Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6760

Dejotarus .
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tarn inhumani etiNGRATl animi , a quo rex appellatus effet in euni tyrannum inueniri . Cicero pro Deiotaro , cap . V . Allein wenn er nach einigen Monaten eine» Befehl für falsch ausschreyen will , den man nnter dem Namen Julius Casars vorgebracht hat , so hat er auf diese Art geschlossen : dieser Befehl ist dem DejotaruS vortheilhaf - tig ; also ist Lajar nicht der Urheber davon , derjenige , welcher dem De - jorarus allezeit zuwider gewesen , und ihm niemals einige Gnade noch einige Gerechtigkeit erwiesen hat : und hierauf hat er alles dasjenige na - mentlich angeführet , was Casar für Härte gegen den Dejotarus mitten in Galalien selbst gehabt hat , das heißt , wo und wenn ihn DejotaruS , nach dem Vorgeben der Ankläger , umbringen wollen . Compellarat hofpitem praesens , computarat , pecuniam imperarat , in eins tetrar . chia vnuui ex Graecis coniitibus fuis collocarat , Armeniam abftulerat a Senatu datani . Cicero Philipp . II . cap . XXXVII . Also hat die Auf - führnng Casars gegen den Dejotarus , unter den Händen des Cicero , zu bey - den Widerspielen gedient . Wenn man nothig hat , zu beweisen , daß Dejota - rus dem Cäsar große Verbindlichkeiten gehabt , so trägt man sie als eine wohlthätige Aufführung vor : allein wenn man beweisen will , daß De , jorarus niemal« Theil an Cäsars Freundschaft gehabt , so trägt man sie als eine schädliche Aufführung vor . Dasjenige , was dem Dejotarus vortheilhaft war , diente zum Beweise wider die Ankläger ; dasjenige , was eben demselben Prinzen zuwider war , diente zum Beweise wider den Marcus Antonius . Ich möchte gern wissen , was Cicero demjeni - gen geantwortethaben würde , der zu ihm gesiiget hätte : Ich habe aus au rer andern Philippica erfahren , daß Casar , da er durch Galatien gegangen , dem Dejotarus sehr harr begegnet ist : es ist also wahrscheinlich , daß Dejotarus , um sich ; u rächen , einen bösen Anschlag wider den Cäsar gehabt : löschet also aus derVenhei , digun»schrifr , für den Desorarus , den wider seine Ankläger ge - brauchten Beweis ans , der von der Dankbarkeit Hergenom , men ist , die ihm die großen Xvohlrhaten Julius Casars einge , prägt haben .
Warum Cäsar nichts entschieden ?
Wenn man die Kunstgriffe der Staatsleute nicht kennte , so würde man sich verwundern , daß Cäsar in der Sache des Dejotarus kein Los , sprechungSurtheil gegeben habe ; denn wenn man nach der Antwort des Angeklagten von der Anklage urrheilen soll , so ist niemals eineplum» pere Lästerung erdacht worden , als der Ankläger des Dejotarus ihre . Ueberdieß hat sich ein Zlbgesandter dieses Königes , gegen den Cäsar er , Kothen , sich gefangen sehen zu lassen , und mit seinem Leben für die Un - schuld seines Herrn zu stehen . Hieras quidera caufiäm omnem fufci - pit , et criminibus illis pro rege fe fupponit reum . Cicero pro De - iotaro , ; u Ende . Das wahrscheinlichste , was sie sagen , ist nach meinem Bedünken , daß Dejotarus unter währendem Kriege in Africa , ungemein aufmerksam auf die Zeitungen aus diesem Lande und sehr begierig gewe - sen , böse Dinge von Casarn zu erfahren : Reliqua pars accufationis duplex fuit - vna Regem femper in fpeculis fuifle fequu -
tum eil bellum Africanum , graues de tc riunores qui etiam furio - fum illum Coeliuui excitauerunt - . Eo , inquit , tempore ipfo Nicaeam , Ephefumque miltebat , qui rumores Africanos exciperent , et celeriter ad fe referrent . Cicero pro Deiotaro , cap . VIII . eS war ihm daran gelegen , daß er sich nicht mehr vor ihm fürchten dorfre : e« hat ihn nichts , als diese Furcl>t abgehalten , den Besitz von demjenigen wieder zu ergreifen , was er verlohren hatte . Cäsar hat nicht daran ge - zweifelt ; und dieftrwegen hat er ihn mir gutem Willen nicht fteyspre - chen wollen : Er hat ihn durch dieses Mittel im Zaume gehalten , und die Kundschafter und Angeber aufgemuntert . Sein Nutzen erforderte es , daß die Bestrafung'der Lästerung , bey dieser Begebenheit , lerne Feinde nicht aus der Furcht riß , darinnen sie sich befinden konnten , wenn man sie verleumdete . Diese Unruhe ist dienlich zu