ihn besuchet haben , die Beschreibung davon gemachet . Was mich , wegen der Muthmaßung dieses geschickten Auslegers , noch in Zweifel halt , ist , daß , wenn Castor Bücher von der Kräuterkunst herausgegeben hätte , Plinius zum wenigsten ein Wort davon gedacht haben wurde , wenn er von dem Garten und der Wissenschaft dieses Mannes im II Cap . des XXV B . redet . Dem sey , wie ihm wolle , so hat es der P . Harduin besser getroffen , als VoßinS : er deutet die Stelle aus dem XX B . des PliniuS auf den Anton Castor ; allein VoßinS versteht hier den Chro - nikenfchreiber Castor , der vom Apollodor angeführet worden .
0ClltU$ ( Quintus ) ein griechischer Historienschreiber . Plutarch redet zweymal von ihm : I . wenn er erzählet daß Marcus Antonius der Cleopatradurch einen Abgeordneten melden lassen^ sich nach Cilicien^u verfügen , und ihre Auffuhrung
»u rechtfertigen denn man beschuldigte sie , sie hätte dem Brutus und Caßius Hülfe geleistet : II , wenn er der Unanade ei - Niger redlichen Diener des Marcus Antonius gedenket K Die erste Stelle lehret uns , daß Dellius zu der Cleopatra ge° schickt worden , ibr den Befehl zu ihrer Ueberkunft nach Cckcien anzudeuten : die andere berichtet uns , daß Dellius auf die ihm aegebene Nachricht , das ? ihn Cleopatra umbringen lassen wolle , des Marcus Antonius Hof verlassen bat . Bey der ersten Beqcgniß läßt ihn Plutarch d , e Auffuhruiig eines listigen Kauzes beobachten^ ) ; und bey der andern leget er ihm eine strafbare Plauderbaftigkeit ( B ) , '«Ansehung desjenigen bey , was man bey der Liebesnascherey ein gutes Glücke nennet . In der letzten Stelle erfahrt man , daß DellluS ein Gefchichtschreiber gewesen ( C ) , und bah er der Welt die Ursache gemeldet , wa - rum er den Hof des Marcus Antonius verlassen hat . Er that es in einem für den Augustus sehr günstigen Zeitumstande . Es geschah kurz vor der Schlacht bey Äctium , da er sehr wohl von den Absichten des Marcus Antonius unterrichtet und sehr geschickt war , dem AugustuS den Zustand zu entdecken , darinnen sich der Feind befand <\ Seneca , der Vater , erzählet schiedene Dinge , welche dem DelliuS nicht die geringste Ehre bringen ( Dj . Man glaubet mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit daß der Dellius in der III Ode aus dem II Buche des Horaz eben derselbe ist , dessen Plutarch gedacht hat ( E ) , und welcher mehr als eii , mal vom Marcus Antonius zu Gesandtschaften gebraucht worden < Wir wollen in einer Anmerkung alle Fehler zusammen setzen , die wir gesanunlet haben ( F ) ,
S ) Ebendaselbst 94z Seite , c ) Dio , Libr . L . pag . m . 495 . < / ) Siehe die An ;
a ) Plutarch . in Marc . Antonio , pag 926 . merkung ( C ) zu Ende .
( A ) plutarck läßt ihn - - - . die Aufführung eines listigen Ä«h«s beobachte» . ] So bald er diese . schone Königinn gesehen und
geboret : so hat er geurtheilet . daß nian derselben gar bald nöthia haben würde , und daß ihre Schönheit , welche von einer wohlgelösten Zunge
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