Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6658

268 David .
Ätlvld f König der Juden , ist einer von dm größten Männern der Welt gewestn , wenn man' ihn auch nicht einmal als «inen königlichen Propheten ansieht , der nach dem Herzen Gottes war . Das erstemal , da ihn die heilige Schrift auf den Schauplaß bringet äiebt sie uns Nachricht , wie ihn Samuel zum Könige bestimmet und gesalbet hat . David war damals nur noch em schlechter Schäfer . Er war der jünaste von acht Söhnen des ^sai , des Bethlehemiten ( A ) . Nach diesem berich - tet uns die Schrift , wie er zum Könige Saul geschicket worden b , ihn durch seine Musik von der ihn uberfallenden Raftrey zu be - freyen ( B ) . Ein so wichtiger Dienst machte ihn so beliebt bey tzvauln , daß ihn dieser Fürst bey sich behielt , und zu seinem Waffenträger machte c . Hierauf saget die «Schrift « , daß David von Zeit zu Zeit zu seinem Vater gegangen , dessen Schafe zu hüten , und einsmals von demselben mit Lebensmitteln für seine drey Söhne , welche Kriegsdienste thaten , »n Sauls Lager schickt worden . Als David diesen Befehl ausrichtete , so hörte er die Ausforderung eil , es Philisters , Namens Goliath , welcher auf seine Stärke und Riesengestalt pochte , und selbiges täglich gegen die Israeliten wiederholte , ohne daß sich ein ein ziger Mensch erkühnet hätte , den Kamps mit ihm anzunehmen . Er zeigte große Lust sich mit diesem Riesen in einen Zweykampf einzulassen , weswegen er vor Sauln geführet wurde , und selbigen seines Sieges über den Philister versicherte . Saul gab ihm seine Waffen ; allein weil sie dem David beschwerlich waren , so zog er dieselben aus , und wollte nichts anders , als seine Schleuder , gebrauchen . Er war so glücklich , daß er diesen Großpraler mit einem Steinwurfe zur Erde stürzte ' , und ihm hieraus mit seinem eignen Schwerdte das Leben vollends nahm , ihm den Kopf abhieb , und selbigen dem Saul überbrachte ( C ) . Dieser Fürst fragte seinen Feld - Herrn , als er den David wider den Goliath in den Streit gehen sah : wessen Sohn ist der Rnadce / ( D ) . Der Feldherr gab zur Antwort , daß er solches nicht wisie . und erhielt Befehl von Sauln , dießfalls Erkundigung einzuziehen : allein Saul erfuhr es selbst aus dem Munde dieses jungen Menschen ; denn , als man ihn nach erhaltenem Siege vor ihn brachte , so fragte er ihn ? wessen Sohn bist du - ? und David gab ihm zur Antwort , daß er der Sohn des Jsai wäre 5 . Hierauf behielt ihn Saul in seinen Diensten , und ließ chn nicht wieder zu feinem Vater zurück gehen h . Als aber die Gesänge , welche man über die Nieder - läge der Philister in allen Städten anstellte , dem David zehnmal mehr Ruhm , als Säulen , beylegten - : so empfand der König eine heftige Eifersucht , welche sich immer mehr und mehr vergrößerte , weil diejenige Bedienung , die er dem David gab , ihn vom Hofe zu entfernen , die Verdienste dieses jungen Menschen nur größer machte , und ihm die Gewogenheit und Bewunderung des Volkes erwqrb . Er verlangte ihn auch , aus einer falschen Sraarsabsicht , zu seinem Schwiegersohne : er hatte die Hoffnung , daß die Bedingung , unter welcher er ihm seine andre Tochter zur Gemahlinn verbrach , ihn von diesem verhaßten Gegenstande befreiM würde ; allein er betrog sich in seiner List . Er begehrte zur Morgengabe für seine Tochter , ein hundert Vorhaute der Philister : David brachte zweyhundert richtig gezählt * ; so daß er solchergestalt wider Sauls Hoffnung , sein Leben in dieser Unter« nehmung nicht einbüßte , sondern mir neuem Ruhme und Glänze zurück kam . Er heirathere Sauls Tochter , und ward dadurch noch furchtbarer alle seine Kriegsverrichtungen gegen die Philister waren höchst glücklich , seine Name ward sehr berühmt , er stund in einer ungemeinen Hochachtung m : so daß Saul , welcher die Tugend seines Schwiegersohnes , nicht so wohl als die na - türliche Neigung seiner Unterthanen kannte , auf die Gedanken gerieth ; es könne ihm nichts anders , als Davids Tod , die ruhige Besitzung des Thrones versichern . Er