Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6775

28o / Dejotarus .
den Arzt des Dejotarus erkaust , wider seinen Herrn ein Zeugniß abzu - legen . Ebend . VI Cap . Man urtheile , ob Dejotarus , der seine Tochter nicht geschont hat , einen solchen Enkel verschont haben würde ? Man muß also glauben , daß ihm Castor nicht in die Hände gefallen ist . Ich weis nicht , wo des Dejotarus Sohn hingekommen ist : er ist seinem Vater nicht gefolgt ; er hatte von dem Rathe , ( Cicero ad Attic . Epift . XVII .
Lib . V . ) und dann vom Casar ( ebenders . pro Deiotaro , cap . III . ) den königlichen Titel erhalten , und er hat eine Tochter des Königes von Ar - menien , ArtavasdeS , Heirathen sollen . Cicero , Epift . XXI . Lib . V . ad Attic . Cicero lobet ihn sehr . Philipp . XI . cap . VIII . und XXXVI . Des Dejotarus Nachfolger hat Amyntas geheißen , wenn man dem Strabo im XII B . auf der Z90 S hierinnen glaubet . Nun ist dieser Amyntas nach dem Dio im XLIX B . auf der 469 Seite , des rus Secretär , und dann Heerführer seines Kriegsvolkes , bey der Armee des Brutus gewesen : ( Philipp . XI . ) er hat des Brutus Partey ver - lassen , und ist in des Antonius Lager übergegangen . Dieses ist es ohne Zweifel gewesen , was den Antonius verbunden , ihm im 714 Jahre Pisi - dien , ( Appian . de Bell . Ciu . Lib . V . pag . 715 . ) und 718 Galatien , Ly - kaonien und Pamphylien zu geben . Dio , Libr . XLIX . p . 469 . Allein weil Dio im XLVIII Buche , auf der 450 Seite versichert , daß die drey Manner im 714 Jahre die Staaten des in Galatien verstorbenen Dejotarus , und des in eben diesem Lande verstorbenen AttaluS seine dem Castor gegeben : so würde ich leichrlich glauben , daß sich Strabo be - triege , da er den Amyntas , als des Dejotarus unmittelbaren Nachfol - ger , angiebt . Mich dünkt , man müsse lieber mit dem Dio sagen , daß stor dem Dejotarus gefolget sey , und darnach können wir den Amyntas für Castors Nachfolger angeben . Der P . Noris mag immerhin durch einige Beyfpiele beweisen , daß Dio gewohnt ist , dem Sohne den Namen des Vaters zu geben ; so wird er mich doch nicht überreden , daß dieses in Ansehung Castors auch geschehen ist : und wenn es auch geschehen wäre , so hatte der P . Noris dennoch einen Schnitzer begangen ; Pofl pugnrnn Philippenfem fcribit Dio , Lib . XLVIII . Caftori eliain cuidam Attali et Deiotari in Gallograecia defun6torum ditio tradira eft A . V . 714 . debuit dicere Deiotaro non Caftori . Dio non ferne / filios «Ueno nomine , videlicet patrum eorundem , appcllat . Noris , Cenotaph .
PiC pag . 209 . denn in diesem Falle hatte Dio den Castor nicht für den Dejotarus nehmen können , weil Castor nicht des Dejotarus Sohn , sondern nur dessen Tochtersohn gewesen . Castor . der seinen Großvater in Rom angeklaget , daß er dem Cäsar nach dem Leben gestanden , ist vermuthlich derjenige , dessen Dio , als des Dejotarus Nachfolger , gedeirket . Den Dejotarus Philadelphus , König von Paphlagonien , den Sohn Castors , betreffend , ( Strabo , Libr . XII . pag . 387 . ) so gestehe ich , daß ich nicht weis , woher ich seine Abkunft nehmen soll . Ich weis nicht , ob sein Vater , eben derselbe Castor gewesen , der seinen Großvater angeklaget hat ; es könnte seyn : ich weis nur , daß er den Marcus Antonius in dem Kriege von Actium verlassen hat , um sich mit dem Oetavius zu ver - einigen , ( Dio , Lib . L . p . 488 . ) und daß er der letzte König von Paphla - gonien gewesen ist . 8trabo , wie oben .
