Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6754

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Dejotarus .
Dejotarus , einer von den Tetrarchen oder Vierfürsten Galatienö , hat sich nach und nach dermaßen groß gemacht , daß er fast alle Rechte der andern Tetrarchen an sich gezogen , und von dem röinischen Rache den Königstitel und Kleinarmenien er - halten hat " . Er ist endlich allein Tetrarche gewesen ' . Er leistete den Römern bey allen Kriegen in Asien gute Dienste ( A ) ; und da er sich nichts anders einbildete , als daß die Partey des Pompejus die Partey des römischen Volkes , und dieParren Ca - fars die aufrührische Partey wäre , so erklärte er sich für den Pompejus ( k ) , und führte ihm gute Kricgsvölker zu . Er wurde deswegen einige Zeit darauf hart gezüchtiget ; denn als Casar aus Aegypten zurück kam , den König von PontuS , Pharnaccö , zu bekriegen , so näherte er sich Galatien . Dejotarus , welcher seine Ergebenheit gegen den Pompejus aus dessen Gedachtnisse bringen , und sich eine Stühe wider die andern Tetrarchen verschaffen wollte , hatte ihm viel Geld vorgeschossen , und den Kriegs - Völkern des Domitius CalvinuS in seinen Staaten die Quartiere gegeben d . Dieses war nicht ohne Nutzen : denn nachdem er einige harte Verweise überstanden hatte , so erhielt er beym Cäsar Gnade ( C ) . ^ Er hatte ihn um Vergebung gebethen , und , zu Bezeigung einer größern Dcmüthigung , die königlichen Kleider abgeleaet . Cäsar ließ ihn dieselben wieder anlegen , verzieh ihm das Vergangene e , und bestätigte ihm und seinem Sohne den königlichen Titel f : allein er führte ihn mit in den Krieg wider den Pharnaces * , und nahm ihm nach diesem Armenien , und ein Stücke von Galatien h . e Einige Zeit darauf hatte Deio - tarus in Rom eine höchst verdrießliche ^ache . Er wurde eines Meuchelmordes wider Cäsars Person beschuldiget : man ve - hauptete , daß DejotaruS , da Cäsar in seinem Hause gewesen , den Vorsatz gehabt hatte , ihn zu ermorden . Castor , der Sohn von des Dejotarus Schwiegersöhne , trieb die Anklage , und hat den Arzt ' seines mütterlichen Großvaters bestochen , wider sei - nen Herrn ein Zeugniß abzulegen . Cicero vertheidigte die Sache des Angeklagten k , und war unvergleichlich glücklich dabey ; gleichwohl gewann er die Sache nicht : Cäsar sprach kein Urtheil weder für noch wider ihn ( D ) ; er wollte die Sache lieber unentschieden lassen : diejenigen , welche das Gegentheil versichern , bekriegen sich ( E ) . Einige Monate darauf te man Cäfarn meuchelmörderischer Weise . Kaum hatte Dejotarus die Zeitung davon erfahren , als er alles wieder einnahm , was ihm Cäsar genommen hatte 1 . Sein hohes Alter verhinderte ihn nickt , sich mit dem Brutus in Asien zu vereinigen und er bestätigte , durch dieses Verfahren , die Versprechungen von seinen Absichten , die man dem Rache gethan hatte 71 . Er war nicht so leutselig , als ihn sein Redner vorstellet ( F ) : er ließ seine Tochter und seinen Schwiegersohn hinrichten , und die Vestung schleifen , die sie bewohnt hatten . Es ist gar sehr wahrscheinlich , daß ihm Castor entwischt ist ( G ) , und daß er es ge - wesen , der im 714 Jahre Roms das Land erhalten hat , welches durch den Tod des Dejotarus und Attalus in Galatien erlediget war . Dejotarus hat noch einen andern Schwiegersohn gehabt , wider welchen er einen Religionskrieg geführet hat ( H ) ; denn wie er ein Beschützer von dem Tempel und den Priestern der Göttinn Cybele war , so konnte er nicht erdulden , daß Brogitaruö , sein Schwiegersohn , diesen geheiligten Ort entweihte : er waffnete sich also wider denselben , und verjagte ihn . Er war von dem Aberglauben der Wahrsager mehr , als irgend ein Mensch in der Welt eingenommen ( I ) . Cicero hat hierüber sehr schöne Betrachtungen gehabt ( X ) . Man kann nicht eigentlich entwickeln , um welche Zeit Brutus des Dejotarus Sache vor dem Cäsar so heftig verfochten hat ( L ) . Wenn man die Frauen des alten Testaments , mit den Frauen des Heidenthums ver - gleichen könnte , so würde man die Sara , Abrahams Ehfrau , mit Stratoniken , des Dejotarus Gemahlinn , in Vergleichung stellen ( M ) . Dieser letztere hat geschickt auf die Spötterey des Crassus über das Alter geantwortet ( N ) . Moreri' hat hier nur einen kleinen Artikel gegeben ; gleichwohl ist die Materie sehr fruchtbar ; er hatte sich nur die Mühe nehmen dürfen , sie zu -
iämmen zu tragen . Seine Kürze verhindert nicht , daß er nicht große Schnitzer gemacht hätte ( 0 ) . Man wird dieselben ? ier unten in der letzten Anmerkung finden .
