Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6690

Ä ? 2
Daurat .
Niphi , von denen reder , die ihren Familiennamen verändert haben : Illud - - . pro loanne Mane - Pranfu , Auratum - - - ex - hibet . Menage hat den Aurat in der Verwandlung des Gargiliu« Macro unter dem Namen Grrhrophagus bezeichnet . Man sehe un - ten die Anmerkung ( v ) zu dem Artikel Goulu ( Nicolas ) .
( C ) < * - Um einen andern anzunehmen / Oer eine bare Quelle unendlicher ^Wortspiele gewesen . ^ Man hat sich wohl gehütet , es zu einer Zeit daran mangeln zu lassen , wo die Zweydeurigkei - ren , die Wortspiele , abgeschmackte Possen , eine Münze von gutem Schrote und Korne gewesen . Gegenwartig sind dieses verrufene Geldsorten , die wei - ter zu nichts , als zum Umschmelzen , taugen . Du Verdier Vau - Privas Bibl . 68y , 686 S . hat uns ein Sonnet erhalten , welches zur Ebre Daurats mit lauter Vergoldungen und Wortspielen auf« Gold angesüllet ist . Der gelehrte FranciscuS Hottomann hat ohne Zweifel geglaubt , es wohl g ? - troffen zu haben , da er dieses Distichon wider ihn gemachet :
Ex folido eile prius vulgus quem credidit auro ,
Extrorfum auratus , plumbeus intus erat .
Matagonis de Matagonibus ad Italogalliam Matharelli , p . m . 248 . Weder Daurat noch sein Schüler Ronsard haben sich wohl dabey be , funden , daß sie ihre Musen wider die Reformieren angewendet ; sie griffen sich an allzuscharsen Rennern . Der erste , welcher auf einen ganz niederträchtigen Begriff oder Metaphore versallen , hat wider die Frosche in der großen Gensersee geschrieben , und sie mit den Fröschen der Offen - baruug verglichen , Sie sind die rechten Leute gewesen , die von der Offenba - rung Johannis reden konnten . Sie haben unter andern Dingen in ihrer Antwort gedichtet , daß ihre Frösche , anstatt zukoaren , av rat ! av rat ! duLimoufin ! aeschriehen , und sich über die ronses ( Disteln ) von Vandomois beklaget Hatten . Garalle , Docir . Curieufe , p . 127 . Sie haben ihm seine Beschimpfung mir gleicher Münze bezahlet ; denn sie haben ihn den limousinischen Frosch genennet . Le Laboureur , Addit . a Cafteln . T . II , p . 674 . Hotromann nennet ihn den Rübenftesser ( £ ) . Vidi multos , saget er , Matagonis de Matagonibus ad Italogall . relli , p . 247 . qui dicebant , quod illa carmina melius valebant aureum , quam omnia poetaltrorum epigrammata in fine tui Jibri pofita duos denarios , etiam fine excipiendo fuum vicinuni Lemouiceiu raphano - phagum loh . Auratum . Ich weis nicht , ob Daurat die Antwort je - mal« in Verse gebracht hat , der er sich gegen einen reformirten Predi - ger zu Genf bedienet , welcher ihm gesaget hatte , daß das Zeichen de« Rrcuzes , welches die Rarholiken vor ihre Person schlugen , zur Vertagung der Fliegen gemacht zu werden schiene . Du Verdier Vau - PrivaS , welcher diese Antwort Profopographie Tom . III . p . 257 ? . mit großen BeysalliZbezeigungen anführet , welche darauf zielet , daß zebub den Fürsten der Fliegen bedeutet , giebt vor , daß Daurat , da er bey seiner Rückreise aus Italien durch Genf gegangen , ermahnet worden , die calvinische Lehre anzunehmen , und daß man ihm ein gutes halt versprochen , er habe sich aber nicht an diese L . ehre gewoh , nen können . Ohne Zweifel ist es nach dieser Reise geschehen , da er das Gedichte geschrieben , welches ihm einen ganzen Platzregen von Wort - spielen zugezogen hat . *
Cß ) Das vom FraneiscuS Hottomann gebrauchte Wort rapha - nophagus , hätte durch Rübenkauer sollen gegeben werden , welches der beygelegte Name der Limojiner , und namentlich der Bauern ist , dergleichen Daurat , nach seinem äußerlichen bäurisckn Ansehen zuurthei . len , gewesen ist . Zum Teufel mit dem Rübenkauer , saget Panta - gruel beym Rabelais im II B . VI Cap . da er von dem limosimschen Schüler redet , der sich unter der Zeir mit seinem Koche besudelt hatte , da ihn dieser Riese bey der Gurgel gehalten . Außer dem weis man das Magnificat der Limosiner vom Lande : Monfieur S . Marfan noftre bon t'ondatour . Prega pour nous noftre Signour , qu'il nous veuille bien garda noftra raba , noftra caftagna , noftra fama . Alieluia . Wie die limosimschen Bauern sehr arm sind , und sich aus Mangel de«Getreides mit einer Art von Wasser - oder großen Steckrüben die Bäuche füllen , die sie sich nicht einmal die Mühe nehmen zu kochen ; so ist der Bey - name daher entsprungen , der ihnen nicht allein ihre Armuth , sondern auch den Übeln Wind vorwirst , welchem man ausgesetzt ist , wenn man sich um sie befindet . Johann de la Brniere Champier IX B , II Cap . de re eibaria saget , wo er von vielen Gattungen dieser Art Rüben redet , Sabaudis a Lemouicis palma tribuitur , vt olim apud Romanos Nur - iinis . Vulgus Gallicum Sabaudis atque Lemouicis rediiile ad reftim clainat , vbi rapae gclu exuftae fuerint , aut aliqua iniuria foli coeliue perierint - - - Inflationes crudiora minusque coöa facere cre - duntur . Vnde crepitus Ventris ingentes vefeentibus fiunt . Uebri - gens hatte Rabelais , welcher in des II B . XXVII Cap . da er von di - cken und kurzen Personen redet , die wir Nabottes nennen , mit einer Art von Steckrüben vergleichet , dem Menage etwas zur Bekräftigung der Wortableitung darbiethen können , die er diesem Worte giebr . <£cit . Anm .