<^ch darf diese Anmerkung nicht beschließen , ohne meinem Leser zu melden , daß ich die Worte des Strabo , wenn ich von des Dejotarus Schwiegersohne , Saocondarius , geredet , ander« genommen habe , als man sie zu nehmen pflegt . To r« Karo ? o« ßxirUuov tS EMiMvfcfta , f» a yapßfov O'jtoc t«tov Ai ( io'r« ? oc , tijv Buyurifa t>jv ixvth .
Dieß sind die Worte des Strabo , im XIIB . auf der 591 S . Sie nen bedeuten : Die - Hauptstadt Ves Castors Saocondarius , in welckier Dejotarus , fein Schwiegervater , ihn unö seine Ghfrau bincicbteii liest : oder auch , Vie - Hauptstadt Castors , desSaocon - Sarins Sohns , in welcher dieser letztere mit seiner LLhfrau vom Dejotarus , seinem Schwiegervater , kinzerichrer worvcn . Diese letzte Übersetzung , welcher der P . Abrain in seiner Auslegung der Rede des Cicero , für den Dejotarus , bestandig gefvlaet ist , scheint mir besser , als die andre , zu seyn ; weil ich gewiß bin , daß Castor , der Sohn von der Tochter des Dejotarus gewesen , und daß es mir , da ich nicht weis , wie sein Vater geheißen , eben sowohl erlaubet ist . ihn Saocondarius zu nen - nen , als ihm einen andern Namen zu geben Im Vorbeygehen ie - merke man einen Vortheil unserer Sprache über die griechische . Diese verwirft eine solche Wortfügung nicht , wo man einerley Ausdruck , bald für den Zunamen , bald für den Vater eines Menschen nehmen kann .
Vielleicht wird man mir den Suidas anführen , welcher dem gersöhne des Dejotarus , den Namen Castor , gegeben hat ; allein das Zeugniß des Suidas ist hier ganz und gar nichtig . Er setzet voraus ,
Dejotarus sey durch seinen Schwiegersohn beym Cäsar angeklaget wor - den . Dieß ist ein großer Schnitzer wider die Aufmerksamkeit Cicero , der Sachwalter des Beklagten , und also viel glaubwürdiger , als hnn - dert tausend Suidas , saget an verschiedenen Stellen seiner Vertheidi - gung deutlich und förmlich , daß Castor , des Dejotarus Enkel , der An - 5läaer gewesen , und er redet nur wenig , und mit unbestimmten Worten von dem Theile , den sein Schwiegersohn an diesem boshaften Anschlage haben könnte . Ich zweifle nicht , daß der Sohn nicht die Genehmhai - tung seines Vaters gehabt haben sollte , noch daß Dejotarus dieses nicht »um Vorwande der Barbarei , genommen hätte , die er gegen seinen Schwiegersohn ausgeübt ; allein kurz , es erforden die Richtigkeit , dem Zeugnisse des Cicero hier zu folgen . Ueberdieß , hat denn der ehrliche Suidas nicht gesaget , Dejotarus wäre ein römischer Rathsherr sen ? Ist dieß nicht eine so grobe Unwissenheit , welche ihm bey diesem Artikel'alle Glaubwürdigkeit abspricht ? Wir wollen weiter unten se - den , ob des Dejotarus Schwiegersohn gelehrt , und der Urheber schiedener Bücher gewesen . ,
( H " ) £v hat einen Schwiegersohn gehabt , wlder welchen er einen Religionskricz gefuhret hat . ] Da der abscheuliche Clodius in Phrygien einen Menschen gefunden hatte , der bereit war , eine gute Summe Geldes unter der Bedingung zu geben , daß man ihn in das Ober - priesterthum zu Peßinunt einsetzen möchte , so sind ihm die Bestallungs - briefe dazu auSgefertiget worden . Dieser Mensch ist mit einer Tochter des Dejotarus verheirathet gewesen , und hat Brogitarus geheißen .
