Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6627

Dassouci .
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Dieser Knabe , der auf jeden Schritt
Euch fast auf die Hacken tritt ,
Worinn habt ihr ihn geübet ?
Welche Kunst ists , die er liebet ?
Er kann alles , sprach er : habt ihr seiner nöthig ?
So ist er zu eurem Dienst erbothig .
Wir dankten ihm hierauf ganz höflich , gleichwie ihr gethan haben wür - der , und gaben ihm keine Antwort , als diese :
Lebet wohl , zu guter Nacht ,
Mit dem Pagen . der auf jeden Schritt Euch fast auf die Hacken tritr ; llnd mit allen feinen Künsten .
Herr Assoucy , großen Dank , ftur so schönes Anerbiethen ,
Bon so angenehmen Diensten ,
Herr Assoucy , großen Dank .
Reisebeschr . des Bachaumont u . la Chapelle , 7 ; S . bey mir .
Es sind wenig Werke des Verstandes , die so sehr gelesen und bewun - dert worden , als die Neisebeschreibung dieser zween Herren , und hier - durch haben sie mehr , als jemand , bcygetragm , daß der Name des D'As - souci verhaßt , verächtlich und abscheulich geworden . Man hat vorgehe - den , daß ferne Feinde , zur Beförderung seines Unterganges , dem Vabfte , Clemens bem IX , diese Reisebeschreibung gezeiger baben . D'Allbiici Avantares , Tom . II . p . 271 . Dieß ist etwas küh lich gewesen ; denn sie enthält eine ziemlich boshafte Stelle wider den rorn . Hof , wo man voraus setzet : daß Assouci , nachdem er dem Scheiterhaufen zu Mont - pellier entwischet , außer Furcht gewesen , da er sich zu Avignon befunden :
Ab« endlich Hab ich mich gerettet ,
Denn ich bin aufs Pabsts Gebiethe .
Reisebeschr . des Bachaumont , 75 S .
Der unglückliche D' Assouci hat das Nachtheil mehr , als zu wohl empfun» den , das ihm durch die Neisebeschreibung des Herrn von Bachaumont und la Chapelle verursacher worden : D'Aflöuci Avant . T II . 332 . ZZZ ©• Cr hat wider diesen letztern geschrieben , und ihm viel Schimpfwort ? gesaget : und wie er vorgegeben , derjenige zu feyn , der ihn Verse machen geleh - ret , und daß man Verse gesehen hatte , die la Chapelle zu seinem Lobe verfertiget , so hat er ihn zur Verantwortung , so wohl dieser Undankbar - keil , als Unbeständigkeit , gefordert . Ebendaf . 262 . 264 S . Er behauptet , es fey falsch , daß ihn diese Reisenden weder bei ) Montpellier , noch in Avignon angetroffen hätten : ( ebendas . 25 ; ( 0 . " ) er hat versichert , daß er Montpellier erstlich drey Monate , nach seiner Erlassung aus dem Ge - fängnisse , verlassen , so , daß sie eine große Lügen vorgegeben , wenn siege - saget : daß sie ihn an demselben Tage , da er in Freyheit gesehet wor - den , vor dieser Stadt angetroffen harten . Ebendas . 164 S . Er giebt vor : daß sie erstlich zwey Jahre nach seiner Begebenheit durch Mont - pellier gegangen ; woraus erschließt , daß sie eine sehr boshafte Erfin - dung wider ihn gebrauchet hätten . Ebendas . 156 S . Das Schlimmste ist , daß , ob er sie gleich überzeuget , daß sie sich hierinnen alle Freyheit der Romanschreiber genommen , er deiuiech den Grund der Sachenicht leugnen kann ; denn er bekennet , daß man ihn zu Montpellier in ein Loch gesteckt , und einer ehrlosen Handrhierung beschuldiget hat . An - statt , saget er am angezogenen Orte , aus der >c8 Seite , daß man die Aufsuchung , die ich nach einem schonenRnaben gethan , um in den Diensten Ihrer königlichen ^ohcir ; n singen , dem Ver - - öienjie meiner Zäunst zuschreiben sollen : so hat das Volk gefa - gel , daß solches wegen eines - Handels mir den italienischen zen geschähe , und daß icli unter dem Vorwande der Musik , ( ebendas . 