* Weil es von vielen dem fei . Luther zur Last geleget worden , daß er bisweilen seinen Gegnern , als dem CochläuS , Dr . Eck , Em - fetn , ja dem Könige in England , Herzoge von Braunschweig , und dem Pabste mit seinen Decreren und Decretalien selbst , mir lusti - gen Wortspielen und Versetzungen der Buchstaben geantwortet ; so habe ich cS hier nicht uiiangemerkt lassen wollen , daß dazumal auch die Reformirten und Katholiken in Frankreich mit eben der - gleichen Waffen gefochten ; wie . Herr Bayle hier angemerkt . Die Art des Wif ? e6 , die in den damaligen Zeiten gehemchct , war nun einmal nicht besser ; man mochte die wiegen Köpfe nehmen , woher man wollte . Auch diejenigen , die im Griechischen und Lateinischen belesen genug waren , wie dieser Daurat . machten es nicht besser . Wenn nun aber auch die Franzosen , nnd zwar die Hofpoeten dieser Nation , solche Meister und Helden in Wortspielen und Buchstaben - wechseln gewesen ; so sehe ich doch nicht , warum einige ausländi - sche Kunstrichter , z . E . der Zuschauer . eS uns Deutschen Schuld giebr ; daß wir Liebhaber von solchen Tändeleyen und Kinderpossen wären . Sind nicht die allein klugen Franzosen unsre Vorgänger hierinnen gewesen , wie hier Banle gesteht ? Machen sie nicht noch Heine zu Tage allerley jolche Rebus und Räthftl und Quodlibet ? , nnd Endreime , und andere solche Raritäten mehr ? Indessen len wir es nicht leugnen , daß ungefähr vor Kunden Jahren , unsere fruchtbringende ©eiWIfchaft , unsere Pegnitzschäfer , und Gesellschaf - ter de« Zesischen BlunienordenS , großentheils solche Wortspiele qe -
liebet . Dieses zeugen unter andern auch ihre Gesellschaftsnamen , Rist , hieß der Rüstige , Siebenhaar der Siebenfältige , und der Ge - färbte unterschrieb sich gemeiniglich : der ungefärbte Gefärbte , oder inctloratus Coloratus . Zesen selber schreibt in seiner helikoni - schen Hechel gleich anfänglich so spielend : Wann liebliche Tage , hohe und zum Ernst geneigte Geister jemals vcrlieblichet , nnd mit frölichen lieblenden Blicken , aus allzustraffen tiefsinnigen Gedanken in ein süßes liebreiches Sinnenspicl gezogen ; so ist es gewiß an diesem der zweytcn Rosenwoche ersten Morgen geschehen , da mit so liebseligem und geläutertem Antlitze , der gütige mel , seiner lieben Liebsten , der Erden , gleichsam liebelte , und die Sonne sie so überall lieblich , so überaus fvolicl ) , und anmuthig bestreikte , daß sie überall freudig , überall lachend , überall liebreizend anzuschauen war . So schrieb man vor hundert Jahren , sage ich : allein wer heutiges Tages so schreiben wollte , der würde sür einen Pritschmeister oder Gratulanten , nicht aber für einen witzigen Kopf von guter Art gehalten werden . Indessen haben wir auch in Leipzig einen Advocaten , mit Namen Gottsried gehabt , der dem Pabste Clemens XI , bey seiner Cardinals Promotion , durch ein Ana . xrarnma seines Namens , das Pabstthum geweißager , und bey der Erfüllung ein ansehnliches Geschenke bekommen hat . G .