Man hat ikm in den Besitz des Tempels gesetzt , und die Priester daraus verjagt . Allein Dejotarus , voller Eifer für den Dienst der Cybele . bat diesen unrechtmäßigen Besitzer daraus verjagt , welcher alle diese heili - gen Gebrauche entheiliget hatte . Wir wollen ein wenig sehen , wie sich die Beredsamkeit des Cicero über diese Begebenheit gezeiget hat . Sed quid ego id admiror ? Er redet JUNI Clodius , Cicero , Orat . de Haru -
fpicutn Refponfis , cap . XIII . qui accepta pecunia Peffinuntem ipfam , federn , domiciliumque Matris Deorum vaftaris , et Brogitaro ( * ) Gallo - graeco , impuro homini ac nefario , totum illum locum fanum - que vendideris : facerdotem ab ipfis aris piiluinaribusque detraxe - ris : omnia illa , quae vetuftas , quae Perfae , quae Syri , quae reges omnes , qui Europam Afiamque tenuerunt , femper fumma religione coluerunt , peruerteris ? quae denique noftri maiores etc . Quod quumDeiotarus religione fua caftiflniie tueretur , quem vnum habe - inus in orbe terrarum fidelillimum huic imperio atque amantiffi - mum noftri nominis , Brogitaro , vt ante dixi , addidhim pecunia tra - didifti . - - Quum multa regia funt in Deiotaro , tum illa maxi , nie , quod tibi nullum numus dedit : quod eam partem legis tuae , quae congruebat cum iudicio Senatus , vt ipfe rex eilet , non repu - diauit : quod Peflinuntem per fcelui a te violatum , et facerdote fa - crisque fpoliatum recuperauit , vt in priftina religione feruaret : quod ceremonias ab omni vetuftate acceptas , a Brogitaro polluinon finit , mauultque generum fuum ruunere tuo , quam illud fanum an . tiquitate religionis carere .
( * ) Man füge diese Stelle aus der Rede für denSextus imXXVI Cap . darzu : Lege Tribunitia Matris Magnae Peflinuntius ille facer - dos expulfus , et fpoliatus facerdotio cft ; fanumque fanäiflunarum atque antiquiffimarum religionum venditum pecunia grandi Brogi -
taro . ii * - - ' - j : ' '
ea fibi
impuro homini , atque indigno illa religione , praefertim cum i ille non colendi , fed violandi caufla appetiuiflet
( I ) Er war von dem Aberglauben der Wahrsager mehr , als kein Mensch in der rvelt , eingenommen . ^ Er hat nichts un - ternommen , wobey er nicht den Flug der Vögel zu Rathe gezogen hätte , und er hat sich dermaßen nach der Vogeldeutung gerichtet , daß er seine Reisen unterbrach , und wieder zurück gieng , ob er gleich schon einige Tagereisen gethan hatte . Er hatte keine andern Ursachen , also zu ver - fahren , als die Vorbedeutungen , die er auf dem Wege entdeckt hatte . Der Flug eines Adlers ist einsmals Ursache an der Unterbrechung seiner Reise gewesen , und zu seinem Glücke ; denn wenn er dieselbe fortgesetzec hätte , so wäre er unter dem Verfalle des für ihn bestimmten Zimmers zerquetscht worden . Es ist die folgende Nacht eingefallen . Wie er in diesen Materien sehr geschickt war , so ist er sein eigner Prophet und Wahrsager gewesen . Er hatte nicht vergessen , sich mit der allernoth - ivendiqsten Eigenschaft in der Handrhierung zu versehen ; nämlich nie - mals stecken zu bleiben , niemals zu bekennen , daß man sich betrogen hat , und allezeit einige Ausflüä ) te in dem Aermel zu haben . Er hat eine gefunden , die mit Sittenlehren angefüllet war , da er die meisten von seinen Staaten , und eine große Summe Geldes verlohren hatte , weil er die Waffen wider den Cäsar geführet . Er hat sein Kriegsvolk dem Pompejus zugeführt : der Marsch war lang , und er hatte auf seinem Wege nichts , als gute Vorbedeutungen ; und also hat er sich auch ge - sä ) meichelt , es würde Cäsar geschlagen werden . Die Sachen haben aber eine andre Gestalt bekommen ; Cäsar hat gesiegt , und den Dejotarus seine Empfindlichkeit , auf eine sehr beschwerliche Art fühlen lassen . Was hat