110 S> ) auf diese Art in der XOelt herumliefe , Rnaben «ufzusuchen , nicbr uim Singen , sondern zum Verkaufe an die rvundärztezu Montpellier , daß sie ihre Zergliederungskunst daran machen sollten - - * ( Ebendas . S . ^ U ? as soll ick mehr sagen : die Rarboliken , die man in diesem Lande die groben Ratboliken heißt , haben mich Parpaillor , lein name der Reformirten in Frankreich , ) und die Parpailloren ei - nen Gottesleugner genenner : allein die verbublren Frauens , Personen , welche größere Freundinnen ihres Eigennutzes und nachdenkender sind , lassen den guren Gorr bey Seite , uild nennen mich einen Retter ; nickt in Religionssachcn , sondern m Liebes - handeln , und ohne , Saß sie an die vielen Abendmusiken , die ich ihnen gebracht . und die vielen Zärtlichkeiten gedenken , die icli ibnen erwiesen . Sa ich sie , als ich in meinen jüngern Jahren durch Montpellier gereist , auf der Laute spielen gelehret , und ihnen die - Hand an dem Lautenhalse , urechr geleget : so geben sie mir un - gerechter weise diejenigen - Harrigkeiten Schuld , die ehmals tpr , pheus gegen die Sachanrinnen gehabt , und alles dieses , ohne scn geringsten andern Grund , als ihre wunderliche Einbildung , welche bereits von dem Ruft eingenommen gewesen , der ihnen den langen Umgang gemeldet , den " ick mir C . weiland D . B . und weiland Allein ermuntert euch , ihr eiferfüchtgen Herzen ;
Ihr Sklaven beßrer Lust , von angenehmem Scherzen ,
Ich ehre überall die Gaben der Natur .
Man braucht in diesem Stück , bey mir nicht die Tortur : Die Schönste unter euch , die mag es nur versuchen ;
Ich wollte den Betrug bis in mein Grab verfluchen , Wofernesich ihr Zorn , nicht bey dem Probchen stillt .
Bin ich gleich nicht so schön , als wie ein Engelöbild ,
Und etwas stumpf und matt von überhäuften Jahren :
So sollt ihr , was ich kann , denn»ch von mir erfahren .
Ich bin kein Fremdling nicht im männlichen Geschlecht ,
Ich bin ein guter Christ und Jüngling nach dem Recht , Ich liebe noch was mehr , als euer bloß Gespräche .
Warum denn , schöne« Volk , das Ros'undLilgen hegt ,
Wenn dir die Billigkeit die Regel auferlegt ,
Den Nächsten , der dich ehrt , hinwiederum zu lieben ,
Was willst du denn dei , Haß ohn sein Verschulden üben ? Und warum haßt du mich , der ich dir nichts gethan ?
Ha , ha , ich seh es wohl : soll meine Ehre ruhn ;
So muß man dir gewiß , man muß dir etwas thun .
Ebendaselbst , 122 Seite .
Uebrigens hat er den la Chapelle beschuldiget , daß er ihm diesen Gedan , ken abgestohlen . Ebendas 268 S . Man sehe nachfolgendes . und kehre sich nicht an die Betrachtungen einiger verleumderischen Geinüther . Hier ist eine Stelle aus der Reisebeschreibung des la Chapelle :
On aiiroit dit a voir ainfi Ces Bachantes echevelecs ,
Qii'au moins ce Mr . D'Afloiici Les auroit toutes violees .
Und gleichwohl hatte ihnen DÄssouci niemals etwas gethan .