unterhalte ! , , wenn wan dergleichen Posten besitzt , wie Cäsar besaß . Dasjenige , was Ci - cero vorstellet , ist ungemein schön : wenn es erlaubet ist , Bediente zu bestellen , damit sie wider ihre Herren Zeugniß ablegen ; und wenn man diese falschen Angeber nicht ( fräset , so erkläret man gegen alle Häupter der Familie« den Krieg . Es wird kein Mensch in seinem Hause sicher seyn , und die Herren werden , vermittelst einer seltsamen Verwandlung , die Sklaven ihrer Knechte , und diese die Tyrannen ihrer Herren werden . Senium follicitare verbis , fpe , praemiisque corrumpere , abducere doimim , contra dominum arniare , hoc eft , non vni propinquo , fed omnibus familiis bellum nefarium indicere . Nam ifta corruptela ferui , Ii non modo iinpunita fuerit , fed etiam a tanta autoritate approbata , nulli parietes noftram falutem , nullae leges , nulla iura cuftodient : vbi enim id quod intus eft atque noftrum impune euo - lare poteft , contraque nos pugnare , fit in dominatu feruitus , in fer - uitute dominatus . 0 tempora , o mores ! Cicero pro Deiotaro , cap . XI . Cicero hat nicht beobachtet , daß die klägliche Unordnung , die er vorgestellt , allezeit eben dasjenige seyn wird , was die Tyrannen' , was unrechtmäßige Besitzer suchen . Sie wollten gern , daß wir uns vor den Wänden iind Dielen unsrer Kammern fürchteten ; daß sie als Zeugen wider uns auftreten möchten . Man merke , daß die Kundschaf - tev * und Angeber zu allen Zeiten Acht gegeben haben , auf was für Art man von den Zeitungen urrheilet . Dieß ist eines von denenVerbre , chen gewesen , die sie dem Dejotarus vorgeworfen haben .
( E ) , * - Diejenigen welche das Gegentheil versichern , bekriegen sick . 1 Ein polirischer Discurs im 1660 Jahre gedruckt , worinnen die Ursachen einer von den Xechnungskammern in Frankreich gezeiger werden , die Naruralisirungsbriefe der Frem - den , ob sie aleicl' Rcformirre find , zu bestätigen , enthält diese Worte auf dem Bl . A . 5 . verlo : wenn ihr diese Äüclier gelesen hattet , viel , leicht würde euch das Urtheil , das ihr aus niern Wohnungen beraebraclit , eben so leiclit fallen , als da« Verdammungsurrheil <£täcs aeaen den Dejotarus gewesen , naivem er den Cicero ; u seiner Entschuldigung , so heredt und nachdrücklich harte reden hören . Man nimmt >n dieser Stelle eines für das andre ; den De , o - tarus für den ^ . igarius . Siehe den Artikel L . , gar , us in der An - merkung ( A ) . , . . . .
( F ) Er ist nicht so sanftmütbi ? gewesen , als ibn C . cero vor , gesteller hat'^j Man hat dem Dejotarus vorgeworfen erhabee . nen Vers auf zwo Zeitungen angewendet , die er zu gleicher Zelt erhalten hatte : die eine , daß sein Freund Dominus Schissbruch gelitten , die an .
dre . daß Casar in einem Schlosse belagert wäre . Cicero , welcher zeigen wollen , daß dieses eine Lästerung wäre , saget unter andern Dingen , De - jorarus ist ein gütiger Mann , uiid der Vers , von den , die Frage iff , ist der allerbarbarischtc von der Welt . Unsere Freunde mögen immer , hin umkommen , wenn nur unsre Feinde zugleich umkommen . Dies ; ist der Sinn dieses Verses . Quum esset ei nunciatum ; num naufragio periifl'e , fe in caftello circumfederi , deDomitio dixit verfum Graecum eadem fententia , qua etiam nos habemus Latinum :
Pereant amici dum vna inimici intcrcidant ,
Ql'od ille , fi eflet tibi inimieiflimus , nunquam tarnen dixilTct : ipfe enim manfuetus , verfus immanis . Cicero pro Deiotaro , cap . IX . Plu , tardi hat den Dejotarus unter einem ganz andern Begriffe vorgestellt . Nach demChrysippu« , sag ? r er , gleicht Gott dem DejotaniS , Könige der Galater , wclcher alle Kinder , die er harre , umbrachte , bis auf denjeni - gen , dem er sein Königreich lassen wollte . Dieses wohl zu verstehen , muß man so wohl das vorhergehende , als nachfolgende , ein wenig weit , läuftiger sehen . Sicut autem vrbes ciuium multitudine abundante colonias aliquo dedueunt , vt fe exonerent , aut bellum aliquot fufei - piunt : ita deus exitii occafiones fuggerit ; citatque Euripidem et alios teftes , qui dixerunt , bellum Troianum a diis fuifle comniÜTum exhauriendae gratia multitudinis hominum . confidera eum ( Cbryjftppum ) deo femper pulchras et ad humanitärem perti - ' nentes tribuere appcllationes : fa ( * ) T« TaAirt ) XfiWwc i'Fo , ov riv 9tiv , o< 5rA«oww