Dejotarus gethan ? ist er so offenherzig gewesen zu bekennen , daß seine Wissenschaft betrüglich wäre ? hat er einige Reue , einigen Ver - druß über seine große Leichtsinnigkeit bezeugt ? Im geringsten nicht : er verschanzte sich mir den schönsten Grundlehren der Moral ; er sagte , daß die Vogeldeuter , die ihn angetrieben , seine Reise nach dem Lager des Pompejus fortzusetzen , in der That gute Vogeldeuter gewesen , weil er unter ihrer Anführung der Partey der Gerechtigkeit gefolget wäre . Es ist wahr , daß ihm dieses den meisten Theil feiner Staaten gekostet hat ; allein , sagte er , der Ruhm , daß ich meinen Pflichten ein Genügen ge - than , ist mir kostbarer , als alle Güter des Erdbodens . Au« Furcht , man möcbte mich im Verdachte halten , als wenn ich diese Stelle des Cicero verfälschte , so will ich sie ganz hersetzen : Quid ego hofpitem noftrum , clariflimum atque Optimum virum Deiotarum commemorem , qui nihil vnquam nili aufpicato gerit ? qui quum ex itinere quodam pro - pofito , et conftituto reuertiflet , aquilae adnionitus volatu , conclaue illud , vbi erat manfurus , fi ire perrexifiet , proxima no6te corruit . Itaque vt ex ipfo audiebam , perfaepe reuertit ex itinere , quum iam progrelTus eilet multorum dierum viam . Cuius quidem hoc prae - clariflimum eft , quod poftea quam a Caefare tetrarchiae regno , pe - cuniaque mul<äatiis eft , negat fe tarnen eorum aufpiciorum , quae fibi ad Pompeium proficifcenti , fecunda euenerunt , poenitere . Se - natus enim autoritatem et P . R . libertatem atque imperii dignita - tem , fuis arniis eile defenfam , fibique eas aues , quibus autoribus officium et fidcm fecutus eilet , bene confuluifle : antiquiorem enim fibi fuifle polleffionibus fuis gloriam . Cicero , de Diuinat . Libr . I . cap . XV . Man merke , daß dieser Mann , welcher die Verordnungen der Vorsehung in Absicht auf die Lehre der Vogeldeuter mit so vieler Andacht verehret , sieb keine Schwierigkeit gemacht , die Staaten seiner Nachbarn unrechtmäßiger weise an sich zu reißen , und seinen Schwie - gersohn und seine Tochter wegen solcher Streitigkeiten hinrichten zu lassen , die außer Zweifel aus einer Herrschsucht entstanden waren AI - lem Ansehen nach , würde er bey dergleichen Vorfalle , seinen Vater eben so wenig verschont haben .
* ^ ^ bar hierüber sehr stl ) 6ne Betrachtungen gemacht . ) Er beobachtet , daß die Grundsätze der Romer in der Wissenschaft der Vogeldeutung nngemem von des Dejotarus seinen unterschieden gewe - sm , und daß sich bey gewissen Dingen der Gegensatz , bis um Wider - spruche ereignet habe . Diese Anmerkung ist sehr stark wider die Lehre von den Weissagungen : denn , weil Gott allein das Zukünftige weis ; so ist es auch Gott allein , der dasselbe schicket . Nun widerspricht sich Gott nicht selbst ; also bedienet er sich nicht einerley Dinge , das Gute und Böse vorher zu verkündigen . 8olebat ex me Deiotarus percon - tari noftri augurii difeiplinam , et ego ex illo fui . O dii immorta - les ! quantum dilferebant , vt quaedam eflent etiam contraria . Cbcnd . II B . VIII und XXXVI Cap . Hier ist eine Betrachtung von viel gros - serm Gewichte . Was könnte inan verwegners sagen , als wenn man behauptet , daß man keine Reue empfunden , den Vogeldeutungen gefol - get zu haben , die der Himmel dargestellt , da man sich mit dem Pompe - jus vereinigen wollen : daß man deswegen keine Reue empfunden , sage ich . weil man die Ehre dem Besitze eines Königreichs allezeit vorgezo - zogen habe ? Was hat doch dieses mit der Vogeldeutung zu thun ? hat man , ehe sie von dem Himmel vorgestellet worden , nicht gewußt , wa« man der Freundschaft des römischen Volkes schuldig gewesen ; dasjenige ,
was

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.