Sie sagen , daß , da die Unkeuschheit der festeste Pfeiler von dem Reiche derBuhlerey ist , es vergeblich sey , in einem unglücklichen Zustan - de zu ftagen , aber was habe ich gethan i was für eines Verbre , chens kann man mich beschuldigend ich weis mich keiner ein , ) igen Gewalrrhar schuldig . Ich habe mich ruhig gehalten ; ich habe nichts gerban . Ein schl . mmer Weg , sich zu rechtfertigen ; denn Am durch den Ruhestand und durch die Unthärigkeit wird man hauvt . sachlich bey denen Personen strafbar , die dieses Reich beherrschen . Man sieht darinnen die Faullenzer , als sehr böse Unterthanen an : der Müs - siggang ist das größte Lehnsverbrechen , das man begehen kann ; dieß ist das Verbrechen der beleidigten Majestät im höchsten Grade : die Sün - den der Vollbringung sind in diesem Lande unendlich leichter , als die Sunden der Unterlassung . Diese sind niemals versöhnliche , es sind lau - ter Todsünden . In einem politischen Staate wird man viel eher rannen , als die Faullenzer , absetzen : allein in dieser andern Welt , da - von wir reden , ist die gerechteste Ursache , zur Absetzung , zur Verbau - nung u . s . w . diejenige , welche die Franzosen wider die Konige von dem ersten Geschlechte anführten ; und man würde lieber verschiedene Gewaltthaten begangen haben , als das Beywort verdienet haben wol - len , das man einem gewissen Prinzen gab . Ludouicus nihil fecit . Dieß ist der letzte König in Frankreich von der andern Linie gewesen Dieß sind die Verleumdungen , die man nicht hören muß Man ziehe vielmehr die Betrachtungen in Erwägung , dir man über eine An - lnerkung machen kann , welche ich unten in der Note ( C ) , bey dem kel , - Heinrich der III , machen werde .
( E ) Er bat sehr unverständig geglaubet , daß es genug wäre , sich an Ihre königliche - Hoheiten zu halten . ] Dasjenige , was er Hieruber saget , ist sehr gut , und hält nicht so wohl , in Ansehung derRe - densarten , als der Gedanken , einer von den gründlichsten Stellen un« sers neuen Theophrastus , des de la Bruyere , wohl die Wage . XOie ich keinen andern Endzweck harre , saget D'Aflöuci Avantures d'Italie , p . 332 u . f . als Ihro königlichen - Hoheiten zu gefallen , weil mich , nach meinem wenigen Ehrgeize , bedünkte , daß dieses zu dem kleinen Guten , dem ich nachjagte , genug wäre , wenn ich ihre - Hochachtung verdiente , anstatt , daß ich meine Aufwartung bey denen , die mir helfen konnten , oder vielmehr bey denen , die mir schaden konnten , hatte machen sollen : ich habe nicht allein die Frau Marquisinn von Lans , noch die Frau Servian , meine nehmste Bcschüyerinn , nicht gesehen : sondern ich habe auchal - - le diejenigen , die in Gnade gestanden , und die Lieblinge selb» * verabsäumet : gewißlich eine große Narrheit , und welche die Züchtigung wohl verdienet hat , die ich dafür erkalten , und wel - che alle diejenigen erhalten werden , die , wie ich , so übermüthig sind , daß sie den - Heiligen zu Trotte in den - Himmel hinaufsteigen , und ins Paradies eingehen wolle'n : eine große Thorheir , wenn man sein Glück seinein Verdienste bey ton Prinzen anvertrauen will ; und um so viel großer , da die meisten Prinzen , welche frey zu seyn glauben , ( weil sie andern befehlen , ) da sie nur sehr wenig , und noch darzu mir fremden Augen feben , und fast mals nichts anders befehlen , als was ihnen andere zu gebierhei» befohlen haben , sehr oft die Sklaven ihrer Sklaven , lind folg - lich die größten Sklaven von allen Sterblichen sind : ich habe an diesem - Hofe sehr wohl erfahren , daß ich , anstarr , daß ich len Gnadenkindern die Stiefeln putzen , meinem Poeten die - Han , de und Füße küssen , seinen Geist und seine Verse bewundern , und sie mit goldenen Ärichstabcn drucken lassen sollen , ich armer kleiner Rnirps , wider einen großen Gnadenricsen gestritten habe : denn so viel Siege ich über ihn erhielt , so viel Sieges , zeiche»» richtete ich seinem Ruhme auf , und so viel Abgründe arub ich meinem Glucke ; lch armer Thor , noch thorichrer , als Johann des Vignes , der ich , anstarr daß ich Verse , u mache , , hatte aufhören , oder es machen sollen , wie mein Pfarrer , Oer niemanden ärgerte , meine Feder mir einem Poeten messen woll , rc , der einen Degen trug , der so edel , als der Ronig , und so tapfer , als ein Casar war , « , Die Prinzen , welche , wie ich bereit» gesaget habe , öfters nur durch andere sehen , und die Personen »ichr weiter achten , als in so weit sie von denen gelieber werden , die sie lieben . Xvenn ich mich also nicht ganz und gar verlassen sah , so ward ich doch in so weit verlassen als ich andere ver - * l lassen

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