Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6632

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Dassouci .
lasten hatte . Die Geschenke , die ich alle lochen zu erhalten gewohnt war , kamen mrr alle Monare , und da ick unter Ven gewohnlichen tt>ohlthaten dieser gurrbatigen Sternstellungen , eine gewifle Raltsinnigkeit verspürte , die sich nicht zu der Hoff - - nung schict'ce , Vie ich mir von meinem Glücke gemackt hatte , - - - so thar ick u . s' . w . Ebendas . zz ? S . Ein guter Hofmann nimmt sich die Hugenotten nicht zum Muster , die niemanden , als Gott , anrufen : er ahmet den andächtigen Papisten nach , welche sich mehr an den Dienst der Heiligen , als an Gott halten . D'Assouci hat feine An - dachten nach den Begriffen der Protestanten eingerichtet , und dabey seine Rechnung nicht gefunden . Wir , vollen etwa« von der bung fcl ) e . " , die ich bermurmelte , allejheilig und andachtig waren ; so gesÄiah es nickt so wohl zur Ehre Gottes , daß ick dieselbe mir meinen Gesängen vereinigen wollte , als zun , Vergnügen dieser sterblichen Gottheit : ich Unglückseliger harre sie damals der wahren Gottheit vorgezogen . Ebendas . >6» u . f . S Ich habe so viel Eifer für diese gütige Machten gehabt , saget er auf der 176 S . daß , wenn ich so viel für Gott gehabt hatte , ick nicht zweifle , er würde mir denselben bereits mit seinem Paradiese vergolten haben .
( ? ) Er rühmet sich , die Feder , zur Vertheidigung der römtV scken Rircke , ergriffen zu haben . ] Eine von den Ausschweifungen , wesweqen er seine Feinde radelt , ist die Beschuldigung der Ruehlosig - feit . Ihr seyd so boshaftig und chorickt gewesen , saget «Tom . II . p . 20 . zu ihnen , denjenigen für einen Gottlosen - - - aus - zugeben , dei» Gott nur deswegen euren Verfolgungen au^gesenc dar , damit er ihn in der Uebung der Gottesfurcht lautern len , für einen Schriftsteller , der ein Feind Oer geheiligten Dinge ist , denjenigen , der in seinen Sckrifren Rom , gegen die Gewalt - lha«en dcr Leinde , seines Ruhms und seiner Altäre vertheidiger , und alle seine Dinte angewendet , und seinen Xveihrauck zum Äe - sten seiner heiligen Diener , und seiner gcheiligren pralaren ver - schwendet bar . Er hätte sich aus der Unternehmung eines solchen Werkes kein Verdienst machen dorfen : hat auch wohl die Andacht Theil diiran gehabt ? Ist eö nicht vielmehr geschehen , einige Belohnung zu erhaltet , ? Dieß ist der Angelstern solcher Scribenren , wie ev : sie hen von einer weltlichen Sache zu einer ganz himmlischen über , so bald sich die Hoffnung des GewinnsteS von dieser Seite zeiget :
Si doloii fpes aflulferit nummi .
Perfius , in Prologo . Sieht die Aufführung Aretinö , oben in der An - merkung ( I ) , des Artikels Amin ( Peter ) .
Graeciilus efuriens , in coelum , itifl'eris , ibit .
Iuuenal . Sat . III . v . 78 .
( G ) Er beklaget sich über den Boilcau , welcher gleickwohl nichts gesäget , als was sick wider die Possen gehorer . 1 D'As - souci widerleget in den Abentheuern Italiens , auf der 24» Seite , diese Worte des Boilern« , so gut , als er kann :
Endlich hat der Hof die Augen aufgemacht ,
Und die allzufreye Thorheil solcher Lieder ausgelacht .