beschloß also sich denselben auf eine gute Art vom Halse zu schaffen . Er vertraute dieses Vorhaben seinem ältesten Sohne ; allein , anstatt daß derselbe der Eifersucht seines Vaters beystimmen sollte , so gab er dem David , von diesem schändlichen Anschlage , Nachricht » . David ergriff die Flucht , und wurde von einem Orte zu den andern verfolget , bis er endlich seinen Schwiegervater durch unwidersprechliche BeweiSthümer seiner Redlichkeit und Treue überzeugte : als er ihm bey zwoen vorrheilhaftigen Gelegenheiten , da er sein Leben und seinen Tod in Händen hatte , nicht das geringste Leid zu - fügte Dieses brachte den Saul zu demEmschlusse , ihn in Ruhe zu lassen . Weil aber David befürchtete , es möchte dieses böse Vorhaben dem Fürsten wieder m ven ^inn kommen , so blieb er nicht allein beständig auf seiner Huth , sondern sab sich auch nach einer sichern Zuflucht in dem Lande der Philister um p . Er sprach den König zu Gath um eine Stadt zu seiner Wob - nung an , von da er hundert unterschiedene Einfälle , in die herum liegenden Länder , that i . Nach Sauls Tode kehrte er wieder nach Judäa zurück , und wurde daselbst von dem Stamme Iuda , zum Könige ausgerufen Unterdessen unterwarfen sich die andern Stämme dem Isboset , Sauls Sohne : worzu Adners Treue behülfüch war ' . Dieser Mann , welcher unter dem Kö - nige Saul , Feldherr über das Krieasheer war , setzte den Isboset auf den Thron , und erhielt ihn wider alle Bemühungen Davide darauf : weil er aber Isbosets Verweis nicht vertragen konme , daß er Sauls Kebsweib genommen hatte so trat er mit dem David in Unterhandlung , ihm Isbosets Reich unterwürfig zu machen . Diese Unterhandlung wäre gar bald zu Davids Vergnüaen zu Stande gebracht worden , wenn ? oab - den Adner nicht wegen eines unter ihnen gehabten Streng ermordet hätte . Der Tod dieses Mannes beförderte den l' Hergang des unglücklichen Isbosets : zweene von seinen vornehm - sten Hauptleuten erwürgten ihn , und brachten dem David sein Haupt ; welcher anstatt der von ihnen gehofften Belohnung Be - fehl gab , dieselbe zu tödten , * . Isbosers Unterthanen säumten nicht länger , sich Davids Regierung freywillig zu unterwerfen . Dieser Prinz^ harre sieben und^ein halb Jahr über den Stamm Iuda allein regieret , und herrschte nach diesem ungefähr drey und dreypig Jahre über ganz Israel > . Diese lange Regierung ist wegen ihres großen Glucks , und vieler rühmlichen Siege , merkwürdig : sie ward fast gar nicht als durch die Anfälle der eignen Kinder dieses Prinzen beunruhiger ( E ) . Dieses sind die gewöhnlichen Feinde , vor welchen sich ein Potentat am Meisten zu fürchten hat . Es fehlte nicht viel , so hatte sich David wieder in denjenigen armseligen Stand versetzt gesehen , darinnen ihn Samuel vor seiner Salbung antraf . Menschlicher Weise davon zu reden , so konnte er diesem Unsterne nicht entgehen ( F ) , wenn er nicht Leute gefunden , weiche das Verrätheramt beym Abfolom über sich genommen hatten Die Gottesfurcht Davids ist in seinen Psalmen so glänzend , und in vielen Verrichtungen so ausnehmend , daß man dieselbe nicht genugsam bewundern kann . Er ist eine Sonne der Heiligkeit in der Kirche - er aiebt der - selben durch seine Schriften einen ungemeinen Glanz des Trostes und der Gottesfurcht , den man nicht hoch genug zu bewun - dern weis : allein er hat auch seine Flecken gehabt ( 6 ) . Das Werkchen , welches der Abt von Choisy über das Leben dieses großen und frommen Prinzen herausgegeben , ist ein gutes Buch , und würde viel besser seyn , wenn an dem Rande der Seiten die
^ahre emer jeden That , und die Stellen aus der Schrift , oder dem Joseph , woraus man seine Erzählung genommen , wären ausgezeichnet worden . Ein jeder Leser ist begierig , zu wissen , ob dasjenige , was er gelesen , aus geistlichen oder weltlichen Quellen genommenlsr . jch will die vielen Fehler des Moreri nicht anführen ( H ) . Allein der Artikel von dem David , den ich in dem biblischen Worterbuche gelesen habe , giebt mir Gelegenheit zu einer Anmerkung ( I ) .