ä ) Hirt ins de Bello Alexandr . cap : LX VII . b~ ) Strabo , Lib . XII . pag . 390 . <• ) Cicero Orat . pro Deiotaro , cap . V . d ) Er ist des Julius Casars Verweser in Asien gewesen . - ) Hirtius de Bello Alexandrino , cap . LXVIII . / ) Cicero Orat . pro Deiotaro , cap . III . g ) Hirtius de Bell . Alex . cap . LXVIII . b ) Cicero de Diuinat . Lib . H . cap . VIII . und XXXVI . et Philipp . II . cap . XXXVII . , ) Er war mit de« Dejotarus Gesandten nach Rom gekommen . k~ ) Siehe Cicer . Orat . pro Rege Deiotaro , hin und wieder . I ) cero Philipp . II . m ) Dio , Lib . XLVII . p . 38a . » ) Cicero Philipp . XI . cap . XII .
( A ) ige leistete den Römern bey allen ihren Rriegen in Asien gute Dienstes Cieery redet prächtig davon : hier sind seine Worte ,
Philipp . XI . cap . XIII : Quid de patre ( Deiotaro' ) dicaml cuius be - neuolentia in populurn Roman um eft ipfius aequalis aetati : quinon folum focius iinperatorum noftrorum fuit inbellis , verum etiam dux copiarum fuarum . Quae de illo viro Sulla , quae Murena , quae Seniilius , quae Lucullus , quam ornate , quam honorifice , quam gra - uiter faepe in Senatu praedicauerunt ? Quid de Cn . Pompeio Io - quar ? qui vnum Deiotarum in toto orbe terrarum ex animo ami - cum , vereque beneuolum , vnum fidelem populo R . iudicauit . Fui - mus imperatores ego , et M . Bibulus in propinquis , finitimisque prouineiis : ab eodem rege adiuti fumus , et equitatu , et pedeftri - bus copiis . Man sehe auch dasjenige , was er in währender Zeit qe - schrieben , da er in Cieilien Statthalter war . Cicer . Epift . IV . Lib . XV . ad Famil .
( B ) Dejotarus erklärte sich für den pompejus . 1 Unmittelbar nach den Worten , die wir gleich i> ? o gelesen , fahrt Cicero also fort :
Secutum eft hoc acerbiflimum et calamitofifllinum ciuile bellum : in quo quid faciendum Deiotaro ? quid omnino reöius fuerit , dicere non eft necefle ; praefertim cum contra , ac Deiotarus fenfit , vifloria belli iudicarit . Quo in bello fi fuit error , communis ei fuit cum Senatu : fin refta fententia , vidla quidein cauila vituperanda eft .
Diese Worte lehren uns . ei habe Dejotarus geglaubet , daß Pompejus siegen wurde : er hatte sich also so wohl aus Staatöursachen , als aus Antrieb der Gerechtigkeit zu dieser Partey geschlagen . Wir werden in den folgenden Anmerkungen sehen , daß er beständig geglaubet , er habe sich für die gerechte Sache erkläret ; daß er sich aber wohl gehütet , nach seines Herzensmeynung , vor dem Cäsar zu reden .
( C ) Nachdem er einige harte Verweise überstanden hatte , so erbielr er beym Casar GnaSe . ^ Er bat ben dem Cäsar um de aebethen , daß er in der pharsalischcn Schlacht wider ihn gefochten hatte ; er hat ihm die Lage seines Landes vorgestellet , welche ihn außer Stand gesetzet , von Cäsars Kriegsvolke unterstützt zu werden : er hat darzu geseket , daß es ihm nicht zugekommen wäre , sich zum Richter über die Streitigkeiten des römischen Volkes aufzuwerfen , sondern bey allen Vorfallenheiren denen zu gehorchen , die im Besitze der Herrschaft stün , den . In der That waren dieses falsche Entschuldigungen ; denn er war stark überzeuget , daß die Sache des Pompejus des Vaterlandes Sache , und Cäsar ein auftühriger Unterthan war . Er hatte sich also zum Richter über die Streitigkeiten des römischen Volkes aufgeworfen .