* * « ist aar leicht , saget er auf der 25 - S . einen Taugenickr zu rüh - ren der über ein sedes Ding lacket ; allein e« ist sehr sckwer , ei - nen hartleibigen Stoiker zu bewegen , der über nichts lacket : dieserweqen lst der Zugang eben so sckwer , ob man gleick etwas heroisches sagen wollte , als der Endzweck der kurzweiligen Sckreibarr , welche die höchste Rraft der Erfindung und der Probierstein der aufgeweckten Röpfe und nickt einmal aller soi - cken Ropfe ist . Denn darinnen glückltck n , st^n , , st es nickt nug , einen gemeinen A ? iN ZU besinen , wie ein anderer ; man muß mit einem besondern Geiste begaber styn , welcker vornehmlich in unsrer - Himmelsgegend so seltsam ist : daß außer zwoen per - fönen , davon ich eine , wie Frankreich will , seyn soll , wie seder - mann weis , alle , die sick mit der kurzweiligen Schreibart ver - menget haben , nur das Papier besudelt - * * wenn man V mich fraget : waruin diese kurzweilige Schreibart , welche so vortreffliche Theile , nebst angenehmen Einkleidungen hat , und Frankreich so lange Zeit belustiget , aufgehörer hat , unscrn - Hof zu ergehen : so ist es , daß Scarron aufgehöret hat , zu leben , und daß ich aufgehörer habe , zu schreiben ; und wenn ick einen kurzweiligen ( pvidius fortsetzen wollte , so würde derselbe - Hof , der sick nock heutiges Tages an den Versen belustiget , die ick ibm überreicke , sich , wie zuvor , daran ergehen , " und mein» Buchhändler , Sie dieses XVerk so oft wieder gedruckt liaben .
würden eben so viel Ausgabe« davon machen . Ebend . 26 , S . Ein
Mensch , welcher die hohe Meynung so treuherzig bekennet , die er sich von sei - nen Gedichten gemacht hat , würde , wenn man wollte , ein nicht sehr glaub - würdiger Zeuge , in Absichtauf die Lobeserhebungen seyn , die er sich selbst giebt ; allein da er erklären wird , daß er sehr empfindlich über die Be - schimpfung geweftn , die ihm Boileau in diesen Worte» erwiesen hat :
Bis auf den DÄssouei fand alles seine Leser ,
so muß man ihn für einen sehr aufrichtigen Zeugen gelten lassen . „ Ach , „ mein Leser , wenn du wüßtest , wie dieses , fand alles seine Leser , mir „ zu Herzen geht , so würdest du mein Schicksal beklagen : ich bin des» „ wegen untröstlich , und ich kann mich ans meiner Ohnmacht nicht er - „ holen ; vornehmlich , wenn ich an den Nachtheil meiner Ehre in diesen „ Werken gedenke , die mir statt eines Parlementsspruches gelten „ müssen , so sehe ich mich aller meiner Ehren entsetzet , und daß Carl „ D'Assouci , von einem Kaiser der kurzweiligen Schreibart , der er gewe - „ sen , dcr erste dieses Namens , itzo , wenn man es glauben will , weiter „ nichts , als das elendeste Gewarnie des Parnasses , Und der Musen „ Küchenjunge ist . Was ist zu thun , mein Leser , ben einer so äußersten „ Noch , nach dem Bannstrale , der auf diese arme so in Ungnade ge - „ sallene kurzweilige Schreibart ausgesprochen worden ? wer wird sie in „ der Welt bey Strafe ihres Fluches zu lesen , ja einmal anzusehen „ würdigen ? „ D'Aflouci Avant . d'Italie , p . - üz . Er tröstet sich mit den Gedanken , daß die Eifersucht an diesem donnernden Urtheile Urs« - che gewesen . Ebendas . 265 S Siehe , mein lieber Leser , dieses ge - winner man , wenn man gute kurzweilige Verse mackcr : denn wenn ick so sckleckte , als mein Porte , nämlich der aus Auvergne , de , 'zu Turin gewesen , gcmackr harre , so würde er , ( nämlich Boileau ) mich so wohl haben leben lasjen , als denUrhebcr des krwzweiligen Vvidürs : allein was' ? es ist nichts neues , daß man eifersüchtige Gemüther sieht , die au^ vocrrefflicke Dinge fluchen , und dasje« nize tadeln , was ihre Fähigkeit übersteigt . Wir wollen das Ur« theil hierher setzen , das er von der im höchsten Grade ungereimten Poe - sie gesället hat / Sie macket zu lachen , saget er ebendas . auf der 320 Seite , - , - allein es ist nickt genug , diese Ungereimclxic , welche dieser Gattung von Versen so n^thig ist , in ihrem hock - sten Grade anzurrejfen ; sie muß aucli nock mit einer gewissen Trockenheit begleitet seyn , welche Sie allerbesten Röpfe nickt zr» begreifen wissen , und welcke , je vortrefflicker sie ist , um so viel weniger nackzeahmer werden kann : wie es klarlich aus dev großen Äibel der U ? cibnacktsgcsange erhellet ; wo viele winige Röpfe alle ihre Rräfce angespannerhaben , in ihrenrveihnachts - gefangen diesen kostbaren alten U7eihnacktsgesangen nackzriah» men : es bar niemand das Geheimnist darinnen gefunden , und Wirdes auch niemals finden ; und die alten NVeihnachtsgesange werden überall und bey allen Gelegenheiten den neuen vorge - zogen bleiben , und beständig zu allen Feiten um so viel geehrte« : und geachteter feyn , je abgeschmackter und je vortrefflicher sie mit dieser vorrrefflicken Art der Ungereimtheit und Einfalt an - gefüllet sind : denn kurz , ist wohl ein einziger Mensch von ge - simder Vernunft , welcker weis , worüber und wenn er lacken soll , der nickt von ganzem - Herzen lacket , wenn er diese Verse sieht , die ick aus einem Vucke gezogen habe , welckes be / ösfenr - lickem Ausruf für zwanzig Pistolen verkauft worden , und ber» rclt ijr : Les pois pilez . Die durchgeriebenen Erbsen i stus nimmt mit diesen ^Dorren von dem h . Matthäus Abschied :
Di ALOGVE . C . A Dieu ! Mathieu ! M . A Dien ! Dieu !