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Diese Worte Plutarchs enthalten eine Vcrgleichung , die mich einer Thorheit des Vanini erinnert , twldK ich in der Doftrine curieufe de« P . Garasse auf der 8'5 S . gelesen habe . „ Die Menschen betreffend , „ sagte er , so sollte man es machen , wie es die Holtzhacker alle Jahre in „ den größten Wäldern machen : sie gehen hinein , sie z» durchfiichen , das „ abgestorbene und das gute Holz zu erkennen , und die Wälder zu sau , , , bern ; indem sie alles dasjenige , was unnützlich und überflüßig , oder schäd - „ lich ist , abhauen , um allein die guten Bäume und jungen Laßreiser „ von guter Hoffnung zu erhalten . Eben so , sagte dieser boshafte „ Gottesverleugner , sollre man alle Jahre eine scharfe Untersuchung von „ allen Einwohnern in großen und volkreichen Städten thun , und alles „ dasjenige umbringen , was »«nützlich wäre , und da« übrige zu leben , , hinderte : als wie die Personen sind , die kein dem gemeinem Wesen „ nützliches Handwerk haben , die abgelebren Greise , die Landstreicher und „ Faullenzer : man sollte die Natur säubern , die Städte lichte machen , „ alle Jahre eine Million Menschen aus dem Wege räumen , welche „ gleichem die Dornen und Disteln der andern sind , und derselben „ Wachsthum verhindern . , , Die Thal , welche Plutarch dem Dejota - rus beymißt , scheint nicht allzugewiß zu seyn , wenn man sie mit den Lob - sprüchen vergleicht , die Cicero diesem Könige von Galatien gegeben , und mit dem Stillschweigen der Ankläger , diese Unmenschlichkeit betref , send . Hätte man sich wohl unterstandeit , den Dejotarus einen sehr guten Hausvater zu nennen , optimus paterfamilias , ( Cicero nennet ihn also pro Deiotaro , cap . IX . ) wenn Castor , sein Enkel , ihm den Mord seiner Kinder hätte vorwerfen können ? Würde man sich wohl unter , standen haben , zu sagen , daß seine von aller Welt erkannte Frömmigkeit , die Lästerung ganz vollkommen widerlegte ? Hoc loco Deiotanim non tarn ingenio et prudentia , quam fide et religione vitae defenden - dum puto . Nota tibi eft , C . Caefar , hominis probitas , noti mores , nota conitentia : cui porro , qui modo populi Romani nomen audi - 111t , Deiotan probitas , integritas , grauitas , virtus , fides non fit au - . dita ? Ebendaselbst VI Cap . Man gebe auf die Zeit der Anklage wohl Acht . Dejotarus hatte nur einen Sohn . Es ist auch wahr , daß er nur einen Sohn gehabt , da sich Casar bey ihm aufgehalten . Ebend . III Cap . Man wird sagen , daß Sttabo im XII B . auf der 391 S . eine Sache erzählet , die dem Plutarch Vorschub thut : nämlich , daß Dejotarus , da er sich der Hauptstadt seines Schwiegersohns , Saoeondarius , demächti» gel , ihn daselbst nieder machen zu la»en ; mit seiner Tochter , des Sao , eondarius Gemahlinn , auf gleiche weise verfahren , seine Vestung ge - schleift , und fast alle Häuser verheert habe . Zch werde antworten , daß dieses von Plutarchs Erzählung sehr weit abgeht . Ohne Zweifel ist dieses geschehen , um sich wegen der schändlichen Veirarherev diese» Sd ) >viegersohliS zu rächen , welcher vermurhlich die vornehmste Triebfe - der von der Anklage des Dejoraru« gewesen .
Im Vorbeygehen wollen wir sagen , daß die Hauptstadt de« Saoeom dariuS , Gorbejus geheißen : wie aber Srrabo wenig Seiten zuvor , auf der 387 / die Hauptstadt von dem Enkel des Saocondarius , ! Nor»eus nennt : so ist es in etwas wahrscheinlich , daß diese Namen nicht in ih - rem natürlichen Zustande sind . Casaiibon murhmaßet es . Man kann ein gleiches von der Hauptstadt des Dejotarus muthmaßeii . Sie hat nach einigen Manuscripten , Slucium geheißen , ( ebendaselbst 390 @ . ) und Blubinm »ach einigen andern . Wer zweifelt , daß hier nicht ein Fehler ist , da Cicero pro Deiotaro , VII Cap . das Schloß Caftellum Lucceiinn , andre lesen Luceium , j nennet , wo Dejotarus den Cäsar empfangen sollen ?
( 6 ) Äs ist sehr wahrscheinlich , daß ihm Castor entwischt ist / ] Castor ist zu Rom der Beförderer der Anklage gewesen , und hat

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