6 ) Ebendaselbst v . - o . <• ) Ebendas . v . - > . d " ) I Sam . XVII , 15 . - ) Ebendas . v . 49 . 50 . f ) Ebendas v cc / ) Ebendas . » 58 . 6 ) Ebendas , XVIII , 2 . i ) Das Frauenzimmer gienq vor dem Könige tanzend her , und sang : Saul hat tausend ae« schlagen , David aber zehn tausend ; I Sam XVIII , 7 . Ebendas . v . 37 . I ) Ebendas . » . 29 . m ) Ebendas . v . zv . » ) 1 Sam XIX U - ) I Sam . XXIV . und XXVL 5 ) Ebendas XXVII . f ) Ebendaselbst , r ) II Sam . II . 4 . , ) Ebendas . v . * . , ) Eben» III «Dieß ist Davids Feldherr gewesen . - ) Ebend . IV . y ) Ebend . V , 5 . 2 ) Ebend . XV , Z4 . * 5
( A ) Er war der jüngste von acht Söhnen des Isar , des allein man müßte auf der andern Seite auch lägen . da« trfrine & önbe bcr Sethlehemiren . ) Jsai stammte in gerader Linie von Iuda , einem der gangen , wenn er in der unschuldigen Einbildung , bey seiner^rau aeschlafen zwölfSöhne Jacobs ab , undwohnte zu Bethlehem , einer kleinen Stadt zu haben , seine Magd geschwängert hätte . Diese rabbinttcbe Mevnuna in den , Stamme Zuda . Einige neue Rabbinen sagen , daß Zsai , als ist von dem Vorgeben des heil . Hieronymus weit entfernet Er saget David empfangen worden , in der Meynung gestanden , seine Magd , und man habe geglaubet , daß Jsai , Davids Vater , niemals eine wirkliche nicht seine Frau , zu vergnügen ; und darnach erklären sie den siebenten Sünde begangen , und keinen andern Makel an sich gehabt , als welchen Vers des LI Psalm , worinnen David saget : Daß er aus stmdlichem er aus dem Schooße seiner Mutter mit sich gebracht Mirum eft , quod Saamen ge ; euget , und von seiner Mutter in Sunden empfan - de Ifai patre Dauidis refert Hieronymus , illum nunquam aliud pec - gen . Diese« , sagen sie , bedeutet , daß Zsai , sein Vater , bey seiner Em - catum commififle , quam quod ex origine contraxit . Quo enim loco pfangniß , einen Ehbruch begangen : weil er , ungeachtet derselbe von seiner legimus : Amafa ( II B . der Könige X VII - ; ) ingrejjus eß ad Abigail eignen Frau empfangen wurde , gleichwohl in den Gedanken stund , mit filiam Naas fororem SaruUe fic Hieronymus , ( Tradit . Heb ? in einer Magd , deren Keuschheit er schon lange nachgestanden hatte , z>» Lib . II . Reg . cap . XVII . ) Naas interpretatur coluber , qma cum nullum thun zu haben . Siehe das Journal des 8avans , de» 14 deS HtUMo - admißjfe mortiferum periibent pcccatum , nifi quod originaliter dt nats 1692 , 465 S . hollandischer Ausgabe . Diese Erklärung stimmet ferpente antlquu contraxit . Eß autem Naas qui et Ifai Pater mit der Lehre von der Erbsünde sehr übel überein , und deswegen hat sich uid . Eamdem traditionem refertAbulenfis , ( Toftat II Könige XVII . der P . Bartolocci , ( in bihlioth . magn . Rabbin . Part . II . p . 4 . ) wo er Quaeft . XXVII . ) et monet Naas eundem efle , qui et leite , Lue Ifai diese Meynung der neuen Rabbinm vorbringt , verbunden gehalten , bey patrau Dauidis , quod quidem et antea Lyranus docuerat . Diese dieser Gelegenheit zu untersuchen , ob die alten Juden die Wahrheit die - Worte mit den angeführten Stellen , sind vom P . Cammart , 1 - 6 > - ? S ser Lehre erkannt haben . Wenn der Satz dieser Rabbinen wahr wäre , de rebus geftis hliae . Uebrigen« würden diejenigen , welche das unqe - so hätte man groß Recht , ju sagen , daß Jsai einen Ehbruch begangen - schickte Vorgeben der Rabbinen von der Empfangniß Davids für wahr an -
nehmen

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