C . Prend ta lance et ton epieu
Gespräche : M . Gott l lebe gleichfalls wohl ? <5 . Nimm deine Lanz n . Spieß zur Hand
Et t'en vas en Galilce . Und geh ins Galiläerland .
M . Prendrois - jeanfliraonepee ? M . Soll ich meiii Schwerdt mich mit mir tragen ?
C . Et quoi donc \ <£ . Braucht dieses wohl zu ftagen ?
M . A Dieu donc ! M . So lebt also wohl \
Ist wohl etwas thörickters und ungereimter» , als diese Himmlische Personen auf solche Arr reden laufen 1 gleichwohl ist nichts kurzweiligers , noch trockener« . Und wird man mir nicht zvqestehen , daß diese Verse , welche den heil . Matthkun und den - Heiland selbst zum backen bewegen würden , wenn sie nock auf dcr Erde wandelten , viel bester sind , als alle mittel« maßige Verse , die wir in dcr Uvelt finden , und die weder Ge» rucli . ^nock Gcsckmack habend
( H ) Jck will dasjenige abschreiben , was er von einem när , riscken Poeten sager - - - und der ein gedruckter Sckrift - steller ist . ] „ Mein wer kann diese gewisse Narrl ? eir glaubwürdiger „ bekräftigen , als der arme verstorbene Ragueneau ? Der auf dem ganzen „ Parnaß bekannte Ragueneau , der von allen Poeten geliebte , und von „ allen Comödianren werrhgeschätzte Ragueneau . Kurz , dieser berufene «Pasterenbecker Ragueneau , der mit sechs Jungen in seinem Laden , bey \ . . einem beständigen Feuer in einem in die Kunde gebrachten Ofen un - „ aufhörlich gearbeitet , und alle Pastetenbecker in Paris ausgelachet , . hat ; dieser berufe , « Pastetenbecke» , der auf den Parnaß nichts , „ als Kalbfleijchpasteten regnen lassen . Dieser Pflegevater der Mu - „ sen . nachdem er diese undankbaren Mägdchen laiige Zeit genädret ; „ ach leider ! wie ist es ihm ergangen ? Ihr seyd es . BeiS , euch frage „ ich , die ihr ihm die Narrheit eingeblasm Haber , Verl« zu machen ; „ euch , BeiS , der ihr uns um den besten Pastetenbecker in Paris gebracht „ habet , um den allerschlechtesten Poeten von dcr ganzen Welt daraus „ zu machen . Ihr seyd e« , Barbar , dcr einmal in dem Thale Josa - „ phatS , nicht nur von aller Dinte und von allem Papiere , das er in „ diesem untern Gebiethe verdorben hat , sondern auch wegen aller Paste» „ ten , ( diejenigen ausgenommen , welche ihm der Parnaß abgeschwatzt , )
„ die ihr ibm vor dem Ofenloche weggeputzt Haber , werd - t Rechenschaft ge - „ ben müssen . Ja . Beis , ihr werdet einmal von diesem armen Unschul - „ d'gen Rechenschaft geben ; denn kurz , er war der beste Mann von der „ Welt ; er ( orgtt dem ganzen Parnasse , und wenn man kein Geld hat - , , te , so war er sattsam bezahlet , vergnügt und zufrieden , wenn man „ nur seine Werke mir dem kleinsten Augmwinke zu loben würdigte .
. . Ich

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