Gleichwohl darf man sich nicht befremden lassen , daß er seine Gedanken verheelt hat ; denn es wird nicht leicht jemand , als ein Heiliger von der ersten Ordnung , oder ein Philosoph seyn , der mit der äußersten Ver - achtlichkeit die Güter dieser Welt ansieht , der die Treuherzigkeit haben sollte , die er nicht gehabt hat . Alle seine Entschuldigungen sind ver - werfen worden ; man sagte ihm , sein Unverstand sev augenscheinlich , denn es hatte ihn« nicht unbekannt seyn können , daß Cäsar ein Herr von Rom . das heißt von dem Sitze des Raths , und den , Mittelpunkte der Gewalt des römischen Volkes gewesen . Diese« sey denjenigen zum Besten gesaget , die kein Latein verstehen ; denn diejenigen , welche es verstehen , werden lieber sehen . daß ich die Worte des Hirtius anführe .
Hier sind si» also , im LXVII Cap . de Bello Alexandr . Cum propius
Pontum finesque Gallograeciae accefliflet ( Caefar ) , Deiotarus , Te - trarches Gallograeciae tunc quidem pene totius . quod ei neque gibus neque moribus concefliim efle caeteri Tetrarchae contende - bant : fine dubio autem Rex Armeniae minoris a Senatu appellatus , depofitis Regiis infignibus , neque tantum priuato veftitu , fed etiam reorum habitu , fupplex ad Caefarem venit oratum , vt fibi ignofee - ret , quod in ea parte pofitus terrarum , quae nulla praefidia Caefa - ris habuiflet , exercitibus imperiisque in Cn . Pompeii caftris affuis - fet . Neque enim fe debuifle iudicem efle controuerfiarum populi Roman i , fed parere praefentibus imperiis . Contra quem Caefar , cum plurima fua commemorall'et officia , quae conful ei decretis pu - blicis tribuiflet , cumque defenfionem eius nullam pofie exeufatio - nem imprudentiae reeipere coarguiffet , quod homo tantae prüden - tiae ac diligentiae feire potuiflet , quis vrbem Italiamque teneret , vbi Senatiis populusque Romanus , vbi Respublica eilet , quis deinde poft L . Lentuluin et M . Marceilum conful esset : tarnen fe concede - re id faftum fuperioribus fuii benefieiis , veteri hofpitio et amici - tiae ac dignitati aetatique hominis , preeibus eorum , qui frequentes concurrifl'ent hofpites atque amici Deiotari ad deprecandum . De controuerfiis Tetrarcharuin poftea fe cogniturum efle dixit : re - gium veftitum ei reftituit . Legionem autem vnam , quam ex gene - re ciuium fuorum Deiotarus natura difciplinaqiie noftra conllitu - tam habebat , equitatumque omnem ad bellum gerendum adducere iuffit .
( D ) Er rvurde eines Meuckelmordes rvider Casars Person beschuldiget - - - Casar spracb kein Urtheil rveder für nocl ? rvider ihn . Z Ich kann wegen dieser Sache niemand , als den P . Abrain in Cicer . Oration . Tora . II . p . 467 . anführen : Videtur Caefar , saget er , fententiam diftulifle , dum vt ftatuerat primo quoque tempore profieifeeretur in Orienten , : certe non fuit abfolutus , vt conftat e 3 Philippica . Ich will die Worte hersetzen , die er aus der andern Phi - lipica angeführet hat : Quis enim cuiquam inimicior , quam Deiota - ro Caefar ? . . . a quo viuo nec praefens nec abfens quiequam aequ1 boniue impetrauit . - . at ille nunquam ( femper enim abfenti affin Deiotaro ) quiequam fibi quod nos pro illo poftulare - mus , aequum dixit videri . Cicero II . Philipp . Cap . XXXVII . Sie mnnm . mtt , nnec Sache . die ich in den Anmerkungen ( B ) und ( C ) " ? " «kelö Antonius ( Marcus ) der Redner , bemerket habe ; nämlich daß die Sachwalter sehr genothiget sind , sich zu widersprechen , weil sie sich tinerley Sache , oder einerlei ) Grunde« , bald in diesem bald in einem andern Sinne , nach Erfordern der Sachen , bedienen , die sie unter den Händen haben .
Widersprechung des Cicero .
Bey der Widerlegung der Ankläger des Dejotarus , säget Cicero , es sey gar nicht glaublich , daß dieser Prinz , der so viele Woylthaten vom Zu - lius Cäsar erhalten hätte , daran denken können , ihn umzubringen . Quae quidem a te , in eam partem aeeepta funt , C . Caefar , vt eum amplilli - wo regis honore et nomine affec^ris . Is igitur non modo a te pe - riculo liberafus , fed etiam honore ampliffimo ornatus , arguitur douii te fuae interficere voluiffe , quod tu nifi euin furiofiilimuni iudicas , fufpicari profe<5\o non potei . Vt enim omittam , cuius - - -

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