( v ) Er hatte eine etwas bäurische und unfreundlich» Mine . Z Moreri hat diese Worte des Masso vergrößert : Tametfi vultu fubru - ftico et infuaui erat , wenn er sie alio übersetzet , diejenigen , die an seinem Lobe gearbeitet haben , bekennen , daß er der übelgestal - teste Mensch von der XVelt gewesen , und das äufierliche^Anse - Hm eines Bauern gehabt . Dieß ist eine merkwürdige Verfälschung zum Nachtheile dieses berühmten Hospoeten . Das Latein , w«H ches man gelesen hat , ist von demjenigen nur um die Hälfte unter - schieden , was man vom Voiture gesaget hat . Man hat von diesem ge - saget , daß er ein erwa» dummes , aber gleichwohl angenehmes Gesichte gehabt . Hiftoire de 1' Acadernie Framjoife , pag . in . 301 . Ich will wohl glauben , daß Daurat von derjenigen Höflichkeit unend« lich weit entfernet gewesen , die an dem Voiture geschimmert l , an allein daS kann ich mir nicht einbilden , daß eö ihm an derjenigen Wissenschaft der Welt , und denjenigen Annehmlichkeiten des Umganges gemangelt haben sollte , welche die Gelehrten haben müssen , wenn'sie bey einem Hofe in Hochachtung seyn wollen : denn wir werden hier unten sehen , daß Carl der IX , ein ungemeines Vergnügen gehabt , ihn zu hören , und daß er seine artigen Histörchen und lustigen Einfälle bewundert , und wir erfahren vom Brantome , daß Daurat mit der großen Welt Umgang ge - habt . Das erstemal , saget er , Danies Galant . Tom . II . pag . , 40 . da ich die - Historie von der Matrone zu lkphesu» gehört , istsol , che« von dem - Herrn Daurat geschehen , der sie dem braven - Herrn von Gua , und einigen andern erzählte , Sie zu Mittage be / ihm speisin . Er setzet dazu , daß D'Aurar gesaget , er habe sie aus dem Lampridius erhalten ; allein er bat sie aus dem Petronius erhalten , und ich wollte diesen kleinen Fehler lieber dem Gedächtnisse dcS Dran - tome , als unftrm Poeten , zuschreiben . Du Verdier beobachtet , daß Daurar ein kleiner Mann von Gestalt und Ansehen , «der groß von Geiste gewesen . Profopograph . Tom . III . p . 2575 .
( E ) t£c war weit vom Geize entfernt . ^ Dieses Lob , und die die - sein vorhergehen , sind den Verleumdungen Scaligers ganz und gar zu - wider ; denn in den andern Scaligeranen redet er unter dem Worte Auratus also . <£x war sehr phantastisch und schmutzig wie Moncaud , fed non tam . , r >—v , viv vh / wk»
rigkeiten zu heben , eine falsche Sache voraussetzen , nämlich , daßdiezween Neffen des Peter Pithöus , welche die Scaligeranen gesammelt , fünfzehn bis zwanzig Jahre bcy dem Scaliger gewohnt hätten ? Von zwey gen muß eines seyn , entweder das Gedächtniß Scaligers hat in den Un - terredungen mir diesen jungen Leuten öfters gestrauchelt , oder diese ha - ben dasjenige verwirrt , was sie sagen hören . UebrigenS kann man nicht leugnen , daß er den Daurat gesehen hat : er belehret uns in den Scali - geränen aus der 14» S . ben mir , daß sie mit einander ihren Besuch bey dem la Croix du Maine abgeleget , und daß Daurat , welcher das 25 . nicht aussprechen können , beym weggehen zu ihm gesaget habe , ofeura diligentia . Dieß ist das Urtheil , daß er von den Arbeiten desjenigen gefällt hat , den sie besuchet hatten . Ich hätte bald einen sehr starken Einwurf vergessen , welcher allein vermögend ist , uns zu überzeugen , daß man hier eines für das andere genommen hat Kann man vom Daurat , einem Manne , der mit nichts als der griechischen Sprache und der Dichtkunst umgieng , wohl sagen , daß Bartholus sein Buch gewesen ? Es gehöret für einen Professor der Rechte , seinen stinkenden Geiz so bekannt zumachen , indem er ans die abgeschnittene» Blätterchen seines Bartholus geschrieben .
( F ) - - ; Dieses , - - konnte Ursache an seiner Ar . mutk gewesen scvn , dazu er sieb gebracl't fand . ] ThuanuS , wenn er an einer Seite bekennet , daß Danrat die Besoldung bis an seinen Tod erhalten , die ihm gelassen worden , da er jein Amt niedergeleget , bdtntiet an der andern , daß er seinen Nuhen allezeit hindanqesehet , und daß er sich seit einer geraumen Zeit zur äußersten Dürftigkeit gebracht gesehen . Vir ad aliorum ftudia ac commoda promonenda natus , qui rem familiärem tota vita neglexerat , deploranda iam pridem egeftate
premeretur .

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